Menschen und Orang-Utans haben eine Überschneidung von sagenhaften 97 Prozent DNA. Damit gehören die „Gärtner des Waldes“ zu den Menschenaffenarten, die uns am nächsten stehen. Sowohl ihr Verhalten als auch ihre Intelligenz weisen bemerkenswert menschenähnliche Eigenschaften auf.
Wie ähnlich Orang-Utans und Menschen sich tatsächlich sind, möchten wir Euch anlässlich des Welt-Orang-Utan-Tages am 19. August zeigen: mit diesen zehn erstaunlichen Fakten!
1. Orang-Utans besitzen Kultur
Wissenschaftler:innen haben Verhaltensweisen bei Orang-Utans dokumentiert, die von Generation zu Generation weitergegeben werden – insbesondere von der Mutter zu ihren Kindern. Zu den Kulturtechniken der Orang-Utans gehören unter anderem die Art des Nestbaus, der Gebrauch von Werkzeugen und die Verwendung von Blättern als Regenschirm. Diese kulturellen Merkmale variieren je nach Orang-Utan-Population und Region, in der sie leben – so wie es auch beim Menschen eine regional unterschiedliche kulturelle Vielfalt gibt.

2. Hohe Intelligenz
Studien haben gezeigt, dass Orang-Utans im Intelligenzspektrum der Primaten weit oben stehen – auf Augenhöhe mit Schimpansen und sogar höher als Gorillas. Sie können Ursache und Wirkung verstehen, Pläne schmieden und sogar grundlegende Logik anwenden.
3. Orang-Utans benutzen und erfinden Werkzeuge
Eines der überzeugendsten Anzeichen für die Kultur und Intelligenz der Orang-Utans ist ihre Fähigkeit, Werkzeuge zur Lösung von Problemen einzusetzen. In freier Wildbahn wurde beobachtet, wie Orang-Utans Stöcke verwenden, um Honig zu gewinnen, stachelige Früchte zu öffnen oder Insekten aus der Baumrinde zu holen. Diese Fähigkeit zur Problemlösung spiegelt den Einfallsreichtum der frühen Menschen wider.

4. Lernen durch Beobachten und Nachahmen
Orang-Utans lernen visuell, das heißt sie beobachten und ahmen nach. Besonders wichtig ist auch hier die Mutter, aber auch andere Orang-Utans, die als „Experten“ für eine bestimmte Fertigkeit wahrgenommen werden.
5. Orang-Utans leben semi-solitär
Anders als etwa Gorillas, die in Gruppen leben, bewegen sich Orang-Utans den Großteil ihres Lebens als Einzelgänger durch den Regenwald. Trotzdem sind sie fähig, komplexe soziale Beziehungen einzugehen. Insbesondere gilt das für die Mutter-Kind-Beziehung, aber auch zur Paarung oder wenn die Bäume reife Früchte tragen, kommen Orang-Utans zusammen.

6. Fähigkeit zu Empathie und Trost
Wissenschaftler:innen konnten beobachten, dass Orang-Utans Empathie fühlen und zeigen können. Wenn sich beispielsweise ein anderer Orang-Utan verletzt oder einsam ist, schenken sie ihm mit einer Umarmung oder durch anderen Körperkontakt Trost. Dieses Verhalten beweist ihre hohe emotionale Sensibilität.
7. Eine lange Kindheit – wie bei uns Menschen
Orang-Utan-Kinder bleiben mit ihren Müttern sechs bis acht Jahre lang unzertrennlich zusammen. Während dieser Zeit lernen sie alles, was sie für ihr (Über-)Leben im Regenwald brauchen – von der Futtersuche über den Schlafnestbau bis hin zu Gefahren wie etwa giftige Schlangen. Unter Säugetieren ist dies die längste Zeit, die Mutter und Kind zusammenbleiben – nur noch von uns Menschen übertroffen.

8. Orang-Utans haben Persönlichkeit
Genau wie wir Menschen, haben auch Orang-Utans ganz individuelle Persönlichkeiten Manche sind schüchtern, andere abenteuerlustig, manche bleiben lieber für sich, andere begeben sich häufiger in Gesellschaft. Diese erkennbare Individualität reflektiert die emotionale Komplexität, zu der Orang-Utans fähig sind. Forscher:innen untersuchen diese Persönlichkeitsmerkmale, um herauszufinden inwieweit sie Einfluss auf das Überleben im Regenwald haben.
9. Kommunikation durch Sprache und Gesten
Orang-Utans steht ein breites Spektrum an Lauten zur Verfügung, um sich stimmlich miteinander zu verständigen – sogar über weite Distanzen. Ein kleines „Wörterbuch“ der Orang-Utan-Sprache haben wir hier zusammengestellt. Außerdem verständigen sie sich über Mimik, Gesten und Körpersprache miteinander, um ihre Absichten zu verdeutlichen. So entsteht ein komplexes und effektives Kommunikationssystem.

10. Höchst anpassungsfähiger Speiseplan
Das Nahrungsangebot im Regenwald ist äußerst vielseitig und die Verfügbarkeit ändert sich fortlaufend. Orang-Utans sind in der Lage, über 300 verschiedene Futterquellen zu erkennen und essen, darunter Früchte, Blätter, Baumrinde und Insekten. Das macht sie nicht nur höchst anpassungsfähig, es hat ihnen auch den Spitznamen „Gärtner des Waldes“ eingebracht. Denn durch ihr Umherstreifen im Regenwald verteilen sie auch Samen und tragen dazu bei, die Biodiversität zu erhalten.
Am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag
Jedes Jahr im August macht der Welt-Orang-Utan-Tag aufmerksam auf diese wunderbaren Lebewesen, die uns Menschen auf so faszinierende, erstaunliche Weise ähnlich sind. Und die durch menschliches Verhalten massiv vom Aussterben bedroht sind.
Wir von BOS kämpfen jeden Tag für die Rettung der letzten Orang-Utans auf Borneo sowie für den Schutz ihres Lebensraumes. Doch dabei geht es nicht nur um das Überleben dieser charismatischen Spezies. Es geht darum, einen nahen Verwandten zu schützen – einen Artgenossen, dessen Schicksal eng mit der Gesundheit unseres Planeten verbunden ist.
Sie können uns dabei unterstützen: Werden Sie zum Orang-Utan-Kämpfer! Jede Spende zählt.
