Im Süden Borneos, im Sebangau-Nationalpark, haben wir ein neues Waldschutzprojekt initiiert. Der Torfmoorregenwald dort ist ein Biodiversitäts-Hotspot und Lebensraum für über 6.000 wilde Orang-Utans. Doch er wurde vor einigen Jahrzehnten stark geschädigt.
Wir können es nicht oft genug betonen: Um den Orang-Utan vor dem Aussterben zu bewahren, müssen wir vor allem seinen Lebensraum schützen. Wir könnten noch so viele Tiere aus Notsituationen befreien und in die BOS-Rettungszentren bringen. Wenn es keinen Wald mehr gibt, in dem Orang-Utans wild und frei leben können, ist alles verloren.
Deswegen ist es essenziell, nicht nur die Orang-Utans, sondern auch ihre Heimat, den Regenwald Borneos, zu retten und zu schützen. Hierbei arbeiten wir eng mit der indonesischen Regierung zusammen. Denn nur so sind die Schutzgebiete auch langfristig abgesichert und können die Orang-Utans, die wir dorthin auswildern, neue Populationen bilden.
Nachhaltiger Orang-Utan-Schutz durch Lebensraumschutz
Nun haben wir im Sebangau-Nationalpark in Zentral-Kalimantan ein neues Waldprojekt begonnen. Das Torfmoorgebiet von Sebangau ist ein Hotspot der Biodiversität. Über 6.000 wilde Orang-Utans leben hier noch, neben 182 seltenen Vogelarten, 54 Schlangenspezies und 46 weiteren Säugetierarten. Ganze 37 dieser Säugetierarten finden sich auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wieder.

2004 wurde Sebangau in den Status eines Naturschutzgebiets erhoben. Doch zuvor war es durch Menschenhand massiv geschädigt worden. Große Flächen wurden abgeholzt, Kanäle gegraben, um das Tropenholz zu verschiffen, zugleich wurde das wertvolle Torfmoor-Biotop entwässert. Dass die natürliche Feuerschutzbarriere des Moores fehlt, wird vor allem während der Trockenzeit zur Gefahr. Denn der Boden ist leicht entflammbar, die Brände schwer zu löschen.
Im Rahmen unseres neuen Waldprojektes haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese Schäden rückgängig zu machen und Sebangau zu helfen, sich wieder zu regenerieren.
Drei Zielstrategien zum Schutz des Sebangau-Nationalparks
Oberstes Bestreben ist es, die Funktion des Torfmoores wiederherzustellen. Und somit Flora und Fauna, allen voran den Orang-Utans, einen sicheren und geschützten Lebensraum zu bieten. Das erreichen wir, in dem wir zunächst die künstlich errichteten Kanäle mit Staudämmen blockieren, so dass das Wasser nicht mehr aus dem Moor abgeleitet wird. In einem ersten Projektschritt sind 100 Staudämme geplant. Gleichzeitig forsten wir gerodete Waldflächen wieder auf.


Außerdem richten wir Schutzpatrouillen ein, die gegen illegalen Holzschlag vorgehen. Für die Trockenzeit bilden und trainieren wir außerdem Brandschutzteams, die in zuvor eruierten Risikogebieten patrouillieren.
In unserem langjährigen Torfmoorprojekt in Mawas – das östlich des Nationalparks Sebangau liegt – wenden wir diese Methode bereits erfolgreich an und können nun in Sebangau von den Erfahrungen profitieren.
Wissen sammeln, um Regenwald und Orang-Utans besser zu schützen
Unser zweites Ziel ist es, die Zukunft der Orang-Utans im Nationalpark Sebangau zu sichern. Dazu weiten wir die wissenschaftliche Forschungsarbeit in diesem wichtigen Lebensraum aus. Wir aktualisieren die bisher gesammelten Daten zu den dort lebenden Orang-Utans und ihrer Lebensweise, erforschen die Jahreszeitenentwicklung des Torfmoorgebiets und entwickeln ein System für zukünftige Monitoringarbeiten.
Diese Maßnahmen helfen nicht nur, die Arbeit von BOS für Wald- und Orang-Utan-Schutzprojekte weiter zu verbessern, sie liefern auch dem Management des Naturschutzgebiets wichtige Erkenntnisse. So kann der Sebangau-Nationalpark langfristig noch besser im Sinne der Orang-Utans gepflegt und geschützt werden.
BOS-Teams sind in zwei Camps im Nationalpark vor Ort
Um die Wirksamkeit all dieser Maßnahmen zu sichern, ist es unser drittes Ziel, die Voraussetzungen für unsere Arbeit vor Ort zu verbessern. Dafür sollen an zwei strategisch wichtigen Orten im Nationalpark Forschungscamps errichtet bzw. ausgebaut werden. Wir sanieren zum einen das bereits bestehende wissenschaftliche Lager in Mangkok. Außerdem wird weiter nördlich ein neues Forschungscamp in Bangah errichtet. Die beiden Camps ermöglichen es unseren Teams, vor Ort zu sein und unsere strategischen Ziele passgenau umzusetzen, sowie flexibel und zeitnah auf Entwicklungen zu reagieren.

In seltenen Fällen haben wir bereits Orang-Utans nach Sebangau ausgewildert. Dabei handelte es sich jedoch nicht um rehabilitierte Tiere, sondern um sogenannte Translokationen: Wir siedeln wilde Orang-Utans um, die in Mensch-Tier-Konflikte geraten sind – etwa, weil sie wiederholt auf Plantagen oder in Dörfern aufgetaucht sind, um nach Futter zu suchen. Im Nationalpark Sebangau erhalten diese Tiere einen Lebensraum, in dem sie alles haben, was sie brauchen: Sicherheit, Abgeschiedenheit und ausreichend Nahrung.
Das Waldschutzprojekt Sebangau ist eine wichtige Chance für BOS, weiteren Lebensraum zu sichern. Jeder Baum, jeder Quadratmeter Regenwald, den wir retten und nachhaltig schützen können, ist ein weiterer Hoffnungsschimmer für das Überleben der vom Aussterben bedrohten Art.
Sie können uns mit Ihrer Spende bei dieser Arbeit unterstützen.
