24. November 2025
Eingangsschild Nationalpark Sebangau

BOS arbeitet jetzt auch im Sebangau Nationalpark

Im Süden Borneos, im Sebangau-Natio­nal­park, haben wir ein neues Wald­schutz­pro­jekt initi­iert. Der Torf­moor­re­gen­wald dort ist ein Biodi­ver­si­täts-Hotspot und Lebens­raum für über 6.000 wilde Orang-Utans. Doch er wurde vor einigen Jahr­zehnten stark geschädigt.

Wir können es nicht oft genug betonen: Um den Orang-Utan vor dem Aussterben zu bewahren, müssen wir vor allem seinen Lebens­raum schützen. Wir könnten noch so viele Tiere aus Notsi­tua­tionen befreien und in die BOS-Rettungs­zen­tren bringen. Wenn es keinen Wald mehr gibt, in dem Orang-Utans wild und frei leben können, ist alles verloren.

Deswegen ist es essen­ziell, nicht nur die Orang-Utans, sondern auch ihre Heimat, den Regen­wald Borneos, zu retten und zu schützen. Hierbei arbeiten wir eng mit der indo­ne­si­schen Regie­rung zusammen. Denn nur so sind die Schutz­ge­biete auch lang­fristig abge­si­chert und können die Orang-Utans, die wir dorthin auswil­dern, neue Popu­la­tionen bilden.

Nach­hal­tiger Orang-Utan-Schutz durch Lebensraumschutz

Nun haben wir im Sebangau-Natio­nal­park in Zentral-Kali­mantan ein neues Wald­pro­jekt begonnen. Das Torf­moor­ge­biet von Sebangau ist ein Hotspot der Biodi­ver­sität. Über 6.000 wilde Orang-Utans leben hier noch, neben 182 seltenen Vogel­arten, 54 Schlan­gen­spe­zies und 46 weiteren Säuge­tier­arten. Ganze 37 dieser Säuge­tier­arten finden sich auf der Roten Liste der Welt­na­tur­schutz­union IUCN wieder.

Vogel im Nationalpark Sebangau
182 seltene Vogel­arten leben im Sebangau-Nationalpark

2004 wurde Sebangau in den Status eines Natur­schutz­ge­biets erhoben. Doch zuvor war es durch Menschen­hand massiv geschä­digt worden. Große Flächen wurden abge­holzt, Kanäle gegraben, um das Tropen­holz zu verschiffen, zugleich wurde das wert­volle Torf­moor-Biotop entwäs­sert. Dass die natür­liche Feuer­schutz­bar­riere des Moores fehlt, wird vor allem während der Trocken­zeit zur Gefahr. Denn der Boden ist leicht entflammbar, die Brände schwer zu löschen.
Im Rahmen unseres neuen Wald­pro­jektes haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese Schäden rück­gängig zu machen und Sebangau zu helfen, sich wieder zu regenerieren.

Drei Ziel­stra­te­gien zum Schutz des Sebangau-Nationalparks

Oberstes Bestreben ist es, die Funk­tion des Torf­moores wieder­her­zu­stellen. Und somit Flora und Fauna, allen voran den Orang-Utans, einen sicheren und geschützten Lebens­raum zu bieten. Das errei­chen wir, in dem wir zunächst die künst­lich errich­teten Kanäle mit Stau­dämmen blockieren, so dass das Wasser nicht mehr aus dem Moor abge­leitet wird. In einem ersten Projekt­schritt sind 100 Stau­dämme geplant. Gleich­zeitig forsten wir gero­dete Wald­flä­chen wieder auf.

Außerdem richten wir Schutz­pa­trouillen ein, die gegen ille­galen Holz­schlag vorgehen. Für die Trocken­zeit bilden und trai­nieren wir außerdem Brand­schutz­teams, die in zuvor eruierten Risi­ko­ge­bieten patrouillieren.

In unserem lang­jäh­rigen Torf­moor­pro­jekt in Mawas – das östlich des Natio­nal­parks Sebangau liegt – wenden wir diese Methode bereits erfolg­reich an und können nun in Sebangau von den Erfah­rungen profitieren.

Wissen sammeln, um Regen­wald und Orang-Utans besser zu schützen

Unser zweites Ziel ist es, die Zukunft der Orang-Utans im Natio­nal­park Sebangau zu sichern. Dazu weiten wir die wissen­schaft­liche Forschungs­ar­beit in diesem wich­tigen Lebens­raum aus. Wir aktua­li­sieren die bisher gesam­melten Daten zu den dort lebenden Orang-Utans und ihrer Lebens­weise, erfor­schen die Jahres­zei­ten­ent­wick­lung des Torf­moor­ge­biets und entwi­ckeln ein System für zukünf­tige Monitoringarbeiten.

Diese Maßnahmen helfen nicht nur, die Arbeit von BOS für Wald- und Orang-Utan-Schutz­pro­jekte weiter zu verbes­sern, sie liefern auch dem Manage­ment des Natur­schutz­ge­biets wich­tige Erkennt­nisse. So kann der Sebangau-Natio­nal­park lang­fristig noch besser im Sinne der Orang-Utans gepflegt und geschützt werden.

BOS-Teams sind in zwei Camps im Natio­nal­park vor Ort

Um die Wirk­sam­keit all dieser Maßnahmen zu sichern, ist es unser drittes Ziel, die Voraus­set­zungen für unsere Arbeit vor Ort zu verbes­sern. Dafür sollen an zwei stra­te­gisch wich­tigen Orten im Natio­nal­park Forschungs­camps errichtet bzw. ausge­baut werden. Wir sanieren zum einen das bereits bestehende wissen­schaft­liche Lager in Mangkok. Außerdem wird weiter nörd­lich ein neues Forschungs­camp in Bangah errichtet. Die beiden Camps ermög­li­chen es unseren Teams, vor Ort zu sein und unsere stra­te­gi­schen Ziele pass­genau umzu­setzen, sowie flexibel und zeitnah auf Entwick­lungen zu reagieren.

Wilder Orang-Utan
Für rund 6.000 wilde Orang-Utans bietet der Natio­nal­park Sebangau wert­vollen Lebensraum

In seltenen Fällen haben wir bereits Orang-Utans nach Sebangau ausge­wil­dert. Dabei handelte es sich jedoch nicht um reha­bi­li­tierte Tiere, sondern um soge­nannte Trans­lo­ka­tionen: Wir siedeln wilde Orang-Utans um, die in Mensch-Tier-Konflikte geraten sind – etwa, weil sie wieder­holt auf Plan­tagen oder in Dörfern aufge­taucht sind, um nach Futter zu suchen. Im Natio­nal­park Sebangau erhalten diese Tiere einen Lebens­raum, in dem sie alles haben, was sie brau­chen: Sicher­heit, Abge­schie­den­heit und ausrei­chend Nahrung.

Das Wald­schutz­pro­jekt Sebangau ist eine wich­tige Chance für BOS, weiteren Lebens­raum zu sichern. Jeder Baum, jeder Quadrat­meter Regen­wald, den wir retten und nach­haltig schützen können, ist ein weiterer Hoff­nungs­schimmer für das Über­leben der vom Aussterben bedrohten Art.
Sie können uns mit Ihrer Spende bei dieser Arbeit unter­stützen.