Der erwartete Super-El Niño stellt Borneo vor besondere Herausforderungen. Für BOS bedeutet das: auf die erwarteten Feuer vorbereitet sein. Denn die Erfahrungen aus der verheerenden Brandsaison 2015/16 haben gezeigt, wie schnell Waldbrände zu einer Gefahr für Orang-Utans, ihre Lebensräume und die gesamte Naturschutzarbeit werden können.
Die Gefahr beginnt nicht mit den ersten Flammen. Schon eine langanhaltende Trockenperiode kann die Wälder und vor allem die Torfböden auf Borneo stark austrocknen. Damit steigt das Risiko, dass sich Feuer schnell ausbreiten und nur schwer unter Kontrolle bringen lassen. Vorbeugung und eine gute Vorbereitung sind daher der wichtigste Schutz.
Warum El Niño für Borneo so gefährlich werden kann und welche Auswirkungen Trockenheit, Feuer und Rauch auf die Orang-Utans haben, haben wir hier bereits ausführlich erklärt.
2015/16: Eine Brandsaison, die alles verändert hat
Wie wichtig eine gute Vorbereitung ist, weiß BOS aus eigener Erfahrung. Die Brandsaison 2015/16 gehört zu den schwersten Feuerkatastrophen, die Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.
Im Gebiet des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari in Ost-Kalimantan zerstörten die Feuer damals rund 266 Hektar wiederaufgeforstete Fläche. Im Mawas-Schutzgebiet in Zentral-Kalimantan wurden etwa 15.442 Hektar Orang-Utan-Lebensraum durch die Brände geschädigt. Landesweit waren mehr als zwei Millionen Hektar Wald und Torflandschaften betroffen.
Doch die Folgen waren nicht auf verbrannten Regenwald beschränkt. In Zentral-Kalimantan war die Luftqualität über zwei Monate lang so schlecht, dass die Waldschule im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng vorübergehend geschlossen werden musste. Die Brände kamen gefährlich nah an das Rettungszentrum heran und konnten erst durch den gemeinsamen Einsatz von Feuerwehr- und BOS-Teams unter Kontrolle gebracht werden.


Insgesamt hatte die Katastrophe dramatische Auswirkungen auf die Orang-Utan-Populationen. Zahlreiche Tiere mussten aus verbrannten oder stark geschädigten Lebensräumen gerettet werden. Allein aus dem Gebiet Mangkutub kamen 76 Orang-Utans – eine der größten Rettungsaktionen in der Geschichte der BOS Foundation. Im Jahr 2016 nahm BOS insgesamt 98 neue Orang-Utans auf, die gerettet, medizinisch versorgt, rehabilitiert und langfristig betreut werden mussten.
Jede Rettung ist eine enorme Herausforderung
Wenn Orang-Utans durch Brände ihren Lebensraum verlieren, scheint eine Umsiedlung zunächst eine naheliegende Lösung zu sein. Doch so einfach ist es nicht.
Ein Orang-Utan kann nicht einfach in einem anderen Wald ausgesetzt werden. Vor jeder Umsiedlung muss unter anderem geprüft werden, ob der neue Lebensraum genügend Nahrung bietet, wie viele Orang-Utans dort bereits leben und ob es zu Konkurrenz um Ressourcen kommen könnte. Auch die Anpassungsfähigkeit und die langfristigen Überlebenschancen der Tiere müssen berücksichtigt werden.
Eine Rettung ist deshalb immer nur der erste Schritt. Im Idealfall sorgt der Schutz des Lebensraums dafür, dass Orang-Utans gar nicht erst vor Feuer fliehen oder gerettet werden müssen.
Die Erfahrungen von 2015/16 haben die Arbeit von BOS deshalb nachhaltig verändert. Heute geht es nicht mehr nur darum, im Notfall möglichst schnell zu reagieren. Es geht darum, Brände möglichst früh zu erkennen, ihre Entstehung zu verhindern und die Voraussetzungen zu schaffen, um sie schnell bekämpfen zu können.

Vorbereitung beginnt lange vor den ersten Bränden
Mit Blick auf die weitere El-Niño-Entwicklung 2026 hat BOS deshalb seine Maßnahmen zur Brandprävention und ‑bekämpfung verstärkt. Dabei setzen wir auf mehrere miteinander verbundene Säulen: Überwachung, Infrastruktur, gut ausgebildete Einsatzteams und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.
Feuer erkennen, bevor es sich ausbreitet
Je früher ein Brand entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Deshalb überwacht BOS seine Schutz- und Auswilderungsgebiete auf unterschiedliche Weise. Dazu gehören regelmäßige Patrouillen am Boden, die Beobachtung von Feuerwachtürmen sowie der Einsatz von Drohnen in besonders gefährdeten Gebieten.

Hinzu kommt die tägliche Auswertung von Satellitendaten. Dafür nutzt BOS unter anderem die Systeme NASA FIRMS, SIPONGI und das Global Wildfire Information System (GWIS). Sie liefern Informationen über sogenannte Hotspots – also Stellen, an denen Satelliten erhöhte Temperaturen registrieren.
Die verschiedenen Informationsquellen werden miteinander kombiniert. So können mögliche Brandherde möglichst früh erkannt und Einsatzteams gezielt dorthin geschickt werden. Aus der Satellitenaufnahme wird im besten Fall innerhalb kürzester Zeit ein konkreter Einsatz vor Ort.
Wasser muss im Ernstfall schnell verfügbar sein
Genauso wichtig wie die Früherkennung ist die Frage: Wie kommt das Löschwasser dorthin, wo es gebraucht wird? Deshalb überprüft BOS regelmäßig Brunnen, Wasserreservoirs, Kanäle und Pumpen. Auch die Wege zu den Wasserstellen werden kontrolliert und dort verbessert, wo sie für Einsatzfahrzeuge oder schwere Feuerwehrausrüstung schwer zugänglich sind.

Denn bei einem Brand zählt jede Minute. Wenn Pumpen, Schläuche und andere Ausrüstung erst über lange oder schlecht befahrbare Wege transportiert werden müssen, kann sich ein zunächst kleiner Brand schnell zu einer größeren Gefahr entwickeln.
Die Vorbereitung bedeutet deshalb auch ganz praktische Arbeit: Technik überprüfen, Wasserstellen sichern, Wege zugänglich halten und sicherstellen, dass die Ausrüstung im entscheidenden Moment funktioniert.
Die Menschen vor Ort sind ein entscheidender Teil des Brandschutzes
Waldbrandschutz funktioniert nicht allein aus der Luft oder vom Computer aus. Gerade in den weitläufigen Landschaften Borneos spielen die Menschen in den umliegenden Gemeinden eine zentrale Rolle.
BOS unterstützt deshalb lokale Feuerwehreinheiten bei Schulungen und Auffrischungstrainings und stellt Partnergemeinden Feuerwehrausrüstung zur Verfügung. Gemeinsam mit lokalen Behörden, den Katastrophenschutzbehörden und weiteren Partnern werden Maßnahmen zur Brandprävention und zur Vorbereitung auf mögliche Notfälle abgestimmt.

Denn die Menschen, die in und rund um die Schutzgebiete leben, kennen die Landschaft und ihre Besonderheiten besonders gut. Sie können Brände früh entdecken, schnell reagieren und damit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass aus einem kleinen Feuer keine Katastrophe wird.
Neue regionale Einsatzteams für die Brandsaison 2026
Für die kommende Brandsaison geht BOS noch einen Schritt weiter: An den verschiedenen Standorten in Ost- und Zentral-Kalimantan werden regionale Wildfire Preparedness Task Forces aufgebaut. Diese Teams sollen die Maßnahmen vor Ort besser miteinander vernetzen. Dazu gehören die Überwachung von Brandherden, eine schnellere Weitergabe wichtiger Informationen, klarere Abläufe bei der Eskalation eines Notfalls, eine bessere Koordination verschiedener Einsatzkräfte und schnellere Entscheidungen auf Grundlage aktueller Daten.
Gerade bei großflächigen Bränden ist Koordination entscheidend. Feuerwehrteams, BOS-Mitarbeiter, lokale Gemeinden und Behörden müssen möglichst schnell dieselben Informationen erhalten und wissen, wer welche Aufgabe übernimmt.
Auch neue Technologien sollen helfen
BOS arbeitet außerdem gemeinsam mit verschiedenen Partnern daran, neue Systeme zur automatischen Branderkennung einzusetzen. Solche Technologien könnten künftig dabei helfen, Feuer noch schneller zu erkennen und Einsatzkräfte gezielt zu alarmieren.
Damit ergänzt die BOS Foundation ihre bisherigen Maßnahmen um eine weitere wichtige Ebene: Neben Satellitendaten, Patrouillen, Feuerwachtürmen und Drohnen sollen zusätzliche technische Systeme dabei helfen, potenzielle Brände so früh wie möglich aufzuspüren.
Wenn der Wald brennt, verlieren Orang-Utans mehr als nur Bäume
Die unmittelbare Gefahr eines Feuers liegt auf der Hand: Flammen zerstören Bäume und andere Pflanzen, verbrennen Nahrungsquellen und können Orang-Utans direkt gefährden. Doch die Folgen reichen viel weiter. Nach einer langen Trockenperiode kann sich die Qualität eines Lebensraums erheblich verschlechtern. Nahrung wird knapp, Wälder werden fragmentiert und Orang-Utans können gezwungen sein, auf der Suche nach Nahrung und Sicherheit in die Nähe menschlicher Siedlungen zu kommen.
Damit steigt auch das Risiko von Mensch-Orang-Utan-Konflikten.
Gleichzeitig bedeutet ein Verlust von Lebensraum häufig mehr Arbeit für die Rettungszentren: Je mehr Orang-Utans gerettet werden müssen, desto mehr Tiere benötigen medizinische Versorgung, Nahrung, Betreuung und jahrelange Rehabilitation.
Und genau hier zeigt sich, warum Waldbrandschutz ein so wichtiger Teil des Orang-Utan-Schutzes ist. Jeder verhinderte Brand schützt nicht nur Wald. Er kann auch verhindern, dass ein Orang-Utan seine Heimat verliert.
Aus den Erfahrungen von 2015 für die Zukunft lernen
Die Feuer von 2015/16 haben BOS eine wichtige Lektion gelehrt: Wenn ein Großbrand erst einmal außer Kontrolle geraten ist, ist es zu spät, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Auch die Wiederherstellung zerstörter Lebensräume braucht sehr viel länger als ihre Zerstörung. In den von den Bränden betroffenen Gebieten von Samboja Lestari und Mawas begann BOS deshalb gemeinsam mit zahlreichen Partnern langfristige Wiederaufforstungs- und Renaturierungsmaßnahmen. Diese Arbeit dauert bis heute an.
Umso wichtiger ist es, die Wälder zu schützen, die noch intakt sind – und gleichzeitig die Landschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen von Trockenheit und Feuer zu machen.
Gemeinsam gegen die nächste Brandsaison
Wie stark sich das El-Niño-Phänomen 2026 entwickeln wird, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Was sich aber vorbereiten lässt, sind die Maßnahmen für den Fall, dass die Trockenheit und damit die Brandgefahr tatsächlich deutlich zunimmt.
BOS setzt dabei auf mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung im Orang-Utan-Schutz – und auf die Lehren aus einer der schlimmsten Brandsaisons ihrer Geschichte. Denn einen Waldbrand zu bekämpfen, wenn er bereits außer Kontrolle geraten ist, ist ungleich schwieriger, als seine Ausbreitung von Anfang an zu verhindern.
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere Arbeit in der Feuerprävention und ‑bekämpfung.
