17. August 2026
Männer beim Löschtraining

Brand­saison 2026: Wie sich BOS auf die Wald­brände vorbereitet

Der erwar­tete Super-El Niño stellt Borneo vor beson­dere Heraus­for­de­rungen. Für BOS bedeutet das: auf die erwar­teten Feuer vorbe­reitet sein. Denn die Erfah­rungen aus der verhee­renden Brand­saison 2015/16 haben gezeigt, wie schnell Wald­brände zu einer Gefahr für Orang-Utans, ihre Lebens­räume und die gesamte Natur­schutz­ar­beit werden können.

Die Gefahr beginnt nicht mit den ersten Flammen. Schon eine lang­an­hal­tende Trocken­pe­riode kann die Wälder und vor allem die Torf­böden auf Borneo stark austrocknen. Damit steigt das Risiko, dass sich Feuer schnell ausbreiten und nur schwer unter Kontrolle bringen lassen. Vorbeu­gung und eine gute Vorbe­rei­tung sind daher der wich­tigste Schutz.
Warum El Niño für Borneo so gefähr­lich werden kann und welche Auswir­kungen Trocken­heit, Feuer und Rauch auf die Orang-Utans haben, haben wir hier bereits ausführ­lich erklärt.

2015/16: Eine Brand­saison, die alles verän­dert hat

Wie wichtig eine gute Vorbe­rei­tung ist, weiß BOS aus eigener Erfah­rung. Die Brand­saison 2015/16 gehört zu den schwersten Feuer­ka­ta­stro­phen, die Indo­ne­sien in den vergan­genen Jahr­zehnten erlebt hat.
Im Gebiet des BOS-Rettungs­zen­trums Samboja Lestari in Ost-Kali­mantan zerstörten die Feuer damals rund 266 Hektar wieder­auf­ge­fors­tete Fläche. Im Mawas-Schutz­ge­biet in Zentral-Kali­mantan wurden etwa 15.442 Hektar Orang-Utan-Lebens­raum durch die Brände geschä­digt. Landes­weit waren mehr als zwei Millionen Hektar Wald und Torf­land­schaften betroffen.
Doch die Folgen waren nicht auf verbrannten Regen­wald beschränkt. In Zentral-Kali­mantan war die Luft­qua­lität über zwei Monate lang so schlecht, dass die Wald­schule im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng vorüber­ge­hend geschlossen werden musste. Die Brände kamen gefähr­lich nah an das Rettungs­zen­trum heran und konnten erst durch den gemein­samen Einsatz von Feuer­wehr- und BOS-Teams unter Kontrolle gebracht werden.

Insge­samt hatte die Kata­strophe drama­ti­sche Auswir­kungen auf die Orang-Utan-Popu­la­tionen. Zahl­reiche Tiere mussten aus verbrannten oder stark geschä­digten Lebens­räumen gerettet werden. Allein aus dem Gebiet Mang­kutub kamen 76 Orang-Utans – eine der größten Rettungs­ak­tionen in der Geschichte der BOS Foun­da­tion. Im Jahr 2016 nahm BOS insge­samt 98 neue Orang-Utans auf, die gerettet, medi­zi­nisch versorgt, reha­bi­li­tiert und lang­fristig betreut werden mussten.

Jede Rettung ist eine enorme Herausforderung

Wenn Orang-Utans durch Brände ihren Lebens­raum verlieren, scheint eine Umsied­lung zunächst eine nahe­lie­gende Lösung zu sein. Doch so einfach ist es nicht.
Ein Orang-Utan kann nicht einfach in einem anderen Wald ausge­setzt werden. Vor jeder Umsied­lung muss unter anderem geprüft werden, ob der neue Lebens­raum genü­gend Nahrung bietet, wie viele Orang-Utans dort bereits leben und ob es zu Konkur­renz um Ressourcen kommen könnte. Auch die Anpas­sungs­fä­hig­keit und die lang­fris­tigen Über­le­bens­chancen der Tiere müssen berück­sich­tigt werden.

Eine Rettung ist deshalb immer nur der erste Schritt. Im Ideal­fall sorgt der Schutz des Lebens­raums dafür, dass Orang-Utans gar nicht erst vor Feuer fliehen oder gerettet werden müssen.
Die Erfah­rungen von 2015/16 haben die Arbeit von BOS deshalb nach­haltig verän­dert. Heute geht es nicht mehr nur darum, im Notfall möglichst schnell zu reagieren. Es geht darum, Brände möglichst früh zu erkennen, ihre Entste­hung zu verhin­dern und die Voraus­set­zungen zu schaffen, um sie schnell bekämpfen zu können.

Feuerschutzturm auf Borneo
Feuer­schutz­türme gewähren einen weiten Blick über das Land. So können Brand­herde früh­zeitig loka­li­siert werden

Vorbe­rei­tung beginnt lange vor den ersten Bränden

Mit Blick auf die weitere El-Niño-Entwick­lung 2026 hat BOS deshalb seine Maßnahmen zur Brand­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung verstärkt. Dabei setzen wir auf mehrere mitein­ander verbun­dene Säulen: Über­wa­chung, Infra­struktur, gut ausge­bil­dete Einsatz­teams und die enge Zusam­men­ar­beit mit den Menschen vor Ort.

Feuer erkennen, bevor es sich ausbreitet

Je früher ein Brand entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Deshalb über­wacht BOS seine Schutz- und Auswil­de­rungs­ge­biete auf unter­schied­liche Weise. Dazu gehören regel­mä­ßige Patrouillen am Boden, die Beob­ach­tung von Feuer­wach­türmen sowie der Einsatz von Drohnen in beson­ders gefähr­deten Gebieten.

Boot mit Löschschläuchen und Pumpe auf Kanal in Borneo
Regel­mä­ßige Patrouillen – auch per Boot – gehören zu unseren Feuerschutzmaßnahmen

Hinzu kommt die tägliche Auswer­tung von Satel­li­ten­daten. Dafür nutzt BOS unter anderem die Systeme NASA FIRMS, SIPONGI und das Global Wild­fire Infor­ma­tion System (GWIS). Sie liefern Infor­ma­tionen über soge­nannte Hotspots – also Stellen, an denen Satel­liten erhöhte Tempe­ra­turen regis­trieren.
Die verschie­denen Infor­ma­ti­ons­quellen werden mitein­ander kombi­niert. So können mögliche Brand­herde möglichst früh erkannt und Einsatz­teams gezielt dorthin geschickt werden. Aus der Satel­li­ten­auf­nahme wird im besten Fall inner­halb kürzester Zeit ein konkreter Einsatz vor Ort.

Wasser muss im Ernst­fall schnell verfügbar sein

Genauso wichtig wie die Früh­erken­nung ist die Frage: Wie kommt das Lösch­wasser dorthin, wo es gebraucht wird? Deshalb über­prüft BOS regel­mäßig Brunnen, Wasser­re­ser­voirs, Kanäle und Pumpen. Auch die Wege zu den Wasser­stellen werden kontrol­liert und dort verbes­sert, wo sie für Einsatz­fahr­zeuge oder schwere Feuer­wehr­aus­rüs­tung schwer zugäng­lich sind.

Hydrant wird im Torfmoorgebiet Mawas in den Boden gebracht
In den zurück­lie­genden Jahren haben wir zahl­reiche Hydranten in unseren Projekt­ge­bieten instal­liert, um im Notfall die Versor­gung mit Lösch­wasser zu gewährleisten

Denn bei einem Brand zählt jede Minute. Wenn Pumpen, Schläuche und andere Ausrüs­tung erst über lange oder schlecht befahr­bare Wege trans­por­tiert werden müssen, kann sich ein zunächst kleiner Brand schnell zu einer größeren Gefahr entwi­ckeln.
Die Vorbe­rei­tung bedeutet deshalb auch ganz prak­ti­sche Arbeit: Technik über­prüfen, Wasser­stellen sichern, Wege zugäng­lich halten und sicher­stellen, dass die Ausrüs­tung im entschei­denden Moment funktioniert.

Die Menschen vor Ort sind ein entschei­dender Teil des Brandschutzes

Wald­brand­schutz funk­tio­niert nicht allein aus der Luft oder vom Computer aus. Gerade in den weit­läu­figen Land­schaften Borneos spielen die Menschen in den umlie­genden Gemeinden eine zentrale Rolle.
BOS unter­stützt deshalb lokale Feuer­wehr­ein­heiten bei Schu­lungen und Auffri­schungs­trai­nings und stellt Part­ner­ge­meinden Feuer­wehr­aus­rüs­tung zur Verfü­gung. Gemeinsam mit lokalen Behörden, den Kata­stro­phen­schutz­be­hörden und weiteren Part­nern werden Maßnahmen zur Brand­prä­ven­tion und zur Vorbe­rei­tung auf mögliche Notfälle abgestimmt.

Männer beim Löschtraining
Im Notfall wissen, was zu tun ist: Brand­schutz­übung der BOS Foundation

Denn die Menschen, die in und rund um die Schutz­ge­biete leben, kennen die Land­schaft und ihre Beson­der­heiten beson­ders gut. Sie können Brände früh entde­cken, schnell reagieren und damit einen entschei­denden Beitrag dazu leisten, dass aus einem kleinen Feuer keine Kata­strophe wird.

Neue regio­nale Einsatz­teams für die Brand­saison 2026

Für die kommende Brand­saison geht BOS noch einen Schritt weiter: An den verschie­denen Stand­orten in Ost- und Zentral-Kali­mantan werden regio­nale Wild­fire Prepared­ness Task Forces aufge­baut. Diese Teams sollen die Maßnahmen vor Ort besser mitein­ander vernetzen. Dazu gehören die Über­wa­chung von Brand­herden, eine schnel­lere Weiter­gabe wich­tiger Infor­ma­tionen, klarere Abläufe bei der Eska­la­tion eines Notfalls, eine bessere Koor­di­na­tion verschie­dener Einsatz­kräfte und schnel­lere Entschei­dungen auf Grund­lage aktu­eller Daten.
Gerade bei groß­flä­chigen Bränden ist Koor­di­na­tion entschei­dend. Feuer­wehr­teams, BOS-Mitar­beiter, lokale Gemeinden und Behörden müssen möglichst schnell dieselben Infor­ma­tionen erhalten und wissen, wer welche Aufgabe übernimmt.

Auch neue Tech­no­lo­gien sollen helfen

BOS arbeitet außerdem gemeinsam mit verschie­denen Part­nern daran, neue Systeme zur auto­ma­ti­schen Brand­er­ken­nung einzu­setzen. Solche Tech­no­lo­gien könnten künftig dabei helfen, Feuer noch schneller zu erkennen und Einsatz­kräfte gezielt zu alar­mieren.
Damit ergänzt die BOS Foun­da­tion ihre bishe­rigen Maßnahmen um eine weitere wich­tige Ebene: Neben Satel­li­ten­daten, Patrouillen, Feuer­wach­türmen und Drohnen sollen zusätz­liche tech­ni­sche Systeme dabei helfen, poten­zi­elle Brände so früh wie möglich aufzuspüren.

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Mehr Infor­ma­tionen

Wenn der Wald brennt, verlieren Orang-Utans mehr als nur Bäume

Die unmit­tel­bare Gefahr eines Feuers liegt auf der Hand: Flammen zerstören Bäume und andere Pflanzen, verbrennen Nahrungs­quellen und können Orang-Utans direkt gefährden. Doch die Folgen reichen viel weiter. Nach einer langen Trocken­pe­riode kann sich die Qualität eines Lebens­raums erheb­lich verschlech­tern. Nahrung wird knapp, Wälder werden frag­men­tiert und Orang-Utans können gezwungen sein, auf der Suche nach Nahrung und Sicher­heit in die Nähe mensch­li­cher Sied­lungen zu kommen.
Damit steigt auch das Risiko von Mensch-Orang-Utan-Konflikten.
Gleich­zeitig bedeutet ein Verlust von Lebens­raum häufig mehr Arbeit für die Rettungs­zen­tren: Je mehr Orang-Utans gerettet werden müssen, desto mehr Tiere benö­tigen medi­zi­ni­sche Versor­gung, Nahrung, Betreuung und jahre­lange Reha­bi­li­ta­tion.
Und genau hier zeigt sich, warum Wald­brand­schutz ein so wich­tiger Teil des Orang-Utan-Schutzes ist. Jeder verhin­derte Brand schützt nicht nur Wald. Er kann auch verhin­dern, dass ein Orang-Utan seine Heimat verliert.

Aus den Erfah­rungen von 2015 für die Zukunft lernen

Die Feuer von 2015/16 haben BOS eine wich­tige Lektion gelehrt: Wenn ein Groß­brand erst einmal außer Kontrolle geraten ist, ist es zu spät, mit den Vorbe­rei­tungen zu beginnen. Auch die Wieder­her­stel­lung zerstörter Lebens­räume braucht sehr viel länger als ihre Zerstö­rung. In den von den Bränden betrof­fenen Gebieten von Samboja Lestari und Mawas begann BOS deshalb gemeinsam mit zahl­rei­chen Part­nern lang­fris­tige Wieder­auf­fors­tungs- und Rena­tu­rie­rungs­maß­nahmen. Diese Arbeit dauert bis heute an.
Umso wich­tiger ist es, die Wälder zu schützen, die noch intakt sind – und gleich­zeitig die Land­schaft wider­stands­fä­higer gegen die Folgen von Trocken­heit und Feuer zu machen.

Gemeinsam gegen die nächste Brandsaison

Wie stark sich das El-Niño-Phänomen 2026 entwi­ckeln wird, lässt sich nicht mit Sicher­heit vorher­sagen. Was sich aber vorbe­reiten lässt, sind die Maßnahmen für den Fall, dass die Trocken­heit und damit die Brand­ge­fahr tatsäch­lich deut­lich zunimmt.
BOS setzt dabei auf mehr als drei Jahr­zehnte Erfah­rung im Orang-Utan-Schutz – und auf die Lehren aus einer der schlimmsten Brand­sai­sons ihrer Geschichte. Denn einen Wald­brand zu bekämpfen, wenn er bereits außer Kontrolle geraten ist, ist ungleich schwie­riger, als seine Ausbrei­tung von Anfang an zu verhindern.

Mit Ihrer Spende unter­stützen Sie unsere Arbeit in der Feuer­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung.