27. November 2025
Orang-Utan Cici im Regenwald

Cicis langer Weg in die Heimat

Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutz­wald ausge­wil­dert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kali­mantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wieder­ge­troffen. Und eine schöne Entde­ckung gemacht.

Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng – im Schutz­wald Bukit Batikap ausge­wil­dert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keines­wegs gera­deaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glück­li­cher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürz­lich bei bester Gesund­heit in Bukit Batikap antrafen und beob­achten durften.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Cici lebt seit ihrer Auswil­de­rung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald

Orang-Utan-Dame Cicis Frei­heit kam in Etappen

Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vier­jäh­riges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durch­lief Cici erfolg­reich und recht schnell die Wald­schule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Voraus­wil­de­rungs­insel und sollte eigent­lich schon im Oktober 2013 ausge­wil­dert werden. Bei den gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Tests, die alle unsere Schütz­linge vor ihrem großen Tag durch­laufen, machten die Tier­ärzte jedoch eine Entde­ckung, die alles verän­dern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kali­mantan, wohin die Auswil­de­rung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kali­mantan heimi­schen Subspe­zies an (Pongo pygmaeus wurmbii).

Eine schwere Entscheidung

So mussten wir Cicis Auswil­de­rung verschieben. In Über­ein­stim­mung mit natio­nalen und inter­na­tio­nalen Stan­dards der Welt­na­tur­schutz­union (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigent­lich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Trans­port­kiste, die sie in den Regen­wald bringen sollte, in unser Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschrän­kungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Frei­heit bekam.

Doch nicht alle Verzö­ge­rungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rück­schlag erschien, war rück­bli­ckend die genau rich­tige Entschei­dung. Während ihres Aufent­haltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.

Orang-Utan Cici vor der Auswilderung
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Frei­heit schenken konnten

Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekannt­heit für ihre starke und oft aggres­sive Persön­lich­keit. Tier­pfleger und das Vete­ri­när­team mussten in ihrer Gegen­wart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaub­li­chen Über­le­bens­wil­lens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.

Der Tag der Auswil­de­rung: endlich in Freiheit

Im November 2023 war es dann wirk­lich und wahr­haftig soweit. Die Tür von Cicis Trans­portbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutz­wald und sie schoss blitz­schnell heraus. Direkt klet­terte sie auf einen nahe­ge­le­genen Baum und verschwand im Blät­ter­dach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denk­zettel mitge­geben hätte.

Auswilderung Orang-Utan Cici
Als sich die Luke der Auswil­de­rungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig

Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebüh­render Entfer­nung beob­ach­tete. Und so erlebte unser PRM-Team einen inten­siven und heraus­for­dernden ersten Tag der Nachbeobachtung.

Ein derart aggres­sives Verhalten ist nicht ungewöhnlich

Viele Orang-Utans reagieren nach langen Trans­port­wegen gestresst, was zu defen­siven oder aggres­siven Reak­tionen führen kann. Und so blieb unser erfah­renes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausge­wil­derten Primaten und wartete ab, bis sie sich beru­higt und an die neue Umge­bung gewöhnt hatten.

Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst

Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswil­de­rung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weib­chen wirkte während der Beob­ach­tung ruhig und selbst­be­wusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzei­chen von Aggres­sion, die sie bei der letzten Begeg­nung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natür­li­chen Lebens­raum, an den sie sich ganz offen­sicht­lich bestens ange­passt hatte.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Das Warten auf die Auswil­de­rung hat sich gelohnt

Unsere Ranger konnten nach der Beob­ach­tung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebens­raum förm­lich aufge­blüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunder­barer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entschei­dungen zu nach­hal­tigen Ergeb­nissen im Arten­schutz führen.

Mit Ihrer Spende helfen Sie, dass geret­tete Orang-Utans eine zweite – und wenn nötig auch eine dritte — Chance auf ein Leben in Frei­heit erhalten.