Fünf Monate lang kümmerte sich ein Dorfbewohner um den kleinen Orang-Utan-Jungen, den er beim Angeln mutterlos im Wald gefunden hatte. Jetzt hat er den kleinen Roy in unsere Hände gegeben – ins Rettungszentrum Nyaru Menteng.
Das ist Roy. Der etwa zweijährige Orang-Utan-Junge lebt seit kurzem im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng. Roy liebt süßes Obst und Milch – und weil er davon in den letzten Monaten bei seinem Halter reichlich naschen durfte, hat er sich ein wenig Übergewicht angefuttert. Besonders unter seinen Achseln haben Sich deshalb kleine, drollige Fettpölsterchen gebildet.

Wie der kleine Orang-Utan mutterlos im Wald gefunden wurde?
Roy ist ein Findelkind. Ein Bewohner des Dorfes Jalan Merdeka in der Gegend von Palangka Raya entdeckte den kleinen Orang-Utan verlassen und allein im Kahayan Hulu Muroi Wald, als er dort angeln ging. Nachdem er gründlich nach der Orang-Utan-Mutter Ausschau gehalten hatte, entschloss sich der Mann, den Kleinen mit nach Hause zu nehmen und dort zu versorgen.
Doch die Wochen gingen schnell ins Land und aus einer kurzfristigen Lösung wurden fünf Monate. Währenddessen lebte das Orang-Utan-Baby bei dem Mann und wurde mit Dosenmilch und süßen Früchten gefüttert. Am 16. Januar 2026 informierte der Mann schließlich die Naturschutzbehörde von Zentral Kalimantan (BKSDA) und übergab den kleinen Orang-Utan in professionelle Hände. Kurze Zeit später konnten wir Roy in unserem Rettungszentrum willkommen heißen, wo er sich aktuell noch in der obligatorischen dreimonatigen Quarantäne befindet.
Warum soll jedes Orang-Utan-Baby möglichst schnell an die Naturschutzbehörde gemeldet werden?
Bei seiner Ankunft wurde Roy gründlich untersucht. Die gute Nachricht: Roy war gesund und in einem guten körperlichen Zustand. Mit einer Ausnahme: Der kleine Orang-Utan-Junge war übergewichtig. Leider konnte Roy die ersten Tage kaum artgerechtes Futter vertragen. Zu sehr war der Kleine schon an die gezuckerten Speisen gewöhnt. Nachdem er eine etwas saurere Frucht probiert hatte, bekam er prompt Durchfall.

Unsere Babysitterinnen werden Roy jetzt behutsam daran gewöhnen, neue und gesunde Nahrung zu probieren. Wie gut, dass die Ersatzmütter im Rettungszentrum genau dafür bekannt sind. Sie haben eine Engelsgeduld mit unseren Schützlingen und schenken ihnen mütterliche Wärme und Geborgenheit — sind aber auch unnachgiebig. Vor allem wenn es um die Gesundheit der Orang-Utan-Kinder geht. Das ist schließlich eines unserer Erfolgsrezepte.
Roys Schicksal zeigt uns leider zum wiederholten Mal, dass mutterlose Orang-Utan-Babys sofort der Naturschutzbehörde gemeldet werden sollten — auch wenn die findende Person es nur gut meint. Die Rettung, Fürsorge und Rehabilitation einer Orang-Utan-Waise bedarf jahrelange Erfahrung und Expertise. Und diese kann dem Tier nur in einem Rettungszentrum geboten werden. Deshalb gehört zu unserer Arbeit auch die Sensibilisierung der lokalen Gemeinden. Wir klären auf, was im Falle einer Orang-Utan-Begegnung zu tun ist.
Ein Orang-Utan-Kind, das erste Zeichen der Autonomie zeigt
Trotz des Traumas, das Roy bereits als Baby erleiden musste, zeigt er sich schon jetzt als mutiger, aktiver und bewegungsfreudiger Orang-Utan. Mit scheinbar endloser Energie hangelt er durch die Bäume im Quarantänebereich. Roy ist dabei so schnell unterwegs, dass seine Ersatzmütter ihn schon so manchmal zurückrufen mussten, damit er sich nicht zu weit entfernt.
Obwohl Orang-Utan-Kinder in den ersten sechs bis acht Jahren unzertrennlich mit ihren Müttern zusammenbleiben, ist Roy bereits jetzt erstaunlich unabhängig. Während sich gleichaltrige Orang-Utan-Kinder im Rettungszentrum noch häufig an ihre Ersatzmütter kuscheln und deren Nähe suchen, mag es Roy nicht besonders, im Arm gehalten zu werden. Auch die Windel, die die Kleinen nachts im Rettungszentrum tragen, kann er nicht leiden und zieht sie sich immer wieder aus.

All das macht unser Team sehr zuversichtlich, dass Roy allerbeste Chancen auf ein erneutes Leben in der Freiheit des Regenwaldes hat. Bis dahin muss Roy jedoch noch viel lernen. In der Waldschule wird er bald Lektionen in Futtersuche, Nestbau und anderen überlebensnotwendigen Fähigkeiten bekommen.
Mit kleinen Schritten in die Freiheit
Bald bedeutet: Sobald die Quarantäne überstanden ist. Wir freuen uns schon darauf, Roy ein Stück seines Lebensweges zu begleiten. So lange bis er ein ausgewachsenes Orang-Utan-Männchen geworden ist, das hoffentlich dann die Regenwälder von Borneo durchstreifen kann.
Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Roy unterstützen. Jeder Beitrag hilft.
