28. April 2026
Orang-Utan-Junge Roy wird von den BOS Foundation Tierärzten untersucht

Der Orang-Utan-Junge Roy: von Beginn an ein starker Charakter

Fünf Monate lang kümmerte sich ein Dorf­be­wohner um den kleinen Orang-Utan-Jungen, den er beim Angeln mutterlos im Wald gefunden hatte. Jetzt hat er den kleinen Roy in unsere Hände gegeben – ins Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng.


Das ist Roy. Der etwa zwei­jäh­rige Orang-Utan-Junge lebt seit kurzem im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Roy liebt süßes Obst und Milch – und weil er davon in den letzten Monaten bei seinem Halter reich­lich naschen durfte, hat er sich ein wenig Über­ge­wicht ange­fut­tert. Beson­ders unter seinen Achseln haben Sich deshalb kleine, drol­lige Fett­pöls­ter­chen gebildet.

Der Orang-Utan-Junge Roy
Der Orang-Utan-Junge Roy: von Beginn an ein starker Charakter 

Wie der kleine Orang-Utan mutterlos im Wald gefunden wurde?


Roy ist ein Findel­kind. Ein Bewohner des Dorfes Jalan Merdeka in der Gegend von Palangka Raya entdeckte den kleinen Orang-Utan verlassen und allein im Kahayan Hulu Muroi Wald, als er dort angeln ging. Nachdem er gründ­lich nach der Orang-Utan-Mutter Ausschau gehalten hatte, entschloss sich der Mann, den Kleinen mit nach Hause zu nehmen und dort zu versorgen.


Doch die Wochen gingen schnell ins Land und aus einer kurz­fris­tigen Lösung wurden fünf Monate. Während­dessen lebte das Orang-Utan-Baby bei dem Mann und wurde mit Dosen­milch und süßen Früchten gefüt­tert. Am 16. Januar 2026 infor­mierte der Mann schließ­lich die Natur­schutz­be­hörde von Zentral Kali­mantan (BKSDA) und übergab den kleinen Orang-Utan in profes­sio­nelle Hände. Kurze Zeit später konnten wir Roy in unserem Rettungs­zen­trum will­kommen heißen, wo er sich aktuell noch in der obli­ga­to­ri­schen drei­mo­na­tigen Quaran­täne befindet.


Warum soll jedes Orang-Utan-Baby möglichst schnell an die Natur­schutz­be­hörde gemeldet werden?


Bei seiner Ankunft wurde Roy gründ­lich unter­sucht. Die gute Nach­richt: Roy war gesund und in einem guten körper­li­chen Zustand. Mit einer Ausnahme: Der kleine Orang-Utan-Junge war über­ge­wichtig. Leider konnte Roy die ersten Tage kaum artge­rechtes Futter vertragen. Zu sehr war der Kleine schon an die gezu­ckerten Speisen gewöhnt. Nachdem er eine etwas saurere Frucht probiert hatte, bekam er prompt Durchfall.


Unsere Baby­sit­te­rinnen werden Roy jetzt behutsam daran gewöhnen, neue und gesunde Nahrung zu probieren. Wie gut, dass die Ersatz­mütter im Rettungs­zen­trum genau dafür bekannt sind. Sie haben eine Engels­ge­duld mit unseren Schütz­lingen und schenken ihnen mütter­liche Wärme und Gebor­gen­heit — sind aber auch unnach­giebig. Vor allem wenn es um die Gesund­heit der Orang-Utan-Kinder geht. Das ist schließ­lich eines unserer Erfolgsrezepte.

Roys Schicksal zeigt uns leider zum wieder­holten Mal, dass mutter­lose Orang-Utan-Babys sofort der Natur­schutz­be­hörde gemeldet werden sollten — auch wenn die findende Person es nur gut meint. Die Rettung, Fürsorge und Reha­bi­li­ta­tion einer Orang-Utan-Waise bedarf jahre­lange Erfah­rung und Exper­tise. Und diese kann dem Tier nur in einem Rettungs­zen­trum geboten werden. Deshalb gehört zu unserer Arbeit auch die Sensi­bi­li­sie­rung der lokalen Gemeinden. Wir klären auf, was im Falle einer Orang-Utan-Begeg­nung zu tun ist.

Ein Orang-Utan-Kind, das erste Zeichen der Auto­nomie zeigt


Trotz des Traumas, das Roy bereits als Baby erleiden musste, zeigt er sich schon jetzt als mutiger, aktiver und bewe­gungs­freu­diger Orang-Utan. Mit scheinbar endloser Energie hangelt er durch die Bäume im Quaran­tä­ne­be­reich. Roy ist dabei so schnell unter­wegs, dass seine Ersatz­mütter ihn schon so manchmal zurück­rufen mussten, damit er sich nicht zu weit entfernt.
Obwohl Orang-Utan-Kinder in den ersten sechs bis acht Jahren unzer­trenn­lich mit ihren Müttern zusam­men­bleiben, ist Roy bereits jetzt erstaun­lich unab­hängig. Während sich gleich­alt­rige Orang-Utan-Kinder im Rettungs­zen­trum noch häufig an ihre Ersatz­mütter kuscheln und deren Nähe suchen, mag es Roy nicht beson­ders, im Arm gehalten zu werden. Auch die Windel, die die Kleinen nachts im Rettungs­zen­trum tragen, kann er nicht leiden und zieht sie sich immer wieder aus.

Orang-Utan-Junge Roy im BOS Rettungszentrum
Bis auf sein Über­ge­wicht geht es dem kleinen Orang-Utan-Jungen zum Glück gut



All das macht unser Team sehr zuver­sicht­lich, dass Roy aller­beste Chancen auf ein erneutes Leben in der Frei­heit des Regen­waldes hat. Bis dahin muss Roy jedoch noch viel lernen. In der Wald­schule wird er bald Lektionen in Futter­suche, Nestbau und anderen über­le­bens­not­wen­digen Fähig­keiten bekommen.


Mit kleinen Schritten in die Freiheit


Bald bedeutet: Sobald die Quaran­täne über­standen ist. Wir freuen uns schon darauf, Roy ein Stück seines Lebens­weges zu begleiten. So lange bis er ein ausge­wach­senes Orang-Utan-Männ­chen geworden ist, das hoffent­lich dann die Regen­wälder von Borneo durch­streifen kann.

Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Roy unter­stützen. Jeder Beitrag hilft.