Nicht alle Orang-Utans, die BOS rettet, schaffen den Weg zurück in die Freiheit. Manchmal ist eine Rehabilitation einfach nicht möglich – so wie bei Vera und Jujun. Jetzt konnten die beiden auf eine der BOS-Schutzinseln umziehen, wo sie unter beinahe wilden und freien Bedingungen leben.
Mitte Dezember 2025 war es soweit: Vera und Jujun konnten aus ihren Schutzkäfigen im Samboja Lestari Rettungszentrum auf die Schutzinsel Nummer 5 umziehen. Für Vera war es eine Rückkehr, für den chronisch erkrankten Jujun eine akribisch vorbereitete Premiere.
Fünf Monate lang hatte unser Team zuvor die Schutzinsel Nummer 5 gründlich untersucht, gereinigt und für die Neuankömmlinge sicher gemacht. So wurden Wasser- und Bodenproben entnommen und manche Bereiche der Insel desinfiziert. Rund um die Insel hatte sich Moos angesiedelt, das für die Orang-Utans möglicherweise gefährlich werden könnte, sodass dieses sorgfältig entfernt wurde.
Dank gründlicher Vorbereitung wird die Insel zum sicheren Lebensraum
Auch die Vegetation auf der Insel wurde in Augenschein genommen. Zwar soll die Insel unseren Schützlingen einen natürlichen Lebensraum bieten. Es gibt jedoch Gründe, warum sie nicht auswilderbar sind, und diese machen sie vulnerabler als ihre Artgenossen.

Das gilt insbesondere für Jujun, der an wechselnden Atemwegserkrankungen leidet. Besonders gefährlich ist das 2017 bei ihm diagnostizierte Respiratorische Krankheitssyndrom der Orang-Utans, das unbehandelt zum Tod führen kann. Sehr wahrscheinlich kam Jujun mit den Erregern in Berührung, während er illegal als Haustier gehalten wurde: Der Orang-Utan-Junge war bereits vier oder fünf Jahre alt, als er von Dorfbewohnern in Banjarbaru, Südkalimantan, an Beamte der Naturschutzbehörde übergeben wurde und in unser Rettungszentrum kam.
Menschen und Orang-Utans teilen 97 Prozent DNA
Orang-Utans haben kaum Immunität gegen humane Krankheitserreger, für die sie aufgrund ihrer genetischen Nähe zu uns Menschen jedoch leicht empfänglich sind. In den BOS-Rettungszentren sind daher Atemschutzmasken für alle Mitarbeitenden, die Umgang mit den Orang-Utans haben, verpflichtend.
Als letzte Vorbereitung wurde auf der Insel eine Fütterungsplattform für die neuen Bewohner gebaut. Zwar können Vera und Jujun auf der Schutzinsel Nummer 5 auch selbst Nahrung suchen und finden – und das ist absolut erwünscht, gehört es doch zu einem möglichst artgerechten Leben. Jedoch reicht das Futterangebot der Insel aufgrund ihrer eingeschränkten Größe nicht aus. Daher erhalten Jujun und Vera täglich von unserem Team frisches Obst und Gemüse, um ihre Ernährung vollwertig zu ergänzen.
Ein würdevolles und artgerechtes Leben für nicht auswilderbare Orang-Utans
Am 10. Dezember letzten Jahres war es schließlich so weit. Beide Orang-Utans waren noch einmal gründlich von unserem Tierärzteteam untersucht worden, unter anderem durch Röntgenaufnahmen, Probenentnahmen in der Lunge, Abstriche der Nase, Blutentnahme, Augen- und Zahnuntersuchungen.

Dann durfte zunächst Vera auf die Insel umziehen, da sie das Inselleben bereits kannte. Jujun wurde wenige Tage später ebenfalls mit dem Boot übergesetzt. Seitdem haben sich die beiden schon gut eingelebt und wir können mit Stolz sagen: Zwei gerettete Orang-Utans, die tragischerweise nicht wieder ausgewildert werden können, können nun ein nahezu freies, wildes und obendrein beschütztes Leben führen.
Insgesamt sind etwa 170 unserer Schützlinge betroffen: Sie können nach heutigem Wissensstand nicht wieder ausgewildert werden. Bitte helfen Sie uns, auch ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen: Spenden Sie für die Entstehung weiterer Schutzinseln! Wir haben auf dem Gelände unseres Schutzzentrums Nyaru Menteng bereits Flächen für ein ganzes Archipel erworben. Nun müssen diese Inseln noch angelegt werden. Hier erfahren Sie mehr.

