4. Februar 2026
Orang-Utan auf einer Schutzinsel

Ein artge­rechtes Leben für nicht auswil­der­bare Orang-Utans

Nicht alle Orang-Utans, die BOS rettet, schaffen den Weg zurück in die Frei­heit. Manchmal ist eine Reha­bi­li­ta­tion einfach nicht möglich – so wie bei Vera und Jujun. Jetzt konnten die beiden auf eine der BOS-Schutz­in­seln umziehen, wo sie unter beinahe wilden und freien Bedin­gungen leben.


Mitte Dezember 2025 war es soweit: Vera und Jujun konnten aus ihren Schutz­kä­figen im Samboja Lestari Rettungs­zen­trum auf die Schutz­insel Nummer 5 umziehen. Für Vera war es eine Rück­kehr, für den chro­nisch erkrankten Jujun eine akri­bisch vorbe­rei­tete Premiere.
Fünf Monate lang hatte unser Team zuvor die Schutz­insel Nummer 5 gründ­lich unter­sucht, gerei­nigt und für die Neuan­kömm­linge sicher gemacht. So wurden Wasser- und Boden­proben entnommen und manche Bereiche der Insel desin­fi­ziert. Rund um die Insel hatte sich Moos ange­sie­delt, das für die Orang-Utans mögli­cher­weise gefähr­lich werden könnte, sodass dieses sorg­fältig entfernt wurde.


Dank gründ­li­cher Vorbe­rei­tung wird die Insel zum sicheren Lebensraum


Auch die Vege­ta­tion auf der Insel wurde in Augen­schein genommen. Zwar soll die Insel unseren Schütz­lingen einen natür­li­chen Lebens­raum bieten. Es gibt jedoch Gründe, warum sie nicht auswil­derbar sind, und diese machen sie vulnerabler als ihre Artgenossen.

Vor ihrem Umzug auf die Insel werden die Orang-Utans gründlich untersucht
Vor ihrem Umzug auf die Insel werden die Orang-Utans gründ­lich untersucht

Das gilt insbe­son­dere für Jujun, der an wech­selnden Atem­wegs­er­kran­kungen leidet. Beson­ders gefähr­lich ist das 2017 bei ihm diagnos­ti­zierte Respi­ra­to­ri­sche Krank­heits­syn­drom der Orang-Utans, das unbe­han­delt zum Tod führen kann. Sehr wahr­schein­lich kam Jujun mit den Erre­gern in Berüh­rung, während er illegal als Haus­tier gehalten wurde: Der Orang-Utan-Junge war bereits vier oder fünf Jahre alt, als er von Dorf­be­woh­nern in Banjar­baru, Südka­li­mantan, an Beamte der Natur­schutz­be­hörde über­geben wurde und in unser Rettungs­zen­trum kam.


Menschen und Orang-Utans teilen 97 Prozent DNA


Orang-Utans haben kaum Immu­nität gegen humane Krank­heits­er­reger, für die sie aufgrund ihrer gene­ti­schen Nähe zu uns Menschen jedoch leicht empfäng­lich sind. In den BOS-Rettungs­zen­tren sind daher Atem­schutz­masken für alle Mitar­bei­tenden, die Umgang mit den Orang-Utans haben, verpflichtend.


Als letzte Vorbe­rei­tung wurde auf der Insel eine Fütte­rungs­platt­form für die neuen Bewohner gebaut. Zwar können Vera und Jujun auf der Schutz­insel Nummer 5 auch selbst Nahrung suchen und finden – und das ist absolut erwünscht, gehört es doch zu einem möglichst artge­rechten Leben. Jedoch reicht das Futter­an­gebot der Insel aufgrund ihrer einge­schränkten Größe nicht aus. Daher erhalten Jujun und Vera täglich von unserem Team frisches Obst und Gemüse, um ihre Ernäh­rung voll­wertig zu ergänzen.


Ein würde­volles und artge­rechtes Leben für nicht auswil­der­bare Orang-Utans


Am 10. Dezember letzten Jahres war es schließ­lich so weit. Beide Orang-Utans waren noch einmal gründ­lich von unserem Tier­ärz­te­team unter­sucht worden, unter anderem durch Rönt­gen­auf­nahmen, Proben­ent­nahmen in der Lunge, Abstriche der Nase, Blut­ent­nahme, Augen- und Zahnuntersuchungen.

Der Orang-Utan an dem Tag seiner Umsiedlung
Bereit für den Umzug: Der große Tag ist da!

Dann durfte zunächst Vera auf die Insel umziehen, da sie das Insel­leben bereits kannte. Jujun wurde wenige Tage später eben­falls mit dem Boot über­ge­setzt. Seitdem haben sich die beiden schon gut einge­lebt und wir können mit Stolz sagen: Zwei geret­tete Orang-Utans, die tragi­scher­weise nicht wieder ausge­wil­dert werden können, können nun ein nahezu freies, wildes und oben­drein beschütztes Leben führen.


Insge­samt sind etwa 170 unserer Schütz­linge betroffen: Sie können nach heutigem Wissens­stand nicht wieder ausge­wil­dert werden. Bitte helfen Sie uns, auch ihnen ein artge­rechtes Leben zu ermög­li­chen: Spenden Sie für die Entste­hung weiterer Schutz­in­seln! Wir haben auf dem Gelände unseres Schutz­zen­trums Nyaru Menteng bereits Flächen für ein ganzes Archipel erworben. Nun müssen diese Inseln noch ange­legt werden. Hier erfahren Sie mehr.