Die drei Waldschüler Ecky, Klaus und Frank haben in ihrer Ausbildung einen wichtigen Fortschritt gemacht: Sie sind von der Waldschulgruppe 1 in die nächste Ausbildungsstufe im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari versetzt worden. Dort warten nun neue Herausforderungen auf sie. Und sie sind auf ihrem Weg zurück in den Regenwald ein gutes Stück vorangeschritten.
In der Waldschule gibt es keinen festen Stundenplan und keine Abschlussprüfungen. Ob ein Orang-Utan bereit für die nächste Ausbildungsstufe ist, entscheidet sein gesamtes Verhalten.
Die Babysitterinnen, Tierpfleger und Tierärzte beobachten zum Beispiel, wie sicher sich die Tiere in den Bäumen bewegen, wie selbstständig sie den Wald erkunden und wie vielfältig ihre selbstgesuchte natürliche Nahrung ist. Auch die Frage, wie sehr sie noch auf die Menschen angewiesen sind, spielt eine wichtige Rolle.
Die drei Waldschüler Ecky, Klaus und Frank haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie für den nächsten Schritt bereit sind. Bereit, in die Waldschulgruppe 2 von Samboja Lestari aufzusteigen.
Waldschulgruppe 2 in Samboja Lestari ist wieder geöffnet
Während es im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng insgesamt fünf Waldschulgruppen gibt, bilden wir die Orang-Utan-Waisen in Samboja Lestari in zwei Gruppen aus. Denn in Samboja Lestari werden deutlich weniger Orang-Utans rehabilitiert. So lernen die Tiere hier länger gemeinsam. Doch in einem Alter von etwa zehn Jahren ist es – vor allem für die beiden jungen Männchen Klaus und Frank – an der Zeit, den nächsten Schritt ins Erwachsenenleben zu unternehmen.
Wie gut, dass gerade jetzt das Gelände der Waldschulgruppe 2 in Samboja Lestari wieder einsatzbereit ist. Denn es konnte einige Zeit nicht genutzt werden. Schäden an den Zugangswegen sowie am Gelände und an den Nachtkäfigen hatten eine Instandsetzung notwendig gemacht. Nun sind die Reparaturen abgeschlossen – und das Klassenzimmer im Regenwald ist bereit für seine Waldschüler.
Bereit für tieferes Eintauchen in den Wald
Für Klaus und Frank begann der Umzugstag mit einer gründlichen tierärztlichen Untersuchung. Dafür wurden die beiden Halbstarken zunächst in eine leichte Narkose versetzt, um in der Tierklinik sicher und ruhig untersucht zu werden.


Nachdem die Tierärzte grünes Licht geben konnten, brachten die Tierpfleger Klaus und Frank in ihre Transportboxen, in denen sie zum Gelände der Waldschulgruppe 2 umzogen.

Ecky geht ihren eigenen Weg
Ecky durfte ihren Umzug bei vollem Bewusstsein erleben. Anders als Klaus und Frank musste das junge Orang-Utan-Weibchen nicht sediert werden. Sie war so kooperativ, dass sie an der Hand der BOS-Mitarbeiter auf der Ladefläche des Jeeps stehend in ihr neues Klassenzimmer einziehen konnte.
Dort angelangt, hieß es: erstmal ankommen und beobachten. Ecky, Klaus und Frank verbrachten die ersten Tage zunächst in den Nachtkäfigen des Waldschulareals. Diese Eingewöhnungsphase ist wichtig, damit sich die Tiere mit den neuen Geräuschen, Gerüchen und Abläufen vertraut machen können.
Warum die Eingewöhnung so wichtig ist
Der Wechsel von einer Waldschulstufe in die nächste ist für einen Orang-Utan ein großer Schritt – ähnlich wie bei einem Menschenkind, das von der Grundschule in die weiterführende Schule versetzt wird. Deshalb werden die Tiere nach dem Umzug ganz genau beobachtet: Zeigen sie Anzeichen von Stress? Wie reagieren sie auf ihre neue Umgebung? Wie bewegen sie sich durch das Gelände? Und beginnen sie, die neuen Möglichkeiten selbstständig zu nutzen?
Wie lange diese Eingewöhnungsphase dauert, hängt nicht von einem festen Zeitplan ab, sondern von den täglichen Beobachtungen der Tierpfleger und menschlichen Ersatzmütter.
Neue Herausforderungen für Ecky, Klaus und Frank
Nach einigen Tagen im Gehege wurden Ecky, Klaus und Frank dann schrittweise an die Aktivitäten der Waldschulgruppe 2 herangeführt. Gestartet wurde mit einem kurzen Schultag. Doch Tag für Tag verbrachten sie mehr Zeit im Wald. So hatten die drei Orang-Utans ausreichend Zeit, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und dabei möglichst selbstständig Sicherheit zu entwickeln.
Vom Waldschüler zum wilden Orang-Utan
In der ersten Waldschulstufe lernen die Orang-Utan-Waisen grundlegende Fähigkeiten kennen: klettern, hangeln, Nahrung suchen, Nester bauen und sich in ihrer Umgebung orientieren.
Jetzt sollen sie selbstständiger werden und immer mehr Entscheidungen ohne die Hilfe der Menschen treffen. Und sie sollen lernen, dem Wald zu vertrauen – als dem Ort, an dem sie eines Tages wieder dauerhaft leben sollen. Für Ecky, Klaus und Frank ist der Wechsel in die Waldschulgruppe 2 damit weit mehr als nur ein Umzug. Er ist ein Schritt, der sie ihrem großen Ziel näherbringt: der Rückkehr in die Freiheit.
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