Das Rettungszentrum Samboja Lestari schenkt nicht nur geretteten Orang-Utans eine zweite Chance. Im Sun Bear Sanctuary kümmert sich BOS auch um aktuell 75 gerettete Malaienbären. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen den beiden Tierarten: Malaienbären können in den allermeisten Fällen nicht wieder ausgewildert werden.
Und so sind manche der Bären im Rettungszentrum noch ganz jung, während andere bereits in einen ruhigeren Lebensabschnitt eingetreten sind und wieder andere haben sogar das Glück, ein sehr hohes Alter zu erreichen. Sie alle werden von den BOS-Tierpflegern artgerecht und altersgemäß versorgt.
75 Bären leben im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari
Im Naturschutz werden die Lebensphasen der Malaienbären nach ihrem Alter eingeteilt. Diese reichen vom Säuglingsalter (0–1 Jahr) über das Juvenilstadium (etwa 2 Jahre) und das Subadult-Stadium (3–6 Jahre) bis hin zum Adultstadium, das mehrere Fortpflanzungsphasen umfasst. Die letzte Phase ist das geriatrische Stadium, in dem die Tiere ein Alter von über 30 Jahren erreichen. In dieser Phase verlangsamt sich der Stoffwechsel, das Energielevel sinkt, und erste deutliche Alterserscheinungen treten auf.

Nicht alle Malaienbären haben das Glück, dieses hohe Alter zu erreichen. In Samboja Lestari befinden sich jedoch etwa 15 Bären in der geriatrischen Phase, darunter Anggi, Kiki, Apang, Icak, Gede, Petung, Banjar, Feri, Paul, Dani, Bunga, Bento, Bali, Gendut und Jeni.
Für sie bedeutet das Alter keineswegs das Ende von Fürsorge und Aufmerksamkeit. Im Gegenteil: Gerade jetzt erhalten sie besonders intensive und geduldige Betreuung durch das medizinische Team und die Tierpfleger.
So werden die Senioren unter den Malaienbären versorgt
Malaienbären, die das hohe Alter erreicht haben, benötigen im Alltag besondere Aufmerksamkeit. Im Sun Bear Sanctuary von Samboja Lestari erhalten sie altersgerechte Nahrungsergänzung, darunter spezielles Hundefutter und Multivitamine, um ihren körperlichen Zustand zu unterstützen.
Trotz ihres Alters werden sie weiterhin dazu ermutigt, aktiv zu bleiben. Die Tierpfleger sorgen dafür, dass die älteren Bären regelmäßig ihre Schlafbereiche verlassen und Zeit in den Anlagen des Schutzgebiets verbringen, wo sie eine naturnahe Umgebung genießen können, die sowohl ihr körperliches als auch ihr seelisches Wohlbefinden fördert.
Zusätzlich werden regelmäßig medizinische Trainings durchgeführt, darunter das Öffnen des Mauls sowie das Kürzen der Krallen. Das Maultraining ermöglicht es dem Veterinärteam, Zähne und Mundraum zu kontrollieren. Das Krallenschneiden ist notwendig, da ältere Bären ihre Krallen deutlich seltener zum Graben oder zum Kratzen an Holz einsetzen als in jüngeren Jahren.
Die Hinterbeine des Bären sind plötzlich gelähmt
Unter den älteren Bewohnern des Schutzgebiets ist Bali einer der bemerkenswertesten. Heute ist Bali etwa 45 Jahre alt – ein sehr hohes Alter für einen Malaienbären.

Balis Lebensweg war nicht immer einfach. Im Jahr 2023 erlitt er eine schwere Erkrankung, bei der seine beiden Hinterbeine gelähmt wurden. Die Lähmung war so stark, dass er den hinteren Teil seines Körpers beim Laufen hinter sich herziehen musste, um sich fortzubewegen.
Sobald sich sein Zustand bemerkbar machte, entwickelte das medizinische Team eine auf Bali abgestimmte Behandlung. In der ersten Zeit durfte der Senior seinen Schlafkäfig nicht verlassen, damit er sich vollständig auf seine Genesung konzentrieren konnte. Zwei Mal täglich erhielt er Medikamente und wurde von den Tierpflegern intensiv betreut.
Es war für das Team sehr bewegend zu sehen, wie Bali versuchte, sich nur mit den Vorderbeinen fortzubewegen. Doch trotz seiner Einschränkungen zeigte er den starken Willen, nicht aufzugeben.
Balis langsame Rückkehr ins Leben
Balis Entschlossenheit in Verbindung mit der kontinuierlichen Pflege durch das BOS-Team bewirkte schließlich ein kleines Wunder: Im Jahr 2024 verbesserte sich sein Zustand. Eines Tages konnte sich Bali wieder aufrichten und in seinem üblichen Vierfüßlergang war er in der Lage, auch die Hinterläufe zu bewegen.
Anfangs war sein Gang noch unsicher. Doch Bali kämpfte sich zurück in die Normalität.
Das medizinische Team beobachtet ihn weiterhin sehr aufmerksam. Wenn das Wetter es zulässt, darf er nun wieder in die Außenanlage des Schutzgebiets. Dort nimmt er langsam aber sicher seine Aktivitäten wieder auf.
Jeder kleine Schritt, den er macht, ist ein bedeutender Fortschritt.
Balis Geschichte erinnert uns daran, dass auch ältere Malaienbären einen Lebensabend in Würde und Wohlbefinden verdient haben. Dafür braucht es jedoch die richtige Pflege und eine unterstützende Umgebung.
Im Sun Bear Sanctuary von Samboja Lestari erhalten sowohl junge als auch ältere Bären dieselbe Chance: sicher zu leben und gut versorgt zu sein.
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