27. Mai 2026
Orang-Utan Familie im Schutzwald von Batikap

Indie: Ein heraus­ra­gender Orang-Utan-Teen­ager im Schutz­wald von Bukit Batikap

Genau wie Menschen durch­laufen Orang-Utans verschie­dene Lebens­phasen: von der Kind­heit über die Jugend bis ins Erwach­se­nen­alter. Das Erwach­sen­werden kann bis zu acht Jahre dauern. Wie bei Menschen ist auch bei Orang-Utans jede Phase durch beson­dere Verhal­tens­merk­male geprägt.
Die Adoles­zenz ist eine der faszi­nie­rendsten Phasen, denn die Orang-Utans beginnen hier, selbst­ständig zu leben – sie lösen sich allmäh­lich von ihren Müttern und erkunden auf eigene Faust den Wald, erproben dabei ihr erlerntes Wissen.


Gestern noch ein Baby, heute ein cleverer Teenager


Indie kam im Jahr 2020 im Schutz­wald von Bukit Batikap auf die Welt. Sie ist die dritte Tochter von Inung, einer Lang­zeit-Bewoh­nerin des Schutz­waldes, in den sie im November 2013 ausge­wil­dert wurde. Indie ist außerdem die ältere Schwester von Indro, der im Sommer 2024 als erster Sohn von Inung das Licht der Welt erblickte.

Orang-Utan Indie auf Entdeckungsreise im Regenwald
Orang-Utan Indie auf Entde­ckungs­reise im Regenwald


Im Schutz­wald von Bukit Batikap in Zentral­ka­li­mantan ist unser Post-Release-Moni­to­ring-Team (PRM) kürz­lich Inung mit ihren beiden Spröss­lingen begegnet. Die Ranger schätzen ihre Tochter Indie auf mitt­ler­weile etwa sechs Jahre. Es ist ein span­nendes Alter, das den Beginn der Adoles­zenz markiert. Nun beginnen die jungen Orang-Utans, ihre Unab­hän­gig­keit zu entwi­ckeln.
Mit ihrer noch geringen Körper­größe bewegte sich Indie vor den Augen der Ranger äußerst wendig und blitz­schnell von Ast zu Ast. Ihre Geschwin­dig­keit war dabei oft so hoch, dass das PRM-Team Mühe hatte, den jungen Orang-Utan im dichten Blät­ter­dach zu verfolgen. Um Indies Verhalten genauer beob­achten zu können, waren sie daher auf Fern­gläser und Kame­ra­aus­rüs­tung angewiesen.


Anzei­chen begin­nender Autonomie


Bei den Beob­ach­tungen wurden verschie­dene natür­liche Verhal­tens­weisen doku­men­tiert. So fraß Teen­ager Indie mit Begeis­te­rung junge Blätter, Blüten und sogar Baum­rinde. Sie bewegte sich zwischen den Bäumen fort, indem sie äußerst agil mit allen vier Glied­maßen schwang und klet­terte. Dabei zeigte sie die klas­si­schen Baum­be­wohner-Fähig­keiten ihrer Art.
Inter­es­sant war für das PRM-Team auch die Beob­ach­tung, dass Indie sich getrennt von Mama Inung und Bruder Indro, wenn auch in ihrer Nähe, ein eigenes Schlaf­nest baute.


Teen­ager in freier Wildbahn


Als wild gebo­renes Indi­vi­duum zeigt Orang-Utan-Teen­ager In die gera­dezu ideal­ty­pi­sche Verhal­tens­weisen. Während ihres Aufwach­sens erlebte sie keinerlei mensch­liche Eingriffe, sodass sie ihre Über­le­bens­fä­hig­keiten instinktiv in ihrem natür­li­chen Lebens­raum entwi­ckeln konnte. Wie es die Natur vorge­sehen hat, hat Indie all ihre Fähig­keiten direkt von ihrer Mutter Inung gelernt – durch Nach­ah­mung und Beob­ach­tung ihrer Umge­bung.
Inung jedoch ist im BOS Rettungs­zen­trum aufge­wachsen, wo sie im Alter von zwei Jahren aufge­nommen wurde. Sie hat den größten Teil ihrer Fähig­keiten wie Nahrungs­suche, Nestbau und Schutz vor Gefahren in der BOS Wald­schule gelernt.

Orang-Utan-Mutter Inung genießt einige Minuten Ruhe
Orang-Utan-Mutter Inung genießt einige Minuten Ruhe


Die Beob­ach­tung von Tieren wie Indie ist essen­ziell für die Orang-Utan-Forschung wie auch für die Reha­bi­li­ta­ti­ons­ar­beit BOS Foun­da­tion.
Denn der aktu­elle Forschungs­stand zeigt wich­tige Verhal­tens­un­ter­schiede zwischen wild gebo­renen und aufge­wach­senen Orang-Utans auf der einen Seite und mutter­losen, geret­teten Tieren, die in Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren auf ein Leben in der Wildnis vorbe­reitet werden, auf der anderen.
Eine wich­tige Aufgabe der PRM-Teams ist es, diese Unter­schiede zu beob­achten, zu doku­men­tieren und erfor­schen. So verbes­sert die BOS Foun­da­tion den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess für verwaiste Orang-Utans in ihren beiden Rettungs­zen­tren konti­nu­ier­lich. Das Ziel: ausge­wil­derten Orang-Utans die best­mög­li­chen Über­le­bens­chancen mit auf den Weg zu geben.


Ein Symbol der Hoff­nung in einem geschützten Wald


Teen­ager Indie und all ihre erlernten Kompe­tenzen sind ein Beweis, dass Orang-Utan-Schutz trotz aller Widrig­keiten eine Erfolgs­ge­schichte sein kann. Sie beweist: Wenn Wälder geschützt und Lebens­räume intakt bleiben, können Orang-Utans gesund heran­wachsen, auf natür­liche Weise lernen und eine neue Gene­ra­tion wider­stands­fä­higer wilder Tiere hervor­bringen.
Jede ihrer Bewe­gungen in den Wipfeln spie­gelt eine Zukunft wider, die durch Natur­schutz möglich wird. Eine Zukunft, in der Mensch und Natur im Gleich­ge­wicht mitein­ander leben.

Jede Spende hilft. Den Orang-Utans und dem Regenwald.