Der Schutz des Regenwaldes und der Orang-Utans geht nicht ohne die Menschen, die seit Generationen in und mit dem Wald leben. Indigene Gemeinschaften und lokale Dorfbewohner verfügen über ein einzigartiges Wissen über die Natur und spielen eine entscheidende Rolle für den Erhalt der biologischen Vielfalt.
BOS arbeitet deshalb eng mit indigenen Gemeinschaften und lokalen Dörfern in Zentral- und Ost-Kalimantan zusammen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort dabei zu unterstützen, ihre Wälder nachhaltig zu schützen, traditionelle Kenntnisse zu bewahren und gleichzeitig ihre Lebensgrundlagen langfristig zu sichern.
Der Regenwald ist Lebensraum, Apotheke und kulturelles Erbe
Für indigene Gemeinschaften ist der Regenwald weit mehr als ein Ort zum Leben. Er versorgt sie mit Nahrung, Baumaterialien und sauberem Wasser. Gleichzeitig ist er eine natürliche Apotheke und bewahrt jahrhundertealtes Wissen über Heilpflanzen und ihre Anwendung.

Doch viele dieser Gemeinschaften stehen unter zunehmendem Druck. Abholzung, großflächige Landnutzungsänderungen und unklare Landrechte gefährden sowohl den Regenwald als auch die Menschen, die von ihm abhängig sind.
Deshalb unterstützt BOS rund 30 Gemeinden dabei, ihre Rechte an traditionellen Waldgebieten zu stärken, lokale Organisationen und Dorfgemeinschaften auszubauen, natürliche Ressourcen nachhaltig zu nutzen und den Regenwald aktiv zu schützen und zu bewirtschaften.
Naturschutz bedeutet dabei nicht nur den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen, die diese Wälder seit Generationen bewahren.
Traditionelles Wissen über mehr als 100 Pflanzenarten
Gemeinsam mit den Gemeinden wurden bislang rund 115 einheimische Pflanzenarten dokumentiert. Dazu gehören Heilpflanzen, Nutzpflanzen sowie andere Waldprodukte, die nicht der Holzgewinnung dienen.

Diese Pflanzen sind weit mehr als eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Sie stehen für lebendiges Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde und bis heute im Alltag Anwendung findet.

Die Wurzelpflanze Akar Kuning (Fibraurea tinctoria) wird traditionell zur Behandlung von Entzündungen und Infektionen eingesetzt und gilt als stärkend für das Immunsystem.
Kelakai (Stenochlaena palustris), ein Farn aus den Sumpfwäldern Borneos, wird aufgrund seines hohen Eisengehalts traditionell zur Vorbeugung von Blutarmut genutzt. Darüber hinaus werden ihm fiebersenkende, antibakterielle und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Auch bei der Wundheilung sowie zur Unterstützung stillender Mütter spielt die Pflanze eine wichtige Rolle.
Nachhaltige Entwicklung durch den Schutz natürlicher Ressourcen
Die nachhaltige Nutzung von Heilpflanzen und anderen Waldprodukten schafft neue Perspektiven für die Menschen vor Ort. Indem traditionelles Wissen dokumentiert und weitergegeben wird, entstehen zugleich umweltverträgliche Einkommensmöglichkeiten.

So verbindet der Schutz des Regenwaldes ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander. Wenn die Menschen, die vom Wald leben, faire Mitspracherechte und Zukunftsperspektiven erhalten, profitieren sowohl die Natur als auch kommende Generationen.
Naturschutz funktioniert nur gemeinsam
Der langfristige Schutz des Regenwaldes gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die ihn seit Jahrhunderten kennen und bewahren. Deshalb setzt BOS auf einen inklusiven Naturschutzansatz, bei dem indigene Gemeinschaften und lokale Bevölkerung zu zentralen Partnern werden.
Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Wälder und der Artenvielfalt bei, sondern bewahren auch wertvolles traditionelles Wissen über Heilpflanzen und nachhaltige Ressourcennutzung – Wissen, das angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust heute wichtiger ist denn je.
Der Schutz der Orang-Utans, der Erhalt des Regenwaldes und die Stärkung der Menschen vor Ort gehören untrennbar zusammen. Denn nur ein gesunder Wald kann dauerhaft Leben, Artenvielfalt und Zukunft sichern.
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie auch diesen Aspekt der Arbeit von BOS.
