7. Juli 2026
Bua Kalenyer

Indi­gene Gemein­schaften stärken – Regen­wald, Arten­viel­falt und tradi­tio­nelles Wissen bewahren

Der Schutz des Regen­waldes und der Orang-Utans geht nicht ohne die Menschen, die seit Gene­ra­tionen in und mit dem Wald leben. Indi­gene Gemein­schaften und lokale Dorf­be­wohner verfügen über ein einzig­ar­tiges Wissen über die Natur und spielen eine entschei­dende Rolle für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt.

BOS arbeitet deshalb eng mit indi­genen Gemein­schaften und lokalen Dörfern in Zentral- und Ost-Kali­mantan zusammen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort dabei zu unter­stützen, ihre Wälder nach­haltig zu schützen, tradi­tio­nelle Kennt­nisse zu bewahren und gleich­zeitig ihre Lebens­grund­lagen lang­fristig zu sichern.

Der Regen­wald ist Lebens­raum, Apotheke und kultu­relles Erbe

Für indi­gene Gemein­schaften ist der Regen­wald weit mehr als ein Ort zum Leben. Er versorgt sie mit Nahrung, Bauma­te­ria­lien und sauberem Wasser. Gleich­zeitig ist er eine natür­liche Apotheke und bewahrt jahr­hun­der­te­altes Wissen über Heil­pflanzen und ihre Anwendung.

Regenwald auf Borneo Luftaufnahme
Regen­wald auf Borneo: eine Schatz­kammer der Natur

Doch viele dieser Gemein­schaften stehen unter zuneh­mendem Druck. Abhol­zung, groß­flä­chige Land­nut­zungs­än­de­rungen und unklare Land­rechte gefährden sowohl den Regen­wald als auch die Menschen, die von ihm abhängig sind.
Deshalb unter­stützt BOS rund 30 Gemeinden dabei, ihre Rechte an tradi­tio­nellen Wald­ge­bieten zu stärken, lokale Orga­ni­sa­tionen und Dorf­ge­mein­schaften auszu­bauen, natür­liche Ressourcen nach­haltig zu nutzen und den Regen­wald aktiv zu schützen und zu bewirt­schaften.
Natur­schutz bedeutet dabei nicht nur den Erhalt von Tier- und Pflan­zen­arten, sondern auch die Siche­rung der Lebens­grund­lagen der Menschen, die diese Wälder seit Gene­ra­tionen bewahren.

Tradi­tio­nelles Wissen über mehr als 100 Pflanzenarten

Gemeinsam mit den Gemeinden wurden bislang rund 115 einhei­mi­sche Pflan­zen­arten doku­men­tiert. Dazu gehören Heil­pflanzen, Nutz­pflanzen sowie andere Wald­pro­dukte, die nicht der Holz­ge­win­nung dienen.

Parijoto (Medinilla speciosa)
Die Früchte der Pari­joto (Medi­nilla speciosa) sind für ihre starke anti­oxi­da­tive Wirkung, ihren Reichtum an Vitamin C und ihre entzün­dungs­hem­mende Wirkung bekannt. Sie sind reich an Flavo­no­iden, Tanninen und Sapo­ninen. Tradi­tio­nell werden sie zur Senkung des Chole­ste­rin­spie­gels, als natür­li­ches Heil­mittel bei Durch­fall und zur Linde­rung von Mund­ge­schwüren verwendet.

Diese Pflanzen sind weit mehr als eine wissen­schaft­liche Bestands­auf­nahme. Sie stehen für leben­diges Wissen, das über Gene­ra­tionen weiter­ge­geben wurde und bis heute im Alltag Anwen­dung findet.

Melinjo hutan (Gnetum gnemon)
Melinjo hutan (Gnetum gnemon) ist äußerst viel­seitig nutzbar: Die Kerne sind nahr­haft, reich an Stärke, Mine­ra­lien und den Vitaminen A und C. Sie können gekocht und als Gemüse verwendet werden. Die Samen, die eine anti­mi­kro­bielle Wirkung haben, werden geröstet, zu dünnen Plätz­chen geklopft, getrocknet und dann frit­tiert. Diese Chips sind als Emping bekannt. Die jungen Blätter und die Zapfen können als Gemüse zube­reitet werden. Der Saft der Blätter gilt als Heil­mittel bei Augen­krank­heiten und aus der fase­rigen Borke werden seewas­ser­be­stän­dige Seile, Netze und Angel­schnüre hergestellt. 

Die Wurzel­pflanze Akar Kuning (Fibraurea tinc­toria) wird tradi­tio­nell zur Behand­lung von Entzün­dungen und Infek­tionen einge­setzt und gilt als stär­kend für das Immun­system.
Kelakai (Stenoch­laena palus­tris), ein Farn aus den Sumpf­wäl­dern Borneos, wird aufgrund seines hohen Eisen­ge­halts tradi­tio­nell zur Vorbeu­gung von Blut­armut genutzt. Darüber hinaus werden ihm fieber­sen­kende, anti­bak­te­ri­elle und anti­oxi­da­tive Eigen­schaften zuge­schrieben. Auch bei der Wund­hei­lung sowie zur Unter­stüt­zung stil­lender Mütter spielt die Pflanze eine wich­tige Rolle.

Nach­hal­tige Entwick­lung durch den Schutz natür­li­cher Ressourcen

Die nach­hal­tige Nutzung von Heil­pflanzen und anderen Wald­pro­dukten schafft neue Perspek­tiven für die Menschen vor Ort. Indem tradi­tio­nelles Wissen doku­men­tiert und weiter­ge­geben wird, entstehen zugleich umwelt­ver­träg­liche Einkommensmöglichkeiten.

Matan tingan (Baccaurea deflexa)
Die indi­genen Gemein­schaften schätzen Matan tingan (Bacca­urea deflexa) vor allem wegen seiner essbaren Früchte. Die runden Früchte besitzen im Inneren Samen, die von einem saftigen, meist oran­ge­far­benen Frucht­mantel umgeben sind. Aufgrund der Beliebt­heit der Frucht wird der Baum von der Land­be­völ­ke­rung nicht nur im Regen­wald geerntet, sondern gezielt in Forst­gärten kulti­viert. Neben den Menschen dient die Pflanze auch der Tier­welt Borneos als wich­tige Nahrungs­quelle. Auch beim Orang-Utan stehen die Früchte auf dem Speiseplan.

So verbindet der Schutz des Regen­waldes ökolo­gi­sche, soziale und wirt­schaft­liche Ziele mitein­ander. Wenn die Menschen, die vom Wald leben, faire Mitspra­che­rechte und Zukunfts­per­spek­tiven erhalten, profi­tieren sowohl die Natur als auch kommende Generationen.

Natur­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam

Der lang­fris­tige Schutz des Regen­waldes gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die ihn seit Jahr­hun­derten kennen und bewahren. Deshalb setzt BOS auf einen inklu­siven Natur­schutz­an­satz, bei dem indi­gene Gemein­schaften und lokale Bevöl­ke­rung zu zentralen Part­nern werden.
Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Wälder und der Arten­viel­falt bei, sondern bewahren auch wert­volles tradi­tio­nelles Wissen über Heil­pflanzen und nach­hal­tige Ressour­cen­nut­zung – Wissen, das ange­sichts globaler Heraus­for­de­rungen wie Klima­wandel und Biodi­ver­si­täts­ver­lust heute wich­tiger ist denn je.

Der Schutz der Orang-Utans, der Erhalt des Regen­waldes und die Stär­kung der Menschen vor Ort gehören untrennbar zusammen. Denn nur ein gesunder Wald kann dauer­haft Leben, Arten­viel­falt und Zukunft sichern.

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