26. August 2026
Malaienbär wird in der Klinik des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari behandelt

Malai­en­bärin auf Borneo gerettet: Nach Schling­falle und Schuss­ver­let­zung kämpft sie ums Überleben

Der Fund muss ihm einen großen Schre­cken einge­jagt haben. Doch Mr. Pandi aus der Ortschaft Lebak­hulak in Ost-Kali­mantan zögerte keine Sekunde, um Hilfe für das schwer verletzte Malai­en­bären-Weib­chen zu holen. Die Bärin war in eine Schling­falle geraten. Und was sie durch­lebt haben muss, lässt sich nur erahnen. Die Spuren an ihrem Körper erzählten jeden­falls eine grau­same Geschichte – und sie zeigten deut­lich, welchen Gefahren Malai­en­bären in ihrem Lebens­raum Regen­wald ausge­setzt sind.

Es war Ende März 2026, als Mitar­bei­tende der Natur­schutz­be­hörde BKSDA durch den Dorf­be­wohner alar­miert und zur Hilfe gerufen wurden. Als sie vor Ort eintrafen, fanden sie ein ausge­wach­senes Malai­en­bären-Weib­chen in äußerst kriti­schem Zustand vor.

Rettung eines verletzten Malai­en­bären auf Borneo

Das Tier war so geschwächt, dass es sich kaum noch bewegen konnte. Verlet­zungen an der Schulter und bereits verschorfte Wunden am Vorder­bein deuteten darauf hin, dass sie schon vor einiger Zeit in die Falle geraten sein musste. Zudem waren drei Zehen ihres rechten Vorder­fußes ausge­ku­gelt, vermut­lich beim verzwei­felten Versuch, sich zu befreien.

Malaienbär wird in der Klinik des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari behandelt
Die verletzte Pfote der geret­teten Malaienbärin

Nach einer ersten Versor­gung mit Honig und Zucker­wasser wurde die Bärin tier­ärzt­lich unter­sucht und stabi­li­siert. Den Erst­hel­fern war klar: Sie brauchte inten­sive medi­zi­ni­sche Betreuung. Die Behörden infor­mierten daher unser Malai­en­bären-Team im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari und brachten die verletzte Bärin zu uns.

Verletzte Malaienbärin wird ins BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari gebracht
Die Malai­en­bärin bei ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari. Jetzt ist sie in Sicherheit

Im Rettungs­zen­trum kümmerte sich das BOS-Vete­ri­när­team sofort um das schwer verletzte Tier und unter­suchte sie umfas­send. Das Ergebnis war alarmierend.

Die drama­ti­sche Diagnose

Bei den Unter­su­chungen im Rettungs­zen­trum entdeckten die Tier­ärzte weitere Hinweise auf die Leidens­ge­schichte der Bärin. Rönt­gen­auf­nahmen zeigten Metall­frag­mente im linken Vorder­bein. Die Tier­ärzte vermuten, dass es sich um Geschosse eines Luft­ge­wehrs handelt.
Auch ihr fort­ge­schrit­tenes Alter wurde durch die Unter­su­chungen deut­lich: Trübungen der Augen, zahl­reiche fehlende Zähne und grau werdendes Fell deuteten darauf hin, dass die Bärin bereits über 30 Jahre alt sein könnte – ein hohes Alter für einen Malai­en­bären. Mit nur 23 Kilo­gramm Körper­ge­wicht wog sie außerdem deut­lich weniger als ein gesunder erwach­sener Malaienbär.

Samboja Lestari ist vor allem als Rettungs- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum für Orang-Utans bekannt. Doch auch Malai­en­bären finden hier Schutz: Verletzte, verwaiste und dauer­haft nicht auswil­de­rungs­fä­hige Malai­en­bären erhalten im Bären­re­fu­gium medi­zi­ni­sche Versor­gung und ein sicheres Zuhause.
Für die alte Bärin kommt eine Rück­kehr in den Wald auf abseh­bare Zeit nicht infrage. Doch in Samboja Lestari bekommt die Bärin genau das, was sie jetzt braucht: medi­zi­ni­sche Versor­gung, Ruhe, eine ange­passte Ernäh­rung und inten­sive Betreuung.

Wie BOS verletzte Sonnen­bären pflegt und versorgt

Das Team beob­achtet ihren Zustand engma­schig und passt die Behand­lung an ihre Bedürf­nisse an. Schritt für Schritt zeigt die Bärin erste Anzei­chen einer Besse­rung.
Ihr Weg zurück zu Kräften wird vermut­lich langsam sein. Aber langsam bedeutet nicht hoff­nungslos.
Eines nämlich hat die Bären, obwohl sie noch immer geschwächt ist und sich nicht wie ihre Artge­nossen im Refu­gium bewegen kann, bereits am Tag ihrer Ankunft gewonnen. Etwas, das ihr lange Zeit gefehlt hat. Im BOS-Rettungs­zen­trum ist sie in Sicherheit.

Malaienbären in der Freianlage des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari
Malai­en­bären im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari 

Im Sun Bear Sanc­tuary leben geret­tete Malai­en­bären, die aus unter­schied­li­chen Gründen nicht mehr in die Frei­heit zurück­kehren können. Anders als bei Orang-Utans ist eine Auswil­de­rung von Malai­en­bären nach engem Kontakt mit Menschen in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Deshalb ist es umso wich­tiger, ihnen lang­fristig ein sicheres, möglichst artge­rechtes Zuhause zu bieten.

Schling­fallen werden vielen Wild­tieren zum Verhängnis

Der Fall dieser Malai­en­bärin ist leider kein Einzel­fall. Schling­fallen gehören zu den großen Gefahren für Wild­tiere – nicht nur auf Borneo. Die Fallen werden häufig aufge­stellt, um Tiere von Plan­tagen fern­zu­halten oder bestimmte Bereiche abzu­grenzen. Sie unter­scheiden dabei jedoch nicht zwischen soge­nannten „Schäd­lingen“ und geschützten Wild­tieren. Malai­en­bären geraten immer wieder in die Fallen – obwohl sie gar nicht das Ziel der Fallen­steller sind.

Beson­ders tückisch: Eine Schling­falle führt nicht zwangs­läufig sofort zum Tod. Statt­dessen können die Tiere über Tage oder sogar längere Zeit schwer verletzt gefangen bleiben. Wunden entzünden sich, Glied­maßen werden dauer­haft geschä­digt und die Tiere können kaum noch Nahrung suchen. Die Folge ist häufig eine lang­same, qual­volle Schwä­chung des gesamten Körpers.

Auch der Malai­enbär Azim wurde Opfer einer solchen Falle. Er war im Gunung-Tarak-Schutz­wald in West-Kali­mantan mit einem Draht um das Vorder­bein entdeckt worden. Eine Kame­ra­falle hatte ihn erst­mals im November 2024 aufge­nommen. Der Draht hatte sich so eng um sein Bein gelegt, dass er sich nur noch unter großen Schwie­rig­keiten fort­be­wegen konnte.

Malai­en­bären sind gefährdet

Schling­fallen sind dabei nur eine von vielen Gefahren für die kleinste Bärenart der Welt. Der Malai­enbär (Helarctos mala­yanus) ist laut Welt­na­tur­schutz­union IUCN als gefährdet (vulnerable) einge­stuft. Lebens­raum­ver­lust, Wilderei und der ille­gale Handel mit Körper­teilen setzen den Tieren zusätz­lich zu.

Beson­ders proble­ma­tisch ist der Handel mit Gallen­blasen und Galle, die trotz fehlender wissen­schaft­li­cher Grund­lage in der Tradi­tio­nellen Chine­si­schen Medizin (TCM) Verwen­dung finden. Der inter­na­tio­nale Handel mit Malai­en­bären und ihren Körper­teilen ist bereits seit Jahr­zehnten streng regu­liert: Die Art ist seit 1979 im Washing­toner Arten­schutz­über­ein­kommen CITES gelistet.

Wie wichtig Schutz und Rettung für diese außer­ge­wöhn­li­chen Bären sind, zeigt auch ein Blick auf unsere Arbeit in Samboja Lestari. Dort leben zahl­reiche geret­tete Malai­en­bären in groß­zü­gigen Gehegen, die ihnen möglichst natür­liche Beschäf­ti­gung und Nahrungs­suche ermöglichen.

Ein sicherer Ort

Die Geschichte der geret­teten Bärin macht deut­lich, wie viel Leid hinter einem einzelnen Rettungs­fall stecken kann. Verlet­zungen, Hunger und mögli­cher­weise sogar frühere Gewalt­er­fah­rungen haben ihre Spuren hinterlassen.

Nun ist sie in Sicher­heit. In Samboja Lestari bekommt sie die Zeit, die ihr Körper braucht, um sich zu erholen. Und sie bekommt etwas, das für ein Tier mit einer solchen Vergan­gen­heit beson­ders wert­voll ist: einen geschützten Ort, an dem sie nicht mehr um ihr Über­leben kämpfen muss.
Auch für alte Malai­en­bären gibt es Hoff­nung. Sie verdienen ein Leben in Würde, mit guter medi­zi­ni­scher Versor­gung, artge­rechter Ernäh­rung und der Möglich­keit, ihren Lebens­abend in einer möglichst natür­li­chen Umge­bung zu verbringen.
Das BOS-Team wird die Bärin auf ihrem weiteren Weg begleiten und alles dafür tun, dass sie sich so gut wie möglich erholt.

Helfen Sie geret­teten Malaienbären

Rettung, medi­zi­ni­sche Versor­gung und die lang­fris­tige Betreuung eines verletzten Wild­tiers sind aufwendig. Gerade Tiere wie diese alte Malai­en­bärin brau­chen inten­sive Pflege und beson­dere Aufmerk­sam­keit.
Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, geret­teten Malai­en­bären und Orang-Utans eine zweite Chance zu geben – und ihnen ein sicheres, artge­rechtes Leben zu ermöglichen.