Wie alle Orang-Utan-Waisen, die zu uns kommen, hatte auch das kleine Mädchen Momo keinen einfachen Start ins Leben. Sie wurde Mitte 2025 in einer herzzerreißenden Aktion gemeinsam mit der Naturschutzbehörde gerettet. Sechs Monate lang war sie in einen Käfig gepfercht worden, lebte als Haustier bei einem Dorfbewohner in Zentralkalimantan. Im Waldkindergarten des BOS Rettungszentrums darf sie nun neues Vertrauen fassen und kann hoffentlich ihren schweren Start ins Leben vergessen.
Im Waldkindergarten beginnen die jungen Orang-Utans, begleitet von menschlichen Babysitterinnen, wichtige Lebenskompetenzen in einer sicheren Umgebung zu erlernen. Dies ist der erste Schritt ihrer Rehabilitation, an deren Ende im besten Fall die Auswilderung in einen sicheren, geschützten Wald steht.
Ähnlich wie bei menschlichen Kleinkindern zeigen sich auch bei den Orang-Utans früh die ersten Züge ihrer Persönlichkeit – und Momo bildet hier keine Ausnahme. Sie beweist bereits jetzt, dass sie keine stille Beobachterin ist, sondern eine echte Entdeckerin.
Getrieben von starker Neugier
Eines ist sicher: Mit ihrer Neugier und Entdeckungslust sticht Momo schnell aus der Gruppe der kleinsten Orang-Utans heraus. In der Waldschule wandert sie oft weiter weg als die anderen, völlig vertieft in die Erkundung ihrer Umgebung. Sie kennen das bestimmt von Kleinkindern: Manchmal müssen Erwachsene eine Sache fünfmal wiederholen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Ganz ähnlich sieht es bei Momo aus. Unsere Ersatzmütter müssen oft sehr laut rufen, um sicherzustellen, dass Momo sie wirklich hört, wenn es Zeit für einen Obst-Snack ist oder die Gruppe sich wieder zusammenfinden soll.
Doch trotz ihres großen Drangs nach Autonomie sucht Momo am Ende des Tages immer noch Geborgenheit. Wenn sie von ihren Erkundungsreisen zurückkehrt, signalisiert sie ihrer Ersatzmama das ein oder andere Mal, dass sie zurück zum Gehege getragen werden möchte. In diesen Momenten wird deutlich: Sie ist doch noch ein Baby, das Trost, Sicherheit und viel Liebe braucht.
Jedes Orang-Utan-Kind muss lernen, Grenzen zu setzen
Momo hat zudem begonnen, bewusster Grenzen zu setzen. Wenn sie auf fremde Personen trifft – das medizinische Personal eingeschlossen – hält sie lieber Abstand. Nähert sich jemand zu sehr, wirft sie gelegentlich mit kleinen Zweigen; ein klares Zeichen für ihren Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden.

Vermutlich ist Momo nicht allein auf dieses Verhalten gekommen, sondern hat sich einiges von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Rumba abgeguckt. Rumba drückte seine Abneigung gegen engen Kontakt oft auf die gleiche Weise aus. Diese Beobachtung unterstreicht, wie junge Orang-Utans durch soziales Lernen Signale und Verhaltensweisen von ihren Artgenossen übernehmen. Das ist ein wesentlicher Teil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung.
Nicht nur Nia hat Probleme mit den Augen
Ähnlich wie Nia hatte auch Momo mit einem kleinen gesundheitlichen Problem zu kämpfen: Um ihre Augen wurden winzige Läuse oder Milben gefunden. Glücklicherweise scheint Momo dadurch nicht weiter beeinträchtigt zu sein; sie geht ihren täglichen Aktivitäten mit dem gewohnten Eifer nach.
Die Ersatzmütter und das medizinische Team haben bereits präventive Maßnahmen eingeleitet. Eine medizinische Salbe wird vorsichtig auf ihre Augenlider aufgetragen, um die Parasiten zu beseitigen und deren Vermehrung zu verhindern. Durch eine enge Überwachung stellen wir sicher, dass Momo genau die Pflege erhält, die sie benötigt, während sie ihre Lernfortschritte fortsetzt.
Mit Fürsorge, Vertrauen und Mitgefühl wachsen
Was ist unser Ziel für Momo? Sie soll eines Tages zu einer überlebensfähigen Orang-Utan-Mutter heranwachsen, die nach ihrer Auswilderung zum Erhalt ihrer Art beitragen kann. Der Weg dorthin wird lang und manchmal holprig sein, doch wir sind uns sicher: Mit dem besten Babysitter-Team, das wir uns nur vorstellen können, ist das möglich.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, schauen Sie sich die neue 360-Grad-Arte-Reportage an.
Jeden Tag kommt Momo einem Leben als widerstandsfähiger, wilder Orang-Utan einen Schritt näher. Bitte unterstützen Sie das kleine Orang-Utan-Mädchen auf ihrem Weg in die Freiheit!
