Zu einer besonderen Begegnung kam es, als unsere Ranger im Kehje Sewen Wald in Ost-Kalimantan auf Patrouille waren. Während des Einsatzes gelang es dem Team, einen der endemischen Primaten Borneos zu beobachten, der für seine auffallend lange Nase bekannt ist: den Nasenaffen.
Der Nasenaffe (Nasalis larvatus) gehört zu den weltweit am leichtesten wiederzuerkennenden Primaten. Sein auffälligstes Merkmal ist die lange, herabhängende Nase, die besonders bei männlichen Tieren stark ausgeprägt ist. Diese einzigartige Nase spielt eine Rolle bei der Lautkommunikation und soll außerdem dabei helfen, Weibchen anzulocken.
Nasenaffen auf Borneo: eine endemische Primatenart
Das Fell der Nasenaffen ist auf dem Rücken rötlich-braun bis orange gefärbt, während die Bauchseite der Tiere meist heller ist. Ihre hellen Gesichter verleihen ihnen einen charakteristischen Ausdruck. Im Vergleich zu vielen anderen Affenarten sind Nasenaffen relativ groß. Ihre Körperlänge beträgt, ohne den langen Schwanz mit einzuberechnen, bereits 60 bis 75 Zentimeter.

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal ist ihr großer, rundlicher Bauch. Dabei handelt es sich um eine wichtige Anpassung, die ihnen hilft, Blätter zu verdauen, die einen großen Teil ihrer Nahrung ausmachen.
Lebensraum: Mangroven, Torfsumpfwälder und Flussufer im Regenwald
Als endemische Art kommen Nasenaffen ausschließlich auf der Insel Borneo vor, und zwar in den Regionen Kalimantan, Sabah und Sarawak sowie in einem kleinen Teil Brunei Darussalams.

Dort leben sie typischerweise in Torfsumpfwäldern, Mangrovenwäldern und Flussauenwäldern, denn die Primaten sind angewiesen auf hohe Bäume in der Nähe von Wasserquellen, die ihnen Nahrung, Ruheplätze und Schutz vor Fressfeinden bieten. Gelegentlich kommen die Primaten allerdings auch in Tieflandwäldern vor, wenn dort ausreichend Wasser und dichte Vegetation vorhanden sind.

Dass auch im Kehje Sewen Nasenaffen heimisch sind, beweist erneut, was für ein Biodiversitäts-Hotspot dieser Wald ist: ein einzigartiges Ökosystem, das nicht nur Orang-Utans, sondern auch anderen, seltenen Primatenarten wie den Nasenaffen Lebensraum bietet.
Ernährung und Verhalten von Nasenaffen im tropischen Regenwald
Nasenaffen sind Pflanzenfresser, wobei junge Blätter den Hauptbestandteil ihrer Nahrung ausmachen. Darüber hinaus fressen sie Früchte, Samen und Blüten verschiedener Waldpflanzen.

Dass diese Primatenart über ein außergewöhnliches Verdauungssystem verfügt, lässt schon ihr großer, rundlicher Bauch erahnen. Dieser bietet Platz für einen mehrkammerigen Magen, der es ihnen ermöglicht, faserreiche Pflanzennahrung mithilfe mikrobieller Fermentation zu verdauen.
Nasenaffen leben meist in sozialen Gruppen, die typischerweise aus einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Sie sind tagaktiv und bewegen sich geschickt durch die Baumkronen des Waldes. Außerdem gelten sie als hervorragende Schwimmer und können Flüsse überqueren, um zwischen verschiedenen Revieren zu wechseln.
Fortpflanzung und Sozialverhalten
Innerhalb der sozialen Gruppen führt in der Regel ein dominantes erwachsenes Männchen mehrere Weibchen an. Die Fortpflanzung ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Nach einer Tragzeit von etwa 166 Tagen bringt das Weibchen normalerweise ein einzelnes Jungtier zur Welt.

Neugeborene Nasenaffen besitzen bläuliche Gesichter und dunkleres Fell als erwachsene Tiere. In den ersten Lebensmonaten sind die Jungtiere stark von ihren Müttern abhängig, bevor sie nach und nach lernen, selbst Nahrung zu suchen und mit anderen Gruppenmitgliedern zu interagieren.
Warum der Schutz der Nasenaffen und ihres Lebensraums so wichtig ist
Die Rote Liste der IUCN stuft den Nasenaffen derzeit als „stark gefährdet“ (Endangered) ein. Hauptursachen für den Rückgang der Art sind der Verlust ihres Lebensraums durch Abholzung, die Umwandlung von Waldflächen in Plantagen sowie die Fragmentierung von Waldlandschaften.
Die Begegnung mit einem Nasenaffen im Kehje-Sewen-Wald ist deshalb weit mehr als nur eine Tierbeobachtung. Sie erinnert daran, wie wichtig der Schutz der tropischen Regenwälder Borneos ist. Gemeinsam mit Orang-Utans, Waldvögeln und zahlreichen anderen Säugetieren sind Nasenaffen Teil eines eng miteinander verwobenen Ökosystems.
