28. Juli 2026
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Nasenaffen

Nasen­affen im Kehje Sewen Wald: eine Begeg­nung mit den ende­mi­schen Primaten Borneos

Zu einer beson­deren Begeg­nung kam es, als unsere Ranger im Kehje Sewen Wald in Ost-Kali­mantan auf Patrouille waren. Während des Einsatzes gelang es dem Team, einen der ende­mi­schen Primaten Borneos zu beob­achten, der für seine auffal­lend lange Nase bekannt ist: den Nasenaffen.

Der Nasen­affe (Nasalis larvatus) gehört zu den welt­weit am leich­testen wieder­zu­er­ken­nenden Primaten. Sein auffäl­ligstes Merkmal ist die lange, herab­hän­gende Nase, die beson­ders bei männ­li­chen Tieren stark ausge­prägt ist. Diese einzig­ar­tige Nase spielt eine Rolle bei der Laut­kom­mu­ni­ka­tion und soll außerdem dabei helfen, Weib­chen anzulocken.

Nasen­affen auf Borneo: eine ende­mi­sche Primatenart

Das Fell der Nasen­affen ist auf dem Rücken rötlich-braun bis orange gefärbt, während die Bauch­seite der Tiere meist heller ist. Ihre hellen Gesichter verleihen ihnen einen charak­te­ris­ti­schen Ausdruck. Im Vergleich zu vielen anderen Affen­arten sind Nasen­affen relativ groß. Ihre Körper­länge beträgt, ohne den langen Schwanz mit einzu­be­rechnen, bereits 60 bis 75 Zentimeter.

Nasenaffen
Ein präch­tiges Exem­plar im Regen­wald von Borneo | Foto: Martina Baral

Ein weiteres bemer­kens­wertes Merkmal ist ihr großer, rund­li­cher Bauch. Dabei handelt es sich um eine wich­tige Anpas­sung, die ihnen hilft, Blätter zu verdauen, die einen großen Teil ihrer Nahrung ausmachen.

Lebens­raum: Mangroven, Torf­sumpf­wälder und Fluss­ufer im Regenwald

Als ende­mi­sche Art kommen Nasen­affen ausschließ­lich auf der Insel Borneo vor, und zwar in den Regionen Kali­mantan, Sabah und Sarawak sowie in einem kleinen Teil Brunei Darussalams.

Nasenaffen
Nasen­affen leben auf hohen Bäumen in der Nähe von Wasser­quellen | Foto: Martina Baral

Dort leben sie typi­scher­weise in Torf­sumpf­wäl­dern, Mangro­ven­wäl­dern und Fluss­au­en­wäl­dern, denn die Primaten sind ange­wiesen auf hohe Bäume in der Nähe von Wasser­quellen, die ihnen Nahrung, Ruhe­plätze und Schutz vor Fress­feinden bieten. Gele­gent­lich kommen die Primaten aller­dings auch in Tief­land­wäl­dern vor, wenn dort ausrei­chend Wasser und dichte Vege­ta­tion vorhanden sind.

Nasenaffen
Nasen­affe, aufge­spürt im Wald von Kehje Sewen

Dass auch im Kehje Sewen Nasen­affen heimisch sind, beweist erneut, was für ein Biodi­ver­si­täts-Hotspot dieser Wald ist: ein einzig­ar­tiges Ökosystem, das nicht nur Orang-Utans, sondern auch anderen, seltenen Prima­ten­arten wie den Nasen­affen Lebens­raum bietet.

Ernäh­rung und Verhalten von Nasen­affen im tropi­schen Regenwald

Nasen­affen sind Pflan­zen­fresser, wobei junge Blätter den Haupt­be­stand­teil ihrer Nahrung ausma­chen. Darüber hinaus fressen sie Früchte, Samen und Blüten verschie­dener Waldpflanzen.

Nasenaffen
Der kugel­runde Bauch ist charak­te­ris­tisch für Nasen­affen | Foto: Martina Baral

Dass diese Prima­tenart über ein außer­ge­wöhn­li­ches Verdau­ungs­system verfügt, lässt schon ihr großer, rund­li­cher Bauch erahnen. Dieser bietet Platz für einen mehr­kam­me­rigen Magen, der es ihnen ermög­licht, faser­reiche Pflan­zen­nah­rung mithilfe mikro­bieller Fermen­ta­tion zu verdauen.

Nasen­affen leben meist in sozialen Gruppen, die typi­scher­weise aus einem erwach­senen Männ­chen, mehreren Weib­chen und deren Nach­wuchs bestehen. Sie sind tagaktiv und bewegen sich geschickt durch die Baum­kronen des Waldes. Außerdem gelten sie als hervor­ra­gende Schwimmer und können Flüsse über­queren, um zwischen verschie­denen Revieren zu wechseln.

Fort­pflan­zung und Sozialverhalten

Inner­halb der sozialen Gruppen führt in der Regel ein domi­nantes erwach­senes Männ­chen mehrere Weib­chen an. Die Fort­pflan­zung ist nicht streng an eine bestimmte Jahres­zeit gebunden. Nach einer Trag­zeit von etwa 166 Tagen bringt das Weib­chen norma­ler­weise ein einzelnes Jung­tier zur Welt.

Nasenaffen
Nasen­affen leben in einem Fami­li­en­ver­band | Foto: Martina Baral

Neuge­bo­rene Nasen­affen besitzen bläu­liche Gesichter und dunk­leres Fell als erwach­sene Tiere. In den ersten Lebens­mo­naten sind die Jung­tiere stark von ihren Müttern abhängig, bevor sie nach und nach lernen, selbst Nahrung zu suchen und mit anderen Grup­pen­mit­glie­dern zu interagieren.

Warum der Schutz der Nasen­affen und ihres Lebens­raums so wichtig ist

Die Rote Liste der IUCN stuft den Nasen­affen derzeit als „stark gefährdet“ (Endan­gered) ein. Haupt­ur­sa­chen für den Rück­gang der Art sind der Verlust ihres Lebens­raums durch Abhol­zung, die Umwand­lung von Wald­flä­chen in Plan­tagen sowie die Frag­men­tie­rung von Wald­land­schaften.
Die Begeg­nung mit einem Nasen­affen im Kehje-Sewen-Wald ist deshalb weit mehr als nur eine Tier­be­ob­ach­tung. Sie erin­nert daran, wie wichtig der Schutz der tropi­schen Regen­wälder Borneos ist. Gemeinsam mit Orang-Utans, Wald­vö­geln und zahl­rei­chen anderen Säuge­tieren sind Nasen­affen Teil eines eng mitein­ander verwo­benen Ökosystems.

Helfen Sie uns, dieses Para­dies zu beschützen.