Ein Jahr ist vergangen, seit Selfie aus einem Holzverschlag gerettet wurde, in dem sie etwa einen Monat lang gefangen gehalten wurde. Und das kleine Orang-Utan-Mädchen ist kaum wiederzuerkennen! Fröhlich und aufgeweckt turnt sie durch die Bäume der Waldschule und beweist dabei Geschicklichkeit und Mut.
Das sah Ende 2024 ganz anders aus. Nachdem Selfie die obligatorische dreimonatige Quarantäne erfolgreich und gesund beendet hatte, durfte sie in den Waldkindergarten wechseln und dort mit gleichaltrigen Orang-Utan-Kindern zusammenkommen. Etwa ein Jahr alt war Selfie zu diesem Zeitpunkt, ein zierliches Mädchen, das sich sehr ängstlich und zurückhaltend verhielt. Das Trauma, das sie mit dem Tod ihrer Mutter erlitten hatte, war noch frisch. Unsere Ersatzmüttern im Rettungszentrum Nyaru Menteng setzten all ihre Erfahrung ein und schenkten Selfie mit vielen Kuscheleinheiten neue Sicherheit.

Umso glücklicher macht es uns, heute Selfies Entwicklung zu sehen: Im Spiel mit ihren Orang-Utan-Freunden wird sie Tag für Tag mutiger und traut sich mehr zu. Dabei bleibt ihre Ersatzmutter immer in der Nähe. Oft sucht Selfie noch immer Zuflucht in ihren Armen oder versteckt sich hinter ihren Beinen, wenn ihr das Spiel der anderen, etwas größeren Orang-Utan-Kinder zu wild wird.
Der erste Schultag für Selfie
Am 29. Mai 2025 war für Selfie dann der große Tag gekommen: Sie war bereit für die Einschulung Gemeinsam mit ihrer Freundin Rumba, die sie bereits aus dem Kindergarten kannte, wechselte sie in die erste Klasse der Waldschule. Die etwas ältere Freundin schenkte der kleinen Selfie Sicherheit und stärkte ihr Vertrauen in sich selbst und den ungewohnten, neuen Ort.

Aber Rumba ist auch gut befreundet mit Iqo. Und als Iqo in die zweite Klasse wechseln durfte, vermisste Freundin Rumba sie so sehr, dass sie wimmerte und weinte und nicht mehr aufhörte sie zu suchen. Nachdem es den Babysitterinnen nicht gelang Iqo zu beruhigen, traf das Team die Entscheidung, Rumba vorzeitig in die zweite Klasse zu den größeren Orang-Utans wechseln zu lassen.
Selfie schließt neue Freundschaften
Es war eine schwierige Entscheidung für das Team: Wie würde es Selfie ohne ihre Freundin ergehen? Aber keine der Befürchtungen traf ein, im Gegenteil! Dass die beiden älteren Orang-Utan-Kinder, deren Spiel oft ein wenig zu wild war für die kleine Selfie, nun in einer anderen Klasse waren, ließ mehr Raum für Selfies eigene Entwicklung.

Schneller als die Babysitterinnen schauen konnten, hatte sich Selfie mit Nia angefreundet – und die Ersatzmüttern beobachteten stolz, wie selbstbewusst und frei sie sich von nun an verhielt. Neugierig erkundet Selfie nun auch Teile des Geländes, in die sie sich vorher nicht gewagt hatte. Sie traut sich inzwischen auch auf hohe Bäume und klettert und hangelt an den Ästen.
Ein typisches Verhalten für Selfie ist es geworden, sich ein Blatt von einem der Bäume zu pflücken und dieses im Mund herumzutragen. Wenn die Fütterungszeit naht, verhält sich Selfie vorbildlich: Sie isst nur so viel, wie sie auch verträgt, und lässt auch ihren Kindergartenfreunden genügend Früchte und Leckereien übrig.

Bei aller Abenteuerlust und neu entdeckten Freiheit ist die Nähe zu den Babysitterinnen jedoch immer noch sehr wichtig für Selfie. Spätestens wenn es am Abend zurück geht, holt sich die Kleine ihre Kuscheleinheiten ab und lässt sich gerne zurücktragen, die Arme fest um den Körper ihrer Ersatzmama geschlungen.

Nur Selfies Gesundheit macht dem Team manchmal Sorgen. In letzter Zeit war das Wetter ziemlich instabil und wechselte häufig zwischen Hitze und Regenschauern. Dadurch hatte Selfie schon mehr als eine Erkältung. Doch sie bekommt vom BOS-Ärzteteam regelmäßig eine Vitaminkur und wenn nötig auch Medizin. So wird sie immer schnell wieder gesund und kann zurück in die Waldschule.
Dort erlebt sie Tag für Tag neue Lernabenteuer und entwickelt sich in ein selbstbewusstes Individuum mit ganz eigenen Charakterzügen. Nur ein Jahr nach Selfies Rettung sind wir zuversichtlich, dass die Kleine ihren Weg gehen wird, an dessen Ende die Auswilderung steht. Lerne fleißig weiter, kleine Selfie, bewahre Dir Deine Neugierde und Abenteuerlust, und werde groß und stark!
Möchten Sie Selfie auf ihrem Weg zurück in die Wildnis unterstützen? Jede Spende hilft!
