14. August 2025
Orang-Utan-Baby Selfie

Orang-Utan-Baby Selfie lebt sich ein im Kindergarten

Ein Jahr ist vergangen, seit Selfie aus einem Holz­ver­schlag gerettet wurde, in dem sie etwa einen Monat lang gefangen gehalten wurde. Und das kleine Orang-Utan-Mädchen ist kaum wieder­zu­er­kennen! Fröh­lich und aufge­weckt turnt sie durch die Bäume der Wald­schule und beweist dabei Geschick­lich­keit und Mut.


Das sah Ende 2024 ganz anders aus. Nachdem Selfie die obli­ga­to­ri­sche drei­mo­na­tige Quaran­täne erfolg­reich und gesund beendet hatte, durfte sie in den Wald­kin­der­garten wech­seln und dort mit gleich­alt­rigen Orang-Utan-Kindern zusam­men­kommen. Etwa ein Jahr alt war Selfie zu diesem Zeit­punkt, ein zier­li­ches Mädchen, das sich sehr ängst­lich und zurück­hal­tend verhielt. Das Trauma, das sie mit dem Tod ihrer Mutter erlitten hatte, war noch frisch. Unsere Ersatz­müt­tern im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng setzten all ihre Erfah­rung ein und schenkten Selfie mit vielen Kuschel­ein­heiten neue Sicherheit.

Orang-Utan-Baby Selfie
Selfie ist manchmal zurück­hal­tend und vorsichtig, aber oft auch mutig und abenteuerlustig



Umso glück­li­cher macht es uns, heute Selfies Entwick­lung zu sehen: Im Spiel mit ihren Orang-Utan-Freunden wird sie Tag für Tag mutiger und traut sich mehr zu. Dabei bleibt ihre Ersatz­mutter immer in der Nähe. Oft sucht Selfie noch immer Zuflucht in ihren Armen oder versteckt sich hinter ihren Beinen, wenn ihr das Spiel der anderen, etwas größeren Orang-Utan-Kinder zu wild wird.


Der erste Schultag für Selfie


Am 29. Mai 2025 war für Selfie dann der große Tag gekommen: Sie war bereit für die Einschu­lung Gemeinsam mit ihrer Freundin Rumba, die sie bereits aus dem Kinder­garten kannte, wech­selte sie in die erste Klasse der Wald­schule. Die etwas ältere Freundin schenkte der kleinen Selfie Sicher­heit und stärkte ihr Vertrauen in sich selbst und den unge­wohnten, neuen Ort.

Orang-Utan Iqo und Rumba
Orang-Utan Iqo und Rumba


Aber Rumba ist auch gut befreundet mit Iqo. Und als Iqo in die zweite Klasse wech­seln durfte, vermisste Freundin Rumba sie so sehr, dass sie wimmerte und weinte und nicht mehr aufhörte sie zu suchen. Nachdem es den Baby­sit­te­rinnen nicht gelang Iqo zu beru­higen, traf das Team die Entschei­dung, Rumba vorzeitig in die zweite Klasse zu den größeren Orang-Utans wech­seln zu lassen.


Selfie schließt neue Freundschaften


Es war eine schwie­rige Entschei­dung für das Team: Wie würde es Selfie ohne ihre Freundin ergehen? Aber keine der Befürch­tungen traf ein, im Gegen­teil! Dass die beiden älteren Orang-Utan-Kinder, deren Spiel oft ein wenig zu wild war für die kleine Selfie, nun in einer anderen Klasse waren, ließ mehr Raum für Selfies eigene Entwicklung.

Typisch Selfie: sie trägt gerne ein Blatt im Mund herum
Typisch Selfie: sie trägt gerne ein Blatt im Mund herum


Schneller als die Baby­sit­te­rinnen schauen konnten, hatte sich Selfie mit Nia ange­freundet – und die Ersatz­müt­tern beob­ach­teten stolz, wie selbst­be­wusst und frei sie sich von nun an verhielt. Neugierig erkundet Selfie nun auch Teile des Geländes, in die sie sich vorher nicht gewagt hatte. Sie traut sich inzwi­schen auch auf hohe Bäume und klet­tert und hangelt an den Ästen.
Ein typi­sches Verhalten für Selfie ist es geworden, sich ein Blatt von einem der Bäume zu pflü­cken und dieses im Mund herum­zu­tragen. Wenn die Fütte­rungs­zeit naht, verhält sich Selfie vorbild­lich: Sie isst nur so viel, wie sie auch verträgt, und lässt auch ihren Kinder­gar­ten­freunden genü­gend Früchte und Lecke­reien übrig.

Orang-Utan-Selfie
Selfie hat schon viel gelernt in der Waldschule

Bei aller Aben­teu­er­lust und neu entdeckten Frei­heit ist die Nähe zu den Baby­sit­te­rinnen jedoch immer noch sehr wichtig für Selfie. Spätes­tens wenn es am Abend zurück geht, holt sich die Kleine ihre Kuschel­ein­heiten ab und lässt sich gerne zurück­tragen, die Arme fest um den Körper ihrer Ersatz­mama geschlungen.

Orang-Utan Selfie mit ihrer Kuscheldecke
Orang-Utan Selfie mit ihrer Kuscheldecke


Nur Selfies Gesund­heit macht dem Team manchmal Sorgen. In letzter Zeit war das Wetter ziem­lich instabil und wech­selte häufig zwischen Hitze und Regen­schauern. Dadurch hatte Selfie schon mehr als eine Erkäl­tung. Doch sie bekommt vom BOS-Ärzte­team regel­mäßig eine Vitaminkur und wenn nötig auch Medizin. So wird sie immer schnell wieder gesund und kann zurück in die Wald­schule.
Dort erlebt sie Tag für Tag neue Lern­aben­teuer und entwi­ckelt sich in ein selbst­be­wusstes Indi­vi­duum mit ganz eigenen Charak­ter­zügen. Nur ein Jahr nach Selfies Rettung sind wir zuver­sicht­lich, dass die Kleine ihren Weg gehen wird, an dessen Ende die Auswil­de­rung steht. Lerne fleißig weiter, kleine Selfie, bewahre Dir Deine Neugierde und Aben­teu­er­lust, und werde groß und stark!
Möchten Sie Selfie auf ihrem Weg zurück in die Wildnis unter­stützen? Jede Spende hilft!