Auf Expedition mit dem Biodiversitäts-Team im Kehje Sewen Wald: Jeder Schritt verfolgt dasselbe Ziel – sicherzustellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurückkehren kann.
Unter dem dichten Blätterdach des Kehje Sewen Waldes beginnt für eine Gruppe von Menschen noch vor Sonnenaufgang der Tag. Sie packen Verpflegung in ihre Rucksäcke, überprüfen ihre Ausrüstung. Wenig später brechen sie auf. Zu Fuß hinein in den Regenwald von Ost Kalimantan auf Borneo – einen Biodiversitäts-Hotspot und wichtigen Lebensraum für Orang-Utans.
Sie sind nicht auf der Suche nach Abenteuern, sondern nach Erkenntnissen. Denn bei der Gruppe handelt es sich um das Biodiversitäts-Team der BOS-Waldschutzfirma Restorasi Habitat Orangutan Indonesia (RHOI). Ihre Aufgabe: Orang-Utans beobachten, Nester dokumentieren und Daten über die Artenvielfalt des Waldes sammeln.

Dafür unternimmt das Team regelmäßig lange Märsche durch den Regenwald, streift durch unwegsames Gelände, nimmt Regen und schweißtreibende Hitze in Kauf. Denn ihre Arbeit ist entscheidend dafür, ob gerettete und ausgewilderte Orang-Utans langfristig in Freiheit überleben können. Und ob der Kehje Sewen Regenwald ihnen als Lebensraum erhalten bleibt.
Artenschutz auf Borneo: Teamarbeit im Regenwald
Die Expedition beginnt am frühen Morgen. Zunächst macht sich das Team auf den Weg zum Basislager, das im Waldgebiet der PT-RHOI-Konzession liegt. Der Weg dorthin ist lang. Während sie durch den Wald laufen, sprechen die Teammitglieder über andere Kolleginnen und Kollegen, die den Einsatz über Flüsse mit Booten unterstützen. Viele Menschen sind beteiligt, damit Expeditionen sicher durchgeführt werden können und Material zuverlässig ankommt. Natur- und Artenschutz funktioniert nur gemeinsam.
Erst am späten Nachmittag erreichen sie den Lagerplatz. Zelte werden aufgebaut, Essen gekocht, die Arbeit für den nächsten Tag besprochen.
Acht Personen gehören zur Expedition: vier Beobachter:innen, zwei Navigatoren, die zugleich Wege freischlagen, und zwei Mitarbeitende, die im Camp bleiben und sich um Verpflegung kümmern.
Monitoring von Orang-Utans und Biodiversität
Die Aufgaben sind klar verteilt. Das Post Release Monitoring (PRM) Team dokumentiert Orang-Utan-Nester und erfasst verschiedene Parameter wie Nesthöhe, Baumhöhe, Stammdurchmesser, Umweltbedingungen. Das Research-and-Biodiversity-Team sammelt Daten über Vogelarten an festgelegten Beobachtungspunkten.

Jede dieser Beobachtungen liefert wichtige Informationen über den Zustand des Waldes und darüber, wie gut sich die ausgewilderten Orang-Utans an ihr Leben in Freiheit angepasst haben.
Kehje Sewen ist eines der Schutzgebiete, in denen die BOS Foundation rehabilitierte Orang-Utans auswildert. Gemeinsam mit der Waldschutzfirma RHOI setzt sich die Organisation auch für den Erhalt und die Wiederherstellung von Regenwald – den Lebensraum der Orang-Utans – ein.
Schwierige Wege durch den Regenwald von Ost-Kalimantan
Am nächsten Morgen beginnt für das Team die eigentliche Arbeit. Ihr erstes Ziel ist Transektion L1, eine neue Route für Monitoring-Aktivitäten. Schnell wird klar, dass der Weg schwieriger ist als erwartet. Die Pfade sind sehr schmal, müssen immer wieder zuerst frei gemacht werden. Die Navigatoren gehen voraus und öffnen die Route, während die übrigen Teammitglieder aufmerksam die Umgebung beobachten.

Das Gelände ist unwegsam, die Gruppe bewegt sich teilweise am Flussufer entlang, dann wieder steigt sie steile Hänge hinauf. Gegen 15 Uhr erreichen sie das Ende der Transektion. Plötzlich verändert sich das Wetter. Starker Wind kommt auf, kurz darauf setzt heftiger Regen ein. Aus Sicherheitsgründen entscheidet das Team, die Beobachtung abzukürzen und zum Camp zurückzukehren.
Ein riesiges Farnfeld wird zur Herausforderung
Auch am folgenden Tag bricht das Team erneut frühmorgens auf, eine andere Beobachtungsroute durch den Kehje Sewen steht auf dem Exkursionsplan. Anfangs wirkt die Strecke einfacher. Doch mitten im Wald stößt das Team auf ein riesiges Farnfeld, eingebettet in steiles Terrain. Kurz halten sie inne und bewundern die außergewöhnliche Szenerie.
Dann geht es weiter – nur wie? Das GPS zeigt den Weg direkt durch die dicht an dicht stehenden, meterhohen Farne. Die Navigatoren versuchen, eine alternative Route zu finden, doch das Terrain ringsum ist unwegsam und gefährlich. So entscheidet sich das Team für den Weg durch das Feld.
Mit der schweren Ausrüstung auf dem Rücken, müssen sich die Ranger durch schmale Lücken zwischen den Pflanzen schlängeln. Stunden vergehen. Und das Ende des Farnfeldes ist noch immer nicht in Sicht.
Als es 15 Uhr wird, steht fest: Die Transektion kann an diesem Tag nicht abgeschlossen werden. Schweren Herzens entscheidet sich das Team zur Umkehr, um das Basislager zu erreichen, bevor es dunkel wird.
Warum Regenwaldschutz und Orang-Utan-Schutz so wichtig sind
Der Tag endet mit Erschöpfung und Enttäuschung. Doch auch das gehört zur Arbeit im Regenwald dazu. Denn Regenwaldschutz und Artenschutz besteht nicht nur aus Erfolgen. Nicht jede Route kann beendet werden, nicht jedes Ziel wird erreicht.
Die BOS-Teams sind es gewohnt, sich immer wieder auf schwierige Bedingungen einzustellen: auf Wetterumschwünge und unwegsames Gelände, auf lange Wege und Rückschläge. Trotzdem setzen sie ihre Arbeit fort.
Denn jedes erfasste Orang-Utan-Nest, jede Vogelbeobachtung, jede Baumkartierung, kurz: jeder Datensatz, zahlt ein in die Bemühungen, den Wald als Lebensraum zu bewahren.

Oder wie das Team selbst es beschreibt: Jeder Schritt im Wald verfolgt dasselbe Ziel – sicherzustellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurückkehren kann.
Jetzt den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums unterstützen
Die Arbeit der Teams im Kehje Sewen Regenwald zeigt, wie aufwendig und wichtig der Schutz von Orang-Utans und tropischem Regenwald ist. Jede Unterstützung hilft dabei, Monitoring, Waldschutz und Auswilderungsprogramme langfristig fortzuführen.
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