Zwei Tage lang kämpft BOS gemeinsam mit Anwohnern, der Naturschutzbehörde von Zentralkalimantan und der indonesischen Armee darum, den jungen Orang-Utan lebend aus den Flammen und dem dichten Rauch zu retten. Ein Kampf im Wettlauf mit der Zeit und gegen sich immer wieder ausbreitende Feuer.
Der Notruf: ein Orang-Utan mitten im Waldbrandgebiet
Am 25. September entdeckt ein Dorfbewohner aus Katune Village in Zentralkalimantan einen jungen Orang-Utan, der hoch oben in einem Sengon-Baum sitzt, umgeben von brennendem Wald. Die Brände wüten bereits seit einigen Tagen. Dichter Rauch steht zwischen den Bäumen, erschwert die Atmung, behindert die Sicht. Es grenzt an ein Wunder, dass sich das Jungtier retten konnte – und dass es entdeckt wurde.

Im Feuer gefangen
Unser Team macht sich sofort auf den Weg und koordiniert den Rettungseinsatz mit der Naturschutzbehörde BKSDA Zentral-Kalimantan. Gegen 14:30 Uhr erreichen die Einsatzkräfte den Ort. Der Wald brennt noch immer, dichter Rauch liegt über dem Gebiet. Inmitten des Infernos konnte sich ein junger Orang-Utan in die Wipfel eines Baumes flüchten.

Eine sofortige Rettung ist nicht möglich
Zuerst müssen die Flammen rund um den Baum gelöscht werden, um einen sicheren Bereich für die Rettungskräfte zu schaffen. Auch die Hitze in der Umgebung muss reduziert werden. Die Teams arbeiten unter Einsatz aller Kräfte, im Wettlauf gegen die Zeit, und bringen Löschwasser auf die Flächen aus. Erst dann können sie versuchen, das Jungtier aus der Baumkrone zu bergen.

Verletzt und verängstigt in der Baumkrone
Der Plan der Rettungskräfte: Der Orang-Utan soll mit einem Betäubungspfeil leicht sediert und anschließend von der Mannschaft am Boden mit einem speziellen Sprungtuch sicher aufgefangen werden.

Der Rauch ist zu dicht: Der erste Rettungsversuch scheitert
Doch die Bedingungen sind zu schlecht. Der Rauch ist zu dicht und das Tier zu weit entfernt. Mithilfe einer Drohne kann sich die Rettungsmannschaft zwar einen Eindruck vom Zustand des Tieres verschaffen, doch ein sicherer Schuss ist vom Boden aus nicht möglich. Der Orang-Utan bleibt außer Reichweite, versteckt sich im Nest vor Hitze und Rauch.
Die Nacht bricht herein, der Wald in Zentralkalimantan brennt weiter
Bei Einbruch der Dunkelheit fällt die Entscheidung, die Evakuierung aus Sicherheitsgründen bis zum nächsten Morgen zu unterbrechen. Mitarbeitende der Naturschutzbehörde bleiben jedoch vor Ort, um den Orang-Utan zu überwachen und die Situation im Auge zu behalten.
Die Flammen breiten sich erneut aus
Am nächsten Morgen, dem 26. September, kehrt die Rettungsmannschaft an den Einsatzort zurück. Das Jungtier sitzt noch immer im selben Baum. Doch auch das Feuer ist wieder da. Der Wind hat bereits gelöschte Brandstellen erneut angefacht. Bevor ein zweiter Rettungsversuch beginnen kann, müssen die Flammen wieder bekämpft werden. BOS, BKSDA, Einsatzkräfte der indonesischen Armee und das Feuerwehrteam arbeiten gemeinsam daran, das Gebiet um den Baum erneut zu sichern.

Beim zweiten Versuch gelingt die Bergung des Orang-Utans
Gegen 10:30 Uhr sind die Flammen so weit eingedämmt, dass die Mannschaft einen zweiten Versuch unternehmen kann, das Jungtier aus der Baumkrone zu bergen. Diesmal trifft der Betäubungspfeil. Unter dem Baum halten die Einsatzkräfte ein großes Rettungsnetz bereit und die Baumkrone im Blick. Dann ist der Moment gekommen: Der junge Orang-Utan fällt aus seinem Nest und wird sicher aufgefangen.

Brandverletzungen an Händen und Füßen
Jetzt zeigt sich, wie schwer der Waldbrand das Tier getroffen hat: Es hat schwere Brandverletzungen an allen vier Händen und Füßen, die Atemwege sind durch den Rauch stark belastet, es ist völlig erschöpft. Die BOS-Tierärzte stellen außerdem fest, dass es sich um ein erst etwa drei bis vier Jahre altes Weibchen handelt. Eigentlich sollte es in diesem Alter in Begleitung seiner Mutter sein – doch ein Muttertier konnte die Rettungsmannschaft nicht entdecken.

Erstversorgung des geretteten Orang-Utan-Weibchens
Noch am Einsatzort beginnen die BOS-Tierärzte mit der medizinischen Notversorgung, um den Zustand des jungen Orang-Utan-Weibchens zu stabilisieren. Es erhält Sauerstoff und eine Infusion gegen die Dehydrierung, seine Brandwunden werden versorgt, um eine mögliche Infektion zu verhindern. Die BKSDA tauft das gerettete Jungtier auf den Namen Novita.

Auf die Intensivstation im BOS-Rettungszentrum
Nun kann Novita aus dem Waldbrandgebiet evakuiert und in das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng in Zentralkalimantan gebracht werden. Dort erhält sie seitdem intensive medizinische Versorgung und liebevolle Pflege. Unser Team wird alles dafür tun, dass sich Novita von ihren Verletzungen und den traumatischen Erfahrungen erholen kann.

Novita ist in Sicherheit – die Wälder auf Borneo sind es nicht
Während Novita in Nyaru Menteng versorgt wird, bleibt die Lage in den Waldbrandgebieten auf Borneo kritisch. Das Schicksal des geretteten jungen Orang-Utans zeigt, wie verheerend Wald- und Flächenbrände für Wildtiere sein können – und wie entscheidend schnelle, koordinierte Rettungseinsätze sind, damit betroffene Tiere eine Chance auf Überleben haben.
Sie können unsere Teams auf Borneo beim unermüdlichen Einsatz gegen die Flammen unterstützen: Spenden Sie ein Set Brandschutzkleidung! Jede Spende hilft und kommt direkt in unseren Rettungszentren auf Borneo an.
Durch den Super-El-Nino ist die Bedrohung durch Waldbrände in diesem Jahr besonders dramatisch. Hier informieren wir sie über die aktuelle Situation in den Projektgebieten der BOS Foundation auf Borneo.
