1. Oktober 2026
Das Orang-Utan-Mädchen Novita hadert in ihrem Nest mitten des Feuers

Orang-Utan-Weib­chen aus bren­nendem Wald auf Borneo gerettet

Zwei Tage lang kämpft BOS gemeinsam mit Anwoh­nern, der Natur­schutz­be­hörde von Zentral­ka­li­mantan und der indo­ne­si­schen Armee darum, den jungen Orang-Utan lebend aus den Flammen und dem dichten Rauch zu retten. Ein Kampf im Wett­lauf mit der Zeit und gegen sich immer wieder ausbrei­tende Feuer.

Der Notruf: ein Orang-Utan mitten im Waldbrandgebiet

Am 25. September entdeckt ein Dorf­be­wohner aus Katune Village in Zentral­ka­li­mantan einen jungen Orang-Utan, der hoch oben in einem Sengon-Baum sitzt, umgeben von bren­nendem Wald. Die Brände wüten bereits seit einigen Tagen. Dichter Rauch steht zwischen den Bäumen, erschwert die Atmung, behin­dert die Sicht. Es grenzt an ein Wunder, dass sich das Jung­tier retten konnte – und dass es entdeckt wurde.

Der Orang-Utan Novita sucht Schutz vor dem Feuer
Der Orang-Utan Novita sucht Schutz vor dem Feuer

Im Feuer gefangen

Unser Team macht sich sofort auf den Weg und koor­di­niert den Rettungs­ein­satz mit der Natur­schutz­be­hörde BKSDA Zentral-Kali­mantan. Gegen 14:30 Uhr errei­chen die Einsatz­kräfte den Ort. Der Wald brennt noch immer, dichter Rauch liegt über dem Gebiet. Inmitten des Infernos konnte sich ein junger Orang-Utan in die Wipfel eines Baumes flüchten.

Eine sofor­tige Rettung ist nicht möglich

Zuerst müssen die Flammen rund um den Baum gelöscht werden, um einen sicheren Bereich für die Rettungs­kräfte zu schaffen. Auch die Hitze in der Umge­bung muss redu­ziert werden. Die Teams arbeiten unter Einsatz aller Kräfte, im Wett­lauf gegen die Zeit, und bringen Lösch­wasser auf die Flächen aus. Erst dann können sie versu­chen, das Jung­tier aus der Baum­krone zu bergen.

Orang-Utan Novita wird bei der Rettung in einem Netz aufgefangen
Novita wird in einem Netz aufgefangen

Verletzt und verängs­tigt in der Baumkrone

Der Plan der Rettungs­kräfte: Der Orang-Utan soll mit einem Betäu­bungs­pfeil leicht sediert und anschlie­ßend von der Mann­schaft am Boden mit einem spezi­ellen Sprung­tuch sicher aufge­fangen werden.

Das Rettungsteam betäubt das Orang-Utan-Mädchen, um es sicher vom Baum herunterzuholen
Das Rettungs­team betäubt das Orang-Utan-Mädchen, um es sicher vom Baum herunterzuholen

Der Rauch ist zu dicht: Der erste Rettungs­ver­such scheitert

Doch die Bedin­gungen sind zu schlecht. Der Rauch ist zu dicht und das Tier zu weit entfernt. Mithilfe einer Drohne kann sich die Rettungs­mann­schaft zwar einen Eindruck vom Zustand des Tieres verschaffen, doch ein sicherer Schuss ist vom Boden aus nicht möglich. Der Orang-Utan bleibt außer Reich­weite, versteckt sich im Nest vor Hitze und Rauch.

Die Nacht bricht herein, der Wald in Zentral­ka­li­mantan brennt weiter

Bei Einbruch der Dunkel­heit fällt die Entschei­dung, die Evaku­ie­rung aus Sicher­heits­gründen bis zum nächsten Morgen zu unter­bre­chen. Mitar­bei­tende der Natur­schutz­be­hörde bleiben jedoch vor Ort, um den Orang-Utan zu über­wa­chen und die Situa­tion im Auge zu behalten.

Die Flammen breiten sich erneut aus

Am nächsten Morgen, dem 26. September, kehrt die Rettungs­mann­schaft an den Einsatzort zurück. Das Jung­tier sitzt noch immer im selben Baum. Doch auch das Feuer ist wieder da. Der Wind hat bereits gelöschte Brand­stellen erneut ange­facht. Bevor ein zweiter Rettungs­ver­such beginnen kann, müssen die Flammen wieder bekämpft werden. BOS, BKSDA, Einsatz­kräfte der indo­ne­si­schen Armee und das Feuer­wehr­team arbeiten gemeinsam daran, das Gebiet um den Baum erneut zu sichern.

Orang-Utan Novita wird von den Tierärzten der BOS Foundation versorgt

Beim zweiten Versuch gelingt die Bergung des Orang-Utans

Gegen 10:30 Uhr sind die Flammen so weit einge­dämmt, dass die Mann­schaft einen zweiten Versuch unter­nehmen kann, das Jung­tier aus der Baum­krone zu bergen. Diesmal trifft der Betäu­bungs­pfeil. Unter dem Baum halten die Einsatz­kräfte ein großes Rettungs­netz bereit und die Baum­krone im Blick. Dann ist der Moment gekommen: Der junge Orang-Utan fällt aus seinem Nest und wird sicher aufgefangen.

Verbrannte Orang-Utan-Hand
Novitas Hand wurde durch das Feuer stark verbrannt

Brand­ver­let­zungen an Händen und Füßen

Jetzt zeigt sich, wie schwer der Wald­brand das Tier getroffen hat: Es hat schwere Brand­ver­let­zungen an allen vier Händen und Füßen, die Atem­wege sind durch den Rauch stark belastet, es ist völlig erschöpft. Die BOS-Tier­ärzte stellen außerdem fest, dass es sich um ein erst etwa drei bis vier Jahre altes Weib­chen handelt. Eigent­lich sollte es in diesem Alter in Beglei­tung seiner Mutter sein – doch ein Mutter­tier konnte die Rettungs­mann­schaft nicht entdecken.

Orang-Utan Novita wird von den Tierärzten der BOS Foundation versorgt
Orang-Utan Novita wird von den Tier­ärzten der BOS Foun­da­tion versorgt

Erst­ver­sor­gung des geret­teten Orang-Utan-Weibchens

Noch am Einsatzort beginnen die BOS-Tier­ärzte mit der medi­zi­ni­schen Notver­sor­gung, um den Zustand des jungen Orang-Utan-Weib­chens zu stabi­li­sieren. Es erhält Sauer­stoff und eine Infu­sion gegen die Dehy­drie­rung, seine Brand­wunden werden versorgt, um eine mögliche Infek­tion zu verhin­dern. Die BKSDA tauft das geret­tete Jung­tier auf den Namen Novita.

Das Orang-Utan-Mädchen Novita kommt im Rettungszentrum Nyaru Menteng an
Das Orang-Utan-Mädchen Novita kommt im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng an

Auf die Inten­siv­sta­tion im BOS-Rettungszentrum

Nun kann Novita aus dem Wald­brand­ge­biet evaku­iert und in das BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng in Zentral­ka­li­mantan gebracht werden. Dort erhält sie seitdem inten­sive medi­zi­ni­sche Versor­gung und liebe­volle Pflege. Unser Team wird alles dafür tun, dass sich Novita von ihren Verlet­zungen und den trau­ma­ti­schen Erfah­rungen erholen kann.

Orang-Utan Novita wurde von einem Team aus Feuerwehrleuten und Tierärzten der BOS Foundation gerettet
Novita wurde von einem Team aus Feuer­wehr­leuten und Tier­ärzten der BOS Foun­da­tion gerettet

Novita ist in Sicher­heit – die Wälder auf Borneo sind es nicht

Während Novita in Nyaru Menteng versorgt wird, bleibt die Lage in den Wald­brand­ge­bieten auf Borneo kritisch. Das Schicksal des geret­teten jungen Orang-Utans zeigt, wie verhee­rend Wald- und Flächen­brände für Wild­tiere sein können – und wie entschei­dend schnelle, koor­di­nierte Rettungs­ein­sätze sind, damit betrof­fene Tiere eine Chance auf Über­leben haben.

Sie können unsere Teams auf Borneo beim uner­müd­li­chen Einsatz gegen die Flammen unter­stützen: Spenden Sie ein Set Brand­schutz­klei­dung! Jede Spende hilft und kommt direkt in unseren Rettungs­zen­tren auf Borneo an.

Durch den Super-El-Nino ist die Bedro­hung durch Wald­brände in diesem Jahr beson­ders drama­tisch. Hier infor­mieren wir sie über die aktu­elle Situa­tion in den Projekt­ge­bieten der BOS Foun­da­tion auf Borneo.