Der globale Wildtierhandel gehört zu den größten Gefahren für bedrohte Tierarten. Auch Orang-Utans fallen dem illegalen Geschäft zum Opfer: Jungtiere werden aus den Regenwäldern gerissen und weit entfernt von ihrem natürlichen Lebensraum als exotische Haustiere oder in touristischen Attraktionen gehalten. Meist mit tragischem Ende. Moza konnten wir retten. Ihre Geschichte macht uns Mut, weiter für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Art und gegen den illegalen Tierhandel zu kämpfen.
Das zweite Leben von Moza beginnt am 13. September 2015 in Kuwait, tausende Kilometer von ihrer Heimat im Regenwald von Borneo entfernt. An diesem Tag tritt das Orang-Utan-Mädchen ihre Heimreise nach Indonesien an. Sie konnte aus illegaler Haltung gerettet werden – die genauen Umstände, wie sie ihre Mutter verlor und in die Hände des Privatbesitzers gelangt war, werden wir jedoch nie erfahren.
Die enge Zusammenarbeit zwischen der indonesischen Botschaft in Kuwait und dem indonesischen Umwelt- und Forstministerium ermöglicht es schließlich, alle organisatorischen und bürokratischen Hürden zu nehmen. Moza darf ausreisen. Sie bekommt eine neue Chance auf das Leben, das ihr eigentlich zusteht.
Der tatsächlich Weg zurück in den Regenwald ist viel länger
Etwa zwei Jahre alt ist Moza, als sie nach Indonesien zurückkehrt. In diesem Alter würde sie normalerweise mit ihrer Mutter durch den Regenwald streifen. Ein unzertrennliches Duo. Denn von ihren Müttern lernen Jungtiere alle, was sie zum Überleben brauchen.
Und deshalb ist der erste Tag von Mozas neuem Leben zugleich der erste Schritt einer langen Reise, an dessen Ende – so hoffen es ihre Retter, denn Gewissheit kann es zu diesem Zeitpunkt noch nicht geben – ein Leben in Freiheit steht.

Nach ihrer Ankunft in Indonesien wird Moza zunächst im Taman Safari Indonesia in Cisarua bei Bogor unter Quarantäne gestellt. Tierärztinnen und Tierärzte untersuchen das junge Orang-Utan-Weibchen gründlich. Die gute Nachricht: Sie ist gesundheitlich in einem stabilen Zustand.
Moza ist gesund und darf die Waldschule der Orang-Utans besuchen
Nach absolvierter Quarantäne kommt Moza in unser Rettungszentrum in Nyaru Menteng, Zentral Kalimantan, und beginnt mit dem Besuch der Waldschule. Über viele Jahre hinweg lernen die geretteten Orang-Utan-Waisenkinder in der BOS-Waldschule all die Dinge, die sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten.
Dazu gehört das Hangeln und Klettern hoch oben in den Baumkronen und das Bauen von Schlafnestern ebenso wie das Erkennen dutzender unterschiedlicher Waldfrüchte, Blätter und Wurzeln sowie anderer Nahrungsquellen wie etwa Honig oder Termiten.
Während die jungen Orang-Utans die Waldschule besuchen, werden sie liebevoll begleitet von ihren menschlichen Ersatzmüttern und ihre körperliche Entwicklung genauestens vom BOS-Veterinärsteam beobachtet.
Eine aufmerksame und intelligente Schülerin: Moza fällt früh auf
Trotz ihrer traumatischen Erfahrungen passt sich die kleine Moza schnell an ihre neue Umgebung an und fühlt sich offensichtlich wohl in der Waldschule, die sie mit etwa gleichaltrigen Orang-Utan-Kindern besucht. Es dauert nicht lange, da fällt sie den Babysitterinnen als besonders aufmerksam und lernfähig auf.
Rund vier Jahre verbringt Moza in der Waldschule. Während dieser Zeit entwickelt sie Schritt für Schritt die Fähigkeiten, die sie als wilder, frei lebender Orang-Utan benötigen wird.
Es kommt der Tag, an dem sich das BOS-Team – ihre Ersatzmütter und die Veterinäre – sicher ist: Moza ist bereit für den nächsten Schritt!
Bereit für ein Leben in Freiheit? Das wird die Wald-Universität zeigen!
2019 wird Moza auf eine sogenannte Vorauswilderungsinnsel gebracht. Diese Inseln dienen als wichtige Zwischenstation auf dem Weg zur Auswilderung. Hier können rehabilitierte Orang-Utans deutlich freier leben als zuvor: Sie erkunden den Wald selbstständig, suchen ihre Nahrung, bewegen sich ohne menschliche Anleitung durch die Baumkronen, bauen abends eigenständig Schlafnester.
Auf der Insel wächst eine starke junge Orang-Utan-Dame heran

Auf der Vorauswilderungsinsel beobachtet das BOS-Team Mozas Entwicklung weiterhin regelmäßig, allerdings mit deutlich größerem Abstand als während der intensiven Trainingsphase in der Waldschule.
Mit der Zeit wächst aus dem einst aus Kuwait geretteten Jungtier eine junge Erwachsene heran, die sich in Quasi-Freiheit bestens zurecht findet. Und dann beginnt – mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Rückkehr nach Indonesien – ein neues Kapital in Mozas Leben.
Eine neue Generation im Regenwald: Moza wird Mutter
Auf der Vorauswilderungsinsel Kaja Island lebt Moza inzwischen nicht mehr allein: Sie ist still und leise Mutter geworden! An ihrer Seite hat das BOS-Monitoring-Team einen Orang-Utan-Jungen entdeckt, der etwa drei, vielleicht auch schon vier Jahre alt ist. Moza ist heute geschätzte 15 bis 16 Jahren alt, eine ausgewachsene Orang-Utan-Dame. Ihren Sohn hat das Team Minho getauft.
Bei einer ihrer Beobachtungsfahrten sieht das Team Mutter und Jungtier oben in den Baumwipfeln: In etwa fünf Metern Höhe sitzt Moza auf einem Ast und isst junge, frisch gepflückte Blätter. Ganz in ihrer Nähe sitzt Minho und ahmt ihr Verhalten nach. Nachdem die beiden auf diesem Baum fertig gegessen haben, bewegen sie sich langsam weiter durch das Blätterdach des Waldes, bis sie schließlich aus dem Sichtfeld der Menschen verschwinden.
Der kleine Minho lernt von seiner Orang-Utan-Mutter
An einem anderen Tag kann das Monitoring-Team eine Szene beobachten, die ihnen wieder einmal vor Augen führt, wie eng Orang-Utan-Mütter und ihr Nachwuchs miteinander verbunden sind.
Moza und Minho verbringen einen warmen Nachmittag am Wasser. Gemeinsam gehen sie zum Ufer und beginnen, im flachen Wasser zu spielen. Für den kleinen Minho ist das Spiel jedoch mehr als nur eine Abkühlung: Indem Mama Moza ihrem Sohn erlaubt, seine Umgebung und die Eigenschaften des Wassers zu erkunden, vermittelt sie ihm wichtige Fähigkeiten für sein späteres Leben.
Nach dem Bad besuchen Mutter und Sohn die Fütterungsplattform der Insel, auf der das BOS-Team Früchte bereit gestellt hat. Auf der Vorauswilderungsinsel leben die Orang-Utans zwar quasi-wild und frei, doch das Nahrungsangebot ist aufgrund der Größe der Insel eingeschränkt. Zusätzlich zum selbst gesuchten Futter erhalten die Tiere daher noch ergänzende Nahrung – heute zum Beispiel Melone und Papaya. Schnell verzehren Moza und Minho die Früchte, bevor sie wieder im Wald verschwinden. Während der gesamten Zeit an der Plattform, so die Beobachtung des BOS-Teams, bleibt Minho dicht an der Seite seiner Mutter.

Eine Rehabiliation und Auswilderung ist möglich
Mozas Geschichte zeigt, was im Kampf um jedes einzelne Orang-Utan-Leben möglich ist und dass es durchaus Hoffnung gibt. Sie zeigt aber auch, wie viel Aufwand nötig ist, um ein gerettetes Tier zurück in den Regenwald zu bringen.
Heute zieht Moza selbst ein Jungtier groß und das ist das größte Hoffnungszeichen für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Art. Es zeigt, dass gerettete Orang-Utans mit der richtigen Unterstützung wieder Teil einer natürlichen Population werden können. Doch braucht es dafür, für jeden einzelnen der vielen Schritte im Rehabilitationsprozess, Fachwissen und engagierte Teams im Artenschutz.
Hoffnung für die nächste Generation von Orang-Utans
Unter dem Blätterdach von Kaja Island wachsen nun zwei Generationen heran. Und mit ihnen wächst die Hoffnung, dass Geschichten wie die von Moza keine Einzelfälle bleiben. Sie zeigt uns, dass Artenschutz und Engagement einen Unterschied bewirken können.

Um erfolgreich gegen die Wildtiermafia agieren zu können, muss das Problem jedoch an der Wurzel bekämpft werden. Anlässlich der Rückführung Mozas aus Kuwait sagte Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foundation: „Trotz unseres großen Erfolges hinsichtlich der Rettung aus Kuwait besteht weiterhin ein großes Problem. Es ist wie die Spitze eines Eisbergs. Was man sieht, ist keineswegs wie das, was sich darunter befindet. Unsere Feldteams begegnen häufig Jägern und Wilderern. Wer dem illegalen Tierhandel das Handwerk legen möchte, muss Überwachungen und Strafverfolgungen auf höchstem Niveau betreiben.“
Und auch wir selbst können dazu beitragen, dass der Wildtiermafia die Nachfrage wegbricht: Indem wir keine touristischen Attraktionen besuchen, in denen Wildtiere ausgebeutet werden. Und indem wir Posts auf Social Media, die die Ausbeutung oder Misshandlung von Wildtieren darstellen, boykottieren. Hier haben wir Tipps für Sie zusammengestellt.
