31. März 2026
Orang-Utan Moza und ihr Baby

Orang-Utan-Weib­chen Moza: Gerettet aus Kuwait – heute Mutter im Regenwald

Der globale Wild­tier­handel gehört zu den größten Gefahren für bedrohte Tier­arten. Auch Orang-Utans fallen dem ille­galen Geschäft zum Opfer: Jung­tiere werden aus den Regen­wäl­dern gerissen und weit entfernt von ihrem natür­li­chen Lebens­raum als exoti­sche Haus­tiere oder in touris­ti­schen Attrak­tionen gehalten. Meist mit tragi­schem Ende. Moza konnten wir retten. Ihre Geschichte macht uns Mut, weiter für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Art und gegen den ille­galen Tier­handel zu kämpfen.

Das zweite Leben von Moza beginnt am 13. September 2015 in Kuwait, tausende Kilo­meter von ihrer Heimat im Regen­wald von Borneo entfernt. An diesem Tag tritt das Orang-Utan-Mädchen ihre Heim­reise nach Indo­ne­sien an. Sie konnte aus ille­galer Haltung gerettet werden – die genauen Umstände, wie sie ihre Mutter verlor und in die Hände des Privat­be­sit­zers gelangt war, werden wir jedoch nie erfahren.
Die enge Zusam­men­ar­beit zwischen der indo­ne­si­schen Botschaft in Kuwait und dem indo­ne­si­schen Umwelt- und Forst­mi­nis­te­rium ermög­licht es schließ­lich, alle orga­ni­sa­to­ri­schen und büro­kra­ti­schen Hürden zu nehmen. Moza darf ausreisen. Sie bekommt eine neue Chance auf das Leben, das ihr eigent­lich zusteht.

Der tatsäch­lich Weg zurück in den Regen­wald ist viel länger

Etwa zwei Jahre alt ist Moza, als sie nach Indo­ne­sien zurück­kehrt. In diesem Alter würde sie norma­ler­weise mit ihrer Mutter durch den Regen­wald streifen. Ein unzer­trenn­li­ches Duo. Denn von ihren Müttern lernen Jung­tiere alle, was sie zum Über­leben brau­chen.
Und deshalb ist der erste Tag von Mozas neuem Leben zugleich der erste Schritt einer langen Reise, an dessen Ende – so hoffen es ihre Retter, denn Gewiss­heit kann es zu diesem Zeit­punkt noch nicht geben – ein Leben in Frei­heit steht.

Orang-Utan-Baby Moza bei ihrer Rettung aus Kuwait
Moza bei ihrer Rettung aus Kuwait: noch ein Baby, das eigent­lich zu seiner Mutter gehört


Nach ihrer Ankunft in Indo­ne­sien wird Moza zunächst im Taman Safari Indo­nesia in Cisarua bei Bogor unter Quaran­täne gestellt. Tier­ärz­tinnen und Tier­ärzte unter­su­chen das junge Orang-Utan-Weib­chen gründ­lich. Die gute Nach­richt: Sie ist gesund­heit­lich in einem stabilen Zustand.

Moza ist gesund und darf die Wald­schule der Orang-Utans besuchen

Nach absol­vierter Quaran­täne kommt Moza in unser Rettungs­zen­trum in Nyaru Menteng, Zentral Kali­mantan, und beginnt mit dem Besuch der Wald­schule. Über viele Jahre hinweg lernen die geret­teten Orang-Utan-Waisen­kinder in der BOS-Wald­schule all die Dinge, die sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten.
Dazu gehört das Hangeln und Klet­tern hoch oben in den Baum­kronen und das Bauen von Schlaf­nes­tern ebenso wie das Erkennen dutzender unter­schied­li­cher Wald­früchte, Blätter und Wurzeln sowie anderer Nahrungs­quellen wie etwa Honig oder Termiten.
Während die jungen Orang-Utans die Wald­schule besu­chen, werden sie liebe­voll begleitet von ihren mensch­li­chen Ersatz­müt­tern und ihre körper­liche Entwick­lung genau­es­tens vom BOS-Vete­ri­närs­team beobachtet.

Eine aufmerk­same und intel­li­gente Schü­lerin: Moza fällt früh auf

Trotz ihrer trau­ma­ti­schen Erfah­rungen passt sich die kleine Moza schnell an ihre neue Umge­bung an und fühlt sich offen­sicht­lich wohl in der Wald­schule, die sie mit etwa gleich­alt­rigen Orang-Utan-Kindern besucht. Es dauert nicht lange, da fällt sie den Baby­sit­te­rinnen als beson­ders aufmerksam und lern­fähig auf.
Rund vier Jahre verbringt Moza in der Wald­schule. Während dieser Zeit entwi­ckelt sie Schritt für Schritt die Fähig­keiten, die sie als wilder, frei lebender Orang-Utan benö­tigen wird.
Es kommt der Tag, an dem sich das BOS-Team – ihre Ersatz­mütter und die Vete­ri­näre – sicher ist: Moza ist bereit für den nächsten Schritt!

Bereit für ein Leben in Frei­heit? Das wird die Wald-Univer­sität zeigen!

2019 wird Moza auf eine soge­nannte Voraus­wil­de­rung­s­innsel gebracht. Diese Inseln dienen als wich­tige Zwischen­sta­tion auf dem Weg zur Auswil­de­rung. Hier können reha­bi­li­tierte Orang-Utans deut­lich freier leben als zuvor: Sie erkunden den Wald selbst­ständig, suchen ihre Nahrung, bewegen sich ohne mensch­liche Anlei­tung durch die Baum­kronen, bauen abends eigen­ständig Schlafnester.

Auf der Insel wächst eine starke junge Orang-Utan-Dame heran

Orang-Utan Motza und Ihr Baby am Wasser

Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel beob­achtet das BOS-Team Mozas Entwick­lung weiterhin regel­mäßig, aller­dings mit deut­lich größerem Abstand als während der inten­siven Trai­nings­phase in der Wald­schule.
Mit der Zeit wächst aus dem einst aus Kuwait geret­teten Jung­tier eine junge Erwach­sene heran, die sich in Quasi-Frei­heit bestens zurecht findet. Und dann beginnt – mehr als ein Jahr­zehnt nach ihrer Rück­kehr nach Indo­ne­sien – ein neues Kapital in Mozas Leben.

Eine neue Gene­ra­tion im Regen­wald: Moza wird Mutter

Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Kaja Island lebt Moza inzwi­schen nicht mehr allein: Sie ist still und leise Mutter geworden! An ihrer Seite hat das BOS-Moni­to­ring-Team einen Orang-Utan-Jungen entdeckt, der etwa drei, viel­leicht auch schon vier Jahre alt ist. Moza ist heute geschätzte 15 bis 16 Jahren alt, eine ausge­wach­sene Orang-Utan-Dame. Ihren Sohn hat das Team Minho getauft.
Bei einer ihrer Beob­ach­tungs­fahrten sieht das Team Mutter und Jung­tier oben in den Baum­wip­feln: In etwa fünf Metern Höhe sitzt Moza auf einem Ast und isst junge, frisch gepflückte Blätter. Ganz in ihrer Nähe sitzt Minho und ahmt ihr Verhalten nach. Nachdem die beiden auf diesem Baum fertig gegessen haben, bewegen sie sich langsam weiter durch das Blät­ter­dach des Waldes, bis sie schließ­lich aus dem Sicht­feld der Menschen verschwinden.

Der kleine Minho lernt von seiner Orang-Utan-Mutter

An einem anderen Tag kann das Moni­to­ring-Team eine Szene beob­achten, die ihnen wieder einmal vor Augen führt, wie eng Orang-Utan-Mütter und ihr Nach­wuchs mitein­ander verbunden sind.
Moza und Minho verbringen einen warmen Nach­mittag am Wasser. Gemeinsam gehen sie zum Ufer und beginnen, im flachen Wasser zu spielen. Für den kleinen Minho ist das Spiel jedoch mehr als nur eine Abküh­lung: Indem Mama Moza ihrem Sohn erlaubt, seine Umge­bung und die Eigen­schaften des Wassers zu erkunden, vermit­telt sie ihm wich­tige Fähig­keiten für sein späteres Leben.
Nach dem Bad besu­chen Mutter und Sohn die Fütte­rungs­platt­form der Insel, auf der das BOS-Team Früchte bereit gestellt hat. Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel leben die Orang-Utans zwar quasi-wild und frei, doch das Nahrungs­an­gebot ist aufgrund der Größe der Insel einge­schränkt. Zusätz­lich zum selbst gesuchten Futter erhalten die Tiere daher noch ergän­zende Nahrung – heute zum Beispiel Melone und Papaya. Schnell verzehren Moza und Minho die Früchte, bevor sie wieder im Wald verschwinden. Während der gesamten Zeit an der Platt­form, so die Beob­ach­tung des BOS-Teams, bleibt Minho dicht an der Seite seiner Mutter.

Orang-Utan-Baby-Minho bewegt sich nie weit von seiner Mutter fort, beobachtet sie stets ganz genau
Minho bewegt sich nie weit von seiner Mutter fort, beob­achtet sie stets ganz genau


Eine Reha­bi­lia­tion und Auswil­de­rung ist möglich

Mozas Geschichte zeigt, was im Kampf um jedes einzelne Orang-Utan-Leben möglich ist und dass es durchaus Hoff­nung gibt. Sie zeigt aber auch, wie viel Aufwand nötig ist, um ein geret­tetes Tier zurück in den Regen­wald zu bringen.
Heute zieht Moza selbst ein Jung­tier groß und das ist das größte Hoff­nungs­zei­chen für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Art. Es zeigt, dass geret­tete Orang-Utans mit der rich­tigen Unter­stüt­zung wieder Teil einer natür­li­chen Popu­la­tion werden können. Doch braucht es dafür, für jeden einzelnen der vielen Schritte im Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess, Fach­wissen und enga­gierte Teams im Artenschutz.

Hoff­nung für die nächste Gene­ra­tion von Orang-Utans

Unter dem Blät­ter­dach von Kaja Island wachsen nun zwei Gene­ra­tionen heran. Und mit ihnen wächst die Hoff­nung, dass Geschichten wie die von Moza keine Einzel­fälle bleiben. Sie zeigt uns, dass Arten­schutz und Enga­ge­ment einen Unter­schied bewirken können.

So sieht Hoffnung aus: die nächste Orang-Utan-Generation wächst heran
So sieht Hoff­nung aus: die nächste Orang-Utan-Gene­ra­tion wächst heran


Um erfolg­reich gegen die Wild­tier­mafia agieren zu können, muss das Problem jedoch an der Wurzel bekämpft werden. Anläss­lich der Rück­füh­rung Mozas aus Kuwait sagte Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foun­da­tion: „Trotz unseres großen Erfolges hinsicht­lich der Rettung aus Kuwait besteht weiterhin ein großes Problem. Es ist wie die Spitze eines Eisbergs. Was man sieht, ist keines­wegs wie das, was sich darunter befindet. Unsere Feld­teams begegnen häufig Jägern und Wilde­rern. Wer dem ille­galen Tier­handel das Hand­werk legen möchte, muss Über­wa­chungen und Straf­ver­fol­gungen auf höchstem Niveau betreiben.“
Und auch wir selbst können dazu beitragen, dass der Wild­tier­mafia die Nach­frage wegbricht: Indem wir keine touris­ti­schen Attrak­tionen besu­chen, in denen Wild­tiere ausge­beutet werden. Und indem wir Posts auf Social Media, die die Ausbeu­tung oder Miss­hand­lung von Wild­tieren darstellen, boykot­tieren. Hier haben wir Tipps für Sie zusam­men­ge­stellt.