Nach seiner Auswilderung im November 2025 verschwand Orang-Utan Otan schnell im Regenwald des Bukit Baka Bukit Raya-Nationalparks auf Borneo. Als das Post-Release Monitoring-Team ihn dann schließlich endlich wieder einmal entdeckte, zeigte sich: Otan hat sich erfolgreich an sein Leben in Freiheit angepasst.
November 2025 markierte das glückliche Finale einer zehnjährigen Rehabilitation: Das junge Orang-Utan-Männchen Otan war im Februar 2015 gerettet worden, hatte in der BOS-Waldschule alles gelernt, was er für ein Leben in Freiheit brauchte, durfte 2023 auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat umziehen und wurde schließlich im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark ausgewildert.
Seitdem war Otan aus dem Blickfeld verschwunden
Für unsere Ranger ist das zunächst nichts Ungewöhnliches. Ausgewilderte Orang-Utans sollen selbstständig leben. Und je unabhängiger sie werden, desto seltener lassen sie sich beobachten.
Trotzdem blieb Otan Gesprächsthema im Team: Wie kam er wohl in seinem neuen wilden Zuhause zurecht? Gelang es ihm, genügend Nahrung zu finden? Wo versteckte er sich? Die Antworten auf diese Fragen lagen irgendwo im dichten Regenwald am Bemban-Fluss…
Wiedersehen mit dem ausgewilderten Orang-Utan
Der Morgennebel hing noch über den Baumkronen, als das PRM-Team eine seiner üblichen Patrouillen begann. Die Ranger kontrollierten Nahrungsbäume, suchten nach Spuren von Wildtieren und überprüften Bereiche, die häufig von ausgewilderten Orang-Utans besucht werden.
Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders verlaufen würde als viele zuvor. Bis plötzlich zwischen den Ästen, nahe dem Ufer des Bemban-Flusses, eine vertraute Silhouette auftauchte. Vorsichtig näherte sich unser Team und war sich schnell einig: Es ist Otan!

Der junge Oran-Utan-Mann pflückte in aller Ruhe die Früchte eines Sangkuangs (Dracontomelon dao) und ließ sich nicht von den Menschen stören, die in ausreichender Entfernung ihren Beobachtungsposten eingenommen hatten.
Je länger unser PRM-Team Otan beobachtete, desto deutlicher wurde, wie sehr er sich seit seiner Auswilderung verändert hatte.
Nicht nur war Otan ganz offensichtlich gesund und in bester Verfassung, er bewegte sich auch selbstsicher und kraftvoll durch den Wald und nutzte dabei unterschiedlichste Nahrungsquellen. Neben Sangkuang fraß er Früchte von verschiedenen Feigenbaumarten, von Clusiaceae-Arten und Annonengewächsen sowie weitere Pflanzenteile wie Orchideen, Baumrinde und junge Rattansprossen.
Wie Otan nach seiner Auswilderung im Regenwald lebt
In den ersten Monaten nach seiner Freilassung hatte Otan den Großteil seiner Zeit hoch oben in den Bäumen verbracht, wo er für unsere PRM-Teams nur schwer zu beobachten war. Nur über seinen implantierten Peilsender konnte er lokalisiert werden. Doch bei diesem Zusammentreffen wirkte er weitaus dynamischer: Er wechselte immer wieder zwischen den verschiedenen Ebenen des Waldes. Mal stieg er auf den Boden hinab, kletterte entschlossen über Sträucher und umgestürzte Baumstämme. Mal schwang er sich kraftvoll durch das Geäst der Baumriesen.

Im Laufe des Tages legte er rund 1.200 Meter zurück. Für Menschen mag das keine außergewöhnliche Strecke sein. Für unser PRM-Team jedoch erzählt sie, zusammen mit den Beobachtungen des Tages, eine wichtige Geschichte: Die eines Orang-Utans, der seinen Lebensraum kennt und sich darin sicher und zielgerichtet bewegt.
Post-Release Monitoring: So begleitet BOS ausgewilderte Orang-Utans
Damit war die Sichtung Otans nach den vielen Wochen, in denen er abgetaucht war, eine wichtige und wertvolle Bestätigung: Otan ist gut in seinem neuen Lebensraum angekommen!
Als sich der Tag dem Ende näherte und das Licht unter dem Blätterdach langsam schwächer wurde, kam auch Otan langsam zur Ruhe. Schließlich begann er, hoch oben in einem Baum Äste und Blätter zu verweben. Routine für einen wilden Orang-Utan – er baut sein Schlafnest für die Nacht.
Warum diese Beobachtung für den Orang-Utan-Schutz wichtig ist
Für unser PRM-Team endete damit ein besonders erfolgreicher Tag. Denn beim Post-Release Monitoring geht es nicht darum, einen Orang-Utan wiederzusehen.
Es geht darum, sich durch Beobachtung davon zu überzeugen, dass der von BOS gerettete Orang-Utan während seiner Rehabilitation tatsächlich alle Fähigkeiten entwickelt hat, die er für ein selbständiges Leben braucht. Dass er nach seiner Auswilderung das freie und wilde Leben führt, für das er einst geboren wurde.
An diesem Tag am Bemban-Fluss lieferte Otan dafür einen eindrucksvollen Beweis.
Otans Geschichte zeigt, was möglich wird, wenn Rettung, Rehabilitation und Regenwaldschutz zusammenwirken. Mit Ihrer Spende helfen Sie dabei, weiteren Orang-Utans den Weg zurück in die Freiheit zu ermöglichen und ihren Lebensraum langfristig zu schützen.
