Mit dem 2025 gestarteten Naturschutzprojekt im Sebangau-Nationalpark erweitern wir unser Engagement für den Schutz der Orang-Utans und ihrer Lebensräume auf Borneo. Gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung, lokalen Gemeinden und weiteren Partnern arbeitet BOS daran, wertvolle Torfmoorwälder zu schützen, geschädigte Waldgebiete zu stabilisieren und Waldbränden vorzubeugen.
Der Sebangau-Nationalpark in Zentral-Kalimantan zählt zu den bedeutendsten Orang-Utan-Lebensräumen der Welt. Tausende wildlebende Orang-Utans finden in den ausgedehnten Torfmoorwäldern ein Zuhause. Gleichzeitig gehört das Gebiet zu den größten Kohlenstoffspeichern Indonesiens und spielt damit eine wichtige Rolle für den globalen Klimaschutz.

Mit dem Sebangau-Projekt verfolgt BOS einen ganzheitlichen Ansatz: Nicht nur Orang-Utans sollen geschützt werden, sondern auch die Wälder, von denen ihr Überleben abhängt. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und der Hinweise auf ein bedrohlich starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026, gewinnt diese Arbeit mehr denn je an Bedeutung. Denn damit steigt die Gefahr langanhaltender Trockenperioden und verheerender Wald- und Torfbrände auf Borneo erheblich.
Warum Torfmoore für Klima und Artenvielfalt unverzichtbar sind
Gesunde tropische Torfmoore gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. In ihrem dauerhaft feuchten Untergrund lagern sie über Jahrtausende gewaltige Massen organischen Materials und binden dadurch enorme Mengen Kohlenstoff.
Solange Torfmoore intakt und nass bleiben, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Werden sie jedoch entwässert oder trocknen infolge extremer Dürreperioden aus, verwandeln sie sich in hochentzündliche Landschaften. Besonders während El-Niño-Jahren steigt das Risiko großflächiger Brände drastisch an.


Die Folgen sind gravierend: Nicht nur die Vegetation an der Oberfläche wird zerstört. Torfbrände fressen sich oft meterweit in den Untergrund und können über Wochen oder sogar Monate unbemerkt weiterglimmen. Dabei werden enorme Mengen Kohlendioxid freigesetzt, wertvolle Lebensräume vernichtet und die Gesundheit von Menschen und Tieren durch dichten Rauch gefährdet.


Frühere El-Niño-Ereignisse haben gezeigt, welche dramatischen Auswirkungen solche Brände auf Borneo haben können. Während der starken El-Niño-Phase 2015 brannten in Indonesien rund 2,6 Millionen Hektar Wald‑, Torf- und Landflächen ab. Auch Orang-Utans leiden massiv unter den Folgen: Sie verlieren ihren Lebensraum, erkranken an Atemwegsinfektionen oder werden als verwaiste Jungtiere aufgefunden.
Rasau-Kontrolle: Kleine Maßnahme, große Wirkung
Eine der präventiven Maßnahmen, die BOS im Nationalpark Sebangau durchführt, ist die gezielte Kontrolle der Rasau-Vegetation (Pandanus sp.).
Diese Schraubenbaumart entwickelt in Torfmoorlandschaften große Bestände. Das Problem: ihre trockenen, faserigen Blätter sind in der Trockenzeit leicht entflammbar. und die Ausbreitung von Waldbränden erheblich beschleunigen. Bleibt der Bestand unkontrolliert, kann dichter Rasau-Bewuchs als Brandkorridor wirken und die Ausbreitung von Waldbränden beschleunigen.

Durch die Rodung und Bewirtschaftung der Rasau-Vegetation schafft unser Team in Sebangau natürliche Brandschutzkorridore, die das Fortschreiten möglicher Feuer verlangsamen können. Gleichzeitig trägt die Maßnahme dazu bei, die Luftfeuchtigkeit im Wald zu erhalten und ein stabileres Mikroklima zu fördern.
Was auf den ersten Blick unspektakulär erscheint, ist ein wichtiger Bestandteil moderner Landschaftspflege und aktiver Waldbrandprävention als Reaktion auf den Klimawandel und trägt gleichzeitig zum Schutz von Lebensräumen der Orang-Utans und anderer wildlebender Tiere bei.
Vorbereitung auf den möglichen Super-El-Niño 2026
Die Hinweise auf ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 verdichten sich. Sollte sich diese Prognose bestätigen, könnten weite Teile Indonesiens unter extremer Trockenheit leiden. Gerade für die Torfmoorgebiete Borneos bedeutet dies eine deutlich erhöhte Brandgefahr.
Deshalb setzen wir in unseren Projekten verstärkt auf vorbeugende Maßnahmen, um die Gefahr des Ausbruchs großflächiger Brände möglichst niedrig zu halten. Dazu gehören unter anderem die Wiedervernässung von Torfmooren, regelmäßige Feuerpatrouillen, die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden, die Verbesserung der Infrastruktur für Feuerwehreinsätze sowie die gezielte Pflege brandgefährdeter Vegetation wie Rasau.

Gemeinsam für einen der wichtigsten Orang-Utan-Lebensräume der Welt
Das Sebangau-Projekt entstand aus der Zusammenarbeit zwischen BOS und dem Sebangau-Nationalpark. Das Schutzgebiet gehört zu den bedeutendsten Naturlandschaften Zentral-Kalimantans und beherbergt auf seinen ausgedehnten Torfmooren eine der wichtigsten Populationen wildlebender Orang-Utans auf Borneo.

Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, die ökologischen Funktionen des Nationalparks langfristig zu sichern und innovative Ansätze für den Schutz und die Renaturierung tropischer Torfmoore zu entwickeln. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig auch in anderen Regionen Indonesiens und darüber hinaus Anwendung finden.
So stärkt die Kooperation den Austausch zwischen Naturschutzorganisationen, Behörden, Wissenschaft und lokalen Gemeinschaften – eine Voraussetzung für erfolgreiche Naturschutzarbeit im großen Maßstab.
Naturschutz schafft Perspektiven für Menschen
Der Schutz von Torfmooren und Orang-Utans kommt nicht nur der Natur zugute. Auch die Menschen in den umliegenden Gemeinden profitieren von den Maßnahmen.
Durch die Einbindung lokaler Arbeitskräfte entstehen neue Einkommensmöglichkeiten und langfristige Perspektiven. Darüber hinaus werden innovative Nutzungsmöglichkeiten regionaler Rohstoffe untersucht. Ein Beispiel ist die Verarbeitung von Rasau-Fasern zu umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien, die eine nachhaltige Alternative zu Kunststoffen darstellen können.
So verbindet das Sebangau-Projekt Natur‑, Arten- und Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung.
Torfmoore schützen heißt Zukunft schützen
Der Schutz tropischer Torfmoore zählt zu den wirksamsten Maßnahmen gegen Waldbrände, Artenverlust und die Freisetzung klimaschädlicher Emissionen. Maßnahmen wie die Kontrolle von Rasau-Beständen, die Wiedervernässung trockengelegter Flächen oder die enge Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden mögen einzeln betrachtet klein erscheinen. Gemeinsam entfalten sie jedoch eine enorme Wirkung.
Mit dem Sebangau-Projekt investiert BOS in die Zukunft eines der wertvollsten Torfmoorgebiete Borneos. Denn der Schutz intakter Torfmoore ist weit mehr als Naturschutz: Er bewahrt den Lebensraum der Orang-Utans, verhindert verheerende Waldbrände und leistet einen wichtigen Beitrag zum globalen Klimaschutz.
Mit Ihrer Spende können auch Sie unsere Projekte zum Schutz der Regenwälder Borneos und ihrer Bewohner unterstützen.
