25. Juni 2026
Drohnenaufnahme von Gewässer mit Boot im Nationalpark Sebangau

Sebangau: Orang-Utans und Torf­moore schützen – Wald­brände verhindern

Mit dem 2025 gestar­teten Natur­schutz­pro­jekt im Sebangau-Natio­nal­park erwei­tern wir unser Enga­ge­ment für den Schutz der Orang-Utans und ihrer Lebens­räume auf Borneo. Gemeinsam mit der Natio­nal­park­ver­wal­tung, lokalen Gemeinden und weiteren Part­nern arbeitet BOS daran, wert­volle Torf­moor­wälder zu schützen, geschä­digte Wald­ge­biete zu stabi­li­sieren und Wald­bränden vorzubeugen.

Der Sebangau-Natio­nal­park in Zentral-Kali­mantan zählt zu den bedeu­tendsten Orang-Utan-Lebens­räumen der Welt. Tausende wild­le­bende Orang-Utans finden in den ausge­dehnten Torf­moor­wäl­dern ein Zuhause. Gleich­zeitig gehört das Gebiet zu den größten Kohlen­stoff­spei­chern Indo­ne­siens und spielt damit eine wich­tige Rolle für den globalen Klimaschutz.

wilder Orang-Utan
Mehr als 6.000 wilde Orang-Utans leben im Natio­nal­park Sebangau

Mit dem Sebangau-Projekt verfolgt BOS einen ganz­heit­li­chen Ansatz: Nicht nur Orang-Utans sollen geschützt werden, sondern auch die Wälder, von denen ihr Über­leben abhängt. Ange­sichts der zuneh­menden Auswir­kungen des Klima­wan­dels und der Hinweise auf ein bedroh­lich starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026, gewinnt diese Arbeit mehr denn je an Bedeu­tung. Denn damit steigt die Gefahr lang­an­hal­tender Trocken­pe­ri­oden und verhee­render Wald- und Torf­brände auf Borneo erheblich.

Warum Torf­moore für Klima und Arten­viel­falt unver­zichtbar sind

Gesunde tropi­sche Torf­moore gehören zu den wich­tigsten Kohlen­stoff­spei­chern der Erde. In ihrem dauer­haft feuchten Unter­grund lagern sie über Jahr­tau­sende gewal­tige Massen orga­ni­schen Mate­rials und binden dadurch enorme Mengen Kohlen­stoff.
Solange Torf­moore intakt und nass bleiben, leisten sie einen wich­tigen Beitrag zum Klima­schutz. Werden sie jedoch entwäs­sert oder trocknen infolge extremer Dürre­pe­ri­oden aus, verwan­deln sie sich in hoch­ent­zünd­liche Land­schaften. Beson­ders während El-Niño-Jahren steigt das Risiko groß­flä­chiger Brände dras­tisch an.

Die Folgen sind gravie­rend: Nicht nur die Vege­ta­tion an der Ober­fläche wird zerstört. Torf­brände fressen sich oft meter­weit in den Unter­grund und können über Wochen oder sogar Monate unbe­merkt weiter­glimmen. Dabei werden enorme Mengen Kohlen­di­oxid frei­ge­setzt, wert­volle Lebens­räume vernichtet und die Gesund­heit von Menschen und Tieren durch dichten Rauch gefährdet.

Frühere El-Niño-Ereig­nisse haben gezeigt, welche drama­ti­schen Auswir­kungen solche Brände auf Borneo haben können. Während der starken El-Niño-Phase 2015 brannten in Indo­ne­sien rund 2,6 Millionen Hektar Wald‑, Torf- und Land­flä­chen ab. Auch Orang-Utans leiden massiv unter den Folgen: Sie verlieren ihren Lebens­raum, erkranken an Atem­wegs­in­fek­tionen oder werden als verwaiste Jung­tiere aufgefunden.

Rasau-Kontrolle: Kleine Maßnahme, große Wirkung

Eine der präven­tiven Maßnahmen, die BOS im Natio­nal­park Sebangau durch­führt, ist die gezielte Kontrolle der Rasau-Vege­ta­tion (Pandanus sp.).
Diese Schrau­ben­baumart entwi­ckelt in Torf­moor­land­schaften große Bestände. Das Problem: ihre trockenen, fase­rigen Blätter sind in der Trocken­zeit leicht entflammbar. und die Ausbrei­tung von Wald­bränden erheb­lich beschleu­nigen. Bleibt der Bestand unkon­trol­liert, kann dichter Rasau-Bewuchs als Brand­kor­ridor wirken und die Ausbrei­tung von Wald­bränden beschleunigen.

Rasau im Torfmoor
Die Schrau­ben­baumart Rasau entwi­ckelt große Bestände in Torfmooren

Durch die Rodung und Bewirt­schaf­tung der Rasau-Vege­ta­tion schafft unser Team in Sebangau natür­liche Brand­schutz­kor­ri­dore, die das Fort­schreiten mögli­cher Feuer verlang­samen können. Gleich­zeitig trägt die Maßnahme dazu bei, die Luft­feuch­tig­keit im Wald zu erhalten und ein stabi­leres Mikro­klima zu fördern.
Was auf den ersten Blick unspek­ta­kulär erscheint, ist ein wich­tiger Bestand­teil moderner Land­schafts­pflege und aktiver Wald­brand­prä­ven­tion als Reak­tion auf den Klima­wandel und trägt gleich­zeitig zum Schutz von Lebens­räumen der Orang-Utans und anderer wild­le­bender Tiere bei.

Vorbe­rei­tung auf den mögli­chen Super-El-Niño 2026

Die Hinweise auf ein außer­ge­wöhn­lich starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 verdichten sich. Sollte sich diese Prognose bestä­tigen, könnten weite Teile Indo­ne­siens unter extremer Trocken­heit leiden. Gerade für die Torf­moor­ge­biete Borneos bedeutet dies eine deut­lich erhöhte Brand­ge­fahr.
Deshalb setzen wir in unseren Projekten verstärkt auf vorbeu­gende Maßnahmen, um die Gefahr des Ausbruchs groß­flä­chiger Brände möglichst niedrig zu halten. Dazu gehören unter anderem die Wieder­vernäs­sung von Torf­mooren, regel­mä­ßige Feuer­pa­trouillen, die Zusam­men­ar­beit mit lokalen Gemeinden, die Verbes­se­rung der Infra­struktur für Feuer­wehr­ein­sätze sowie die gezielte Pflege brand­ge­fähr­deter Vege­ta­tion wie Rasau.

BOS Feuerschutzeinsatz per Boot mit Ausrüstung
Unsere Feuer­schutz­teams im Einsatz

Gemeinsam für einen der wich­tigsten Orang-Utan-Lebens­räume der Welt

Das Sebangau-Projekt entstand aus der Zusam­men­ar­beit zwischen BOS und dem Sebangau-Natio­nal­park. Das Schutz­ge­biet gehört zu den bedeu­tendsten Natur­land­schaften Zentral-Kali­mantans und beher­bergt auf seinen ausge­dehnten Torf­mooren eine der wich­tigsten Popu­la­tionen wild­le­bender Orang-Utans auf Borneo.

Das BOS-Camp im Nationalpark Sebangau
Das BOS-Camp im Natio­nal­park Sebangau

Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, die ökolo­gi­schen Funk­tionen des Natio­nal­parks lang­fristig zu sichern und inno­va­tive Ansätze für den Schutz und die Rena­tu­rie­rung tropi­scher Torf­moore zu entwi­ckeln. Die dabei gewon­nenen Erkennt­nisse sollen künftig auch in anderen Regionen Indo­ne­siens und darüber hinaus Anwen­dung finden.
So stärkt die Koope­ra­tion den Austausch zwischen Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tionen, Behörden, Wissen­schaft und lokalen Gemein­schaften – eine Voraus­set­zung für erfolg­reiche Natur­schutz­ar­beit im großen Maßstab.

Natur­schutz schafft Perspek­tiven für Menschen

Der Schutz von Torf­mooren und Orang-Utans kommt nicht nur der Natur zugute. Auch die Menschen in den umlie­genden Gemeinden profi­tieren von den Maßnahmen.
Durch die Einbin­dung lokaler Arbeits­kräfte entstehen neue Einkom­mens­mög­lich­keiten und lang­fris­tige Perspek­tiven. Darüber hinaus werden inno­va­tive Nutzungs­mög­lich­keiten regio­naler Rohstoffe unter­sucht. Ein Beispiel ist die Verar­bei­tung von Rasau-Fasern zu umwelt­freund­li­chen Verpa­ckungs­ma­te­ria­lien, die eine nach­hal­tige Alter­na­tive zu Kunst­stoffen darstellen können.
So verbindet das Sebangau-Projekt Natur‑, Arten- und Klima­schutz und nach­hal­tige Entwicklung.

Torf­moore schützen heißt Zukunft schützen

Der Schutz tropi­scher Torf­moore zählt zu den wirk­samsten Maßnahmen gegen Wald­brände, Arten­ver­lust und die Frei­set­zung klima­schäd­li­cher Emis­sionen. Maßnahmen wie die Kontrolle von Rasau-Beständen, die Wieder­vernäs­sung trocken­ge­legter Flächen oder die enge Zusam­men­ar­beit mit lokalen Gemeinden mögen einzeln betrachtet klein erscheinen. Gemeinsam entfalten sie jedoch eine enorme Wirkung.
Mit dem Sebangau-Projekt inves­tiert BOS in die Zukunft eines der wert­vollsten Torf­moor­ge­biete Borneos. Denn der Schutz intakter Torf­moore ist weit mehr als Natur­schutz: Er bewahrt den Lebens­raum der Orang-Utans, verhin­dert verhee­rende Wald­brände und leistet einen wich­tigen Beitrag zum globalen Klimaschutz.

Mit Ihrer Spende können auch Sie unsere Projekte zum Schutz der Regen­wälder Borneos und ihrer Bewohner unter­stützen.