7. August 2025
Orang-Utan Momo

Sechs Monate Käfig­hal­tung – doch dieses Orang-Utan-Baby ist eine Kämpferin

Wenn die kleine Momo durch die Bäume des Quaran­tä­ne­be­reichs hangelt, geht Baby­sit­terin Ursula das Herz auf. Stolz beob­achtet sie die Kleine, die sich mit akro­ba­ti­schem Geschick durch die Äste bewegt und dabei immer wieder Obst­stück­chen entdeckt und genüss­lich verspeist, die ihre Ersatz­mutter für sie in den Ästen versteckt hat.


Orang-Utan-Baby Momo
Trau­rige Augen, starkes Herz: Momo ist eine Kämpfernatur


Zu weit weg möchte sich die Einein­halb­jäh­rige aber noch nicht bewegen. Immer wieder verge­wis­sert sie sich, dass Ursula in der Nähe ist, klet­tert zwischen­durch auf ihren Schoss oder kuschelt in der Hänge­matte mit ihr.


Der Regen­wald bedeutet Heilung für die verletzte Orang-Utan-Seele


Wenige Wochen ist es erst her, dass die kleine Momo aus einem Dorf in Kuala Kurun, Gunung Mas Regency, gerettet wurde. Ein Dorf­be­wohner hatte sie dort in einem Holz­ver­schlag, einem ehema­ligen Hühner­stall, gehalten. Sechs Monate lang. So lang habe es gedauert, die zustän­digen Behörden ausfindig zu machen und zu infor­mieren, gab er an.

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Mehr Infor­ma­tionen


Anfang Juni 2025 infor­mierte der Mann endlich die Natur­schutz­be­hörde, die wiederum BOS auf den Plan rief. Gemeinsam reisten die Retter rund vier Stunden vom Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng aus in das Dorf.

Orang-Utan-Baby Momo bei seiner Rettung
Apathisch und vor Angst starr schaut Momo ins Leere


Bei ihrer Rettung starrte Momo den Menschen, die sie aus dem Käfig befreiten, mit apathi­schem Blick entgegen. Der Lebens­wille schien in diesem kleinen Wesen erloschen.

Orang-Utan-Baby Momo wird medizinisch untersucht
Ganz vorsichtig unter­sucht Dr. Arga das soeben geret­tete Orang-Utan-Baby


Dr. Arga Sawung Kusuma, ein erfah­rener Tier­arzt bei BOS, nahm als erster das winzige Orang-Utan-Mädchen auf den Arm, um es zu unter­su­chen. Reflex­haft klam­merte sich die Kleine an seinem Shirt fest und schmiegte sich an ihn – ganz so wie es Orang-Utan-Babys bei ihren Müttern tun. Dann erstarrte sie jedoch und ließ die Unter­su­chung, die Dr. Arga so sanft wie möglich durch­führte, über sich ergehen.


Leichtes Fieber und ein halb verheilter Bruch


Der Dorf­be­wohner gab an, er habe die Kleine ganz alleine in einem Wald unweit des Dorfes Dahian Tambuk entdeckt. Die Mutter sei nirgends zu sehen gewesen. Also nahm er das Baby, das er Momo nannte, mit, steckte es in einen Hühner­käfig, in dem nichts weiter als ein Stück Karton lag, und fütterte es mit Reis, Kuchen und Baby­milch. Das ange­bo­tene Obst habe Momo abge­lehnt, erzählt der Dorf­be­wohner bei der Rettung. Ein unge­wöhn­li­ches Verhalten für junge Orang-Utan-Babys, die in diesem Alter norma­ler­weise gerne Früchte fressen.
Auf dem Rückweg ins Rettungs­zen­trum saß das kleine Orang-Utan-Mädchen auf dem Schoß ihrer mensch­li­chen Ersatz­mutter, den Blick noch immer ins Leere gerichtet, die Körper­hal­tung ängst­lich und angespannt.


In Nyaru Menteng ange­kommen, wurde Momo noch einmal gründ­li­cher unter­sucht. Das Ärzte­team des Rettungs­zen­trums stellte leichtes Fieber von 38,3° Celsius fest und entdeckte einen alten Bruch im großen Zeh des rechten Fußes, der jedoch bereits zu heilen begonnen hatte.

Orang-Utan-Baby Momo mit seiner Babysitterin
Die beste Medizin für die kleine Orang-Utan-Waise: viel Liebe, Sicher­heit und der Regenwald


Anfang Juni hat mit ihrer Ankunft im Rettungs­zen­trum die drei­mo­na­tige Quaran­täne der kleinen Momo begonnen. Ersatz­mama Ursula schenkt dem trau­ma­ti­sierten Waisen­kind viel Liebe sowie Kuschel­ein­heiten, wann immer sie danach verlangt. Dazu wird Momo engma­schig medi­zi­nisch über­wacht und mit viel frischem Obst (das sie im Rettungs­zen­trum kein biss­chen verschmäht!) und regel­mä­ßigen Fläsch­chen Milch aufgepäppelt.


Schon nach wenigen Wochen, ist die kleine Orang-Utan-Waise nicht wiederzuerkennen


Nur wenige Wochen nach ihrer Rettung und noch immer in Quaran­täne, beweist Momo sich bereits als echte Kämp­fer­natur. Der erlo­schene Blick in ihren Augen ist verschwunden. Statt dessen hält sie nach ihren Lieb­lings­bäumen Ausschau sobald sie morgens aus ihrem weich gepols­terten Schlaf­nest-Wäsche­korb geklet­tert und mit ihrer Ersatz­mama in den Quaran­tä­ne­be­reich des Waldes gelangt ist. Auch in der Hänge­matte liegt Momo gerne oder kuschelt dort schau­kelnd mit ihrer Ersatzmama.

Orang-Utan-Baby Momo in der Hängematte
Du schaffst das, kleine Momo!


Unser Team im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng ist stolz auf die kleine Momo. Und zuver­sicht­lich, dass das Orang-Utan-Mädchen ihr frühes Trauma über­winden kann. Bald darf sie in den Wald­kin­der­garten wech­seln und dort mit gleich­alt­rigen Orang-Utan-Kindern wie das Orang-Utan-Nia spielen. Nur noch ein biss­chen Geduld, Momo!

Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Momo unter­stützen. Jeder Beitrag hilft.