Wenn die kleine Momo durch die Bäume des Quarantänebereichs hangelt, geht Babysitterin Ursula das Herz auf. Stolz beobachtet sie die Kleine, die sich mit akrobatischem Geschick durch die Äste bewegt und dabei immer wieder Obststückchen entdeckt und genüsslich verspeist, die ihre Ersatzmutter für sie in den Ästen versteckt hat.

Zu weit weg möchte sich die Eineinhalbjährige aber noch nicht bewegen. Immer wieder vergewissert sie sich, dass Ursula in der Nähe ist, klettert zwischendurch auf ihren Schoss oder kuschelt in der Hängematte mit ihr.
Der Regenwald bedeutet Heilung für die verletzte Orang-Utan-Seele
Wenige Wochen ist es erst her, dass die kleine Momo aus einem Dorf in Kuala Kurun, Gunung Mas Regency, gerettet wurde. Ein Dorfbewohner hatte sie dort in einem Holzverschlag, einem ehemaligen Hühnerstall, gehalten. Sechs Monate lang. So lang habe es gedauert, die zuständigen Behörden ausfindig zu machen und zu informieren, gab er an.
Anfang Juni 2025 informierte der Mann endlich die Naturschutzbehörde, die wiederum BOS auf den Plan rief. Gemeinsam reisten die Retter rund vier Stunden vom Rettungszentrum Nyaru Menteng aus in das Dorf.

Bei ihrer Rettung starrte Momo den Menschen, die sie aus dem Käfig befreiten, mit apathischem Blick entgegen. Der Lebenswille schien in diesem kleinen Wesen erloschen.

Dr. Arga Sawung Kusuma, ein erfahrener Tierarzt bei BOS, nahm als erster das winzige Orang-Utan-Mädchen auf den Arm, um es zu untersuchen. Reflexhaft klammerte sich die Kleine an seinem Shirt fest und schmiegte sich an ihn – ganz so wie es Orang-Utan-Babys bei ihren Müttern tun. Dann erstarrte sie jedoch und ließ die Untersuchung, die Dr. Arga so sanft wie möglich durchführte, über sich ergehen.
Leichtes Fieber und ein halb verheilter Bruch
Der Dorfbewohner gab an, er habe die Kleine ganz alleine in einem Wald unweit des Dorfes Dahian Tambuk entdeckt. Die Mutter sei nirgends zu sehen gewesen. Also nahm er das Baby, das er Momo nannte, mit, steckte es in einen Hühnerkäfig, in dem nichts weiter als ein Stück Karton lag, und fütterte es mit Reis, Kuchen und Babymilch. Das angebotene Obst habe Momo abgelehnt, erzählt der Dorfbewohner bei der Rettung. Ein ungewöhnliches Verhalten für junge Orang-Utan-Babys, die in diesem Alter normalerweise gerne Früchte fressen.
Auf dem Rückweg ins Rettungszentrum saß das kleine Orang-Utan-Mädchen auf dem Schoß ihrer menschlichen Ersatzmutter, den Blick noch immer ins Leere gerichtet, die Körperhaltung ängstlich und angespannt.
In Nyaru Menteng angekommen, wurde Momo noch einmal gründlicher untersucht. Das Ärzteteam des Rettungszentrums stellte leichtes Fieber von 38,3° Celsius fest und entdeckte einen alten Bruch im großen Zeh des rechten Fußes, der jedoch bereits zu heilen begonnen hatte.

Anfang Juni hat mit ihrer Ankunft im Rettungszentrum die dreimonatige Quarantäne der kleinen Momo begonnen. Ersatzmama Ursula schenkt dem traumatisierten Waisenkind viel Liebe sowie Kuscheleinheiten, wann immer sie danach verlangt. Dazu wird Momo engmaschig medizinisch überwacht und mit viel frischem Obst (das sie im Rettungszentrum kein bisschen verschmäht!) und regelmäßigen Fläschchen Milch aufgepäppelt.
Schon nach wenigen Wochen, ist die kleine Orang-Utan-Waise nicht wiederzuerkennen
Nur wenige Wochen nach ihrer Rettung und noch immer in Quarantäne, beweist Momo sich bereits als echte Kämpfernatur. Der erloschene Blick in ihren Augen ist verschwunden. Statt dessen hält sie nach ihren Lieblingsbäumen Ausschau sobald sie morgens aus ihrem weich gepolsterten Schlafnest-Wäschekorb geklettert und mit ihrer Ersatzmama in den Quarantänebereich des Waldes gelangt ist. Auch in der Hängematte liegt Momo gerne oder kuschelt dort schaukelnd mit ihrer Ersatzmama.

Unser Team im Rettungszentrum Nyaru Menteng ist stolz auf die kleine Momo. Und zuversichtlich, dass das Orang-Utan-Mädchen ihr frühes Trauma überwinden kann. Bald darf sie in den Waldkindergarten wechseln und dort mit gleichaltrigen Orang-Utan-Kindern wie das Orang-Utan-Nia spielen. Nur noch ein bisschen Geduld, Momo!
Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Momo unterstützen. Jeder Beitrag hilft.
