10. Juni 2026
EL Nino Bild

Super-El-Niño 2026: Was droht Borneo und den Orang-Utans?

In der Wissen­schaft mehren sich die Hinweise auf ein „Super-El-Niño“-Ereignis im Jahr 2026. Sollte es dazu kommen, könnte der Regen­wald auf Borneo austrocknen und die Brand­ge­fahr massiv ansteigen. Für Orang-Utans bedeutet das akute Lebens­ge­fahr: Wald­brände, Rauch­ver­gif­tung und zerstörter Lebens­raum. Welche präven­tiven Maßnahmen die BOS Foun­da­tion bereits jetzt ergreift – und wie Sie uns dabei unter­stützen können.

Was ist El Niño? Ursa­chen und Folgen

El Niño ist ein natür­li­ches Klima­phä­nomen im tropi­schen Pazifik und Teil des soge­nannten ENSO-Systems (El Niño-Southern Oscil­la­tion). Der Begriff wurde von Fischern in Peru geprägt, die das Phänomen als erste beob­ach­teten: In manchen Jahren erwärmte sich das Meer­wasser um die Weih­nachts­zeit unge­wöhn­lich stark, woraufhin der Fisch­fang einbrach. Die Fischer nannten es „El Niño“ – das Christ­kind, das zwar zu Weih­nachten kommt, aber keine Geschenke mitbringt.

Wie entsteht El Niño?

El-Niño-Ereig­nisse treten in unre­gel­mä­ßigen Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren auf und halten meist mehrere Monate bis über ein Jahr an. Ihren Höhe­punkt errei­chen sie häufig gegen Jahres­ende. Ursache sind Verän­de­rungen im Zusam­men­spiel von Ozean und Atmo­sphäre im tropi­schen Pazifik, insbe­son­dere eine Abschwä­chung der Passat­winde und verän­derte Luft­druck­ver­hält­nisse.
Die grund­le­genden Mecha­nismen von El Niño gelten heute als gut erforsch. Dennoch bleiben Zeit­punkt und Stärke einzelner Ereig­nisse nur begrenzt vorhersagbar.

Der Schmet­ter­lings­ef­fekt: Warum beein­flusst El Niño auch Europa?

Eines ist klar: El Niño ist ein hoch­kom­plexes Phänomen. Seine Auswir­kungen reichen weit über den tropi­schen Pazifik und die daran angrenzen Länder hinaus. El Niño beein­flusst Wetter- und Klima­muster weltweit!

Es ist ein klas­si­scher Schmet­ter­lings­ef­fekt: Die atmo­sphä­ri­schen Schwan­kungen im Pazifik beein­flussen unter anderem die Nord­at­lan­ti­sche Oszil­la­tion (NAO), die entschei­dend für das Wetter in Europa ist. Einige Forschende erwarten deshalb für Nord- und Mittel­eu­ropa einen unge­wöhn­lich langen und kalten Winter.

Super-El-Niño bedroht Regen­wald und Orang-Utans


Neben den globalen Folgen sorgen uns aktuell vor allem die mögli­chen Auswir­kungen eines Super-El-Niño auf die Orang-Utans und den Regen­wald auf Borneo.

Torfmoorbrand Mawas 2023 aus der Luft
In wenigen Stunden können ganze Wald­ge­biete gerodet werden.


Seit Jahr­zehnten arbeitet die BOS Foun­da­tion daran, Orang-Utans zu schützen und den Regen­wald auf Borneo wieder aufzu­forsten. Frühere El Niño-Phasen haben uns gezeigt, wie gefähr­lich extreme Trocken­heit und Wald­brände für Tiere, Menschen und den Regen­wald werden können. Und auch wenn die Wissen­schaft sich noch nicht zu einhun­dert Prozent sicher ist (oder viel­mehr: sein kann), ob es 2026 zu einem Super-El-Niño kommt, so mehren sich die Anzei­chen bereits derart, dass wir bereits Vorkeh­rungen treffen.
Doch lassen Sie uns zunächst genauer erklären, was 2026 auf uns zukommen könnte.

Die neutrale Wetter­lage vs. El Niño

In normalen Jahren treiben starke Passat­winde warmes Ober­flä­chen­wasser im tropi­schen Pazifik von Südame­rika nach Westen Rich­tung Indo­ne­sien und Austra­lien. Vor der Küste Perus und Ecua­dors steigt dadurch kaltes, nähr­stoff­rei­ches Tiefen­wasser auf, unter­stützt durch den Humboldt­strom. Während es an der West­küste Südame­rikas meist trocken bleibt, erwärmt sich das Wasser im west­li­chen Pazifik stark. Dadurch verdunstet dort viel Wasser, das über Indo­ne­sien und Nord­aus­tra­lien inten­sive Regen­fälle auslöst.
Unter El-Niño-Bedin­gungen gerät dieses Klima­system aus dem Gleich­ge­wicht: Die Passat­winde schwä­chen sich ab oder drehen sich zeit­weise um. Dadurch gelangt unge­wöhn­lich warmes Ober­flä­chen­wasser bis an die West­küste Südame­rikas, während der Auftrieb kalten, nähr­stoff­rei­chen Tiefen­was­sers weit­ge­hend ausbleibt.
Die Folgen sind drama­tisch, weil El Niño die übli­chen Wetter­muster massiv verschiebt.

Südame­rika: Über­schwem­mungen, Indo­ne­sien: Dürren und Waldbrände

An den norma­ler­weise trockenen Küsten Perus und Ecua­dors kommt es in solchen Jahren zu extremen Regen­fällen, Über­schwem­mungen und Erdrut­schen. In Indo­ne­sien und Teilen Südost­asiens hingegen steigt das Risiko für Dürren deut­lich an. Die anhal­tende Trocken­heit begüns­tigt groß­flä­chige Wald- und Torf­brände mit verhee­renden Folgen für Mensch, Natur und Klima.
Die kata­stro­phalen Folgen solcher Brände haben wir leider auf Borneo bereits in den El Niño-Phasen 2015/2016 und gerade erst 2023/2024 miter­leben müssen.
2015 brannten in Indo­ne­sien rund 2,6 Millionen Hektar Wald‑, Torf- und Land­flä­chen ab – eine Fläche etwa zehn mal so groß wie das Saarland.

Gefahr für das Auffors­tungs­ge­biet Mawas

Auch unsere Projekt­ge­biete blieben während der letzten El Niño-Phasen nicht verschont: In Mawas mussten wir eine stark erhöhte Anzahl von Bränden verzeichnen. Mawas ist ein degra­diertes Torf­moor­ge­biet, das wir seit Jahren wieder­vernässen und aufforsten. So schaffen wir dort lang­fristig neuen Lebens­raum für Orang-Utans.

Warum Torf­moore beson­ders leicht brennen

Ausge­trock­neter Torf­boden ist extrem brand­ge­fähr­lich: Torf brennt nicht nur an der Ober­fläche, sondern frisst sich unter­ir­disch weiter. So breiten sich Brände oft tage­lang unbe­merkt aus und verur­sa­chen immense Schäden.
Unsere Feuer­pa­trouillen haben im Jahr 2023 enorme Anstren­gungen unter­nommen, um die Flammen in Mawas zu stoppen und bereits mühsam aufge­fors­teten Flächen zu schützen. Ein riesiges Danke­schön gilt ihrem uner­müd­li­chen Einsatz.

Giftiger Rauch gefährdet Menschen und Orang-Utans

Extreme Brände während El Niño bedrohen jedoch nicht nur den Regen­wald, sie stellen auch eine tödliche Gefahr für Mensch und Tier dar. Durch die Verbren­nung werden große Mengen an Fein­staub, Ruß- und Kohlen­stoff­par­ti­keln frei­ge­setzt. Gelangen diese tief in die Atem­wege, können sie Entzün­dungs­re­ak­tionen fördern und Atem­wegs­er­kran­kungen auslösen – von akuter Bron­chitis über Lungen­ent­zün­dungen bis hin zu irrever­si­blen Langzeitschäden.

Orang-Utans leiden an Haze
Durch die Wald­brände werden große Mengen an Fein­staub, Ruß und Kohlen­stoff­par­ti­keln frei­ge­setzt, die auch die Atem­wege der Orang-Utans schädigen.


Diese Bedro­hung macht an keinen Landes­grenzen halt: Der giftige Rauch (bekannt als „Haze“) zog in der Vergan­gen­heit bis nach Singapur. Studien zeigen, dass weit über 500.000 Menschen unter den gesund­heit­li­chen Folgen litten; insbe­son­dere die Zahl der Lungen- und Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen stieg deut­lich an.

Mehr Waisen­babys und schwere Atemwegserkrankungen

In der Orang-Utan-Popu­la­tion führten die ausge­prägten El Niño-Jahre zu zwei besorg­nis­er­re­genden Entwicklungen:

Orang-Utan mit Babysitterin in den verbrannten Gebieten um das Rettungszentrum Nyaru Menteng.
Nach den Wald­bränden im Jahr 2015 besu­chen die Orang-Utan-Schüler den Wald rund um das Rettungszentrum.

• Rekord­zahl verwaister Orang-Utan-Babys
Im Jahr 2015 mussten wir außer­ge­wöhn­lich viele verwaiste Orang-Utan-Babys in unseren Rettungs­zen­tren aufnehmen. Viele Tiere verloren ihren Lebens­raum durch die Brände.
• Schwere Atem­wegs­er­kran­kungen
Viele unserer Schütz­linge erkrankten infolge des dichten Rauchs am gefähr­li­chen Orang-Utan Respi­ra­tory Disease Syndrome (ORDS) oder entwi­ckelten chro­ni­sche Lungen­schäden. Mitt­ler­weile bestä­tigen wissen­schaft­liche Studien diese trau­rigen Beob­ach­tungen. Für uns bedeutet das:Die ohnehin komplexe Reha­bi­li­ta­tion und Auswil­de­rung geret­teter Orang-Utans wird durch El Niño deut­lich erschwert.

El Niño Präven­tion: Wie schützt die BOS Foun­da­tion den Regenwald

Die BOS Foun­da­tion ist zwar keine staat­liche Feuer­prä­ven­ti­ons­stelle, doch liegt es in der Natur unserer Arbeit, Brände mit allen Mitteln zu verhin­dern. Dieses Ziel verfolgen wir durch folgende Maßnahmen:
• Zusam­men­ar­beit mit lokalen Gemeinden
• Ausbil­dung lokaler Feuer­pa­trouillen
• Profes­sio­nelles Feuer­weh­r­e­quip­ment
• Bau von Hydranten
• Bau stra­te­gi­scher Feuer­wach­türme
• Wieder­vernäs­sung von Torf­mooren
• Auffors­tung degra­dierter Flächen
• Konti­nu­ier­li­ches Wald­mo­ni­to­ring und aktiven Feuer­schutz
• Gezielte Aufklä­rung der Bevölkerung.

Neue Brand­schutz­wege im Mawas-Gebiet sind Game Changer

Und noch eine wich­tige Maßnahme zur Feuer­prä­ven­tion konnten wir dank der Unter­stüt­zung durch Förder­mittel der Deut­schen Post­code Lotterie im Jahr 2025 umsetzen: Im Lebens­wald-Auffors­tungs­pro­jekt in Mawas haben wir auf einer Länge von 1000 Metern Rettungs­wege aus robusten, lang­le­bigen, stahl­ver­stärkten Beton­platten bauen können, die den Brand­schutz auf ein neues Level gehoben haben.

Feuer­prä­ven­tion im Regen­wald ist schwere körper­liche Arbeit

Feuerwehreinsatz in Mawas
Die BOS Foun­da­tion bindet lokale Einwohner ein und stattet sie für den erfolg­rei­chen Kampf gegen das Feuer aus!

Sie müssen sich vorstellen, dass Brand­schutz im Regen­wald von Borneo schwere körper­liche Arbeit bedeutet. Patrouillen bewegen sich durch unweg­sames Gelände. Brand­herde liegen in schwer zugäng­li­chem Gebiet, das oft nur zu Fuß erreichbar ist.
Die stahl­ver­stärkten Beton­wege ermög­li­chen es unseren Feuer­pa­trouillen erst­mals, schwere Ausrüs­tung wie Schläuche und Pumpen schnell durch das Torf­moor zum Brand­herd zu trans­por­tieren. Eine enorme Erleich­te­rung und Verbes­se­rung für den Brand­schutz. Im Ernst­fall zählt jede Minute!

Wieder­vernäs­sung des Torf­moors als wirk­samster Brandschutz

Staudammbau im Mawasgebiet
Der Stau­dammbau ist ein Kraftakt. Das Ergebnis hat aber eine nach­ge­wie­sene Wirkung.

Unsere wich­tigste und nach­hal­tigste Maßnahme der Feuer­prä­ven­tion bleibt jedoch die Wieder­vernäs­sung des degra­dierten Torf­moores – denn eine intakte Moor­land­schaft brennt so gut wie nie. Daran arbeiten wir in unserem Projekt­ge­biet Mawas seit 2020, indem wir Stück für Stück die alten Entwäs­se­rungs­ka­näle dauer­haft verschließen. Über 116 Stau­dämme konnten wir bereits bauen und damit mehrere tausend Hektar Torf­boden erfolg­reich wieder­vernässen.

Feuer­wach­türme und Patrouillen schützen den Regenwald

Team Mawas
Koor­di­na­tions-Team Mawas

Für ein lücken­loses Moni­to­ring haben wir stra­te­gisch plat­zierte Feuer­wach­türme errichtet. In den gefähr­deten Gebieten patrouil­lieren regel­mäßig Teams, die sich aus Menschen der umlie­genden Gemeinden und Mitar­bei­tenden der Natur­schutz­be­hörden zusam­men­setzen. Allein im vergan­genen Jahr hat die BOS Foun­da­tion über 600 Feuer­pa­trouillen in gefähr­deten Gebieten durchgeführt.

Gemeinsam gegen die Flammen

Wir können El Niño nicht aufhalten oder gar verhin­dern. Aber wir können alles dafür tun, die Folgen für Orang-Utans und Regen­wald so gering wie möglich zu halten – indem wir früh­zei­tige und durch­dachte Vorbe­rei­tungen treffen und unsere Zusam­men­ar­beit mit Behörden und Gemeinden vor Ort optimal abstimmen.

Dabei sind alle gefragt – auch unsere treuen Unter­stüt­ze­rinnen und Unter­stützer welt­weit. Mit Ihrer Hilfe schützen wir Orang-Utans, verhin­dern Wald­brände und forsten den Regen­wald auf Borneo wieder auf. Jede Spende hilft dabei, Feuer­prä­ven­tion, Wieder­auf­fors­tung und Rettungs­ein­sätze möglich zu machen. Vielen Dank, dass Sie uns auch in diesen heraus­for­dernden Zeiten zur Seite stehen!

Weitere Quellen:
https://www.deutschlandfunk.de/klima-el-nino-el-nina-100.html
https://www.br.de/nachrichten/wissen/warnung-super-el-nino-droht-ein-globaler-hitzeschub,VF4i3SM
https://www.sueddeutsche.de/wissen/el-nino-prognose-2026-klimaeffekte-wetteraenderungen-europa-li.3483823