Frei­heit für fünf Orang-Utans

Frei­heit für fünf Orang-Utans

Teil­weise Jahr­zehnte haben die fünf Orang-Utans in der Obhut von BOS verbracht. Und sich dabei auf diesen großen Tag vorbe­reitet: Ihre Auswil­de­rung in den Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya. Jetzt war es soweit. Die Weib­chen Hanau, Rongda und Radmala und die Männ­chen Jumbo und Pirang wurden in die Frei­heit – in ihr Zuhause – den Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya entlassen.

Bevor die Reise in den Natio­nal­park losging, haben die Tier­ärzte im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng die fünf Orang-Utans noch einem letzten gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Check unter­zogen. Dann machten sich das Auswil­de­rungs­team und die Wald­men­schen auf den Weg. Rund 24 Stunden dauerte die Reise in den Jeeps und auf Booten – unter­bro­chen von regel­mä­ßigen Snack- und Trink­pausen für die Orang-Utans und einer kurzen Rast in der Nacht für das Team. 

Im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ange­kommen, wurden die Luken der Trans­port­kä­fige eine nach der anderen geöffnet.

Nun beginnt die Arbeit der PRM-Teams. Sie folgen den neuen Regen­wald­be­woh­nern in den kommenden Monaten von Nest zu Nest. Das heißt, bis sie sich abends in ihr Schlaf­nest zurück­ziehen, um am nächsten Morgen in aller Frühe wieder unter dem Nest auf sie zu warten. Genau­es­tens beob­achten unsere Mitar­beiter, wie die Tiere in ihrem neuen Lebens­raum zurechtkommen.

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Wir wünschen den fünf neuen Wilden einen guten Start in der Freiheit!

Jede Spende unter­stützt unsere Arbeit für die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans.

Der Neustart im Regenwald

Der Neustart im Regenwald

Im April konnten wir sechs Orang-Utans aus unserem Rettungs­zen­trum Samboja Lestari im geschützten Regen­wald von Kehje Sewen die Frei­heit schenken. Sechs Primaten, von denen jeder einzelne eine ganz beson­dere Geschichte mit sich bringt. Und auch die Auswil­de­rung selbst war etwas Beson­deres, denn der indo­ne­si­sche Forst­mi­nister Raja Juli Antoni beglei­tete unsere Orang-Utans in ihr neues Regenwaldzuhause.

Nachdem das medi­zi­ni­sche Team die sechs Auswil­de­rungs­kan­di­daten ein letztes Mal durch­ge­checkt hatte und sie – sanft sediert – vorsichtig in ihre Trans­port­boxen verfrachtet waren, machte sich die Reise­gruppe mit minis­te­rialer Beglei­tung auf den beschwer­li­chen Weg.

Alle zwei Stunden machte der Konvoi Halt, um nach den Orang-Utans zu sehen, sie mit frischem Obst und Trink­wasser zu versorgen und ihr Wohl­ergehen zu gewährleisten.

Nachts um halb zwei gönnte sich das Team eine kurze Ruhe­pause, ehe es am frühen Morgen zum Fluss weiter­fuhr. Hier wurden die Trans­port­boxen samt ihrer wert­vollen Fracht auf die moto­ri­sierten Holz­boote verladen – natür­lich gut gesi­chert mit Schwimmhilfen.

So ging es tief in den BOS-Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen zu den sorg­fältig ausge­wählten Stand­orten, an denen die „neuen Wilden“ in die Frei­heit entlassen werden sollten.

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Mori, die erste, deren Trans­portbox geöffnet wurde, trat eifrig heraus und begrüßte ihre neu gewon­nene Frei­heit. Ihr folgte Bugis, der wie hypno­ti­siert von seiner Umge­bung schien, als er seinen Käfig verließ. Kurz darauf wurden Mori und Bugis beim Kopu­lieren beob­achtet, was auf eine posi­tive Anpas­sung an ihre neue Umge­bung hindeutet.

Nicht zum ersten Mal

Mori war bereits 2019 in den Kehje Sewen Forest entlassen worden. Aufgrund einer Verschlech­te­rung ihres Gesund­heits­zu­stands, die durch Melio­idose verur­sacht wurde, musste sie jedoch zur medi­zi­ni­schen Behand­lung in das Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum zurück­kehren. Nun ist Mori voll­ständig genesen und bereit, in ihr wahres Zuhause in der Wildnis zurückzukehren.

Auswilderung von sechs Orang-Utans durch die BOS Foundation
Der indo­ne­si­sche Forst­mi­nister Raja Juli Antoni entlässt Mikhayla in die Freiheit

Als nächstes wurde Mikhayla frei­ge­lassen, deren Käfig vom Forst­mi­nister persön­lich geöffnet wurde. Das junge Orang-Utan-Weib­chen haben wir Anfang des Jahres extrem unter­ernährt aus einem Berg­bau­ge­biet gerettet. Jetzt, nach mona­te­langer Gene­sung im Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Samboja Lestari war sie bereit, in eine siche­rere und besser geeig­nete Umge­bung in den Wald zurück­zu­kehren. Als ihre Trans­portbox geöffnet war, sprang Mikhayla ener­gisch heraus und klet­terte schnell auf den nächst­ge­le­genen Baum.

Endlich frei

Am nächsten Auswil­de­rungsort wurden Siti und Uli frei­ge­lassen. Siti stürmte voller Begeis­te­rung aus ihrem Käfig, während Uli es ruhiger angehen ließ und vorsichtig, aber selbst­be­wusst seine neue Umge­bung erkun­dete. Als letztes durfte der impo­sante Orang-Utan-Mann Sie-Sie in die Frei­heit stürmen. Bei der Frei­las­sung zeigte Sie-Sie einige Aggres­sionen, ein Zeichen für den Stress, den er während der Reise erlebt hatte. Glück­li­cher­weise konnten unsere Mitar­beiter jegliche Konfron­ta­tion vermeiden und eine sichere Auswil­de­rung gewährleisten.

Jetzt ist der Einsatz der Post-Release-Moni­to­ring-Teams gefragt, die den sechs neuen Bewoh­nern von Kehje Sewen in den kommenden Wochen täglich folgen werden. So wollen wir sicher­stellen, dass sich die Primaten gut an ihre neue Umge­bung anpassen konnten. Viel Glück im Regen­wald, Mori, Bugis, Mikhayla, Siti, Uli und Sie-Sie!

Mit Ihrer Spende helfen Sie den bedrohten Orang-Utans!

Frei­heit für sechs Orang-Utans im Wald von Kehje Sewen

Frei­heit für sechs Orang-Utans im Wald von Kehje Sewen

Manchmal braucht es mehr als einen Anlauf, um einem Orang-Utan die Frei­heit schenken zu können. Von den sechs Auswil­de­rungs­kan­di­daten, denen wir jetzt in unserem Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen die Frei­heit schenken, gehen drei den großen Schritt bereits zum zweiten Mal. Zwei weitere haben eine sehr lange Zeit der Reha­bi­li­ta­tion hinter sich. Für uns ist klar: Wir helfen jedem Orang-Utan, solange er uns braucht!

Als Mori 2019 zum ersten Mal ausge­wil­dert wurde, war sie zehn Jahre alt und nach sieben Jahren Wald­schule und Wald­uni­ver­sität im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari (Ost-Kali­mantan) bestens vorbe­reitet auf das Leben in Frei­heit. Und sie war kern­ge­sund – das stellen umfang­reiche medi­zi­ni­sche Unter­su­chungen der Kandi­daten vor jeder Auswil­de­rung sicher. Trotzdem hat Mori das erste Jahr ihrer neuen Frei­heit im geschützten Wald Kehje Sewen nur mit viel Glück überlebt.

Mori infi­ziert sich mit einem gefähr­li­chen Krankheitserreger

Es ist nur unserem aufmerk­samen Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team zu verdanken — das die „neuen Wilden“ während der ersten Monate nach der Auswil­de­rung intensiv begleitet — dass Moris Leben gerettet werden konnte. Denn etwa ein Jahr nach Moris Auswil­de­rung fiel den BOS-Rangern auf, dass es Mori nicht gut ging und sich ihr Zustand zuse­hends verschlech­terte. Das Team verlor keine Zeit und traf die Entschei­dung, das Orang-Utan-Weib­chen wieder einzu­fangen und zurück ins Rettungs­zen­trum Samboja Lestari zu bringen. In unserer Tier­klinik durch­ge­führte Tests ergaben, dass Mori sich mit Melio­idose infi­ziert hatte, einem Bakte­rium, das eine schwere und sogar tödliche verlau­fende Erkran­kung auslösen kann.

Kandidat für Orang-Utan-Auswilderung
Mori kurz vor ihrer zweiten Auswilderung

Es grenzt also an ein kleines Wunder, dass die 16 Jahre alte Mori nun zum zweiten Mal die Reise nach Kehje Sewen antreten kann. Unserem Ärzte­team ist es gelungen, die Orang-Utan-Dame wieder voll­ständig gesund zu pflegen und sie gründ­lich aufzu­päp­peln. Von der Krank­heit ist keine Spur zurück­ge­blieben. Jetzt ist die Zeit gekommen, es noch einmal zu versu­chen mit dem wilden Leben. Der Regen­wald erwartet Dich, Mori!

Auch Uli und Siti wurden zwei Mal gerettet und ausgewildert

Mori ist nicht die einzige, die jetzt einen zweiten Anlauf in ein freies Leben unter­nimmt. Uli wurde bereits 1999 zum ersten Mal ausge­wil­dert. Der damals noch junge Orang-Utan schien sich bestens an seinen neuen Lebens­raum gewöhnt zu haben. Denn er tauchte ab in den Gunung Beratus Wald und ward nicht mehr gesehen bis… ja, bis er 2021 auf die Idee kam, in ein Dorf zu spazieren und sich von Menschen mit Bananen, Jack­fruit und sogar Dosen­milch füttern zu lassen. Uli hatte sich in den mehr als 20 Jahren in Frei­heit zu einem Pracht­ex­em­plar von einem Orang-Utan-Männ­chen entwi­ckelt: Mit langem Haar und impo­santen Backen­wülsten. Und so wurde der fried­fer­tige Primat auf Dorf­be­such zum Social Media-Star.

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Seine zwei­fel­hafte Berühmt­heit löste direkt eine Rettungs­ak­tion aus, die das Männ­chen glück­li­cher­weise unver­letzt ins BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari brachte. Eine detek­ti­vi­sche Recherche offen­barte schließ­lich Ulis Identität.

Kandidat für Orang-Utan-Auswilderung
80 Kilo­gramm schwer und bereit, in den Regen­wald zurück­zu­kehren: Uli

Im Rettungs­zen­trum konnten wir Uli von 69 auf 80 Kilo­gramm aufpäp­peln und ihm ein biss­chen Erho­lung gönnen. Jetzt bekommt er eine zweite Chance. Diesmal wird aller­dings der Kehje Sewen Wald seine neue, wilde Heimat – fernab von mensch­li­cher Zivilisation.

Mensch-Tier-Konflikte entstehen durch knappen Lebensraum

Auch für Siti wird der geschützte Kehje Sewen ein siche­reres Zuhause werden als es der Sungai Wain Wald sein konnte, in den sie bereits 1997 ausge­wil­dert wurde. Zwar war es auch Siti nach ihrer Auswil­de­rung gelungen, viele Jahre unbe­hel­ligt ihre Frei­heit zu genießen. Doch der Lebens­raum der letzten Orang-Utans auf Borneo schrumpft immer weiter. Und so ist es fast nur eine Frage der Zeit, bis Mensch und Tier sich begegnen. Leider geht diese Begeg­nung für die Tiere oftmals nicht gut aus. Jedes einzelne Orang-Utan-Waisen­kind, das wir in unseren Rettungs­zen­tren aufnehmen, ist ein weiterer, trau­riger Beweis dafür.

Siti hatte Glück. Als sie sich in der Region Balik­papan Wald­ar­bei­tern näherte und diese um Futter anbet­telte, verjagten die Männer sie nicht oder verletzten sie gar. Statt­dessen gaben sie ihr Reis und Instant­nu­deln und infor­mierten die Natur­schutz­be­hörde BKSDA, welche wiederum BOS zur Hilfe rief.
Nach 25 Jahren in Frei­heit kehrte Siti dann in unser Rettungs­zen­trum Samboja Lestari zurück. Es war ein Wieder­sehen mit gemischten Gefühlen. Denn einer­seits ist es ein großes Glück zu sehen, dass es einem einst geret­teten Tier gut ergangen ist. Ande­rer­seits wünschen wir uns, dass sie die wieder­erlangte Frei­heit nie wieder einbüßen müssen, sondern das Leben im Regen­wald von Borneo leben dürfen, für das sie geboren wurden.

Siti musste in unserem Rettungs­zen­trum aufgrund ihres Kontaktes mit Menschen eine mehr­mo­na­tige Quaran­täne durch­laufen und wurde gründ­lich von unseren Ärzten unter­sucht. Nach einiger Zeit im Sozia­li­sie­rungs­ge­hege ist es jetzt soweit: Die inzwi­schen 35-jährige Orang-Utan-Dame darf ihr neues Zuhause im Kehje Sewen beziehen.

Ist Siti die Vete­ranin unseres Rettungszentrums?

Man könnte es meinen – aber Bugis und Sie-Sie sind sogar noch länger bei uns! Manchmal braucht gut Ding eben seine Weile.

Bugis kam im Juli 2003 in unser Rettungs­zen­trum, als er bereits zehn oder elf Jahre alt war. Sie-Sie ist sogar schon seit August 1996 in Samboja Lestari: Er war zum Zeit­punkt seiner Rettung erst ein, höchs­tens zwei Jahre alt und hatte einen so zarten Körperbau, dass er auf den ersten Blick für ein weib­li­ches Baby gehalten wurde. Beide haben sich zu starken und unab­hän­gigen Orang-Utan-Männern entwi­ckelt, die alle Fähig­keiten besitzen, welche sie für ihr Leben im Regen­wald brau­chen. Und sie sind so beein­dru­ckende Orang-Utans geworden, dass wir uns sicher sind: Sie können die Väter vieler Babys werden!

Die letzte in dieser beson­deren Reise­gruppe, die sich im April 2025 in den Kehje Sewen Wald aufge­macht hat, ist Mikhayla. Auch sie ist den Menschen zu nahe­ge­kommen, hatte sich auf das Gelände einer Kohle­mine verirrt. Und auch sie hatte großes Glück: Die Arbeiter riefen die Natur­schutz­be­hörde zur Hilfe, die Mikhayla im Januar 2025 nach Samboja Lestari brachten. Die Zehn­jäh­rige zeigte deut­liche Zeichen von Stress, als sie in unserem Rettungs­zen­trum ankam, und war unter­ernährt. Weil sie mit Menschen in Kontakt gekommen war, musste sie direkt in Quaran­täne. Während dieser Zeit wurde sie vom BOS-Team medi­zi­nisch versorgt und aufge­päp­pelt. Und nun, nach knapp vier Monaten, kann Mikhayla bereits wieder in die Frei­heit entlassen werden. Manchmal kann es eben auch ganz schnell gehen.

Kandidat für Orang-Utan-Auswilderung
Mikhayla war nur kurze Zeit in unserer Obhut

Wir wünschen Mori, Uli und Siti, Bugis, Sie-Sie und Mikhayla, dass sie sich gut am Ziel ihrer langen Reise einleben! Unser aufmerk­sames PRM-Team wird ein genaues Auge darauf haben, wie es den sechs „neuen Wilden“ in ihrer neuen Heimat ergeht.

Möchten auch Sie Orang-Utans helfen, das Leben zu führen, für das sie geboren wurden? Jede Spende hilft!

Runtus lange Reise in die Frei­heit und zur Liebe

Runtus lange Reise in die Frei­heit und zur Liebe

Die Auswil­de­rung eines Orang-Utans markiert für uns den Höhe­punkt einer langen Reha­bi­li­ta­tion. Im Fall von Runtu dauerte diese ganze 18 Jahre, denn die Orang-Utan-Dame hatte ihre Kind­heit und Jugend in einem thai­län­di­schen Vergnü­gungs­park verbracht. Sie war bereits fünf­ein­halb Jahre alt, als sie aus diesem unwür­digen Leben befreit und in das BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng gebracht werden konnte.

Doch Runtu kämpfte sich Wald­schul­lek­tion um Wald­schul­lek­tion zurück ins Leben eines wilden Orang-Utans und bewies ihre Fähig­keiten auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Salat Island.

Auswilderung Orang-Utan Weibchen Runtu im Regenwald
Der große Moment ist da: Runtus Käfigtür öffnet sich

Anfang November 2024 war es soweit: Im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park öffnete sich die Tür des Trans­port­kä­figs. Als 23-Jährige kann Runtu nun das freie, wilde Leben fort­setzen, das ihr als Baby von Wild­tier­händ­lern genommen wurde.

In einem Holly­wood-Film wäre die Auswil­de­rung das Happy End

Bei Runtu ist dies tatsäch­lich erst der Anfang einer wunder­baren Geschichte. Nach einer Auswil­de­rung bleibt das Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team von BOS stets noch einige Wochen am Ort und beob­achtet, wie die neuen Wilden sich in ihrem neuen Lebens­raum zurecht­finden. Diese genaue Doku­men­ta­tion des Verhal­tens ist nicht nur wichtig, damit wir uns sicher sein können, dass es den reha­bi­li­tierten Orang-Utans gut geht. Die Erkennt­nisse helfen uns auch dabei, unsere Arbeit stets weiter zu verbessern.

Post Release Monitoring Team im Regenwald
Feld­for­schung: Unser Post-Release Moni­to­ring-Team nach der Auswilderung

Runtu zeigte sich zunächst unent­schlossen, nachdem sie ihren Trans­port­käfig verlassen hatte. Kurz kehrte sie zum Käfig und den dort wartenden Menschen zurück, zeigte dabei jedoch keine Aggres­si­vität. Es schien fast, als wolle sie sich verab­schieden und bedanken, ehe sie einen Baum hinauf­klet­terte, weit nach oben in die Wipfel. Das ist eine Ange­wohn­heit, die unser Team schon von der Voraus­wil­de­rungs­insel kennt: Runtu hält sich am liebsten ganz oben, sozu­sagen im Pent­house des Regen­waldes, auf.

Orang-Utan-Männ­chen Happy beglückt Runtu

Dort fand sie kurze Zeit später Happy, ein 16-jähriges Orang-Utan-Männ­chen, der eben­falls gerade den Auswil­de­rungs­käfig verlassen hatte. Die beiden kamen sich schnell näher, wurden bald beim Kopu­lieren beob­achtet. Ein solches Verhalten ist ziem­lich häufig unmit­telbar nach der Auswil­de­rung. Es scheint, als helfe es den Tieren, nach all der Aufre­gung und der langen Reise vom Rettungs­zen­trum in den Auswil­de­rungs­wald, Stress abzubauen.

In den nächsten Tagen folgte unser PRM-Team Runtu tiefer in den Wald hinein. Runtu hangelte sich weit oben durch die Baum­wipfel und erkun­dete ihre neue Heimat mit sicht­li­chem Inter­esse und großer Mobi­lität, ohne Angst zu zeigen. Dabei bewegte sie sich kraft­voll durch das anspruchs­volle Terrain — der Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park erstreckt sich über einen Teil des Schwa­ner­ge­birges und ist durch­zogen von Wasser­läufen – und bewies ihre Anpas­sungs­fä­hig­keit an den neuen Lebensraum.

Orang-Utan Weibchen Runtu im Regenwald
Queen of the Jungle: Runtu beim Hangeln in den Baum­wip­feln des Bukit Baka Bukit Raya Nationalparks

Immer wieder wurde sie bei der Nahrungs­auf­nahme beob­achtet, dabei sammelte die Orang-Utan-Dame ganz unter­schied­liche Früchte, Blätter und andere Lecker­bissen und bewies auch dadurch ihre Fähig­keit, sich in Frei­heit bestens zurecht zu finden. Unser Team folgte Runtu auf bis zu 1.500 Meter Höhe und verlor sie zwischen­zeit­lich sogar aus den Augen, weil sie mit dem Tempo des Orang-Utans nicht Schritt halten konnten.

Runtu ist endlich zuhause, zurück im Regenwald

Einige Tage nach der Auswil­de­rung kreuzten sich die Wege von Runtu und Happy erneut. Und eigent­lich kann das im weit­läu­figen Natio­nal­park kein Zufall gewesen sein. Die beiden gingen aber­mals sehr freund­lich mitein­ander um und unser PRM-Team konnte sie dabei beob­achten, wie sie sich am Abend Schlaf­nester neben­ein­ander bauten und wieder kopulierten.

Orang-Utan Schlafnester im Regenwald
Die Schlaf­nester von Runtu und Happy. Seite an Seite. Herz an Herz

Unser Team ist vorsichtig opti­mis­tisch, dass Runtu nach den mehr­fa­chen Begeg­nungen Nach­wuchs erwarten könnte.

Orang-Utan Weibchen Runtu im Regenwald
Runtu ist nach 18 Jahren Reha­bi­li­ta­tion endlich angekommen

Wir wünschen Dir ein wunder­bares Leben in Frei­heit, Runtu! Du hast uns bewiesen, wie stark und resi­lient Orang-Utans sind und wie wirkungs­voll unser Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm ist. Dass Du nach Deinem trau­ma­ti­schen Start ins Leben nicht aufge­geben hast, sondern heute als freier, wilder Orang-Utan im geschützten Regen­wald leben kannst, grenzt an ein Wunder. Und wer weiß, viel­leicht schenkst Du der Welt bald ein zweites, kleines Wunder?

Bitte unter­stützen Sie unsere Arbeit zum Schutz der letzten ihrer Art: Jede Spende hilft und kommt den Orang-Utans zugute!

Hilda und Hiran: Mutter und Sohn im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya

Hilda und Hiran: Mutter und Sohn im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya

Wenn wir Orang-Utans in geschützten Regen­wäl­dern auswil­dern, dann haben wir vor allem einen Wunsch: Dass sich die reha­bi­li­tierten Tiere in ihrem neuen Lebens­raum so sicher und wohl­fühlen und hier lang­fristig eine neue Popu­la­tion entsteht. Darum ist jedes wild­ge­bo­rene Baby für uns der schönste Beweis dafür, dass unsere Arbeit erfolg­reich ist. So wie bei Orang-Utan-Weib­chen Hilda und ihrem Spross Hiran – auch wenn diese Geschichte einen dunklen Schatten aufweist.

Hilda wurde im Dezember 2019 im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya im Gebiet des Hiran-Flusses ausge­wil­dert. Gemeinsam mit ihrer Tochter Hadijah, die im April 2018 auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Palas Island geboren wurde.

Irgend­wann verlor unser Post-Release-Moni­to­ring Team (PRM) Hilda und ihre Tochter nach der Auswil­de­rung aus den Augen. Sie waren im dichten Regen­wald des Natio­nal­parks abgetaucht.

Erst im Jahr 2022 traf ein PRM-Team wieder auf Hilda. Aller­dings nicht mit Tochter Hadijah an ihrer Seite. Dafür klam­merte sich ein neues Baby in ihrem Fell fest. Wir nannten es Hiran, nach dem Wald­ge­biet, in dem es zur Welt kam.
Was aus Hildas Tochter Hadijah wurde? Das wissen wir leider nicht mit Bestimmt­heit, denn der Dschungel birgt viele Gefahren für einen so jungen Orang-Utan. Womög­lich war der Schritt in die Wildnis ein zu großer für das Orang-Utan-Kind. Viel­leicht wurde es krank oder verletzte sich?

Hiran, das Dschungelkind

So traurig wir darüber sind, das Hadijah verschwunden ist, so sehr freuen wir uns über Hildas zweites Baby. Der kleine Hiran ist ein echtes Dschun­gel­kind! Bei der ersten Begeg­nung 2022 war Hiran erst wenige Monate alt und noch voll­kommen von seiner Mutter Hilda abhängig.
Als das PRM-Team kürz­lich in einem Bambus­wald­ge­biet auf Hilda (19) und Hiran traf, schätzten die erfah­renen Beob­achter den kleinen Orang-Utan auf ein Alter von zwei bis drei Jahren.

Orang-Utan-Mutter Hilda mit Baby Hiran im Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya
Hilda und Baby Hiran im Regen­wald von Bukit Baka Bukit Raya

Noch immer hält er sich nah an seiner Mutter. Ganz entspannt genossen Mutter und Kind zarte Bambus­sprossen und Blätter.

Insge­samt sieben bis acht Jahre werden Hilda und Hiran zusammen verbringen. Dabei wird Hiran seine Mutter aufmerksam beob­achten und immer wieder nach­ahmen. So erlernt er alle grund­le­genden Über­le­bens­fä­hig­keiten für den Regen­wald. Neben der Nahrungs­suche lernt der Nach­wuchs von seiner Mutter wie man Schlaf­nester baut, sicher klet­tert und hangelt und dabei den Wald erkundet.

Bei aller Trauer um Baby Hadijah, sind wir doch vor allem stolz auf Hilda und glück­lich über Hiran. Hilda, die wir 2007 als Baby von einer Palm­öl­plan­tage gerettet haben, hat ihren Weg mit allen Höhen und Tiefen so gut gemeis­tert. Und wir sind uns sicher, dass sie Hiran eine wunder­bare Mutter sein wird.

Orang-Utan-Mutter Hilda mit Baby Hiran im Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya
Der kleine Hiran

Wir wünschen Hilda und Hiran weiterhin viel Glück und alles Gute und hoffen, den beiden bald wieder zu begegnen.

Mit Ihrer Spende können Sie unsere Arbeit für die Orang-Utans und ihren Lebens­raum unterstützen.