Die einsame Habouba

Die einsame Habouba

Vor einigen Wochen nutzte unser Geschäfts­führer Daniel Merdes seine Reise nach Indo­ne­sien für einen Zwischen­stopp in Dubai. Sein Ziel: The Zoo Wild­life Park im benach­barten Emirat Umm al-Quwain. Eine der Haupt­at­trak­tionen des Parks ist Orang-Utan-Weib­chen Habouba, die nicht nur im Zoo, sondern auch in den Sozialen Medien ein Star ist. Denn Treffen mit Habouba sind für Gäste des Parks möglich. Hier berichtet Daniel Merdes von seinem verstö­renden Besuch.

Im Mai 2024 sah ich Habouba das erste Mal. Mit weit­auf­ge­ris­senen Augen blickte sie vom Beifah­rer­sitz in die Kamera, eine junge hübsche Orang-Utan Dame. Daneben ein Insta­gram taug­li­cher Schön­ling mit stolzem Blick. Wie oft habe ich das Foto betrachtet – ein Kunst­werk in sich. Die offen­sicht­liche Falsch­heit des Moments ließen mich nicht mehr los. Wir veröf­fent­lichten das Foto auf unseren Netz­werken, star­teten eine Peti­tion, versuchten weitere Infor­ma­tionen zu erlangen. Von der BOS-Commu­nity kamen viele Nach­fragen, aber in im Emirat blieb Funk­stille, niemand wollte mit mir über Habouba sprechen.

Haboubas trau­riger Alltag

Ende 2025 nutze ich den Zwischen­stopp nach Indo­ne­sien für die Suche nach Habouba. Ich fand sie in einem privaten Zoo außer­halb der Stadt, mitten in der Wüste unter bren­nender Sonne, sah ich sie schon von Weitem in der Ecke sitzen. Den Schatten suchend, wurde sie von einer russi­schen Touris­ten­fa­milie bela­gert. Offen­sicht­lich war Habouba bereits am Morgen alles zu viel und sie blickte genervt in die aufge­regten Gesichter. Ich kam schnell ins Gespräch mit ihrem Wärter, einem patenten und freund­li­chen Mann aus Sierra Leone, der sich sicht­lich über die Touristen aufregte.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Ein Foto mit Habouba. Szene aus dem Arbeitstag des Orang-Utans

Wir freun­deten uns an, er erzählte mir nicht nur seine Lebens­ge­schichte, sondern auch von seiner Sorge um Habouba. Warum können die Touristen sie nicht manchmal auch in Ruhe lassen? Sie könnten doch sehen, wenn sie nicht wolle. Mit Wollen war die Haupt­at­trak­tion des Zoos gemeint: Hand in Hand mit einem Orang-Utan spazieren zu gehen. Im Blitz­licht­ge­witter der ange­heu­erten Foto­grafen und der stolzen Familie. Social-Media-Foto des Jahres oder doch nur dumm­dreiste Eitel­keiten. Habouba mag das Händ­chen­halten nur bedingt und macht gute Miene zum verblö­deten Spiel, wird sie doch danach mit Tütten­suppen aus dem Kiosk belohnt.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Arbeits­pause für Habouba mit ihrem Wärter

Früher fuhr sie wohl auch noch Auto und klet­terte auf Bäume, aber nein, das wolle man nicht mehr. Ich würde eher sagen, das schafft sie auch nicht mehr. Ein zuvor verein­barter Termin mit dem Zoobe­sitzer platze in letzter Minute. Ich hatte mich unter faden­schei­nigen Argu­menten als Prima­ten­ex­perte wichtig gemacht. Hoffte auf Dialog, aber offen­sicht­lich wurde mein hart­nä­ckiges Nach­fragen und Rumlun­gern nach oben weiter­ge­geben. Oder fiel schlichtweg auf, dass ich als Einziger keinen Körper­kon­takt zu Habouba suchte?

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Umla­gert von Touristen: Orang-Utan-Dame Habouba

Mehr­fach versuchte ich den Zoo zu verlassen, konnte mich aber – wie vom Foto – einfach nicht lösen. Immer wieder kam ich zurück und suchte die Nähe des Affen und seines afri­ka­ni­schen Freundes. In all der Kaputt­heit der Szenerie war ich doch irgendwie froh, dass Habouba nicht alleine war. Fast verpasste ich noch meinen Flug und verbrachte eine nach­denk­liche Nacht im Flieger nach Indo­ne­sien. Welche Chancen hätte eine über­ge­wich­tige Affen­dame in ihrem Heimat­land? Würde sie jemals wieder lernen, auf Bäume zu klet­tern und Nahrung zu finden. Hatte sie noch Bilder der Frei­heit im Kopf, kurz bevor sie aus ihrer Heimat entführt wurde?

Nach einer schlaf­losen Nacht landete der Flieger und ich fuhr direkt in den immer­grünen Wald Borneos: leider allein.

Helfen Sie den Orang-Utans, die ein Opfer des Wild­tier­han­dels geworden sind.