Fort­schritt in der Wald­schul-Ausbil­dung für Ecky, Klaus und Frank

Fort­schritt in der Wald­schul-Ausbil­dung für Ecky, Klaus und Frank

Die drei Wald­schüler Ecky, Klaus und Frank haben in ihrer Ausbil­dung einen wich­tigen Fort­schritt gemacht: Sie sind von der Wald­schul­gruppe 1 in die nächste Ausbil­dungs­stufe im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari versetzt worden. Dort warten nun neue Heraus­for­de­rungen auf sie. Und sie sind auf ihrem Weg zurück in den Regen­wald ein gutes Stück vorangeschritten.

In der Wald­schule gibt es keinen festen Stun­den­plan und keine Abschluss­prü­fungen. Ob ein Orang-Utan bereit für die nächste Ausbil­dungs­stufe ist, entscheidet sein gesamtes Verhalten.
Die Baby­sit­te­rinnen, Tier­pfleger und Tier­ärzte beob­achten zum Beispiel, wie sicher sich die Tiere in den Bäumen bewegen, wie selbst­ständig sie den Wald erkunden und wie viel­fältig ihre selbst­ge­suchte natür­liche Nahrung ist. Auch die Frage, wie sehr sie noch auf die Menschen ange­wiesen sind, spielt eine wich­tige Rolle.

Die drei Wald­schüler Ecky, Klaus und Frank haben in den vergan­genen Monaten bewiesen, dass sie für den nächsten Schritt bereit sind. Bereit, in die Wald­schul­gruppe 2 von Samboja Lestari aufzusteigen.

Wald­schul­gruppe 2 in Samboja Lestari ist wieder geöffnet

Während es im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng insge­samt fünf Wald­schul­gruppen gibt, bilden wir die Orang-Utan-Waisen in Samboja Lestari in zwei Gruppen aus. Denn in Samboja Lestari werden deut­lich weniger Orang-Utans reha­bi­li­tiert. So lernen die Tiere hier länger gemeinsam. Doch in einem Alter von etwa zehn Jahren ist es – vor allem für die beiden jungen Männ­chen Klaus und Frank – an der Zeit, den nächsten Schritt ins Erwach­se­nen­leben zu unternehmen.

Wie gut, dass gerade jetzt das Gelände der Wald­schul­gruppe 2 in Samboja Lestari wieder einsatz­be­reit ist. Denn es konnte einige Zeit nicht genutzt werden. Schäden an den Zugangs­wegen sowie am Gelände und an den Nacht­kä­figen hatten eine Instand­set­zung notwendig gemacht. Nun sind die Repa­ra­turen abge­schlossen – und das Klas­sen­zimmer im Regen­wald ist bereit für seine Waldschüler.

Bereit für tieferes Eintau­chen in den Wald

Für Klaus und Frank begann der Umzugstag mit einer gründ­li­chen tier­ärzt­li­chen Unter­su­chung. Dafür wurden die beiden Halb­starken zunächst in eine leichte Narkose versetzt, um in der Tier­klinik sicher und ruhig unter­sucht zu werden.

Nachdem die Tier­ärzte grünes Licht geben konnten, brachten die Tier­pfleger Klaus und Frank in ihre Trans­port­boxen, in denen sie zum Gelände der Wald­schul­gruppe 2 umzogen.

BOS Mitarbeiter tragen Transportbox mit Orang-Utan
Bereit für den Umzug

Ecky geht ihren eigenen Weg

Ecky durfte ihren Umzug bei vollem Bewusst­sein erleben. Anders als Klaus und Frank musste das junge Orang-Utan-Weib­chen nicht sediert werden. Sie war so koope­rativ, dass sie an der Hand der BOS-Mitar­beiter auf der Lade­fläche des Jeeps stehend in ihr neues Klas­sen­zimmer einziehen konnte.

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­greifen, klicken Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bieter weiter­ge­geben werden.

Mehr Infor­ma­tionen

Dort ange­langt, hieß es: erstmal ankommen und beob­achten. Ecky, Klaus und Frank verbrachten die ersten Tage zunächst in den Nacht­kä­figen des Wald­schul­areals. Diese Einge­wöh­nungs­phase ist wichtig, damit sich die Tiere mit den neuen Geräu­schen, Gerü­chen und Abläufen vertraut machen können.

Warum die Einge­wöh­nung so wichtig ist

Der Wechsel von einer Wald­schul­stufe in die nächste ist für einen Orang-Utan ein großer Schritt – ähnlich wie bei einem Menschen­kind, das von der Grund­schule in die weiter­füh­rende Schule versetzt wird. Deshalb werden die Tiere nach dem Umzug ganz genau beob­achtet: Zeigen sie Anzei­chen von Stress? Wie reagieren sie auf ihre neue Umge­bung? Wie bewegen sie sich durch das Gelände? Und beginnen sie, die neuen Möglich­keiten selbst­ständig zu nutzen?

Wie lange diese Einge­wöh­nungs­phase dauert, hängt nicht von einem festen Zeit­plan ab, sondern von den tägli­chen Beob­ach­tungen der Tier­pfleger und mensch­li­chen Ersatzmütter.

Neue Heraus­for­de­rungen für Ecky, Klaus und Frank

Nach einigen Tagen im Gehege wurden Ecky, Klaus und Frank dann schritt­weise an die Akti­vi­täten der Wald­schul­gruppe 2 heran­ge­führt. Gestartet wurde mit einem kurzen Schultag. Doch Tag für Tag verbrachten sie mehr Zeit im Wald. So hatten die drei Orang-Utans ausrei­chend Zeit, um sich an ihre neue Umge­bung zu gewöhnen und dabei möglichst selbst­ständig Sicher­heit zu entwickeln.

Vom Wald­schüler zum wilden Orang-Utan

In der ersten Wald­schul­stufe lernen die Orang-Utan-Waisen grund­le­gende Fähig­keiten kennen: klet­tern, hangeln, Nahrung suchen, Nester bauen und sich in ihrer Umge­bung orien­tieren.
Jetzt sollen sie selbst­stän­diger werden und immer mehr Entschei­dungen ohne die Hilfe der Menschen treffen. Und sie sollen lernen, dem Wald zu vertrauen – als dem Ort, an dem sie eines Tages wieder dauer­haft leben sollen. Für Ecky, Klaus und Frank ist der Wechsel in die Wald­schul­gruppe 2 damit weit mehr als nur ein Umzug. Er ist ein Schritt, der sie ihrem großen Ziel näher­bringt: der Rück­kehr in die Freiheit.

Mit Ihrer Spende unter­stützen Sie unsere Arbeit in den BOS-Rettungs­zen­tren Samboja Lestari und Nyaru Menteng.

TV-Tipp: “Oran­gutan Jungle School” im Streaming

TV-Tipp: “Oran­gutan Jungle School” im Streaming

Aktuell auf Love Nature — Amazon Prime

Beni, Valen­tino, Meryl, Cinta und Alba — sie alle wurden durch die „Oran­gutan Jungle School — Kinder­garten mal anders“ zu welt­weiten Stars — nicht nur unter Orang-Utan-Fans. Die Doku­men­tar­serie gewährt exklu­sive Einblicke in das BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng und zeigt hautnah, wie BOS geret­tete Orang-Utans auf ein Leben in Frei­heit im Regen­wald vorbe­reitet. Seit 2018 begleitet die Serie unsere Schütz­linge auf ihrem span­nenden Weg durch die Waldschule.

Aktuell ist die erste Staffel der “Oran­gutan Jungle School” im Strea­ming auf Amazon Prime im Kanal Love Nature zu sehen.

Eine uner­schüt­ter­liche Orang-Utan-Liebe: die Rettung und Wieder­ver­ei­ni­gung von Clara und Clarita

Eine uner­schüt­ter­liche Orang-Utan-Liebe: die Rettung und Wieder­ver­ei­ni­gung von Clara und Clarita

Es gibt Geschichten von Orang-Utans, die sich für immer in unsere Herzen einge­brannt haben. Die uns immer wieder von neuem im Innersten berühren. Eine davon ist die von Clara und ihrer uner­schüt­ter­li­chen Liebe zu ihrer Tochter Clarita.

Diese Geschichte hat unser Team im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng auf Borneo erlebt. Die Berliner Künst­lerin Elena Bianco hat die Erleb­nisse von Clara und Clarita mit ihren bezau­bernden Illus­tra­tionen verewigt.

Orang-Utan-Illustration
Im Sommer 2017 bringt Clara ihr erstes Baby zur Welt

Die herz­er­grei­fende Geschichte beginnt im Juli 2017 mit einem glück­li­chen Ereignis: Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Salat Island schenkt Clara ihrer entzü­ckenden Tochter Clarita das Leben.

Clara ist damals elf Jahre alt. Es ist ihr erstes Baby – und sie kümmert sich liebe­voll um die Kleine

Doch dann geschieht das Drama: Das neugie­rige Männ­chen Rizki entführt die zwei Wochen alte Clarita von ihrer Mutter.

Orang-Utan Illustration
Das neugie­rige Orang-Utan-Männ­chen Rizki entführt Claras Baby

Clara bleibt verwirrt und verzwei­felt zurück und versteckt sich im Regenwald.

Vom Fest­land aus setzt ein Such­trupp auf die Insel über. Fieber­haft suchen unsere Mitar­beiter im dichten Regen­wald der Voraus­wil­de­rungs­insel nach Clarita. Denn das Baby braucht regel­mäßig Mutter­milch. Die Tren­nung von Mama Clara kann schnell lebens­be­droh­lich für den Orang-Utan-Winz­ling werden.

Die Voraus­wil­de­rungs­insel Salat Island ist zwar ein Stück Wildnis, in ihrem Inneren mit dichtem Regen­wald bewachsen. Doch die Größe der Insel ist über­schaubar. Zum Glück!

So gelingt es dem Such­trupp, das Orang-Utan-Männ­chen Rizki aufzu­spüren. Er hält die kleine Clarita im Arm. Schnell greift das BOS-Team ein und es gelingt ihnen, dem Entführer das Baby unbe­schadet abnehmen.

Die Rettung gelingt keine Sekunde zu früh!

Orang-Utan Illustration
Clarita ist in Sicher­heit – doch es geht ihr nicht gut 

Denn Clarita ist dehy­driert und hungrig. Und sie leidet unter einem schlimmen Haut­aus­schlag – ausge­löst von einer Pflanze, die auf der Insel wächst und mit der die zarte Baby­haut offenbar in Berüh­rung kam.

Clarita wird im Rettungs­zen­trum sofort von den BOS-Tier­ärzten versorgt und in die liebe­volle Obhut von Baby­sit­terin Ursula gegeben.

Ursula war auch schon Claras Ersatz­mama, als diese im Januar 2007 im Alter von gerade mal sechs Monaten gerettet und in das BOS-Rettungs­zen­trum gebracht wurde. Auch während ihrer Zeit in der Wald­schule war Ursula Claras engste Bezugsperson.

Orang-Utan Illustration
Baby­sit­terin Ursula päppelt Clarita liebe­voll auf

Ursula kümmert sich intensiv um Claras Baby: Sie füttert Clarita mit Säug­lings­milch, schenkt ihr Wärme, Liebe und Gebor­gen­heit, versorgt ihren Haut­aus­schlag und tröstet die Kleine.

Doch wo ist Mama Clara?

Mit wach­sender Sorge sucht das BOS-Team auf der Voraus­wil­de­rungs­insel nach ihr, durch­kämmt den dichten Regen­wald im Insel­in­neren. Doch Clara hat sich in ihrer Angst und Verzweif­lung versteckt.

Anfang August, nach Tagen inten­siver Suche, finden wir Clara endlich und bringen sie zurück ins Rettungszentrum.

Schon am nächsten Tag versu­chen wir, Clara und Clarita wieder zusammenzubringen.

Clara ist in einem Käfig bei der Tier­klinik unter­ge­bracht. Baby­sit­terin Ursula bringt Clarita zu Clara und zeigt ihr vorsichtig das Baby.

Orang-Utan Illustration
Wird Orang-Utan-Mama Clara ihr Baby nach der gewalt­samen Tren­nung wieder annehmen?

Das BOS-Team ist voller Sorge: Wird die Wieder­ver­ei­ni­gung gut gehen? Wird Clara ihr Baby wieder annehmen? Oder wird sie Clarita ablehnen, die dann als Waise aufwachsen müsste?

Die Sorge ist unbegründet

Clara erkennt ihr Baby sofort. Aufge­regt bewegt sie sich im Käfig, streckt sehn­süchtig die Hand durch das Gitter und versucht ihre Tochter zu berühren.

Ursula zeigt ihr zunächst das Baby, strei­chelt Claras Hand und spricht beru­hi­gend mit ihr. Dann nähert sie sich mit der Kleinen im Arm dem Käfig. Zärt­lich küsst Clara ihr Baby durch die Gitter. Nun ist sich das Team sicher: Sie können Mutter und Tochter wiedervereinen.

Als Ursula Clarita von der Windel befreit und ein Mitar­beiter beginnt, die Schrauben am Käfig aufzu­drehen, kann es Clara nicht schnell genug gehen: Sie dreht auch an den Schrauben, damit die Tür schneller aufgeht.

Ursula reicht der unge­duldig wartenden Orang-Utan-Mutter ihr Baby. Clara kann die Augen kaum von Clarita lassen. Nur ein kurzer Blick der Dank­bar­keit geht an Ursula. Dann schließt sie ihre Tochter liebe­voll in die Arme. Die BOS-Mitar­bei­tenden stehen atemlos und mit Tränen in den Augen daneben.

Orang-Utan Illustration
Das Team ist erleich­tert – die Wieder­ver­ei­ni­gung ist gelungen

Clara betrachtet ihre Tochter und schmiegt sie an sich. Das Baby klam­mert sich sofort in ihrem Fell fest und sucht die Nähe und Wärme ihrer Mutter.

Nur eine bange Frage bleibt: Wird Clara nach der Tren­nung noch Mutter­milch haben?

Doch auch diese Sorge ist unbe­gründet. Clara kuschelt sich mit ihrem Kind zusammen, legt es auf ihre Brust – und Clarita trinkt. Jetzt endlich können die beiden sich von den Stra­pazen erholen.

Die zu Herzen gehende Wieder­ver­ei­ni­gung von Clara und Clarita haben wir damals auch per Video fest­ge­halten. Achtung: Taschen­tü­cher bereithalten!

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­greifen, klicken Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bieter weiter­ge­geben werden.

Mehr Infor­ma­tionen

Wenn Sie glauben, die berüh­rende Wieder­ver­ei­ni­gung von Mutter und Tochter sei schon alles gewesen dann haben Sie sich getäuscht. Die Geschichte ging noch weiter.

Zwei Monate verbringen Clara und Clarita nach ihrer Zusam­men­füh­rung im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng, um zu Kräften zu kommen und voll­kommen gesund zu werden.

Im November 2017 dürfen die beiden dann auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat umziehen, wo sich Clara vorbild­lich um ihr Tochter kümmert und das wilde Leben im Regen­wald übt.

Orang-Utan Illustration
Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel trai­niert Clara mit ihrem Töch­ter­chen das wilde Leben im Regenwald

Knapp ein Jahr später, im September 2018, ist Clara bereit, das freie Leben im Regen­wald des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya gemeinsam mit ihrer Tochter zu erleben. Clara ist jetzt zwölf Jahre alt, Clarita ein Jahr.

Es ist Baby­sit­terin Ursula, die den Trans­port­käfig tief im Regen­wald öffnen darf.

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­greifen, klicken Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bieter weiter­ge­geben werden.

Mehr Infor­ma­tionen

Mit einer Träne im Augen­winkel nimmt sie Abschied – und ist zugleich stolz auf ihre beiden Schütz­linge, die nun im geschützten Regen­wald des Natio­nal­parks das wilde und freie Leben beginnen dürfen, für das sie schon immer bestimmt waren.

Bitte helfen Sie uns dabei! Jede Spende hilft uns, die letzten ihrer Art zu schützen. 

Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Auf Expe­di­tion mit dem Biodi­ver­si­täts-Team im Kehje Sewen Wald: Jeder Schritt verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes beginnt für eine Gruppe von Menschen noch vor Sonnen­auf­gang der Tag. Sie packen Verpfle­gung in ihre Ruck­säcke, über­prüfen ihre Ausrüs­tung. Wenig später brechen sie auf. Zu Fuß hinein in den Regen­wald von Ost Kali­mantan auf Borneo – einen Biodi­ver­si­täts-Hotspot und wich­tigen Lebens­raum für Orang-Utans.

Sie sind nicht auf der Suche nach Aben­teuern, sondern nach Erkennt­nissen. Denn bei der Gruppe handelt es sich um das Biodi­ver­si­täts-Team der BOS-Wald­schutz­firma Resto­rasi Habitat Oran­gutan Indo­nesia (RHOI). Ihre Aufgabe: Orang-Utans beob­achten, Nester doku­men­tieren und Daten über die Arten­viel­falt des Waldes sammeln.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes

Dafür unter­nimmt das Team regel­mäßig lange Märsche durch den Regen­wald, streift durch unweg­sames Gelände, nimmt Regen und schweiß­trei­bende Hitze in Kauf. Denn ihre Arbeit ist entschei­dend dafür, ob geret­tete und ausge­wil­derte Orang-Utans lang­fristig in Frei­heit über­leben können. Und ob der Kehje Sewen Regen­wald ihnen als Lebens­raum erhalten bleibt.

Arten­schutz auf Borneo: Team­ar­beit im Regenwald

Die Expe­di­tion beginnt am frühen Morgen. Zunächst macht sich das Team auf den Weg zum Basis­lager, das im Wald­ge­biet der PT-RHOI-Konzes­sion liegt. Der Weg dorthin ist lang. Während sie durch den Wald laufen, spre­chen die Team­mit­glieder über andere Kolle­ginnen und Kollegen, die den Einsatz über Flüsse mit Booten unter­stützen. Viele Menschen sind betei­ligt, damit Expe­di­tionen sicher durch­ge­führt werden können und Mate­rial zuver­lässig ankommt. Natur- und Arten­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam.
Erst am späten Nach­mittag errei­chen sie den Lager­platz. Zelte werden aufge­baut, Essen gekocht, die Arbeit für den nächsten Tag bespro­chen.
Acht Personen gehören zur Expe­di­tion: vier Beobachter:innen, zwei Navi­ga­toren, die zugleich Wege frei­schlagen, und zwei Mitar­bei­tende, die im Camp bleiben und sich um Verpfle­gung kümmern.

Moni­to­ring von Orang-Utans und Biodiversität

Die Aufgaben sind klar verteilt. Das Post Release Moni­to­ring (PRM) Team doku­men­tiert Orang-Utan-Nester und erfasst verschie­dene Para­meter wie Nest­höhe, Baum­höhe, Stamm­durch­messer, Umwelt­be­din­gungen. Das Rese­arch-and-Biodi­ver­sity-Team sammelt Daten über Vogel­arten an fest­ge­legten Beobachtungspunkten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Mit Klemm­brett im Regen­wald: Das Biodi­ver­si­täts­team sammelt Daten

Jede dieser Beob­ach­tungen liefert wich­tige Infor­ma­tionen über den Zustand des Waldes und darüber, wie gut sich die ausge­wil­derten Orang-Utans an ihr Leben in Frei­heit ange­passt haben.
Kehje Sewen ist eines der Schutz­ge­biete, in denen die BOS Foun­da­tion reha­bi­li­tierte Orang-Utans auswil­dert. Gemeinsam mit der Wald­schutz­firma RHOI setzt sich die Orga­ni­sa­tion auch für den Erhalt und die Wieder­her­stel­lung von Regen­wald – den Lebens­raum der Orang-Utans – ein.

Schwie­rige Wege durch den Regen­wald von Ost-Kalimantan

Am nächsten Morgen beginnt für das Team die eigent­liche Arbeit. Ihr erstes Ziel ist Tran­sek­tion L1, eine neue Route für Moni­to­ring-Akti­vi­täten. Schnell wird klar, dass der Weg schwie­riger ist als erwartet. Die Pfade sind sehr schmal, müssen immer wieder zuerst frei gemacht werden. Die Navi­ga­toren gehen voraus und öffnen die Route, während die übrigen Team­mit­glieder aufmerksam die Umge­bung beobachten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Navi­ga­toren öffnen die Trek­king­routen im unweg­samen Gelände

Das Gelände ist unwegsam, die Gruppe bewegt sich teil­weise am Fluss­ufer entlang, dann wieder steigt sie steile Hänge hinauf. Gegen 15 Uhr errei­chen sie das Ende der Tran­sek­tion. Plötz­lich verän­dert sich das Wetter. Starker Wind kommt auf, kurz darauf setzt heftiger Regen ein. Aus Sicher­heits­gründen entscheidet das Team, die Beob­ach­tung abzu­kürzen und zum Camp zurückzukehren.

Ein riesiges Farn­feld wird zur Herausforderung

Auch am folgenden Tag bricht das Team erneut früh­mor­gens auf, eine andere Beob­ach­tungs­route durch den Kehje Sewen steht auf dem Exkur­si­ons­plan. Anfangs wirkt die Strecke einfa­cher. Doch mitten im Wald stößt das Team auf ein riesiges Farn­feld, einge­bettet in steiles Terrain. Kurz halten sie inne und bewun­dern die außer­ge­wöhn­liche Szenerie.
Dann geht es weiter – nur wie? Das GPS zeigt den Weg direkt durch die dicht an dicht stehenden, meter­hohen Farne. Die Navi­ga­toren versu­chen, eine alter­na­tive Route zu finden, doch das Terrain ringsum ist unwegsam und gefähr­lich. So entscheidet sich das Team für den Weg durch das Feld.
Mit der schweren Ausrüs­tung auf dem Rücken, müssen sich die Ranger durch schmale Lücken zwischen den Pflanzen schlän­geln. Stunden vergehen. Und das Ende des Farn­feldes ist noch immer nicht in Sicht.
Als es 15 Uhr wird, steht fest: Die Tran­sek­tion kann an diesem Tag nicht abge­schlossen werden. Schweren Herzens entscheidet sich das Team zur Umkehr, um das Basis­lager zu errei­chen, bevor es dunkel wird.

Warum Regen­wald­schutz und Orang-Utan-Schutz so wichtig sind

Der Tag endet mit Erschöp­fung und Enttäu­schung. Doch auch das gehört zur Arbeit im Regen­wald dazu. Denn Regen­wald­schutz und Arten­schutz besteht nicht nur aus Erfolgen. Nicht jede Route kann beendet werden, nicht jedes Ziel wird erreicht.
Die BOS-Teams sind es gewohnt, sich immer wieder auf schwie­rige Bedin­gungen einzu­stellen: auf Wetter­um­schwünge und unweg­sames Gelände, auf lange Wege und Rück­schläge. Trotzdem setzen sie ihre Arbeit fort.
Denn jedes erfasste Orang-Utan-Nest, jede Vogel­be­ob­ach­tung, jede Baum­kar­tie­rung, kurz: jeder Daten­satz, zahlt ein in die Bemü­hungen, den Wald als Lebens­raum zu bewahren.

Orang-Utan im BOS-Wald Kehje Sewen
Die Expe­di­tion ist wichtig, um den Lebens­raum der Orang-Utans zu schützen

Oder wie das Team selbst es beschreibt: Jeder Schritt im Wald verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Jetzt den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebens­raums unterstützen

Die Arbeit der Teams im Kehje Sewen Regen­wald zeigt, wie aufwendig und wichtig der Schutz von Orang-Utans und tropi­schem Regen­wald ist. Jede Unter­stüt­zung hilft dabei, Moni­to­ring, Wald­schutz und Auswil­de­rungs­pro­gramme lang­fristig fortzuführen.

Unter­stützen Sie unsere Teams dabei? Jede Spende hilft!

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Im Gegen­satz zu anderen, in Gruppen lebenden, Primaten, durch­streifen Orang-Utans den Regen­wald die meiste Zeit ihres Lebens alleine. Neue wissen­schaft­liche Beob­ach­tungen zeigen nun: Orang-Utan-Mütter nehmen zusätz­liche Wege in Kauf und verzichten auf Zeit zur Futter­suche, damit ihre Kinder mit Gleich­alt­rigen spielen können. Auch die Post-Release Moni­to­ring-Teams von BOS beob­achten immer wieder solche Spiel­treffen zwischen ausge­wil­derten Orang-Utans.

In den Baum­kronen des Regen­waldes von Borneo begegnen sich zwei Orang-Utan-Weib­chen. Ihre Kinder lösen sich von den Müttern und nähern sich einander an. Sie beginnen mitein­ander zu spielen, hangeln und klet­tern gemeinsam, testen dabei ihre Kraft und Geschicklichkeit.

Für die Jung­tiere ist die Begeg­nung eine beson­dere Gele­gen­heit, denn Orang-Utan-Mütter bringen jeweils nur ein Junges zur Welt und ziehen es sechs bis acht Jahre lang alleine auf. In dieser Zeit versorgt und schützt die Mutter ihren Nach­wuchs und vermit­telt ihm all die Fähig­keiten, die er für ein selbst­stän­diges Leben im Regen­wald benötigt.

Warum Spiel­treffen für junge Orang-Utans so wichtig sind

Gemein­sames Spiel ist für die Entwick­lung junger Menschen­affen wichtig: Es trai­niert ihre moto­ri­schen und kogni­tiven Fähig­keiten und hilft ihnen, soziale Bezie­hungen aufzu­bauen. Orang-Utan-Mütter scheinen deshalb aktiv dafür zu sorgen, dass ihre Kinder andere junge Orang-Utans treffen können.

Darauf deutet eine im Juni 2026 veröf­fent­lichte Studie unter Leitung des Wild­tier­öko­logen Odd T. Jacobson vom Max-Planck-Institut für Verhal­tens­bio­logie hin, die noch den Peer-Review-Prozess durch­laufen soll. An der Unter­su­chung betei­ligt waren Forschende aus Deutsch­land, der Schweiz, Indo­ne­sien und den USA, deren Exper­tise Bewe­gungs­öko­logie, Verhal­tens­bio­logie, Prima­to­logie, Kogni­ti­ons­for­schung, Ernäh­rungs­öko­logie und Orang-Utan-Lang­zeit­for­schung verbindet.

Weib­liche Orang-Utans suchen der Studie zufolge gezielt Gebiete auf, in denen andere Mütter mit ähnlich altem Nach­wuchs leben. Dabei zeigte sich den Forschenden ein deut­li­ches Muster: Bereits vor den späteren Spiel­be­geg­nungen bewegten sich die Mütter in Rich­tung bestimmter Nach­ba­rinnen. Anschlie­ßend führten ihre Wege wieder zurück. Das spricht dagegen, dass sich die Primaten ledig­lich zufällig begegneten.

Studie zeigt: Orang-Utan-Mütter planen Wege für Playdates

Auch das jewei­lige Nahrungs­an­gebot erklärte diese Bewe­gungen nicht. Die Mütter suchten die Nähe anderer Mutter-Kind-Paare unab­hängig davon, wie viele Früchte gerade verfügbar waren. Für die zusätz­li­chen Wege mussten sie zudem einen Preis zahlen: Sie verbrachten weniger Zeit mit der eigenen Nahrungsaufnahme.

Die Forschenden sehen darin einen starken Hinweis darauf, dass Orang-Utan-Mütter bei ihren tägli­chen Entschei­dungen nicht nur Schutz und Ernäh­rung, sondern auch die sozialen Bedürf­nisse ihrer Kinder berücksichtigen.

BOS Ranger beob­achten Orang-Utan-Party im Kehje Sewen Wald

Von solchen Begeg­nungen berichten auch die Post-Release Moni­to­ring (PRM) Teams von BOS. Ihre Aufgabe ist es, das Leben der reha­bi­li­tierten Orang-Utans nach der Auswil­de­rung zu beob­achten und unter anderem ihre Wege, ihre Nahrungs­suche und ihr Sozi­al­ver­halten zu dokumentieren.

Orang-Utan-Teenagers spielen im Wald
Der „Mütter-Club“ trifft sich zum Spielen: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren drei Jungtieren

Einer Gruppe von drei Mutter-Kind-Paaren sind die PRM-Teams im Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen sogar mehr als einmal begegnet: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren Kids Ayu, Padma und Berani scheinen sich regel­mäßig zur „Spiel­party“ zu treffen.

Bei einer Gele­gen­heit konnten die BOS-Ranger beob­achten, wie die drei Mütter gemeinsam in einem großen Feigen­baum saßen, während der Nach­wuchs durch das Geäst um sie herum klet­terte und hangelte, eine Art freund­schaft­li­ches Tauziehen mitein­ander spielte und sich gegen­seitig das Fell pflegte.

Was Spiel­treffen über das Sozi­al­ver­halten von Orang-Utans verraten

Die sechs­jäh­rige Ayu bewegte sich einmal sogar mit Orang-Utan-Weib­chen Sayang und ihrer etwa vier­jäh­rigen Tochter Padma ein Stück von ihrer eigenen Mutter weg zu einem benach­barten Baum, während diese ihr nur mit den Blicken folgte. Ayu verfolgte daraufhin mit großem Inter­esse, wie sich Sayang und Padma junge Blätter des Gold­pflau­men­baumes schme­cken ließen.

Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Orang-Utan -Teenages spielen im Regenwald
Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Einige Monate später begeg­nete das PRM-Team dem „Club der Mütter“ erneut und konnten beob­achten, wie Padma den etwa gleich­alt­rigen Berani umarmte, während sie zusammen auf einem Ast saßen. Die Orang-Utan-Kinder schienen sich in der Gesell­schaft der anderen während des Zusam­men­tref­fens sehr zufrieden und entspannt zu fühlen.

Orang-Utans leben einzel­gän­ge­risch – aber keines­wegs unsozial

Die neuen Forschungs­er­geb­nisse und auch die Erfah­rungen der BOS-Teams zeichnen ein immer diffe­ren­zier­teres Bild vom Leben der Orang-Utans. Die Menschen­affen leben zwar semi-solitär, sind jedoch keine unge­sel­ligen Einzelgänger.

Die nun vorge­legte Studie – eine Analyse von 15 Jahren Feld­daten zu 31 Mutter-Kind-Paaren – macht deut­lich, dass auch bei einer über­wie­gend einzel­gän­ge­risch lebenden Menschen­af­fenart soziale Kontakte die alltäg­li­chen Entschei­dungen prägen können. Orang-Utan-Mütter schaffen ihrem Nach­wuchs offenbar gezielt Gele­gen­heiten zum gemein­samen Spiel mit Gleich­alt­rigen und wägen dabei dessen Entwick­lungs­be­dürf­nisse gegen den eigenen Zeit- und Ener­gie­auf­wand ab. Die Forschenden sehen darin einen bislang wenig beach­teten Aspekt mütter­li­cher Fürsorge: Sie besteht nicht nur darin, Nahrung, Schutz und über­le­bens­wich­tiges Wissen zu vermit­teln, sondern kann auch bedeuten, soziale Erfah­rungen aktiv zu ermöglichen.

Orang-Utans sind faszi­nie­rende, hoch entwi­ckelte Lebe­wesen, über deren Verhalten und Zusam­men­leben wir noch längst nicht alles wissen. Umso wich­tiger ist es, sie und ihren Lebens­raum zu schützen – damit wir auch künftig von ihnen lernen können.