Die drei Waldschüler Ecky, Klaus und Frank haben in ihrer Ausbildung einen wichtigen Fortschritt gemacht: Sie sind von der Waldschulgruppe 1 in die nächste Ausbildungsstufe im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari versetzt worden. Dort warten nun neue Herausforderungen auf sie. Und sie sind auf ihrem Weg zurück in den Regenwald ein gutes Stück vorangeschritten.
In der Waldschule gibt es keinen festen Stundenplan und keine Abschlussprüfungen. Ob ein Orang-Utan bereit für die nächste Ausbildungsstufe ist, entscheidet sein gesamtes Verhalten. Die Babysitterinnen, Tierpfleger und Tierärzte beobachten zum Beispiel, wie sicher sich die Tiere in den Bäumen bewegen, wie selbstständig sie den Wald erkunden und wie vielfältig ihre selbstgesuchte natürliche Nahrung ist. Auch die Frage, wie sehr sie noch auf die Menschen angewiesen sind, spielt eine wichtige Rolle.
Die drei Waldschüler Ecky, Klaus und Frank haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie für den nächsten Schritt bereit sind. Bereit, in die Waldschulgruppe 2 von Samboja Lestari aufzusteigen.
Waldschulgruppe 2 in Samboja Lestari ist wieder geöffnet
Während es im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng insgesamt fünf Waldschulgruppen gibt, bilden wir die Orang-Utan-Waisen in Samboja Lestari in zwei Gruppen aus. Denn in Samboja Lestari werden deutlich weniger Orang-Utans rehabilitiert. So lernen die Tiere hier länger gemeinsam. Doch in einem Alter von etwa zehn Jahren ist es – vor allem für die beiden jungen Männchen Klaus und Frank – an der Zeit, den nächsten Schritt ins Erwachsenenleben zu unternehmen.
Wie gut, dass gerade jetzt das Gelände der Waldschulgruppe 2 in Samboja Lestari wieder einsatzbereit ist. Denn es konnte einige Zeit nicht genutzt werden. Schäden an den Zugangswegen sowie am Gelände und an den Nachtkäfigen hatten eine Instandsetzung notwendig gemacht. Nun sind die Reparaturen abgeschlossen – und das Klassenzimmer im Regenwald ist bereit für seine Waldschüler.
Bereit für tieferes Eintauchen in den Wald
Für Klaus und Frank begann der Umzugstag mit einer gründlichen tierärztlichen Untersuchung. Dafür wurden die beiden Halbstarken zunächst in eine leichte Narkose versetzt, um in der Tierklinik sicher und ruhig untersucht zu werden.
Einmal zum Röntgen bitte: Das Durchleuchten der Lunge ist wichtig, um Krankheiten wie Tuberkulose frühzeitig zu diagnostizierenDie Tierärztin ist zufrieden: Auf dem Röntgenbild sieht alles gut aus
Nachdem die Tierärzte grünes Licht geben konnten, brachten die Tierpfleger Klaus und Frank in ihre Transportboxen, in denen sie zum Gelände der Waldschulgruppe 2 umzogen.
Bereit für den Umzug
Ecky geht ihren eigenen Weg
Ecky durfte ihren Umzug bei vollem Bewusstsein erleben. Anders als Klaus und Frank musste das junge Orang-Utan-Weibchen nicht sediert werden. Sie war so kooperativ, dass sie an der Hand der BOS-Mitarbeiter auf der Ladefläche des Jeeps stehend in ihr neues Klassenzimmer einziehen konnte.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Dort angelangt, hieß es: erstmal ankommen und beobachten. Ecky, Klaus und Frank verbrachten die ersten Tage zunächst in den Nachtkäfigen des Waldschulareals. Diese Eingewöhnungsphase ist wichtig, damit sich die Tiere mit den neuen Geräuschen, Gerüchen und Abläufen vertraut machen können.
Warum die Eingewöhnung so wichtig ist
Der Wechsel von einer Waldschulstufe in die nächste ist für einen Orang-Utan ein großer Schritt – ähnlich wie bei einem Menschenkind, das von der Grundschule in die weiterführende Schule versetzt wird. Deshalb werden die Tiere nach dem Umzug ganz genau beobachtet: Zeigen sie Anzeichen von Stress? Wie reagieren sie auf ihre neue Umgebung? Wie bewegen sie sich durch das Gelände? Und beginnen sie, die neuen Möglichkeiten selbstständig zu nutzen?
Wie lange diese Eingewöhnungsphase dauert, hängt nicht von einem festen Zeitplan ab, sondern von den täglichen Beobachtungen der Tierpfleger und menschlichen Ersatzmütter.
Neue Herausforderungen für Ecky, Klaus und Frank
Nach einigen Tagen im Gehege wurden Ecky, Klaus und Frank dann schrittweise an die Aktivitäten der Waldschulgruppe 2 herangeführt. Gestartet wurde mit einem kurzen Schultag. Doch Tag für Tag verbrachten sie mehr Zeit im Wald. So hatten die drei Orang-Utans ausreichend Zeit, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und dabei möglichst selbstständig Sicherheit zu entwickeln.
Vom Waldschüler zum wilden Orang-Utan
In der ersten Waldschulstufe lernen die Orang-Utan-Waisen grundlegende Fähigkeiten kennen: klettern, hangeln, Nahrung suchen, Nester bauen und sich in ihrer Umgebung orientieren. Jetzt sollen sie selbstständiger werden und immer mehr Entscheidungen ohne die Hilfe der Menschen treffen. Und sie sollen lernen, dem Wald zu vertrauen – als dem Ort, an dem sie eines Tages wieder dauerhaft leben sollen. Für Ecky, Klaus und Frank ist der Wechsel in die Waldschulgruppe 2 damit weit mehr als nur ein Umzug. Er ist ein Schritt, der sie ihrem großen Ziel näherbringt: der Rückkehr in die Freiheit.
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere Arbeit in den BOS-Rettungszentren Samboja Lestari und Nyaru Menteng.
Beni, Valentino, Meryl, Cinta und Alba — sie alle wurden durch die „Orangutan Jungle School — Kindergarten mal anders“ zu weltweiten Stars — nicht nur unter Orang-Utan-Fans. Die Dokumentarserie gewährt exklusive Einblicke in das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng und zeigt hautnah, wie BOS gerettete Orang-Utans auf ein Leben in Freiheit im Regenwald vorbereitet. Seit 2018 begleitet die Serie unsere Schützlinge auf ihrem spannenden Weg durch die Waldschule.
Aktuell ist die erste Staffel der “Orangutan Jungle School” im Streaming auf Amazon Prime im Kanal Love Nature zu sehen.
Es gibt Geschichten von Orang-Utans, die sich für immer in unsere Herzen eingebrannt haben. Die uns immer wieder von neuem im Innersten berühren. Eine davon ist die von Clara und ihrer unerschütterlichen Liebe zu ihrer Tochter Clarita.
Diese Geschichte hat unser Team im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng auf Borneo erlebt. Die Berliner Künstlerin Elena Bianco hat die Erlebnisse von Clara und Clarita mit ihren bezaubernden Illustrationen verewigt.
Im Sommer 2017 bringt Clara ihr erstes Baby zur Welt
Die herzergreifende Geschichte beginnt im Juli 2017 mit einem glücklichen Ereignis: Auf der Vorauswilderungsinsel Salat Island schenkt Clara ihrer entzückenden Tochter Clarita das Leben.
Clara ist damals elf Jahre alt. Es ist ihr erstes Baby – und sie kümmert sich liebevoll um die Kleine
Doch dann geschieht das Drama: Das neugierige Männchen Rizki entführt die zwei Wochen alte Clarita von ihrer Mutter.
Das neugierige Orang-Utan-Männchen Rizki entführt Claras Baby
Clara bleibt verwirrt und verzweifelt zurück und versteckt sich im Regenwald.
Vom Festland aus setzt ein Suchtrupp auf die Insel über. Fieberhaft suchen unsere Mitarbeiter im dichten Regenwald der Vorauswilderungsinsel nach Clarita. Denn das Baby braucht regelmäßig Muttermilch. Die Trennung von Mama Clara kann schnell lebensbedrohlich für den Orang-Utan-Winzling werden.
Die Vorauswilderungsinsel Salat Island ist zwar ein Stück Wildnis, in ihrem Inneren mit dichtem Regenwald bewachsen. Doch die Größe der Insel ist überschaubar. Zum Glück!
So gelingt es dem Suchtrupp, das Orang-Utan-Männchen Rizki aufzuspüren. Er hält die kleine Clarita im Arm. Schnell greift das BOS-Team ein und es gelingt ihnen, dem Entführer das Baby unbeschadet abnehmen.
Die Rettung gelingt keine Sekunde zu früh!
Clarita ist in Sicherheit – doch es geht ihr nicht gut
Denn Clarita ist dehydriert und hungrig. Und sie leidet unter einem schlimmen Hautausschlag – ausgelöst von einer Pflanze, die auf der Insel wächst und mit der die zarte Babyhaut offenbar in Berührung kam.
Clarita wird im Rettungszentrum sofort von den BOS-Tierärzten versorgt und in die liebevolle Obhut von Babysitterin Ursula gegeben.
Ursula war auch schon Claras Ersatzmama, als diese im Januar 2007 im Alter von gerade mal sechs Monaten gerettet und in das BOS-Rettungszentrum gebracht wurde. Auch während ihrer Zeit in der Waldschule war Ursula Claras engste Bezugsperson.
Babysitterin Ursula päppelt Clarita liebevoll auf
Ursula kümmert sich intensiv um Claras Baby: Sie füttert Clarita mit Säuglingsmilch, schenkt ihr Wärme, Liebe und Geborgenheit, versorgt ihren Hautausschlag und tröstet die Kleine.
Doch wo ist Mama Clara?
Mit wachsender Sorge sucht das BOS-Team auf der Vorauswilderungsinsel nach ihr, durchkämmt den dichten Regenwald im Inselinneren. Doch Clara hat sich in ihrer Angst und Verzweiflung versteckt.
Anfang August, nach Tagen intensiver Suche, finden wir Clara endlich und bringen sie zurück ins Rettungszentrum.
Schon am nächsten Tag versuchen wir, Clara und Clarita wieder zusammenzubringen.
Clara ist in einem Käfig bei der Tierklinik untergebracht. Babysitterin Ursula bringt Clarita zu Clara und zeigt ihr vorsichtig das Baby.
Wird Orang-Utan-Mama Clara ihr Baby nach der gewaltsamen Trennung wieder annehmen?
Das BOS-Team ist voller Sorge: Wird die Wiedervereinigung gut gehen? Wird Clara ihr Baby wieder annehmen? Oder wird sie Clarita ablehnen, die dann als Waise aufwachsen müsste?
Die Sorge ist unbegründet
Clara erkennt ihr Baby sofort. Aufgeregt bewegt sie sich im Käfig, streckt sehnsüchtig die Hand durch das Gitter und versucht ihre Tochter zu berühren.
Ursula zeigt ihr zunächst das Baby, streichelt Claras Hand und spricht beruhigend mit ihr. Dann nähert sie sich mit der Kleinen im Arm dem Käfig. Zärtlich küsst Clara ihr Baby durch die Gitter. Nun ist sich das Team sicher: Sie können Mutter und Tochter wiedervereinen.
Als Ursula Clarita von der Windel befreit und ein Mitarbeiter beginnt, die Schrauben am Käfig aufzudrehen, kann es Clara nicht schnell genug gehen: Sie dreht auch an den Schrauben, damit die Tür schneller aufgeht.
Ursula reicht der ungeduldig wartenden Orang-Utan-Mutter ihr Baby. Clara kann die Augen kaum von Clarita lassen. Nur ein kurzer Blick der Dankbarkeit geht an Ursula. Dann schließt sie ihre Tochter liebevoll in die Arme. Die BOS-Mitarbeitenden stehen atemlos und mit Tränen in den Augen daneben.
Das Team ist erleichtert – die Wiedervereinigung ist gelungen
Clara betrachtet ihre Tochter und schmiegt sie an sich. Das Baby klammert sich sofort in ihrem Fell fest und sucht die Nähe und Wärme ihrer Mutter.
Nur eine bange Frage bleibt: Wird Clara nach der Trennung noch Muttermilch haben?
Doch auch diese Sorge ist unbegründet. Clara kuschelt sich mit ihrem Kind zusammen, legt es auf ihre Brust – und Clarita trinkt. Jetzt endlich können die beiden sich von den Strapazen erholen.
Die zu Herzen gehende Wiedervereinigung von Clara und Clarita haben wir damals auch per Video festgehalten. Achtung: Taschentücher bereithalten!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wenn Sie glauben, die berührende Wiedervereinigung von Mutter und Tochter sei schon alles gewesen dann haben Sie sich getäuscht. Die Geschichte ging noch weiter.
Zwei Monate verbringen Clara und Clarita nach ihrer Zusammenführung im Rettungszentrum Nyaru Menteng, um zu Kräften zu kommen und vollkommen gesund zu werden.
Im November 2017 dürfen die beiden dann auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat umziehen, wo sich Clara vorbildlich um ihr Tochter kümmert und das wilde Leben im Regenwald übt.
Auf der Vorauswilderungsinsel trainiert Clara mit ihrem Töchterchen das wilde Leben im Regenwald
Knapp ein Jahr später, im September 2018, ist Clara bereit, das freie Leben im Regenwald des Nationalparks Bukit Baka Bukit Raya gemeinsam mit ihrer Tochter zu erleben. Clara ist jetzt zwölf Jahre alt, Clarita ein Jahr.
Es ist Babysitterin Ursula, die den Transportkäfig tief im Regenwald öffnen darf.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mit einer Träne im Augenwinkel nimmt sie Abschied – und ist zugleich stolz auf ihre beiden Schützlinge, die nun im geschützten Regenwald des Nationalparks das wilde und freie Leben beginnen dürfen, für das sie schon immer bestimmt waren.
Bitte helfen Sie uns dabei! Jede Spende hilft uns, die letzten ihrer Art zu schützen.
Auf Expedition mit dem Biodiversitäts-Team im Kehje Sewen Wald: Jeder Schritt verfolgt dasselbe Ziel – sicherzustellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurückkehren kann.
Unter dem dichten Blätterdach des Kehje Sewen Waldes beginnt für eine Gruppe von Menschen noch vor Sonnenaufgang der Tag. Sie packen Verpflegung in ihre Rucksäcke, überprüfen ihre Ausrüstung. Wenig später brechen sie auf. Zu Fuß hinein in den Regenwald von Ost Kalimantan auf Borneo – einen Biodiversitäts-Hotspot und wichtigen Lebensraum für Orang-Utans.
Sie sind nicht auf der Suche nach Abenteuern, sondern nach Erkenntnissen. Denn bei der Gruppe handelt es sich um das Biodiversitäts-Team der BOS-Waldschutzfirma Restorasi Habitat Orangutan Indonesia (RHOI). Ihre Aufgabe: Orang-Utans beobachten, Nester dokumentieren und Daten über die Artenvielfalt des Waldes sammeln.
Unter dem dichten Blätterdach des Kehje Sewen Waldes
Dafür unternimmt das Team regelmäßig lange Märsche durch den Regenwald, streift durch unwegsames Gelände, nimmt Regen und schweißtreibende Hitze in Kauf. Denn ihre Arbeit ist entscheidend dafür, ob gerettete und ausgewilderte Orang-Utans langfristig in Freiheit überleben können. Und ob der Kehje Sewen Regenwald ihnen als Lebensraum erhalten bleibt.
Artenschutz auf Borneo: Teamarbeit im Regenwald
Die Expedition beginnt am frühen Morgen. Zunächst macht sich das Team auf den Weg zum Basislager, das im Waldgebiet der PT-RHOI-Konzession liegt. Der Weg dorthin ist lang. Während sie durch den Wald laufen, sprechen die Teammitglieder über andere Kolleginnen und Kollegen, die den Einsatz über Flüsse mit Booten unterstützen. Viele Menschen sind beteiligt, damit Expeditionen sicher durchgeführt werden können und Material zuverlässig ankommt. Natur- und Artenschutz funktioniert nur gemeinsam. Erst am späten Nachmittag erreichen sie den Lagerplatz. Zelte werden aufgebaut, Essen gekocht, die Arbeit für den nächsten Tag besprochen. Acht Personen gehören zur Expedition: vier Beobachter:innen, zwei Navigatoren, die zugleich Wege freischlagen, und zwei Mitarbeitende, die im Camp bleiben und sich um Verpflegung kümmern.
Monitoring von Orang-Utans und Biodiversität
Die Aufgaben sind klar verteilt. Das Post Release Monitoring (PRM) Team dokumentiert Orang-Utan-Nester und erfasst verschiedene Parameter wie Nesthöhe, Baumhöhe, Stammdurchmesser, Umweltbedingungen. Das Research-and-Biodiversity-Team sammelt Daten über Vogelarten an festgelegten Beobachtungspunkten.
Mit Klemmbrett im Regenwald: Das Biodiversitätsteam sammelt Daten
Jede dieser Beobachtungen liefert wichtige Informationen über den Zustand des Waldes und darüber, wie gut sich die ausgewilderten Orang-Utans an ihr Leben in Freiheit angepasst haben. Kehje Sewen ist eines der Schutzgebiete, in denen die BOS Foundation rehabilitierte Orang-Utans auswildert. Gemeinsam mit der Waldschutzfirma RHOI setzt sich die Organisation auch für den Erhalt und die Wiederherstellung von Regenwald – den Lebensraum der Orang-Utans – ein.
Schwierige Wege durch den Regenwald von Ost-Kalimantan
Am nächsten Morgen beginnt für das Team die eigentliche Arbeit. Ihr erstes Ziel ist Transektion L1, eine neue Route für Monitoring-Aktivitäten. Schnell wird klar, dass der Weg schwieriger ist als erwartet. Die Pfade sind sehr schmal, müssen immer wieder zuerst frei gemacht werden. Die Navigatoren gehen voraus und öffnen die Route, während die übrigen Teammitglieder aufmerksam die Umgebung beobachten.
Navigatoren öffnen die Trekkingrouten im unwegsamen Gelände
Das Gelände ist unwegsam, die Gruppe bewegt sich teilweise am Flussufer entlang, dann wieder steigt sie steile Hänge hinauf. Gegen 15 Uhr erreichen sie das Ende der Transektion. Plötzlich verändert sich das Wetter. Starker Wind kommt auf, kurz darauf setzt heftiger Regen ein. Aus Sicherheitsgründen entscheidet das Team, die Beobachtung abzukürzen und zum Camp zurückzukehren.
Ein riesiges Farnfeld wird zur Herausforderung
Auch am folgenden Tag bricht das Team erneut frühmorgens auf, eine andere Beobachtungsroute durch den Kehje Sewen steht auf dem Exkursionsplan. Anfangs wirkt die Strecke einfacher. Doch mitten im Wald stößt das Team auf ein riesiges Farnfeld, eingebettet in steiles Terrain. Kurz halten sie inne und bewundern die außergewöhnliche Szenerie. Dann geht es weiter – nur wie? Das GPS zeigt den Weg direkt durch die dicht an dicht stehenden, meterhohen Farne. Die Navigatoren versuchen, eine alternative Route zu finden, doch das Terrain ringsum ist unwegsam und gefährlich. So entscheidet sich das Team für den Weg durch das Feld. Mit der schweren Ausrüstung auf dem Rücken, müssen sich die Ranger durch schmale Lücken zwischen den Pflanzen schlängeln. Stunden vergehen. Und das Ende des Farnfeldes ist noch immer nicht in Sicht. Als es 15 Uhr wird, steht fest: Die Transektion kann an diesem Tag nicht abgeschlossen werden. Schweren Herzens entscheidet sich das Team zur Umkehr, um das Basislager zu erreichen, bevor es dunkel wird.
Warum Regenwaldschutz und Orang-Utan-Schutz so wichtig sind
Der Tag endet mit Erschöpfung und Enttäuschung. Doch auch das gehört zur Arbeit im Regenwald dazu. Denn Regenwaldschutz und Artenschutz besteht nicht nur aus Erfolgen. Nicht jede Route kann beendet werden, nicht jedes Ziel wird erreicht. Die BOS-Teams sind es gewohnt, sich immer wieder auf schwierige Bedingungen einzustellen: auf Wetterumschwünge und unwegsames Gelände, auf lange Wege und Rückschläge. Trotzdem setzen sie ihre Arbeit fort. Denn jedes erfasste Orang-Utan-Nest, jede Vogelbeobachtung, jede Baumkartierung, kurz: jeder Datensatz, zahlt ein in die Bemühungen, den Wald als Lebensraum zu bewahren.
Die Expedition ist wichtig, um den Lebensraum der Orang-Utans zu schützen
Oder wie das Team selbst es beschreibt: Jeder Schritt im Wald verfolgt dasselbe Ziel – sicherzustellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurückkehren kann.
Jetzt den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums unterstützen
Die Arbeit der Teams im Kehje Sewen Regenwald zeigt, wie aufwendig und wichtig der Schutz von Orang-Utans und tropischem Regenwald ist. Jede Unterstützung hilft dabei, Monitoring, Waldschutz und Auswilderungsprogramme langfristig fortzuführen.
Im Gegensatz zu anderen, in Gruppen lebenden, Primaten, durchstreifen Orang-Utans den Regenwald die meiste Zeit ihres Lebens alleine. Neue wissenschaftliche Beobachtungen zeigen nun: Orang-Utan-Mütter nehmen zusätzliche Wege in Kauf und verzichten auf Zeit zur Futtersuche, damit ihre Kinder mit Gleichaltrigen spielen können. Auch die Post-Release Monitoring-Teams von BOS beobachten immer wieder solche Spieltreffen zwischen ausgewilderten Orang-Utans.
In den Baumkronen des Regenwaldes von Borneo begegnen sich zwei Orang-Utan-Weibchen. Ihre Kinder lösen sich von den Müttern und nähern sich einander an. Sie beginnen miteinander zu spielen, hangeln und klettern gemeinsam, testen dabei ihre Kraft und Geschicklichkeit.
Für die Jungtiere ist die Begegnung eine besondere Gelegenheit, denn Orang-Utan-Mütter bringen jeweils nur ein Junges zur Welt und ziehen es sechs bis acht Jahre lang alleine auf. In dieser Zeit versorgt und schützt die Mutter ihren Nachwuchs und vermittelt ihm all die Fähigkeiten, die er für ein selbstständiges Leben im Regenwald benötigt.
Warum Spieltreffen für junge Orang-Utans so wichtig sind
Gemeinsames Spiel ist für die Entwicklung junger Menschenaffen wichtig: Es trainiert ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten und hilft ihnen, soziale Beziehungen aufzubauen. Orang-Utan-Mütter scheinen deshalb aktiv dafür zu sorgen, dass ihre Kinder andere junge Orang-Utans treffen können.
Darauf deutet eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie unter Leitung des Wildtierökologen Odd T. Jacobson vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie hin, die noch den Peer-Review-Prozess durchlaufen soll. An der Untersuchung beteiligt waren Forschende aus Deutschland, der Schweiz, Indonesien und den USA, deren Expertise Bewegungsökologie, Verhaltensbiologie, Primatologie, Kognitionsforschung, Ernährungsökologie und Orang-Utan-Langzeitforschung verbindet.
Weibliche Orang-Utans suchen der Studie zufolge gezielt Gebiete auf, in denen andere Mütter mit ähnlich altem Nachwuchs leben. Dabei zeigte sich den Forschenden ein deutliches Muster: Bereits vor den späteren Spielbegegnungen bewegten sich die Mütter in Richtung bestimmter Nachbarinnen. Anschließend führten ihre Wege wieder zurück. Das spricht dagegen, dass sich die Primaten lediglich zufällig begegneten.
Studie zeigt: Orang-Utan-Mütter planen Wege für Playdates
Auch das jeweilige Nahrungsangebot erklärte diese Bewegungen nicht. Die Mütter suchten die Nähe anderer Mutter-Kind-Paare unabhängig davon, wie viele Früchte gerade verfügbar waren. Für die zusätzlichen Wege mussten sie zudem einen Preis zahlen: Sie verbrachten weniger Zeit mit der eigenen Nahrungsaufnahme.
Die Forschenden sehen darin einen starken Hinweis darauf, dass Orang-Utan-Mütter bei ihren täglichen Entscheidungen nicht nur Schutz und Ernährung, sondern auch die sozialen Bedürfnisse ihrer Kinder berücksichtigen.
BOS Ranger beobachten Orang-Utan-Party im Kehje Sewen Wald
Von solchen Begegnungen berichten auch die Post-Release Monitoring (PRM) Teams von BOS. Ihre Aufgabe ist es, das Leben der rehabilitierten Orang-Utans nach der Auswilderung zu beobachten und unter anderem ihre Wege, ihre Nahrungssuche und ihr Sozialverhalten zu dokumentieren.
Der „Mütter-Club“ trifft sich zum Spielen: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren drei Jungtieren
Bei einer Gelegenheit konnten die BOS-Ranger beobachten, wie die drei Mütter gemeinsam in einem großen Feigenbaum saßen, während der Nachwuchs durch das Geäst um sie herum kletterte und hangelte, eine Art freundschaftliches Tauziehen miteinander spielte und sich gegenseitig das Fell pflegte.
Was Spieltreffen über das Sozialverhalten von Orang-Utans verraten
Die sechsjährige Ayu bewegte sich einmal sogar mit Orang-Utan-Weibchen Sayang und ihrer etwa vierjährigen Tochter Padma ein Stück von ihrer eigenen Mutter weg zu einem benachbarten Baum, während diese ihr nur mit den Blicken folgte. Ayu verfolgte daraufhin mit großem Interesse, wie sich Sayang und Padma junge Blätter des Goldpflaumenbaumes schmecken ließen.
Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald
Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald
Einige Monate später begegnete das PRM-Team dem „Club der Mütter“ erneut und konnten beobachten, wie Padma den etwa gleichaltrigen Berani umarmte, während sie zusammen auf einem Ast saßen. Die Orang-Utan-Kinder schienen sich in der Gesellschaft der anderen während des Zusammentreffens sehr zufrieden und entspannt zu fühlen.
Orang-Utans leben einzelgängerisch – aber keineswegs unsozial
Die nun vorgelegte Studie – eine Analyse von 15 Jahren Felddaten zu 31 Mutter-Kind-Paaren – macht deutlich, dass auch bei einer überwiegend einzelgängerisch lebenden Menschenaffenart soziale Kontakte die alltäglichen Entscheidungen prägen können. Orang-Utan-Mütter schaffen ihrem Nachwuchs offenbar gezielt Gelegenheiten zum gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen und wägen dabei dessen Entwicklungsbedürfnisse gegen den eigenen Zeit- und Energieaufwand ab. Die Forschenden sehen darin einen bislang wenig beachteten Aspekt mütterlicher Fürsorge: Sie besteht nicht nur darin, Nahrung, Schutz und überlebenswichtiges Wissen zu vermitteln, sondern kann auch bedeuten, soziale Erfahrungen aktiv zu ermöglichen.
Orang-Utans sind faszinierende, hoch entwickelte Lebewesen, über deren Verhalten und Zusammenleben wir noch längst nicht alles wissen. Umso wichtiger ist es, sie und ihren Lebensraum zu schützen – damit wir auch künftig von ihnen lernen können.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Mailchimp. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.