23. September 2025
Torfmoorregenwald in Mawas auf Borneo

Torf­moor­wälder – ein lebens­wich­tiger Zufluchtsort für Orang-Utans

In Zentral-Kali­mantan liegt Mawas, ein riesiges Torf­moor­wald­ge­biet, in dem eine der größten noch verblie­benen Popu­la­tionen wilder Orang-Utans welt­weit behei­matet ist. Torf­moor­wälder sind einzig­ar­tige Ökosys­teme, die nicht nur eine unglaub­liche Arten­viel­falt beher­bergen, sondern auch eine wesent­liche Rolle für die Klima­re­gu­lie­rung und die ökolo­gi­sche Nach­hal­tig­keit spielen.

Was sind Torfmoorwälder?

Torf­moor­wälder sind Feucht­ge­biete, die vor allem in tropi­schen Regionen vorkommen. Schichten aus orga­ni­schem Mate­rial, haupt­säch­lich abge­stor­bene und verrot­tende Pflan­zen­reste, sammeln sich unter wasser­ge­sät­tigten Bedin­gungen an und bilden Torf. Diese Torf­schichten können mehrere Meter dick sein und spei­chern riesige Mengen an Kohlen­stoff, die sich über Jahr­tau­sende hinweg abge­la­gert haben.

Wieder vernässtes Torfmoor in Mawas auf Borneo
Wieder­vernässtes Torf­moor in Mawas

Torf­moor­wälder sind mit keinem anderen Ökosystem vergleichbar. Ihr hoher Grund­was­ser­spiegel, ihre sauren und nähr­stoff­armen Böden und ihre dichte, verfloch­tene Vege­ta­tion schaffen eine heraus­for­dernde, aber einzig­artig reich­hal­tige Umge­bung. Der Wald­boden mit seinen tiefen Torf­schichten wirkt wie ein riesiger natür­li­cher Schwamm, der Wasser aufnehmen und spei­chern kann.

Indo­ne­sien verfügt mit über 13,4 Millionen Hektar über die größte tropi­sche Torf­moor­fläche der Welt (Wetlands Inter­na­tional, 2023). Ein Groß­teil davon liegt in Sumatra, Borneo und Papua. Damit ist das Land einer der wich­tigsten Verwalter der globalen Torfmoorschutzgebiete.

Verbrei­tung und ökolo­gi­sche Bedeutung

Torf­moor­wälder kommen in ganz Südost­asien vor, wobei Indo­ne­sien fast die Hälfte der welt­weiten tropi­schen Torf­moore ausmacht. In Zentral-Kali­mantan erstreckt sich das Mawas-Gebiet – dazu gehört das Gebiet des geschei­terten Mega-Reis­pro­jekts – über Torf­moor­wald. In dieser Region leben schät­zungs­weise 2.500 bis 3.000 wilde Orang-Utans. Dies ist eine der höchsten Popu­la­ti­ons­dichten in einem einzelnen Wald­ge­biet auf Borneo. Die komplexe Struktur des Waldes ermög­licht es den Orang-Utans, mit mini­malen Störungen durch den Menschen zu leben, und macht dieses Gebiet zur letzten Hoch­burg für die Wild­po­pu­la­tion in dieser Region.

Wilder Orang-Utan-Mann in Mawas auf Borneo
Einer von rund 3.000: wilder Orang-Utan im Mawas-Regenwald

Allein in Südost­asien spei­chern Torf­moore schät­zungs­weise 57 Giga­tonnen Kohlen­stoff (Page et al., 2011). Ihr Erhalt ist im Kampf gegen den Klima­wandel von entschei­dender Bedeu­tung, da entwäs­serte oder verbrannte Torf­moore erheb­liche Mengen an CO₂ in die Atmo­sphäre abgeben. Schät­zungen zufolge setzen die Torf­moore Indo­ne­siens bei ihrer Degra­da­tion jähr­lich bis zu 1,1 Giga­tonnen CO₂ frei (Hooijer et al., 2010). Darüber hinaus regu­lieren Torf­moor­wälder den Wasser­fluss, mildern Über­schwem­mungen und filtern das Grund­wasser, wodurch sie sowohl für eine intakte Umwelt als auch für die Lebens­grund­lage der Menschen von entschei­dender Bedeu­tung sind.

Bedro­hungen für Torf­moor­wälder – und das Weltklima

Leider gehören Torf­moor­wälder zu den am stärksten bedrohten Ökosys­temen. Zu den Haupt­ur­sa­chen gehört die Umwand­lung von Torf­moor­wälder in Plan­tagen. Darüber hinaus führen ille­gale Abhol­zung und Lebens­raum­frag­men­tie­rung häufig zu Kata­stro­phen wie Wald- und Flächen­bränden. Diese Akti­vi­täten führen nicht nur zu einer Verschlech­te­rung der Torf­böden, sondern auch zu einer Frag­men­tie­rung des Lebens­raums der Orang-Utans, was Konflikte mit Menschen verstärkt und das Über­leben des Wald­men­schen gefährdet.

Staudammbau im Regenwald Mawas auf Borneo
Mit Stau­dämmen blockieren wir die Kanäle, die das Torf­moor von Mawas entwässern

Zwischen 2000 und 2020 verlor Indo­ne­sien über 2,6 Millionen Hektar Torf­moor­wald, ein Groß­teil davon in Kali­mantan (Global Forest Watch, 2023). Die Folgen sind weit­rei­chend: erhöhte Treib­haus­gas­emis­sionen, Verlust der biolo­gi­schen Viel­falt und irrever­sible Schäden am bedrohten Lebens­raum der Orang-Utans. In Mawas selbst haben wir unter anderem Maßnahmen zur Wieder­vernäs­sung und zur Blockie­rung von Kanälen durch­ge­führt, um die Wasser­ver­hält­nisse in dem Gebiet feucht zu halten. Diese Maßnahmen werden auch von Patrouillen in dem Gebiet begleitet, an denen lokale Gemein­schaften im Rahmen von Gemein­de­ent­wick­lungs­pro­grammen betei­ligt sind.

Torf­moore sind Wälder, für die es sich zu kämpfen lohnt

Torf­moor­wälder gehören mit ihrem hohen Kohlen­stoff­ge­halt, ihrer reichen Arten­viel­falt und ihrer Wider­stands­fä­hig­keit gegen­über Umwelt­be­las­tungen zu den wert­vollsten Ökosys­temen der Erde. Als Heimat des vom Aussterben bedrohten Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) bieten diese Wälder Hoff­nung für die Zukunft dieser Art, wenn sie geschützt werden.

Der Schutz von Torf­mooren wie denen in Mawas bedeutet, sowohl die Tier­welt als auch das Klima zu schützen, das Natur­erbe zu bewahren und die lokalen Gemein­schaften zu stärken. Wir sollten nicht warten, bis diese Wälder verschwunden sind, ehe wir ihren Wert erkennen.

Helfen Sie uns, Mawas zu schützen und das in Teilen zerstörte Torf­moor wieder in ein Para­dies für Orang-Utans und viele andere Wild­tiere zu verwandeln.


Quellen:

• Page, S.E. et al. (2011). “Global and regional importance of the tropical peat­land carbon pool.” Global Change Biology.
• Hooijer, A. et al. (2010). “Current and future CO₂ emis­sions from drained peat­lands in Southeast Asia.” Biogeo­sci­ences.
• Wetlands Inter­na­tional (2023). “Tropical Peat­lands and their Conser­va­tion.”
• Global Forest Watch (2023). “Tree Cover Loss in Indonesia.”