20. Februar 2026
Orang-Utan-Show in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha

Under­cover in der Orang-Utan-Show

Gerade noch war unser Geschäfts­führer Daniel Merdes Zeuge der Auswil­de­rung von Kapuan. Ein Orang-Utan-Weib­chen, das wir 2006 aus dem Frei­zeit­park Safari World in Bangkok befreit hatten. Nach langen Jahren der Reha­bi­li­ta­tion war sie die 14. der damals zurück­ge­holten 48 Orang-Utans, die es bis zur Auswil­de­rung geschafft haben. Seine Asien­reise wollte Daniel Merdes jetzt nutzen, um sich selbst ein Bild der berüch­tigten Orang-Utan-Shows zu machen, aus denen Kapuan gerettet wurde. Hier berichtet er aus Phnom Penh Safari, einem Zoo in Kambodscha.

An einem sonnigen Freitag machte ich mich auf die Suche nach den boxenden Orang-Utans, von denen ich schon so viel hören konnte.

Vorsicht vor der Tierhandel-Mafia

Voraus­ge­gangen waren lang­jäh­rige tiefe Recher­chen und einige Besuche bei Orga­ni­sa­tionen in Bangkok, Singapur und Phnom Penh. Sie alle rieten mir zur Vorsicht, denn wer sich mit der Tier­handel-Mafia anlegt, der bekommt schnell Schwie­rig­keiten. Und für mich als Westler sind die krimi­nellen Verbin­dungen in Politik, Militär und Polizei unmög­lich zu durch­bli­cken. In Deutsch­land ist der Gang zur Polizei der Versuch einer Lösung, hier kann es der Anfang vom Ende sein.
Deswegen verklei­dete ich mich als sensa­ti­ons­gie­riger Tourist und benutzte eine möglichst unauf­fäl­lige Kamera. Leider auf Kosten der Qualität, aber ich wollte das Risiko so gering wie möglich halten.

Der Phnom Penh Safari Zoo ist eine halbe Stunde außer­halb der Stadt, in einem neu erschlos­senen Gebiet. Hier ist der Focus klar auf Unter­hal­tung für die geho­bene Mittel­schicht aufwärts. Gegen­über ist ein Wasser­park mit einem ange­schlos­senem Hotel­kom­plex. Aber insbe­son­dere mit dem Safari-Park Konzept werden auch Touris­tinnen und Touristen aus aller Welt ange­zogen. Jede volle Stunde gibt es eine neue Live­show: Tiger, die durch bren­nende Reifen springen, Elefanten, die Fußball spielen und Orang-Utans, die Einrad fahren. Das Motto ist gren­zen­loser Spaß für die ganze Familie.

Orang-Utan in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha fährt Fahrrad
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besu­che­rinnen und Besuchern

Für mich ging es bereits verstört nach der Elefan­ten­show hinter einer riesigen Gruppe von Privat­schü­lern der Cambridge Inter­na­tional School Phnom Penh zum Höhe­punkt des Tages – der Orang-Utan-Show. Auf dem Weg versuchte ich mit den briti­schen Lehrern ins Gespräch zu kommen. Sie fanden den Schul­aus­flug gelungen und aufgrund mangelnder Alter­na­tiven für Kinder in der Haupt­stadt auch eine hervor­ra­gende Idee. An einer von mir ange­bo­tenen Veran­stal­tung zu wilden Orang-Utans waren sie ebenso inter­es­siert. Auch hier erlebte ich das gleiche wie im Zoo in Dubai: Es fehlte schlichtweg jegli­ches Wissen und Grund­bil­dung zu ihren wild­le­benden Verwandten. Aber auch dieses letzte Quänt­chen Empa­thie, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Diese nega­tive Aura des Zwangs, die ich als junger Mann spürte, dem ein Elefan­ten­ritt in Thai­land spen­diert wurde.

Orang-Utans machen sexua­li­sie­rende Popobewegungen

Die Show war vor allem eines: Laut. Ohren­be­täu­bende Musik, oftmals rhyth­misch, damit die weib­li­chen Orang-Utans sexua­li­sie­rende Popo­be­we­gungen machen konnten/mussten. Das Publikum tobte, darunter nicht wenige west­liche Touristen. Ich hörte viel Russisch und Englisch und auch bei den anschlie­ßenden – bezahlten – Foto­mög­lich­keiten mit „lustigen“ Affen­gri­massen waren die Touristen weit vorne. Leider ergaben sich hier keine Gespräche, da gleich weiter­ge­eilt wurde.

Dafür konnte ich mit den kambo­dscha­ni­schen Orang-Utan-Pfle­gern kurz spre­chen. „Warum es denn die Box-Shows nicht mehr gäbe?“ Verle­genes Lächeln und vorsichte Erklä­rungs­ver­suche, aus denen ich heraus­hören konnte, dass gerade die Box-Shows Probleme machen würden. D.h. es gab zumin­dest diesen Hoff­nungs­schimmer, dass unsere Aufklä­rungs­ar­beit nicht verge­bens ist und der Protest doch Spuren hinter­lassen hat. So sind auch die Orang-Utan-Shows in Bangkok für Jahre komplett einge­stellt worden. Nur leider wurde aktuell berichtet, dass sie wieder statt­finden. Es gibt also noch viel zu tun.

Und ging die Tarnung auf? Anfangs noch sehr gut, aber als ich nach der Orang-Utan-Show als letzter Besu­cher immer noch filmte und versuchte in Gespräche zu kommen, schloss sich hinter mir langsam ein Halb­kreis von kambo­dscha­ni­schen Männern in Safari-Shirts, die immer weniger freund­lich blickten. Ich versuchte mit schlechten Witzen die Stim­mung ins Komi­sche abzu­graden, was mir sogar teil­weise gelang. Es ist immer besser dümm­lich zu wirken als gefähr­lich. Apropos, es wurde nun auch schlag­artig dunkel und ich quetschte mich zwischen den Männern im Lauf­schritt zum Ausgang. Die Kamera fest an mich gedrückt – sollte ich etwas abbe­kommen, so musste ich doch um jeden Preis die Aufnahmen in die Stadt retten. Aber uner­war­te­ter­weise flog mir nichts hinterher und ich sprang ins wartende TukTuk, das ich am Morgen bereits bestellt hatte. Ein letzter Blick zurück in diesen dunklen Ort lies mich erschauern: Ich konnte ihn verlassen, aber trau­rige Affen lies ich zurück.

Stehen Sie den Show-Orang-Utans bei.