23. Februar 2026
Orang-Utan-Show in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha

Urlaub ohne Tierleid

Wie Sie mit verantwortungsvollem Reisen, Wilderei und illegalen Wildtierhandel verhindern können

Auch im Tourismus gilt: Die Nach­frage bestimmt das Angebot. Und die Nach­frage nach Begeg­nungen, Attrak­tionen und Unter­hal­tungs­an­ge­boten mit Wild­tieren ist groß. Welches Leid für die oft seltenen und bedrohten Tiere dahin­ter­steckt, ist Besu­che­rinnen und Besu­chern selten bewusst – und manchmal schwierig zu durch­schauen. Ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes und für die Tierart gefähr­li­ches Angebot handelt? Unsere Check­liste hilft bei der Einschät­zung, welche touris­ti­schen Ange­bote Sie meiden sollten, um Tier­leid zu verhindern.

Das Inter­esse an Wild­tieren und der Wunsch, ihnen zu begegnen ist nicht per se schlecht. Was der Mensch kennt und liebt, das möchte er umso mehr beschützen. Im besten Fall sind touris­ti­sche Ange­bote so konzi­piert, dass sie den Arten­schutz stärken: Durch Infor­ma­tion, Aufklä­rung und viel­leicht sogar der finan­zi­ellen Unter­stüt­zung eines Arten­schutz­pro­jektes. Die Samboja Lodge neben dem BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari ist beispiels­weise ein solches Angebot.

Orang-Utan-Show in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha
Jeden Tag leiden die Orang-Utans im Phnom Penh Safari Zoo in Kambo­dscha. Zur Belus­ti­gung des begeis­terten Publikums

Orang-Utans, die auf einer Bühne in Menschen­klei­dung eine alberne Show ablie­fern müssen, sind hingegen mit aller­größter Wahr­schein­lich­keit Opfer des Wild­tier­han­dels. Vermut­lich wurden sie als Babys ihren getö­teten Müttern entrissen. Viel­leicht wurden sie in einem Zoo gezüchtet. Auf jeden Fall besteht ihr Dasein aus Qual und Leid und ist nicht artge­recht. Doch Parks, die solche Tier-Shows anbieten, sind beliebt und werden auch von Touris­tinnen und Touristen aus Europa gern besucht. Gibt es dann auch noch Inter­ak­ti­ons­an­ge­bote wie Foto­mög­lich­keiten, Fütte­rungen oder gar gemein­same Spazier­gänge, klin­geln garan­tiert die Kassen der Anbieter.

Orang-Utan Habouba im The Zoo Wildlife Park – Umm al Quwain
Im The Zoo Wild­life Park – Umm al Quwain arbeitet Orang-Utan-Weib­chen Habouba Tag für Tag zur Bespa­ßung der Besu­che­rinnen und Besucher

Hand­lungs­emp­feh­lungen, um ille­galen Wild­tier­handel und Tier­quä­lerei zu verhin­dern
Der ille­gale Handel mit Wild­tieren hat sich in den vergan­genen Jahr­zehnten zu einem global orga­ni­sierten Verbre­chen entwi­ckelt, das in einer Reihe mit Drogen‑, Menschen- und Waffen­handel steht. Er gene­riert pro Jahr geschätzte 20 Milli­arden Euro Umsatz und stellt die zweit­größte Bedro­hung für vom Aussterben bedrohte Arten dar (nach dem Verlust des Lebens­raumes auf Platz 1).
Es gibt unzäh­lige touris­ti­sche Ange­bote welt­weit, die beliebt und seit Jahren etabliert sind, die man als aufmerk­samer, tier­lieber Mensch meiden sollte, um das Geschäft mit Wilderei und Tier­leid nicht weiter zu unterstützen.

Check­liste: Ist dieses touris­ti­sche Angebot artge­recht oder grausam?

Wir haben daher eine Check­liste zusam­men­ge­stellt, die Ihnen bei der Beur­tei­lung hilft. Damit Sie eine bewusste, gute Entschei­dung für oder gegen einen Besuch oder eine Buchung treffen können. Und so dazu beitragen, ille­galen Wild­tier­handel und Tier­quä­lerei zu verhindern.

  1. Befindet sich das Wild­tier in seinem natür­li­chen Lebensraum?

Wenn ja: Wie findet die Begeg­nung zwischen Touristen und dem Wild­tier statt? Kann es sich jeder­zeit aus der Situa­tion entfernen? Gibt es Erklä­rungen und Regeln für die Touristen bezüg­lich des rich­tigen Verhal­tens, um die wild­le­benden Tiere möglichst wenig zu stören? Oder wird man als Besu­cher womög­lich dazu ermu­tigt, mit dem Wild­tier zu inter­agieren, etwa um es zu füttern oder ein gemein­sames Foto zu machen?

  1. Das Wild­tier lebt nicht frei, sondern wird in einem Gehege gehalten

Infor­mieren Sie sich über die natür­li­chen Lebens­weisen der Tiere. Je mehr Sie wissen, desto leichter erkennen Sie, ob die Haltung des Tieres artge­recht ist oder nicht. Wenn Infor­ma­tionen über das gehal­tene Tier wie etwa sein natür­li­cher Lebens­raum, Lebens­weise und even­tu­elle Bedro­hungen für die Tierart nicht ohnehin Bestand­teil des Ange­bots sind – fragen Sie ruhig nach! Ein seriöser touris­ti­scher Anbieter wird Ihnen gerne mehr Infor­ma­tionen über das Lebe­wesen in seiner Obhut geben. NO GO: Wenn ein Wild­tier sein Gehege verlassen muss, um mit Besu­chern zu inter­agieren – siehe Punkt 3.

  1. Shows und Foto­mög­lich­keiten mit Wildtieren

Besu­chen Sie auf Urlaubs­reisen keine Orte, an denen Wild­tiere zu dem Zweck gehalten werden, dass sie eine Dienst­leis­tung für Menschen erbringen oder zu nicht artge­rechten Inter­ak­tionen mit Menschen ange­halten bzw. gezwungen werden. Dazu gehören beispiels­weise Shows, in denen Wild­tiere vorge­führt werden, und Foto­an­ge­bote, bei denen die Menschen den Wild­tieren nahekommen.

  1. Wird das Tier vermenschlicht?

Diese Faust­regel gilt auch für Haus­tiere, umso mehr jedoch für Wild­tiere: Wird das Tier vermensch­licht, so handelt es sich nicht um eine artge­rechte Haltung. Wenn ein Orang-Utan in Hemd und Hose ein Golf­cart fährt oder man einen kleinen Schim­pansen in Baby­klei­dung auf den Arm nehmen und knud­deln darf, dann ist das nicht „Oh wie süß!“ oder ein witziges Motiv für Social Media (siehe Punkt 7), sondern eine Quälerei für die Tiere, löst Verhal­tens­stö­rungen aus und verkürzt womög­lich sogar die Lebens­zeit des Tieres.

Orang-Utan in Phnom Penh Safari Zoo in Kambodscha fährt Fahrrad
Ein Orang-Utan fährt mit dem Fahrrad durch den Phnom Penh Safari Zoo und sammelt Geld bei den Besu­che­rinnen und Besuchern

  1. Tue ich dem Tier durch meinen Besuch etwas Gutes?

Auch touris­ti­sche Ange­bote, bei denen man den Tieren vermeint­lich etwas Gutes tut, sollte man zunächst kritisch betrachten. Zur Einord­nung und Bewer­tung helfen folgende Fragen: Wird das Tier wie ein Haus­tier behan­delt – und wenn ja, handelt es sich tatsäch­lich um ein Haus­tier oder um ein Wild­tier? Ist es ein natür­li­ches Verhalten des Tieres, das für das touris­ti­sche Angebot „genutzt“ wird, oder ist es wider­na­tür­lich und nicht artge­recht? Kann das Tier die Situa­tion verlassen, wenn es genug hat? Wenn es sich um Jung­tiere handelt: Was passiert mit ihnen, wenn sie größer werden und nicht mehr nied­lich sind?

  1. Handelt es sich bei dem Wild­tier um eine seltene oder bedrohte Art?

Der Handel mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten ist aus nahe­lie­genden Gründen verboten. Trotzdem passiert er. Und ist eine massive Bedro­hung für den Arten­schutz. Sollte Ihnen, etwa auf einer Urlaubs­reise, ein seltenes Wild­tier im Rahmen einer touris­ti­schen Akti­vität begegnen oder sogar zum Kauf ange­boten werden, so lehnen Sie freund­lich ab. Wenn es Ihnen möglich ist und Sie sich damit nicht in Gefahr begeben, so infor­mieren Sie bitte direkt im Anschluss die zustän­digen Behörden vor Ort und/oder eine NGO, die in der Region zum Schutz dieser Tierart aktiv ist.

  1. Wild­tiere als lustiger, nied­li­cher Content auf Social Media

Die Sozialen Medien machen leider einen großen Teil des Problems aus: Fotos von Begeg­nungen und Inter­ak­tionen mit Wild­tieren, ob nied­lich, witzig oder außer­ge­wöhn­lich, weil beson­ders selten, befeuern die Nach­frage. Bevor man also ein Foto oder Video likt, sollte man sich genau dieselben Fragen stellen wie vor dem eigenen Besuch einer touris­ti­schen Akti­vität mit Wild­tieren. Zeigt das Bild eine nicht artge­rechte oder quäle­ri­sche Inter­ak­tion, gilt: Nicht den Algo­rithmus füttern! Also: KEIN Like oder Teilen und auch KEIN Kommentar (egal ob er negativ ist). Denn das macht den Beitrag nur popu­lärer und erhöht die Reich­weite. Statt­dessen: Melden Sie den Beitrag beim Betreiber der Platt­form. Ausführ­li­cher infor­mieren wir hier über das rich­tige Verhalten im Umgang mit Wild­tier-Content auf Social Media.

  1. Schlechte Bewer­tung bei Google und anderen touris­ti­schen Bewertungsplattformen

Bewerten sie solche touris­ti­schen Ange­bote negativ und kommen­tieren sie auch gerne kritisch. Weisen Sie auch Ihren Reise­ver­an­stalter auf Miss­stände hin.

  1. Aufklä­rung hilft gegen Tier­leid: Erzählen Sie es weiter!

Spre­chen Sie in Ihrem Freundes- und Bekann­ten­kreis über touris­ti­sche Ange­bote mit Wild­tieren machen Sie auf die oben genannten Probleme aufmerksam! Sehr viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass derar­tige Urlaubs­an­ge­bote mit viel Leid für die betei­ligten Tiere verbunden sind. Nur wer es besser weiß, kann es auch besser machen!