Auch im Tourismus gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Und die Nachfrage nach Begegnungen, Attraktionen und Unterhaltungsangeboten mit Wildtieren ist groß. Welches Leid für die oft seltenen und bedrohten Tiere dahintersteckt, ist Besucherinnen und Besuchern selten bewusst – und manchmal schwierig zu durchschauen. Ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes und für die Tierart gefährliches Angebot handelt? Unsere Checkliste hilft bei der Einschätzung, welche touristischen Angebote Sie meiden sollten, um Tierleid zu verhindern.
Das Interesse an Wildtieren und der Wunsch, ihnen zu begegnen ist nicht per se schlecht. Was der Mensch kennt und liebt, das möchte er umso mehr beschützen. Im besten Fall sind touristische Angebote so konzipiert, dass sie den Artenschutz stärken: Durch Information, Aufklärung und vielleicht sogar der finanziellen Unterstützung eines Artenschutzprojektes. Die Samboja Lodge neben dem BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari ist beispielsweise ein solches Angebot.

Orang-Utans, die auf einer Bühne in Menschenkleidung eine alberne Show abliefern müssen, sind hingegen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Opfer des Wildtierhandels. Vermutlich wurden sie als Babys ihren getöteten Müttern entrissen. Vielleicht wurden sie in einem Zoo gezüchtet. Auf jeden Fall besteht ihr Dasein aus Qual und Leid und ist nicht artgerecht. Doch Parks, die solche Tier-Shows anbieten, sind beliebt und werden auch von Touristinnen und Touristen aus Europa gern besucht. Gibt es dann auch noch Interaktionsangebote wie Fotomöglichkeiten, Fütterungen oder gar gemeinsame Spaziergänge, klingeln garantiert die Kassen der Anbieter.

Handlungsempfehlungen, um illegalen Wildtierhandel und Tierquälerei zu verhindern
Der illegale Handel mit Wildtieren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem global organisierten Verbrechen entwickelt, das in einer Reihe mit Drogen‑, Menschen- und Waffenhandel steht. Er generiert pro Jahr geschätzte 20 Milliarden Euro Umsatz und stellt die zweitgrößte Bedrohung für vom Aussterben bedrohte Arten dar (nach dem Verlust des Lebensraumes auf Platz 1).
Es gibt unzählige touristische Angebote weltweit, die beliebt und seit Jahren etabliert sind, die man als aufmerksamer, tierlieber Mensch meiden sollte, um das Geschäft mit Wilderei und Tierleid nicht weiter zu unterstützen.
Checkliste: Ist dieses touristische Angebot artgerecht oder grausam?
Wir haben daher eine Checkliste zusammengestellt, die Ihnen bei der Beurteilung hilft. Damit Sie eine bewusste, gute Entscheidung für oder gegen einen Besuch oder eine Buchung treffen können. Und so dazu beitragen, illegalen Wildtierhandel und Tierquälerei zu verhindern.
- Befindet sich das Wildtier in seinem natürlichen Lebensraum?
Wenn ja: Wie findet die Begegnung zwischen Touristen und dem Wildtier statt? Kann es sich jederzeit aus der Situation entfernen? Gibt es Erklärungen und Regeln für die Touristen bezüglich des richtigen Verhaltens, um die wildlebenden Tiere möglichst wenig zu stören? Oder wird man als Besucher womöglich dazu ermutigt, mit dem Wildtier zu interagieren, etwa um es zu füttern oder ein gemeinsames Foto zu machen?
- Das Wildtier lebt nicht frei, sondern wird in einem Gehege gehalten
Informieren Sie sich über die natürlichen Lebensweisen der Tiere. Je mehr Sie wissen, desto leichter erkennen Sie, ob die Haltung des Tieres artgerecht ist oder nicht. Wenn Informationen über das gehaltene Tier wie etwa sein natürlicher Lebensraum, Lebensweise und eventuelle Bedrohungen für die Tierart nicht ohnehin Bestandteil des Angebots sind – fragen Sie ruhig nach! Ein seriöser touristischer Anbieter wird Ihnen gerne mehr Informationen über das Lebewesen in seiner Obhut geben. NO GO: Wenn ein Wildtier sein Gehege verlassen muss, um mit Besuchern zu interagieren – siehe Punkt 3.
- Shows und Fotomöglichkeiten mit Wildtieren
Besuchen Sie auf Urlaubsreisen keine Orte, an denen Wildtiere zu dem Zweck gehalten werden, dass sie eine Dienstleistung für Menschen erbringen oder zu nicht artgerechten Interaktionen mit Menschen angehalten bzw. gezwungen werden. Dazu gehören beispielsweise Shows, in denen Wildtiere vorgeführt werden, und Fotoangebote, bei denen die Menschen den Wildtieren nahekommen.
- Wird das Tier vermenschlicht?
Diese Faustregel gilt auch für Haustiere, umso mehr jedoch für Wildtiere: Wird das Tier vermenschlicht, so handelt es sich nicht um eine artgerechte Haltung. Wenn ein Orang-Utan in Hemd und Hose ein Golfcart fährt oder man einen kleinen Schimpansen in Babykleidung auf den Arm nehmen und knuddeln darf, dann ist das nicht „Oh wie süß!“ oder ein witziges Motiv für Social Media (siehe Punkt 7), sondern eine Quälerei für die Tiere, löst Verhaltensstörungen aus und verkürzt womöglich sogar die Lebenszeit des Tieres.

- Tue ich dem Tier durch meinen Besuch etwas Gutes?
Auch touristische Angebote, bei denen man den Tieren vermeintlich etwas Gutes tut, sollte man zunächst kritisch betrachten. Zur Einordnung und Bewertung helfen folgende Fragen: Wird das Tier wie ein Haustier behandelt – und wenn ja, handelt es sich tatsächlich um ein Haustier oder um ein Wildtier? Ist es ein natürliches Verhalten des Tieres, das für das touristische Angebot „genutzt“ wird, oder ist es widernatürlich und nicht artgerecht? Kann das Tier die Situation verlassen, wenn es genug hat? Wenn es sich um Jungtiere handelt: Was passiert mit ihnen, wenn sie größer werden und nicht mehr niedlich sind?
- Handelt es sich bei dem Wildtier um eine seltene oder bedrohte Art?
Der Handel mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten ist aus naheliegenden Gründen verboten. Trotzdem passiert er. Und ist eine massive Bedrohung für den Artenschutz. Sollte Ihnen, etwa auf einer Urlaubsreise, ein seltenes Wildtier im Rahmen einer touristischen Aktivität begegnen oder sogar zum Kauf angeboten werden, so lehnen Sie freundlich ab. Wenn es Ihnen möglich ist und Sie sich damit nicht in Gefahr begeben, so informieren Sie bitte direkt im Anschluss die zuständigen Behörden vor Ort und/oder eine NGO, die in der Region zum Schutz dieser Tierart aktiv ist.
- Wildtiere als lustiger, niedlicher Content auf Social Media
Die Sozialen Medien machen leider einen großen Teil des Problems aus: Fotos von Begegnungen und Interaktionen mit Wildtieren, ob niedlich, witzig oder außergewöhnlich, weil besonders selten, befeuern die Nachfrage. Bevor man also ein Foto oder Video likt, sollte man sich genau dieselben Fragen stellen wie vor dem eigenen Besuch einer touristischen Aktivität mit Wildtieren. Zeigt das Bild eine nicht artgerechte oder quälerische Interaktion, gilt: Nicht den Algorithmus füttern! Also: KEIN Like oder Teilen und auch KEIN Kommentar (egal ob er negativ ist). Denn das macht den Beitrag nur populärer und erhöht die Reichweite. Stattdessen: Melden Sie den Beitrag beim Betreiber der Plattform. Ausführlicher informieren wir hier über das richtige Verhalten im Umgang mit Wildtier-Content auf Social Media.
- Schlechte Bewertung bei Google und anderen touristischen Bewertungsplattformen
Bewerten sie solche touristischen Angebote negativ und kommentieren sie auch gerne kritisch. Weisen Sie auch Ihren Reiseveranstalter auf Missstände hin.
- Aufklärung hilft gegen Tierleid: Erzählen Sie es weiter!
Sprechen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis über touristische Angebote mit Wildtieren machen Sie auf die oben genannten Probleme aufmerksam! Sehr viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass derartige Urlaubsangebote mit viel Leid für die beteiligten Tiere verbunden sind. Nur wer es besser weiß, kann es auch besser machen!
