8. April 2026
Baumvermessen im Schutzwald vom Schutzwald von Kehje Sewen

Wieder­auf­fors­tung: Wie der KJ7 Wald (Kehje Sewen) zum sicheren, nach­hal­tigen Lebens­raum für Orang-Utans wird

Es ist nur ein Detail, doch dieses spielt eine Schlüs­sel­rolle bei der erfolg­rei­chen Wald­re­ge­ne­ra­tion und Wieder­auf­fors­tung: Die Auswahl der besten und gesün­desten Mutter-Bäume für die Gewin­nung der Samen, aus denen die Setz­linge gezogen werden. Das RHOI-Team gewährt uns Einblicke in die Arbeit im Regen­wald auf Borneo.


Der Name Kehje Sewen – intern gern mit KJ7 abge­kürzt – bedeutet in der lokalen Dayak-Wehea-Sprache „Heimat der Orang-Utans“. Seit 2012 wildern wir geret­tete und reha­bi­li­tierte Orang-Utans nach KJ7 aus. Und bereits seit 2010 – das Jahr, in dem die BOS-Wald­schutz­firma RHOI die Konzes­sion zur Wieder­her­stel­lung des Ökosys­tems erhielt – sind wir mit der Wieder­her­stel­lung des Ökosys­tems in dem 86.450 Hektar großen Wald­schutz­ge­biet befasst.


Es ist ein lang­fris­tiger, eng mitein­ander verfloch­tener Prozess, für den das RHOI-Team und das Team für Habi­tat­ma­nage­ment und ‑entwick­lung seit inzwi­schen 16 Jahren verant­wort­lich sind. Zentraler Bestand­teil ist die gezielte Aufwer­tung des Habi­tats – also des unter den Schutz von RHOI gestellten Regen­waldes. Dazu gehört die Wieder­an­pflan­zung von Setz­lingen, die in der Baum­schule im Bereich des Moni­to­ring-Camps heran­ge­zogen wurden, auf mehreren offenen Flächen.


Das RHOI-Team sucht und doku­men­tiert die besten Mutterbäume


Um passende Mutter­bäume zu finden, deren Samen die besten Setz­linge für die Wieder­auf­fors­tung bieten können, haben die Teams eine Exkur­sion tief in den Kehje Sewen Wald unter­nommen. Es ist ein ausge­dehntes Scou­ting nach gesunden, ausge­wach­senen, quali­tativ hoch­wer­tigen Bäumen, und das auf anspruchs­vollem Gelände.

Das Team von BOSF sucht nach Mutter-Bäumen für die Gewinnung von Samen, aus denen Setzlinge gezogen werden sollen.
Das Team von BOSF sucht nach Mutter-Bäumen für die Gewin­nung von Samen, aus denen Setz­linge gezogen werden sollen.


Der Wald wird gezielt mit Nahrungs­bäumen für Orang-Utans angereichert


Jeder poten­ziell als Samen­lie­fe­rant infrage kommende Baum wurde vom Scou­ting-Team sorg­fältig geprüft. Die künf­tigen Mutter­bäume mussten klar defi­nierten Krite­rien entspre­chen: ein gerader Stamm, eine dichte Krone, keine Anzei­chen von Krank­heiten sowie ein nach­weis­li­cher Frucht­an­satz mit Arten, die von Orang-Utans bevor­zugt werden – darunter Vertreter der Gattungen Ficus, Arto­carpus sowie weitere bedeu­tende Nahrungshölzer.


War ein geeig­neter Baum iden­ti­fi­ziert, hielt das Team inne, um detail­lierte Daten zu erfassen. Höhe und Stamm­durch­messer wurden gemessen, der allge­meine Gesund­heits­zu­stand doku­men­tiert und die GPS-Koor­di­naten fest­ge­halten, damit der Baum künftig wieder­ge­funden werden kann. Diese Daten­grund­lage bildet die Basis für eine geplante, nach­hal­tige Saat­gut­samm­lung – durch­ge­führt mit größter Sorg­falt, ohne das umlie­gende Ökosystem zu beein­träch­tigen.
Die Arbeit barg so manche Heraus­for­de­rung: steiles Gelände, vom tropi­schen Regen rutschiger Boden, dorniges Unter­holz und die Dichte des Regen­waldes stellten die Ausdauer des Teams auf die Probe. Doch jeder erfolg­reich iden­ti­fi­zierte Mutter­baum brachte neue Moti­va­tion. Diese Bäume werden künftig eine Schlüs­sel­rolle spielen: als Nahrungs­quelle und Lebens­raum nicht nur für Orang-Utans, sondern auch für zahl­reiche andere Wildtiere.


Samen für die Auffors­tung werde nach­haltig aus dem Wald geholt


Einige Samen hat das Scou­ting-Team bereits von seiner Expe­di­tion zurück in die Baum­schule mitge­bracht. Dort werden sie vermehrt und sorg­fältig gepflegt. Sobald die Setz­linge ausrei­chend kräftig gewachsen sind, werden sie in Wald­flä­chen gepflanzt, die einer vege­ta­tiven Anrei­che­rung bedürfen. Auf diese Weise schließt sich in naher Zukunft der Kreis­lauf: aus dem Wald gewonnen, in der Baum­schule heran­ge­zogen und schließ­lich wieder in den Wald zurückgebracht.

Orang-Utan Auswilderung im Schutzwald von Kehje Sewen
Der Kehje Sewen Schutz­wald ist die Heimat von 135 ausge­wil­derten Orang-Utans und elf wild gebo­renen Babys


Mit dieser Abfolge von Maßnahmen verfolgen die Teams im Rahmen des RHOI-Programms das Ziel, den Kehje Sewen Wald als funk­ti­ons­fä­higen, natür­li­chen Lebens­raum wieder­her­zu­stellen, der das Über­leben von Orang-Utans dauer­haft sichern kann. Jeder doku­men­tierte Mutter­baum steht dabei für eine lang­fris­tige Inves­ti­tion in die Nach­hal­tig­keit des Ökosys­tems. 135 geret­tete und reha­bi­li­tierte Orang-Utans aus dem Rettungs­zen­trum Samboja Lestari konnte BOS bereits in den Kehje Sewen Wald auswil­dern. Elf Jung­tiere haben dort das Licht der Welt erblickt.

Jede Spende hilft. Den Orang-Utans und dem Regenwald.