Es ist nur ein Detail, doch dieses spielt eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Waldregeneration und Wiederaufforstung: Die Auswahl der besten und gesündesten Mutter-Bäume für die Gewinnung der Samen, aus denen die Setzlinge gezogen werden. Das RHOI-Team gewährt uns Einblicke in die Arbeit im Regenwald auf Borneo.
Der Name Kehje Sewen – intern gern mit KJ7 abgekürzt – bedeutet in der lokalen Dayak-Wehea-Sprache „Heimat der Orang-Utans“. Seit 2012 wildern wir gerettete und rehabilitierte Orang-Utans nach KJ7 aus. Und bereits seit 2010 – das Jahr, in dem die BOS-Waldschutzfirma RHOI die Konzession zur Wiederherstellung des Ökosystems erhielt – sind wir mit der Wiederherstellung des Ökosystems in dem 86.450 Hektar großen Waldschutzgebiet befasst.
Es ist ein langfristiger, eng miteinander verflochtener Prozess, für den das RHOI-Team und das Team für Habitatmanagement und ‑entwicklung seit inzwischen 16 Jahren verantwortlich sind. Zentraler Bestandteil ist die gezielte Aufwertung des Habitats – also des unter den Schutz von RHOI gestellten Regenwaldes. Dazu gehört die Wiederanpflanzung von Setzlingen, die in der Baumschule im Bereich des Monitoring-Camps herangezogen wurden, auf mehreren offenen Flächen.
Das RHOI-Team sucht und dokumentiert die besten Mutterbäume
Um passende Mutterbäume zu finden, deren Samen die besten Setzlinge für die Wiederaufforstung bieten können, haben die Teams eine Exkursion tief in den Kehje Sewen Wald unternommen. Es ist ein ausgedehntes Scouting nach gesunden, ausgewachsenen, qualitativ hochwertigen Bäumen, und das auf anspruchsvollem Gelände.

Der Wald wird gezielt mit Nahrungsbäumen für Orang-Utans angereichert
Jeder potenziell als Samenlieferant infrage kommende Baum wurde vom Scouting-Team sorgfältig geprüft. Die künftigen Mutterbäume mussten klar definierten Kriterien entsprechen: ein gerader Stamm, eine dichte Krone, keine Anzeichen von Krankheiten sowie ein nachweislicher Fruchtansatz mit Arten, die von Orang-Utans bevorzugt werden – darunter Vertreter der Gattungen Ficus, Artocarpus sowie weitere bedeutende Nahrungshölzer.


War ein geeigneter Baum identifiziert, hielt das Team inne, um detaillierte Daten zu erfassen. Höhe und Stammdurchmesser wurden gemessen, der allgemeine Gesundheitszustand dokumentiert und die GPS-Koordinaten festgehalten, damit der Baum künftig wiedergefunden werden kann. Diese Datengrundlage bildet die Basis für eine geplante, nachhaltige Saatgutsammlung – durchgeführt mit größter Sorgfalt, ohne das umliegende Ökosystem zu beeinträchtigen.
Die Arbeit barg so manche Herausforderung: steiles Gelände, vom tropischen Regen rutschiger Boden, dorniges Unterholz und die Dichte des Regenwaldes stellten die Ausdauer des Teams auf die Probe. Doch jeder erfolgreich identifizierte Mutterbaum brachte neue Motivation. Diese Bäume werden künftig eine Schlüsselrolle spielen: als Nahrungsquelle und Lebensraum nicht nur für Orang-Utans, sondern auch für zahlreiche andere Wildtiere.
Samen für die Aufforstung werde nachhaltig aus dem Wald geholt
Einige Samen hat das Scouting-Team bereits von seiner Expedition zurück in die Baumschule mitgebracht. Dort werden sie vermehrt und sorgfältig gepflegt. Sobald die Setzlinge ausreichend kräftig gewachsen sind, werden sie in Waldflächen gepflanzt, die einer vegetativen Anreicherung bedürfen. Auf diese Weise schließt sich in naher Zukunft der Kreislauf: aus dem Wald gewonnen, in der Baumschule herangezogen und schließlich wieder in den Wald zurückgebracht.

Mit dieser Abfolge von Maßnahmen verfolgen die Teams im Rahmen des RHOI-Programms das Ziel, den Kehje Sewen Wald als funktionsfähigen, natürlichen Lebensraum wiederherzustellen, der das Überleben von Orang-Utans dauerhaft sichern kann. Jeder dokumentierte Mutterbaum steht dabei für eine langfristige Investition in die Nachhaltigkeit des Ökosystems. 135 gerettete und rehabilitierte Orang-Utans aus dem Rettungszentrum Samboja Lestari konnte BOS bereits in den Kehje Sewen Wald auswildern. Elf Jungtiere haben dort das Licht der Welt erblickt.
Jede Spende hilft. Den Orang-Utans und dem Regenwald.
