Aufforstungsgebiete

In Zentralborneo liegt Mawas (1°59′S 114°39′E), ein über 300.000 Hektar großes Gebiet mit 80 Prozent tropischen Torfmoorwäldern. Diese Wälder sind unglaublich wertvoll für das biologische Gleichgewicht. Mit 5.000 bis 8.000 Jahren gehören sie zu den ältesten der Welt und besitzen gigantische Kohlenstoffspeicher. Allein in Mawas leben schätzungsweise 3.000 wildlebende Orang-Utans, eine der größten Populationen auf Borneo. Sie sind auch Namensgeber dieses Gebiets, denn „Mawas“ bedeutet übersetzt in der Sprache der indigenen Bevölkerung nichts anderes als „Orang-Utan“.

Von der Fläche her ist Mawas das größte Projekt der BOS Foundation. Im Forschungszentrum Camp Tuanan studieren indonesische und internationale Wissenschaftler u. a. das Verhalten der roten Menschenaffen.

1996 ließ der ehemalige Diktator Indonesiens Suharto sein Mega-Rice-Projekt auch in diesem Wunderwerk der Natur anlegen. Mawas wurde Teil seiner „1 Mio. ha für Reisfelder“ initiative. Unproduktive und wenig bewohnte Torfmoorwälder sollten in Reisfelder umgewandelt werden, um den Nahrungsbedarf der indonesischen Bevölkerung zu decken. Es wurde gerodet, geholzt, botanische Erkenntnisse vor ihrer Entdeckung unwiederbringlich vernichtet und gewildert – bis man bemerkte, dass das Land nicht für den Reisanbau geeignet war. Bewässerungskanäle für die Reisfelder waren schon längst angelegt, der natürliche Wasserhaushalt der Wälder wurde dadurch ins biologische Chaos gestürzt.

Raffgier und planlose Politik zerstörten dieses Wunderwerk der Erde in weiten Teilen. Zusammen wollen wir Mawas wieder zu dem machen was es einmal war – Ein tropischer Hotspot, lebenswert für Flora und Fauna.

In vielen Jahrtausenden haben sich in Mawas Torfschichten gebildet, die bis zu 18 Meter dick sind. In ihnen ist so viel Kohlenstoff gespeichert, dass bei ihrer Verbrennung rund 3,5 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre entweichen würde. Insgesamt liegt ein Drittel der Kohlenstoff-Reserven der Erde in Torfsümpfen fest, von denen etwa die Hälfe in Indonesien zu finden ist.

Die Zerstörung dieser Wälder trägt weltweit mit mehr als 3 Mrd. Tonnen CO2 pro Jahr zum Klimawandel bei. Davon 2 Mrd. Tonnen allein in Südostasien und davon 90 % aus Indonesien.

Das Mawas Gebiet auf Borneo soll wieder Immergrün, reichhaltig und lebendig werden. Dafür bäumen wir uns auf. Für den Regenwald. Für die Orang-Utans. Für uns. Für eine grüne Lunge dieser Erde. 

Die gepflanzten Bäume im Mawas-Gebiet sind eine Kombination aus Obstbäumen und anderen lokalen Baumarten, die natürliches Habitat für die dortige Tierwelt sind. Durch diese Mischung entsteht nach und nach ein artenreicher Regenwald – und damit wertvoller Lebensraum für Orang-Utans und unzählige andere Tiere, die sich auf Borneo zuhause fühlen. Allein im Dezember 2015 haben wir dort schon 3.347 Bäume gepflanzt. Diese bilden nun die ersten ca. 3ha Lebensraum. Geplant ist eine Wiederaufforstung von 70.000 Hektar zerstörtem Regenwald mit 1 Mio. Bäumen in den nächsten Jahren. Erreichen wir das Ziel, vergrößern wir somit das Mawas Schutzgebiet und schaffen zusätzlich Lebensraum für weitere 2.000 Menschenaffen. 

Für den Erfolg des Mawas Projektes ist die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung maßgebend. BOS bezieht die Samen von lokalen Baumschulen, hierbei werden die lokalen Gemeinden in den gesamten Prozess mit einbezogen. Sie sammeln die Samen und ziehen die Setzlinge an, die sie nachher im nassen Torfmoor einpflanzen. Indem sie die Natur schützen, gibt das Projekt den lokalen Gemeinden eine Existenzgrundlage. Insgesamt gibt es im Mawas-Gebiet 58 Dörfer mit ca. 29.000 Haushalten.

Durch die Erhaltung der Artenreichen Sumpfwälder in Mawas profitieren alle – Die Menschen, die Orang-Utans und die gesamte Flora und Fauna des Gebietes. Die Lokalbevölkerung, die mit dem Wald und seinen Pflanzen und Tieren auch ihr örtliches Klima, ihr Wasser und ihre reine Luft behält, wird ebenfalls vor Überschwemmungen, Bodenerosionen und Epidemien geschützt und kann Gesundheits- und Bildungsprogramme von BOS nutzen. Auch werden viele neue Jobs geschaffen. Die Lokalbevölkerung sammelt die Samen und Setzlinge für das Aufforstungsprojekt, wir kaufen Ihnen diese ab und pflanzen mit ihnen die Bäume. Diese können sie als Schützlinge über mehrere Jahre beobachten und bewachen. Die feuchten Torfmoorwälder beugen außerdem Waldbränden auf Borneo vor und hindern sie daran, sich auszubreiten – eine natürliche Feuerwehr zur globalen Klimaregulierung. Und schließlich profitiert auch die ganze Welt davon.

Herausforderungen im Naturschutz – Rantau Upak

Mawas ist aufgeteilt in fünf Gebiete. Eines davon ist Rantau Upak, ein 1.000 Hektar großes Areal, das durch Trockenlegung, illegale Abholzung und Waldbrände schwer belastet wurde. Ein wichtiges Vorhaben ist es, die veralteten Bewässerungskanäle zu sperren, um den Wasserhaushalt der Torfwälder ohne Unterbrechung zu gewährleisten. Dadurch können die tropischen Torfmoorwälder wieder vernässt werden und so überhaupt gesunde Pflanzen gedeihen. Das sogenannte „canal blocking“ ist eine Notmaßnahme um den natürlichen Wasserhaushalt im zerstörtem Ökosystem Mawas wiederherzustellen. Auf Borneo wurden im Rahmen des Mega-Rice-Projekts Kanäle von einer Gesamtlänge von ca. 4000 Kilometer angelegt. Allein während dieser zerstörerischen Phase ist der Waldbestand der betroffenen Gebiete von 64.8% auf 45.7% gesunken. Nach Schätzungen kann BOS durch jeden „geblockten“ Kanal eine Wiedervernässung von 200-320 ha Torfmoorwald möglich machen – eine große Aufgabe für ein großes Projekt.