BOS-Geschäftsführer Daniel Merdes: "Orang-Utan-Schutz im Ausnahmezustand"

Unsere Orang-Utan-Schutzzentren befinden sich aktuell im absoluten Lockdown. Denn unser vorrangiges Ziel in der aktuellen Situation ist es, unsere Schutzbefohlenen mit allen Mitteln vor einer Übertragung des COVID-19-Virus zu schützen.

Dies gilt nicht nur für die Rettungszentren, sondern auch für unsere Auswilderungsgebiete. Alle Volontärprogramme wurden daher bis auf weiteres eingestellt, die Samboja Lodge geschlossen. Aber auch Mitarbeiter, die für den laufenden Betrieb der Schutzzentren nicht relevant sind, haben jetzt keinen Zutritt mehr. Tierpfleger, Babysitter, Tierärzte, Lieferanten und Sicherheitspersonal müssen strengste Hygieneregeln einhalten – noch strengere als sonst.

Orang-Utans mit Vorerkrankungen jetzt besonders schützen

Durch diese Maßnahmen wollen wir nicht nur uns, sondern vor allem unsere Orang-Utans schützen. Denn aufgrund der nahen Verwandtschaft zu uns Menschen könnten auch sie besonders gefährdet sein, sich mit Corona zu infizieren. Zwar wurde bis jetzt noch keine Übertragung des Virus auf einen Menschenaffen dokumentiert, aber die Forschung ist noch lange nicht abgeschlossen und wir können keine Eventualitäten ausschließen. Immerhin können sich Orang-Utans bei uns Menschen u.a. mit Hepatitis, Tuberkulose und anderen Infektionskrankheiten anstecken. Vor allem weil sich viele unserer Tiere gerade erst von Atemwegsinfektionen infolge der Brände von 2019 erholt haben, manche aber immer noch geschwächt sind, sind wir sehr besorgt.

Die Situation vor Ort

Aktuell sind wir mehr denn je auf unverzichtbare Arbeitsmittel wie Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel angewiesen. In einem durchschnittlichen Jahr liegt unser Verbrauch bereits bei etwa 75.000 Atemschutzmasken. Panikkäufe haben nun aber auch in Indonesien zu gestiegenen Preisen für medizinische Ausrüstung geführt. Gleichzeitig treffen uns fehlende Einnahmen z.B. durch die geschlossene Samboja Lodge empfindlich. Wir wollen aber auch weiterhin soziale Verantwortung übernehmen und unser Mitarbeiter auf Borneo unterstützen. Sie sind unsere Helden vor Ort und benötigen gerade jetzt unsere Solidarität. Die Orang-Utans wiederum sind das letzte Glied in der Kette einer internationalen Krise, verursacht vermutlich durch unverantwortliches Handeln wie Wildtierhandel, Verzehr von sogenanntem Bushmeat und ungebremste Eingriffe in die Natur.

Die Orang-Utans und der Regenwald brauchen uns aktuell mehr denn je. Gemeinsam müssen wir verhindern, dass diese menschengemache Krise auf unsere nächsten Artverwandten übertragen wird.

Vielen Dank für Ihre Hilfe in dieser Ausnahmesituation.

Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland e.V.