Die neuen Wilden - 2014

Orang-Utans, die grundsätzlich fähig für die Auswilderung sind, benötigen trotzdem noch umfangreiche Vorbereitungen. Zunächst werden nach bestimmten Kriterien die konkreten Kandidaten ausgewählt. Diese unterzieht man medizinischen Tests und beobachtet, wie sie sich in veschiedenen Situationen verhalten. Sie sollen schließlich die bestmöglichen Chancen haben, in der Wildnis alt zu werden.

Bei der Auswilderung unterscheidet man zwei Klassen von Orang-Utans:

Manche Orang-Utans kommen im Alter von drei bis fünf Jahren in die Station. Man spricht hier von halbwilden (semi wild) Tieren, die zumindest grundlegende Überlebenstechniken beherrschen und in der Station lediglich gestärkt, medizinisch versorgt und in ihrem natürlichen Verhalten unterstützt werden. Diese Tiere können sich in der Regel rasch wieder an ihre natürliche Umgebung gewöhnen.
 
Anders sieht es bei den Tieren aus, die entweder als Babys zu BOS kamen oder jahrelang in Gefangenschaft gehalten wurden. Diese müssen durch ein mehrjähriges Rehabilitationsprogramm überhaupt erst in die Lage versetzt werden, wieder wilde Orang-Utans zu werden. Über sechs bis sieben Jahre - ähnlich lange wie ein junger Orang-Utan von seiner Mutter lernt - trainieren sie Fertigkeiten wie Nestbau und Nahrungswahl.

Nach erfolgreicher Auswilderung werden die Menschenaffen noch ein bis zwei Jahre beobachtet (Monitoring). Eigens dafür zusammengestellte Teams verfolgen vor Ort, wie sich die "neuen Wilden" in der Wildnis so machen. Dies geschieht durch direkte Beobachtung der Tiere und ihrer Aktivitäten sowie über Mini-Sender, die allen Orang-Utans vor ihrer Auswilderung in die Nackenhaut implantiert werden.

Allerdings ist die freie Natur kein reines Idyll. Der Tod gehört zu ihr wie das Leben. Wie in wilden Orang-Utan-Populationen auch, sterben leider auch unsere ausgewilderten Orang-Utans nicht immer an Alterschwäche. Von den zwischen November 2012 und April 2014 Ausgewilderten haben 11 Individuen nicht überlebt (Stand Februar 2016). Einmal war es eine Krankheit, zweimal lagen Konflikte mit Menschen zugrunde. In den übrigen Fällen waren die genauen Ursachen nicht zu ermitteln. Mögliche Gründe sind Parasitenbefall oder giftige Tiere oder Pflanzen. 

Hier stellen wir die neuen Wilden von 2014 vor.

Jane wurde von der Naturschutzbehörde 1999 im Alter von vier Jahren in Palangkaraya beschlagnahmt. Man weiß nicht, wie viel Zeit Jane in diesem Privathaushalt gelebt hatte. Bei ihrer Rettung wog sie 12,5 kg. Sie war sehr schüchtern und wich ihrer Babysitterin in Nyaru Menteng nicht von der Seite. Doch sie wurde älter und selbstbewusster, besuchte die Waldschule und lernte dort alles für das Überleben in der Wildnis. 2012 zog die Orang-Utan-Dame auf die Kaja-Insel um, wo sie nun beweisen musste, dass sie auch ohne Menschen zurechtkommt. Sie wurde immer abenteuerlustiger und unabhängiger. Jane hat inzwischen zwei Kinder.

Jiro

Jiro

Jojang wurde am 1.6.2007 noch auf der Kaja-Insel geboren. Jiro kam 2013 zur Welt, als Jane schon im Quarantäne-Komplex auf ihre Freilassung wartete. Eigentlich sollten Jane und Jojang schon im Februar 2013 ausgewildert worden sein. Doch als die Schwangerschaft festgestellt wurde, beschlossen die Tierärzte, die Geburt des Kindes noch abzuwarten. Jiro war schon seit der Geburt gesund und ist jetzt sieben Monate alt. Er wiegt  2,5 kg. Jane ist ebenfalls wohlauf. Sie ist heute (2014) 19 Jahre alt und wiegt 40,5 kg. Zu dritt erkunden sie  ihre neue Heimat.

Jojang ist Janes erster Sohn und wurde auf der Kaja-Insel am 1.6.2007 geboren. Seine Mutter überschüttete ihn regelrecht mit Liebe und lehrte ihn, in der Wildnis zu überleben. Der Orang-Utan-Junge mit dem dichten Fell verhält sich schon wie ein wilder Orang-Utan. Er mag die Anwesenheit von Menschen ganz und gar nicht. Jojang ist bereits ein Inselprofi und ein Experte im Nestbau. So ganz traute er sich aber dennoch nicht, seine  Mutter zu verlassen. 2014 war Jojang sieben Jahre alt und wog 16 kg. Im Dschungel Borneos wird er bestimmt seinen eigenen Weg finden.

Kitty wurde ebenfalls von der indonesischen Naturschutzbehörde (BKSDA) in einem Haushalt in Palangkaraya konfisziert. Das war am 12. August 2000. Sie war erst vier Jahre alt und wog 12 Kilo, als sie in Nyaru Menteng ankam. Auf der Palas-Insel, am Ende ihrer Rehabilitationszeit bei BOS, zeigte sich Kitty als sanfter Orang-Utan, der sich gut mit anderen Orang-Utans verstand. Kitty ist  abenteuerlustig und selbstständig. Am 6.8.2011 gebar sie die kleine Kate. Zusammen mit ihr macht sie nun Bukit Batikap unsicher.

Zena war fünf Jahre alt und 24 Kilo schwer,  als sie 2002 von der indonesischen Naturschutzbehörde BKSDA beschlagnahmt wurde. Weil sie lange Zeit als Haustier gehalten wurde, war Zena sehr von Menschen abhängig. In der Waldschule der Rettungsstation entdeckte sie aber wieder ihre natürlichen Fähigkeiten und Verhaltensweisen.

Zena ist introvertiert und bevorzugt die Einsamkeit. Aber sie liebt es, den Wald zu entdecken und in den Bäumen zu klettern. Auf der Hampak-Insel saß sie oft allein auf einem hohen Baum. Auch bei der Futtersuche ist sie sehr geschickt. Im Februar 2010 hatte sie auf der Insel ein Baby, William, zur Welt gebracht. 2014 war Zena 17 Jahre alt und 43 Kilo schwer, Baby William vier Jahre alt und acht Kilo schwer. William und seine Mutter Zena dürfen nun endlich als wilde Orang-Utans im Urwald leben.

Die vierjährige Dita wurde im November 2002 konfisziert. Sie besuchte in Nyaru Menteng die Waldschule und lebte dann auf der Hampak-Flussinsel. Sie ist aktiv und zeigt gegenüber ihren Artgenossen ein freundliches Wesen. Am 23.1.2012 bekam Dita ein Baby, das Halt getauft wurde. Halt wurde 2014 zwei Jahre alt und war sieben Kilo schwer. Beide leben nun in Bukit Batikap.

Judy wurde 2002 von der indonesischen Naturschutzbehörde BKSDA aus illegaler Haltung beschlagnahmt und kam im Alter von sechs Jahren auf die Station Nyaru Menteng. 2014 wurde die damals 58 Kilo schwere Orang-Utan-Dame 18 Jahre alt und erfüllte alle Vorausetzungen für ein Leben in Freiheit. Am 7. Februar 2014 wurde sie in Kehje Sewen ausgewildert. Aber die freie Natur ist nicht immer schön: Ranger fanden nur wenige Monate später ihre sterblichen Überreste. Was zu ihrem Tod geführt hat, ließ sich nicht mehr feststellen. Vielleicht hat sie trotz aller Vorbereitung giftige Früchte probiert, vielleicht wurde sie von einer Giftschlange gebissen, vielleicht erlag sie dem Befall durch Parasiten. Auch für Orang-Utans kann die Wildnis hart sein.

Jupiter war erst ein Jahr alt und 4 Kilo leicht als sie konfisziert wurde. Sie hatte ihre Mutter verloren und fand am 13. März 2001 in Nyaru Menteng ein neues Zuhause. Nachdem sie die Waldschule absolviert hatte, zog  sie im Dezember 2006 auf die Palas-Insel. Sie ist aktiv und abenteuerlustig, doch mischt sie sich nur selten unter Artgenossen.

Am 29. April 2013 bekam Jupiter ihr erstes Baby, Julfa. Jupiter zeigt ihrer Tochter bestimmt, wie man sich als echter wilder Orang-Utan verhält. Wir wünschen beiden alles Gute für ihr Leben in Freiheit.

Joy wurde 2003 von der indonesischen Umweltbehörde BKSDA gerettet. Sie war ebenfalls als Haustier gehalten worden und hatte eine große Narbe am Hals, die von der Kette stammte, an der sie jahrelang gehalten wurde. Als sie nach Nyaru Menteng kam, war sie schon 33 Kilo schwer und acht Jahre alt. Nach zehn Jahren in der Waldschule lebte Joys eine lange Zeit auf der Hampak-Insel. Sie ist ein sehr sozialer Orang-Utan, der aber wieder gelernt hat, sich wie ein Wildtier zu verhalten und nicht wie ein Haustier. 2024 war sie 19 Jahre alt. Leider starb sie wenige Monater nach ihrer Auswilderung aus unbekannter Ursache. Giftige Früchte, der Biss eines giftigen Tieres oder Parasitenbefall kann der Grund gewesen sein. Solche traurigen Geschehnisse gehören leider auch zur Freiheit. Die Natur ist nicht immer nett.

Hamlet wurde gerettet, nachdem ein Dorfbewohner gemeldet hatte, dass in der Nachbarschaft ein Orang-Utan-Kind als Haustier halten würde. Das war 2001. Hamlet wurde sofort nach Nyaru Menteng gebracht. Er war sehr ängstlich, denn er war zu dem Zeitpunkt gerade einmal drei Jahre alt. In Nyaru Menteng durchlief Hamlet den Rehabilitationsprozess - von der Waldschule bis zur Palas- Insel, auf die er 2006 zog. Doch nach 14 in Nyaru Menteng verbrachten Jahren hatte Hamlet genug für ein Leben im Wald gelernt. Er wollte endlich wissen, wie es sich als wilder Orang-Utan in Freiheit lebt...

Mercury wurde 2002 in dem Dorf Muara Teweh entdeckt, wo er als Haustier missbraucht wurde. Mercury war erst anderthalb Jahre alt und wog 4,4 Kilo. Als die Retter ihn fanden, war er in keinem guten Zustand. Er war dehydriert, hatte Fieber und Durchfall. Mercury erhielt intensive Pflege durch die Tierärzte und Pflegerinnen. Nach zwei Monaten des Bangens ging es ihm bald wieder besser und er konnte die Waldschule besuchen. Auf Artgenossen zu treffen war etwas vollkommen Neues für die Orang-Utan-Waise.

2007 wurde dann das nächste Kapitel seiner Rehabilitation aufgeschlagen: Er durfte auf die Palas-Insel wechseln. Auf ihr konnte er nun ohne nächtliche Gitterstäbe leben. Er entwickelte sich zu einem draufgängerischen, neugierigen Orang-Utan, der gern um sein Futter rangelte. Seine besten Freunde zu der Zeit waren Troll und Jupiter. Nun, in Freiheit, wird der Mercury vielleicht seinen Freund Jupiter wieder sehen und mit ihm um die eine oder andere Orang-Utan-Dame streiten.

Mit zweieinhalb Jahren wurde Reno bei einer Privatperson konfisziert, die ihn illegal als Haustier gehalten hatte. Reno kam bei BOS in Quarantäne und wurde rundum versorgt. Als ansteckende Krankheiten oder der Befall mit Parasiten ausgeschlossen waren, konnte er in die Waldschule gehen, wo er neben Menschen viele Orang-Utans um sich herum hatte. Er fand dort allmählich zu seinen natürlichen Fähigkeiten zurück. 2007 verließ Reno die Waldschule und konnte sich in den Vor-Auswilderungs-Prozess auf der Palas-Insel begeben. Er war sehr ambitioniert bei der Erkundung der Insel und wurde schnell von den anderen männlichen Orang-Utans akzeptiert. Außerdem hatte er viele Verehrerinnen. Vor allem Manisha hatte es auf ihn abgesehen. Nun hat Backenwülste und ist zu einem dominanten Männchen herangewachsen. Zusammen mit Manisha erkundete er von da ab den Bukit-Batikap-Wald.

Auch Manisha stammt aus einem Privathaushalt. Sie war vier Jahre alt, als sie im Jahr 2000 gerettet wurde. Das Orang-Utan-Mädchen war sehr schwach und durch den Verlust ihrer Mutter traumatisiert. 2007 begann Manisha ihr neues Leben auf der Palas-Insel. Sie liebt es, die Insel zu erkunden und hat ein großes Talent dafür entwickelt, essbare Früchte und Blätter zu finden. Am liebsten isst sie allerdings Rinde und Termiten. Zu Beginn der Trockenzeit spielte Manisha immer gern im Schlamm. Mit 17 Jahren konnte die wunderschöne Orang-Utan-Dame endlich in ihr neues Zuhause, den Schutzwald von Bukit Batikap umgesiedelt werden. 

Am 23. August 1999 wurde das kleine Orang-Utan-Mädchen im Alter von zwei Jahren in Palangka Raya aus einem Privathaushalt gerettet. Damit war Noor der erste Orang-Utan der im gleichen Jahr gegründeten Station Nyaru Menteng. Nach einer Quarantänezeit kam sie in den Kindergarten, besuchte später dann die Waldschule und kam 2003 dann auf die Flussinsel Palas. Noors engste Freunde auf der Insel waren Miss Owen und Praya.

Noor hat im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen überhaupt keine Angst vor Wasser. Oft sah man sie im Rungan-Fluss baden, bis zum Hals im kühlen Nass. Dabei fischte sie Früchte heraus, die im Wasser trieben. Das tut sie vielleicht jetzt noch in Freiheit.

Sarita kam 2001 als Sechsjährige nach ihrer Beschlagnahmung in die Station Nyaru Menteng. Nach der Waldschule lebte sie auf der Palas-Insel und wurde zu einer ihrer cleversten Erkunderinnen. Trotz ihrer Zierlichkeit ist sie sehr lebhaft und wachsam. Sarita hat kleine Beulen auf der Stirn, an denen man sie immer sofort erkennen kann. Während ihrer 13 Jahre in Nyaru Menteng lernte sie alles, was sie zum Überleben im Dschungel wissen muss. Wir hoffen, dass sie uns das im Regenwald von Bukit Batikap noch lange beweisen wird. 

Im Alter von vier Jahren kam Acul am 25.6.2001 aus Bontang nach Samboja Lestari. Er war erst vier Jahre alt. In der Waldschule lernte er schnell. Sein ungezügeltes Temperament und seine rasche Auffassungsgabe halfen ihm dabei. Er zeigte sich intelligent bei der Nahrungswahl und beim Nestbau.  Schon von Anfang an verbrachte er die meiste Zeit in den Bäumen. Acul ist heute ein dominanter Orang-Utan mit großen Backenwülsten. Trotz seiner Dominanz zeigt er sich nie aggressiv gegenüber seinen Freunden. 2014 wurde er 17 und brachte 62 Kilo auf die Waage. Nun erlebt der hübsche Acul die Freiheit im Kehje-Sewen-Wald.

Bajuri wurde 2006 sechsjährig nach Samboja Lestari gebracht. In der Waldschule war Bajuri sehr aktiv und unabhängig. Schnell meisterte er die Kunst des Nestbaus und erkannte schnell essbare Früchte und Blätter. Trotz seines dominanten Verhaltens ist er nicht aggressiv gegenüber seinen Freunden. Deshalb begannen schon bald die Vorbereitungen für seine Auswilderung. Mit 14 Jahren konnte Bajuri dann seine Überlebensfähigkeit im Wald von Kehje Sewen unter Beweis stellen.

Indo wurde 2001 von seinem Halter der BOS Foundation übergeben. Zu der Zeit wog Indo elfeinhalb Kilo und war fünf Jahre alt. Schnell gewöhnte er sich an sein neues Zuhause und war in seiner Waldschulgruppe der Beste. Der Umzug auf die Insel war der letzte Schritt vor der Auswilderung. Mit 18 Jahren war Indo bereit für ein Leben in seinem natürlichen Lebensraum.

Kent kam 1999 als zwei Monate altes Baby nach Samboja Lestari. Man hatte ihn auf einer Farm beschlagnahmt, auf der er - halb verdurstet und von Würmern - offensichtlich nicht gut behandelt worden war. Kent verließ 2004 die Waldschule und zog auf eine der Inseln. Mit 16 Jahren war er nun gut darauf vorbereitet, ein Leben in der Wildnis zu führen.

Leider stand seine Auswilderung unter keinem guten Stern.

Leke kam am 23. April 2001 nach Samboja Lestari. Das kleine Fellbündel, illegal als Haustier gehalten,  war 3 Jahre alt und wog 5 kg. Sie war dehydriert, hatte Durchfall und Mangelerscheinungen durch falsche, nicht artgerechte Ernährung. Zunächst musste sie eine Zeitlang aufgepäppelt und tierärztlich versorgt werden. Dann lernte sie in der Waldschule alles was sie zum Überleben im Dschungel wissen musste.

2008 kam sie auf eine der Inseln und konnte sich dort auf ihre Auswilderung  vorbereiten. Das große und dominante Weibchen lässt sich auch von ihren männlichen Artgenossen nicht beeindrucken und geht ihren Weg. Mit 16 Jahren und 51 kg Gewicht ist die mutige Leke bereit und gut gewappnet für ihr Leben in einem echten Regenwald.

Maduri kam am 16. Dezember 1998 als Zweijährige zu BOS. Sie war illegal als Haustier gehalten worden. Nachdem sie die Waldschule hinter sich gelassen hatte, begann für sie die letzte Phase der Rehabilitation auf einer der Inseln. Maduri zeigte Geschick und selbstständiges Verhalten. Trotz dieser guten Vorbedingung für ein Leben in Freiheit starb sie wenige Monate nach ihrer Auswilderung. Die Ursache konnte nicht ermittelt werden.

Nila kam am 22. April 1998 zu BOS. Sie stammt ebenfalls aus Bontang und war erst vier Jahre alt. Zunächst wurde sie im Sozialisierungsgehege untergebracht und lebte dort zusammen mit Titin, Juminten und Sarmi, die schon ein Jahr zuvor  ausgewildert wurden. Zuletzt bewohnte sie zusammen mit Oneng, die kurz nach ihr ausgewildert wurde, eine der Orang-Utan-Inseln der Station. Dort konnte sie ihre natürlichen Fähigkeiten für das Überleben im Wald schnell verbessern. Nila ist sehr gut bei der Auswahl der Nahrung und lehnte die von den Pflegern angebotenen Früchte irgendwann ab. Sie möchte sie lieber alleine suchen. Am liebsten ernährt sie sich sowieso von Blättern. Mit stolzen 20 Jahren kam sie in die Freiheit.

Oneng war bei ihrer Ankunft in Samboja Lestari 3 Jahre alt. Am 5.4.2006  hatte sie die örtliche Naturschutzbehörde beschlagnahmt. Nach einer Quarantänezeit konnte Oneng auf eine der Inseln ziehen. Zusammen mit Nila und Sarmi verbesserte sie dort ihr Können. Sarmi war bereits ausgewildert worden. Nun kamen Oneng und Nila an der Reihe.

Mit immerhin schon 11 Jahren war Oneng der jüngste selbstständige Orang-Utan bei dieser Auswilderung. Oneng war berüchtigt für ihre Intelligenz und ihr Geschick beim Entwischen von der Insel. Sie hat zweifellos alle Fähigkeiten für das  Überleben im Dschungelt.

Upi wurde 2001 von einem Mann übergeben, der sie als Haustier gehalten hatte. Sie war 5 Jahre alt und 16 kg schwer. Auf ihrem Weg in Richtung Auswilderung lernte sie in der Waldschule und konnte schon 2004 auf eine der Inseln umziehen. Sie findet ohne Probleme ihre natürliche Nahrung und hat ein gutes Gedächtnis. Mit 18 Jahren konnte sie ein wunderschönes, freies Leben in ihrem neuem Zuhause, dem Kehje-Sewen-Wald, beginnen.

Wani stammt ebenfalls aus einem Privathaushalt, in dem sie als Haustier gehalten wurde. Am 26. Juni 2002 kam sie als Fünfjährige nach Samboja Lestari. Wani hatte man mit gerade einmal zwei Monaten von ihrer Mutter getrennt und in einem Holzkäfig gefangen gehalten. Bei BOS besuchte sie bis 2004 die Waldschule und lernte dann weiter auf einer der Inseln. Sie hatte gelernt, sich in der Wildnis zu ernähren und erfüllte auch sonst alle Voraussetzungen für ein Leben im Regenwald. Doch Freiheit kann auch tückisch sein: Wani überlebte die ersten Monate in der Wildnis nicht. Die Ursache ihres Todes bleibt unbekannt - giftige Pflanzen, Gifttiere oder eine Krankheit können die Gründe gewesen sein.

Kiki kam am 18. April 2001 nach Nyaru Menteng, nachdem sie beschlagnahmt wurde. Sie war in West-Kalimantan illegal als Haustier gehalten worden. Damals war sie sechs Jahre alt und wog 18,5 Kilogramm. Neben dem leichten Untergewicht litt sie an einer Atrophie, einem Gewebsschwund, aufgrund des langen Aufenthalts in dem engen Käfig. Sie hatte nicht genug Platz, um sich in dem Käfig aufrichten zu können und war völlig verängstigt. In Nyaru Menteng kümmerte sich das Team liebevoll um die Kleine. Jeden Tag bekam sie Massagen und wurde von den BOS-Tierärzten umfangreich therapiert. Als es ihr besser ging, konnte sie in der Waldschule beweisen, dass sie sich wie ein wilder Orang-Utan verhalten konnte.

2005 wurde sie schließlich auf die Palas-Insel gebracht, wo sie es liebte, umherzustreunen. 2006 brachte sie die kleine Hardi zur Welt. Kiki und ihre Tochter waren zusammen mit Bonita, Kacio und Mego in der Dokumentation „Orangutan Island“ zu sehen. Mit 20 Jahren hat sie zusammen mit ihrer Tochter Hardi ein neues Leben im Bukit-Batikap-Wald begonnen.

Das Orang-Utan-Mädchen Hardi kam am 24. Oktober 2006 auf der Palas-Insel zur Welt. Nicht zuletzt durch ihr wildes und lebendiges Wesen lernte sie sehr rasch selbstständig Essbares zu finden und Schlafnester zu bauen. Sie verbringt die meiste Zeit in den Bäumen und  mag - wie ein wilder Orang-Utan -  die Anwesenheit von Menschen nicht.

Auf der Insel hatte sie nur wenig Kontakt zu anderen Orang-Utans gesucht. Nur weibliche, sanftmütige Orang-Utans genossen ihre Freundschaft; aber sie suchte nie die Nähe dominanter Männchen. Im Alter von acht Jahren wog die agile Hardi 26 Kilogramm und lebt nun mit ihrer Mutter Kiki in Bukit Batikap. 

Kacio wurde in Südkalimantan gerettet, als sie drei Jahre alt war. Das Orang-Utan-Weibchen mit dem dichten Fell kam am 13. Mai 2002 nach Nyaru Menteng. Sie hatte den mittleren Zeh ihres linken Fußes verloren, wahrscheinlich durch eine Verletzung mit einem scharfen Gegenstand. Kacio zog 2006 auf die Orang-Utan-Insel Palas, nachdem sie die Waldschule absolviert hatte. Kacio ist sehr begabt, wenn es darum geht, Futter zu finden. Sie verhielt sich sehr freundlich gegenüber fast allen Orang-Utans auf der Insel. Besonders gut war sie mit Kiki, Olympia und Yasmine befreundet. Wie schön, dass sie auch zusammen ausgewildert wurden!

Die selbstbewusste Karcio kam nur selten zur Fütterungsstelle, sondern erkundete viel lieber die Insel. Auch sie war einer der Stars in der Doku-Serie „Orangutan Island“. Mit 15 Jahren und 56 Kilogramm wurde der wunderschöne Orang-Utan mit den runden Augen im Bukit-Batikap-Schutzwald freigesetzt.

Bonita kam 2003 als 2-Jährige zu BOS. Sie wurde in einem Dorf beschlagnahmt, in dem sie als Haustier gehalten worden war.  Das Orang-Utan-Kind wurde zunächst in der BOS-Babygruppe untergebracht. Als sie in die Waldschule kam, war Saturnus ihr bester Freund. Leider verstarb dieser 2011 an einer schweren Krankheit. Nach der Waldschule brachte man Bonita dann ebenfalls auf die Palas-Insel. Einmal war  Bonita zwei Monate lang verschwunden. Alle machten sich große Sorgen und eine erfolglose Suchaktion wurde gestartet. Eines Tages tauchte sie ganz unvermittelt wieder auf.

Bonita hat einen unbändigen Bewegungsdrang. Außerdem findet sie ohne Probleme essbare Blätter und Termiten und liebt die Gesellschaft anderer Orang-Utans. Mit 14 Lebensjahren und elf Jahren Rehabilitationserfahrung kommt sie sicher gut in Bukit Batikap zurecht.

Omego, auch Mego genannt, wurde aus Jakarta gerettet und kam 2001 nach Nyaru Menteng, als er gerade drei Jahre alt war. Als er gefunden wurde, hatte er Schorfwunden an der Brust sowie an Beinen und Armen. Nachdem die Tierärzte ihn versorgt hatten, konnte er sich erholen und an die Waldschule übergeben werden. 2005 kam er dann auf die Palas-Insel und wuchs dort zu einem dominanten Männchen mit Backenwülsten heran. Die Erfahrungen, die er in den 13 Jahren in Nyaru Menteng gesammelt hat, bereiteten ihn für ein Leben in der Wildnis gut vor. Tragischerweise wurde der draufgängerische 17-jährige und 72  Kilo schwere Orang-Utan wenigen Monate nach seiner Auswilderung von Unbekannten getötet.

Slamet wurde 1999 noch in der alten Station Wanariset entgegengenommen. Er war von BOS-Mitarbeitern in der Provinzhauptstadt Palangka Raya befreit worden, wo er illegal als Haustier gehalten wurde. Noch im selben Jahr wurde die Rehabilitations-Station Nyaru Menteng in Zentralkalimantan ganz in der Nähe von Palangka Raya gegründet, in der auch Slamet schließlich ein neues Zuhause fand. Zu diesem Zeitpunkt war er drei Jahre alt und 12 Kilo schwer.

Nach seiner Zeit in der Waldschule lebte er auf der Palas-Insel. Sein Bewegungsdrang, seine Dominanz und seine feindselige Einstellung gegenüber Menschen machten ihn zu einem idealen Auswilderungskandidaten. Und doch durfte er seine Freiheit nur sehr kurz auskosten. Wenige Monate nach seiner Auswilderung geriet er wohl in Konflikt mit Menschen und wurde getötet.

Am 27.3.2002 wurde Olympia nach Nyaru Menteng gebracht. Bevor sie auf ihre Auswilderung vorbereitet wurde, lernte sie zunächst in der Babygruppe und der Waldschule klettern, Nester bauen und essbare Früchte zu finden. Mit Kacio, ihrem Freund aus der Waldschule, lebte sie dann die letzten Jahre auf der Palas-Insel. Olympia ist ein liebenswürdiger und sehr sozialer Orang-Utan. Mit 15 Jahren und 53 Kilogramm war sie schließlich fähig, ein Leben in Freiheit zu verbringen.

Die damals einjährige Trold kam am 28. Februar 2002 nach Nyaru Menteng. Wie viele andere Orang-Utans wurde auch sie illegal als Haustier gehalten. Das junge, wild geborene Weibchen hatte bei ihrer Beschlagnahmung Wunden an Fingern und Zehen. Als sie 2006 die Waldschule hinter sich gelassen hatte, wurde sie auf die Palas-Insel gebracht. Trold hat ein schönes, dichtes Fell und ist eine Expertin im Erkunden ihrer Umgebung und im Erkennen der richtigen Nahrung im Wald. Außerdem hat sie ein freundliches Wesen und hält sich gern in Gesellschaft anderer Orang-Utans auf. Trold war 12 Jahre lang in Nyaru Menteng und wurde mit ihren 14 Jahren als auswilderungsfähig eingestuft.

Sella wurde von der indonesischen Naturschutzbehörde BKSDA in Palangka Raya beschlagnahmt und kam am 13.4.2002 nach Nyaru Menteng. Sie war erst drei Jahre alt. 2005 verließ sie die Waldschule und wurde auf die Palas-Insel umgesiedelt. Dort hat sie vor allem ihre Fähigkeiten bei der Nahrungssuche noch deutlich verbessern können. Am liebsten suchte sie nach Termiten. Sella wurde von allen Orang-Utans respektiert. Nach 12 Jahren Rehabilitation konnte sie im Alter von 15 Jahren endlich in die Wildnis des Bukit-Batikap-Waldes entlassen werden.

Für Miss Owen begann der Rehabilitationsprozess 1998 in Wanariset in Ost-Kalimantan. Wanariset war damals noch die einzige Orang-Utan-Rehabilitationsstation. Als im November 1999 Nyaru Menteng in Zentral-Kalimantan gegründet wurde, kam auch Miss Owen in die neue Station. Sie war zwei Jahre alt und wog sechseinhalb Kilo. In der Waldschule lernte Miss Owen die wichtigsten Dschungel-Lektionen und freundete sich mit Noor an. Noor war der erste Orang-Utan, der ein neues Zuhause in in Nyaru Menteng gefunden hatte. Er war schon im Februar in Bukit Batikap ausgewildert worden.

Seit 2004 lebte Miss Owen dann auf der Palas-Insel, wo sie viele neue Freunde fand. 15 Jahre Rehabilitation haben einen selbstbewussten Orang-Utan aus Miss Owen gemacht. Seit Apriol 2014 beweist sie, dass sie auch ohne menschliche Hilfe zurechtkommt. Und vielleicht hast sie ja auch schon bald ihren Freund Noor wiedergetroffen.

Wardah lebte ab 2006 in Nyaru Menteng. Das BKSDA (indonesische Naturschutzbehörde) und die BOS Foundation hatten sie aus einer Palmöl-Plantage gerettet. Sie war nur drei Jahre alt. Ihre Mutter war verschwunden, vermutlich getötet. Wardah ist ein sogenannter halb-wilder Orang-Utan. Zwar sind bereits acht Jahre seit Beginn der Rehabilitation vergangen, doch nach wie vor verhielt sie sich wie ein wilder Orang-Utan. Mit 11 Jahren erlebte sie endlich wieder echte Freiheit.

Cuplis kam am 29.12.2005 nach Nyaru Menteng. Das BOS-Rettungsteam befreite sie aus dem Haus eines Schlangenbeschwörers. Cuplis war damals erst zwei Jahre alt. Sie war dünn und hatte eine Wunde, die wohl von einer Kette um ihre Hals stammte. Während ihrer Zeit in der Waldschule war die agile Cuplis bekannt für ihre Intelligenz. Mehrmals riss sie aus der Waldschule aus kam erst Tage später wieder zurück. Befördert von ihrer halb wilden Natur verbesserten sich ihre Fertigkeiten rasch. Mit 12 Jahren, strammen 52 Kilogramm und neun Jahren Rehabilitation in Nyaru Menteng war sie befähigt, selbstständig wieder in einem echten Wald zu leben.