Die neuen Wilden - 2015

Orang-Utans, die grundsätzlich fähig für die Auswilderung sind, benötigen trotzdem noch umfangreiche Vorbereitungen. Zunächst werden nach bestimmten Kriterien die konkreten Kandidaten ausgewählt. Diese unterzieht man medizinischen Tests und beobachtet, wie sie sich in veschiedenen Situationen verhalten. Sie sollen schließlich die bestmöglichen Chancen haben, in der Wildnis alt zu werden.

Bei der Auswilderung unterscheidet man zwei Klassen von Orang-Utans:

Manche Orang-Utans kommen im Alter von drei bis fünf Jahren in die Station. Man spricht hier von halbwilden (semi wild) Tieren, die zumindest grundlegende Überlebenstechniken beherrschen und in der Station lediglich gestärkt, medizinisch versorgt und in ihrem natürlichen Verhalten unterstützt werden. Diese Tiere können sich in der Regel rasch wieder an ihre natürliche Umgebung gewöhnen.
 
Anders sieht es bei den Tieren aus, die entweder als Babys zu BOS kamen oder jahrelang in Gefangenschaft gehalten wurden. Diese müssen durch ein mehrjähriges Rehabilitationsprogramm überhaupt erst in die Lage versetzt werden, wieder wilde Orang-Utans zu werden. Über sechs bis sieben Jahre - ähnlich lange wie ein junger Orang-Utan von seiner Mutter lernt - trainieren sie Fertigkeiten wie Nestbau und Nahrungswahl.

Nach erfolgreicher Auswilderung werden die Menschenaffen noch ein bis zwei Jahre beobachtet (Monitoring). Eigens dafür zusammengestellte Teams verfolgen vor Ort, wie sich die "neuen Wilden" in der Wildnis so machen. Dies geschieht durch direkte Beobachtung der Tiere und ihrer Aktivitäten sowie über Mini-Sender, die allen Orang-Utans vor ihrer Auswilderung in die Nackenhaut implantiert werden.

Allerdings ist die freie Natur eben kein reines Idyll. Der Tod gehört zu ihr wie das Leben. Wie in wilden Orang-Utan-Populationen sterben leider auch unsere ausgewilderten Orang-Utans nicht immer an Alterschwäche. Von den zwischen November 2012 und April 2014 Ausgewilderten haben 11 Individuen nicht überlebt (Stand Februar 2016). Einmal war es eine Krankheit, zweimal lagen Konflikte mit Menschen zugrunde. In den übrigen Fällen waren die genauen Ursachen nicht zu ermitteln. Mögliche Gründe sind Parasitenbefall oder giftige Tiere oder Pflanzen. 

Hier aber stellen wir die glücklichen Orang-Utans vor, die BOS 2015 ausgewildern konnte und die sich in der Freiheit offenbar gut eingelebt haben.

Maha stammt aus der Stadt Mahajandau in Zentral-Kalimantan. 2007 wurde er von BOS zusammen mit der Forstpolizei und der Naturschutzbehörde beschlagnahmt. Damals war er erst zweieinhalb Jahre alt. Weil er die ersten zwei Jahre seines Lebens in Freiheit verbracht hatte, konnte er als sogenannter „halbwilder“ Orang-Utan im Rehabilitationsprozess eingestuft werden. Deshalb machte Maha auch rasche Fortschritte in der Waldschule. Er war sehr geschickt bei der Auswahl wilder Früchte und beim Nestbau und verbrachte die meiste Zeit in den Bäumen - stets aktiv und unabhängig. 2015 war Maha 10 Jahre alt und wog 35 Kilogramm. Nach acht Jahren im Rehabilitationszentrum kann der hübsche Maha nun wieder ein Leben in Freiheit genießen. 

Jatihan wurde aus illegaler Privathaltung konfisziert. Er kam am 6. Januar 2008 nach Nyaru Menteng und war damals erst eineinhalb Jahre alt. Nach der Waldschule, die er vorbildlich meisterte, wurde Jatihan auf die Bangamat-Insel umgesiedelt. Er hatte sich zu einem furchtlosen jungen Orang-Utan mit guten Kletterfertigkeiten entwickelt - trotz eines fehlenden Fingers, der von unseren Tierärzten nach einem Konflikt mit einem anderen Orang-Utan amputiert werden musste. Er ist ein großer Entdecker und liebt es, sich mit anderen Orang-Utans auszutauschen. 2015 war er schon neun Jahre alt und wog 40 Kilogramm. Das Orang-Utan-Männchen mit dem dunkelbraunen Fell und dem stattlichen Bart hat seinen Weg in die Freiheit gefunden und ein neues Leben im Bukit-Batikap-Wald begonnen.

Orang-Utan-Dame Compost wurde von einem Arbeiter einer Ölpalmenplantage mutterlos in Zentral-Kalimantan gefunden. Ihr Alter wurde damals auf 2 Jahre geschätzt. Nachdem sie von einem Anwohner zwei Tage gepflegt worden war, brachte das Rettungsteam von BOS sie nach Nyaru Menteng. Der Name „Compost“ stammt von dem berühmten Tierfilmer und -fotografen Alain Compost, der die Dokumentation „Story Of Rimba“ drehte, in der Compost als Baby-Rimba mitgewirkt hatte. Sie ist mittlerweile zu einem unabhängigen und starken Orang-Utan herangewachsen. Nach der Waldschule bewohnte sie die Vor-Auswilderungsinsel Palas, und seit 2013 die Insel Kaja. Compost war 2015 13 Jahre alt. In den letzten Jahren hat sie in Nyaru Menteng viele Fertigkeiten für das Überleben im Wald erlernt. Jetzt lebt sie im Wald von Bukit Batikap.

Das Orang-Utan-Weibchen Dewi wurde am 10. November 2001 in Ost-Java konfisziert. Als sie nach Nyaru Menteng gebracht wurde, war sie sechseinhalb Jahre alt. Dort begann sie ihren Rehabilitationsprozess in der Waldschule. 2005 wurde die wunderschöne braunhaarige Orang-Utan-Dame mit den schwarzen Punkten auf den Augenlidern dann auf die Bangamat-Insel versetzt. Dewi hat trotz ihres fröhlichen Gemüts stets einen sorgenvollen Gesichtsausdruck. 2015 wurde Dewi 20 und wog 44 kg. Sie mag es nicht, wenn Menschen auf sie zukommen und zieht sich dann sofort zurück. Nach 13 Jahren Training im Rehabilitationszentrum war sie bereit, den Bukit-Batikap-Wald ihr neues Zuhause zu nennen.

Als Mentos am 22. Juni 2000 aus einem Privathaushalt beschlagnahmt wurde, war sie erst zweieinhalb Jahre alt. Nach der Quarantäne besuchte sie die Babygruppe. Die dunkelhaarige Orang-Utan-Dame wurde nach der Babygruppe und der Waldschule erst auf die Palas- und 2013 schließlich auf die Kaja-Insel umgesiedelt. Obwohl sie so ruhig ist, verbringt sie gern Zeit mit anderen Orang-Utans und liebt das Wasser. 2015 wurde sie 17, wog 50 Kilogramm und kann endlich wieder als wilder Orang-Utan durch die Baumwipfel von Bukit Batikap streifen.

Benjol wurde 2005 von der Naturschutzbehörde in einem Dorf in Zentral-Kalimantan beschlagnahmt. Das verwaiste 2-jährige Orang-Utan-Mädchen war von einem Dorfbewohner aus einer Ölpalmplantage gerettet worden. Die lebhafte Benjol hatte sich bei ihrer Ankunft in Nyaru Menteng noch einiges an wildem Verhalten bewahrt und ihre Überlebensfähigkeiten rasch ausgebaut.
 
2015 war sie 12 Jahre alt und wog 28 kg. In Bukit Batikap hat ihr Leben neu begonnen.

Wombat wurde 2007 in einem Privathaushalt beschlagnahmt. Als er nach Nyaru Menteng kam, war er zwei Jahre alt und wog 11 Kilogramm. Seit 2012 lebte er auf der Flussinsel Bangamat. Er hat ein freundliches Wesen und ist gern in Gesellschaft von anderen Orang-Utans. Wombat ist sehr aktiv und geht gern auf Erkundung. Aus der Reserve wird er nur gelockt, wenn ein anderer Orang-Utan ihm seine Früchte wegnehmen will. Dann kann er sehr ungemütlich werden. Markant ist sein dünner roter Bart. Nachdem er acht Jahre in der BOS-Rehabilitation verbracht hat, ist er mittlerweile (2015) 11 Jahre alt und 38 Kilo schwer. Besonders gespannt sind wir auf das Wiedersehen mit Maha im Bukit-Batikap-Wald.

Die Orang-Utan-Dame Jambi wurde schon 1999 aus den Händen eines Dorfbewohners konfisziert. Damals war sie drei Jahre alt war und wog nur sechs Kilogramm. Sie war gesundheitlich in einem sehr schlechten Zustand und hatte Verletzung am Finger, die vermutlich von einer Machete stammte. Vielleicht hatte sie sich geweigert, ihre tote Mutter loszulassen. Nach der Waldschule wurde sie auf die Flussinsel Palas umgesiedelt – die letzte Station vor ihrer Auswilderung. Da sie gern allein auf Entdeckungstour geht, verschwand sie eines Tages und war drei Monate lang wie vom Erdboden verschluckt. Im Dezember 2012 war sie dann plötzlich wieder da und bekam am 20. Juni 2013 ihren kleinen Sohn, der Jamartin genannt wurde. Gemeinsam mit ihm zog sie dann auf die Kaja-Insel und kehrte 2015 – als 18-Jährige –zurück in ihrer wahren Heimat.

Mardianto wurde 2005 als zweijähriges Orang-Utan-Junges von der Naturschutzbehörde BKSDA aus einem Anbaugebiet für Ölpalmen gerettet. In Nyaru Menteng durchlief er alle Rehabilitationsstufen und wuchs zu einem selbstbewussten Orang-Utan-Mann heran. Als er die Waldschule 2012 verließ, wurde er auf die Bangamat-Insel umgesiedelt. Mardianto hat eine breite, flache Stirn und ein dunkles Gesicht. Er versteht sich gut mit seinen Artgenossen und hat besonders mit Maha und Wombat viel Zeit verbracht. Er ist ein sehr aktiver und abenteuerlustiger Orang-Utan. Der 2015 dreizehnjähige Mardianto war nach zehn Jahren Rehabilitation soweit, in seiner natürlichen Heimat, dem Dschungel Borneos zu leben, gemeinsam mit seinem besten Freund Wombat.

Sigi wurde 2007 von einem Dorfbewohner zu BOS in die Rettungsstation gebracht. Er hatte Sigi in einer Palmölplantage nahe des Dorfs Pundu gefunden. Sigi war in einem sehr schlechten Zustand, hatte eitrige Wunden an den Händen. Als er nach Nyaru Menteng kam, wurde er umgehend medizinisch behandelt und verbrachte die ersten Wochen in der Tierklinik. Drei Finger mussten amputiert werden. Einige Monate nach der Operation begann Sigi schon, seine Kletterkünste in der Waldschule unter Beweis zu stellen. Seine Behinderung hielt ihn nicht davon ab. 2012 trat er die letzte Stufe im Rehabilitationsprozess auf der Insel Bangamat an. Der 2015 elf Jahre alte und 45 kg schwere Sigi zeigt seine Zähne, wenn sich ihm Menschen nähern. Er wird sich in Bukit Batikap gut zurecht finden.

Jamartin ist heute (August 2015) ein zweijähriger kräftiger Orang-Utan-Junge und wiegt drei Kilogramm. Zusammen mit seiner Mutter Jambi leben er nun endlich zusammen in seiner wahren Heimat.

Chiki ist ein Weibchen, das am 24. September 2003 von der Naturschutzbehörde BKSDA bei konfisziert wurde, als sie 4 Jahre alt war. Chiki wuchs bei BOS zu einer unabhängigen Orang-Utan-Dame heran. Nachdem sie 2005 die Waldschule beendete, konnte sie auf die Bangamat-Insel umziehen. Die zwölf Jahre, die sie im Rehabilitationszentrum verbrachte, halfen ihr, eine Vielzahl von überlebensnotwendigen Fähigkeiten zu erwerben. Die kann sie nun endlich als freier Orang-Utan im Wald von Bukit Batikap anwenden.

Afri wurde in der Provinzhauptstadt Palanka Raya als Haustier gehalten und 1999 beschlagnahmt. In Nyaru Menteng musste die Vierjährige erst wieder lernen, sich wie ein Orang-Utan zu verhalten. Ihre Artgenossen halfen ihr dabei. Nach der Waldschule lebte sie schließlich auf der Insel Palas, auf der sich die freundliche Orang-Utan-Dame gut mit den anderen Inselbewohnern verstand. Sie ist als Entdeckerin bekannt und zeigte sich hervorragend in der Auswahl natürlicher Nahrung. Afri hat in Nyaru Menteng 16 Jahre lang ihre natürlichen Fähigkeiten erlernen können und ein neues Leben in Bukit Batikap begonnen.

Als Nora 2003 in einem Privathaushalt beschlagnahmt wurde, war sie vier Jahre alt und wog 12 kg. Nora lebte die letzte Zeit auf der Palas-Insel. Weil sie sich bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Orang-Utan Wunden am Rücken und am Auge zugezogen hatte, musste sie 2010 wieder nach Nyaru Menteng geholt werden. Nach drei Jahren in einem Käfigkomplex wurde sie 2013 schließlich auf die Insel Kaja gebracht. Die unabhängige Nora zeigte sich kaum in der Nähe der Fütterungsplattform, weil sie es offenbar spannender fand, die Insel zu erkunden und selbst Futter zu suchen. Vielleicht hatte sie aber auch Angst davor, wieder ihre geliebte Insel verlassen zu müssen. Nun hat die 16-Jährige ihre letzte Menschen-Reise angetreten. In Zukunft gestaltet sie ihre Reisen ganz alleine durch die Baumwipfel von Butik Batikap.

Das damals dreijährige Orang-Utan-Mädchen wurde 2006 aus einer Palmölplantage gerettet. Sie hatte Schrammen in Gesicht und Nacken, die auf frühere Misshandlungen hinwiesen. Nach der Waldschule kam Meklies auf die Kaja-Insel. Schnell fanden mehrere Männchen auf der Insel Gefallen an ihr. 2012 bekam sie ihren ersten Sohn, der Meklias genannt wurde. Die schöne Meklies liebt ihren Sohn über alles.

Meklias wurde 2015 drei Jahre alt. Mit den Erfahrungen, die seine Mutter während ihrer neun Jahre in Nyaru Menteng gemacht hat, wird Meklias nun direkt im Bukit-Batikap-Urwald lernen, wie man als wilder Orang-Utan lebt.

Mawar wurde im November 2000 von der Naturschutzbehörde in Palangka Raya beschlagnahmt, wo sie als Haustier gehalten wurde. Sie kam als 7-Jährige nach Nyaru Menteng – auf einem Auge blind. Nach der Waldschule lebte sie auf der BOS-Insel Kaja, wo sie eine der temperamentvollsten Orang-Utan-Damen war. 2012 bekam sie ihren ersten Sohn: Mumpuni. Nach 15 Jahren der Rehabilitation in Nyaru Menteng ist Mawar heute (August 2015) 22 Jahre alt.

Mumpuni ist ein richtiges Energiebündel. Er mag Menschen überhaupt nicht und versteckt sich immer sofort hinter seiner Mutter Mawar, wenn sich ein BOS-Mitarbeiter nähert. Mumpuni wurde 2015 drei Jahre alt. Jetzt leben beide im Regenwald von Bukit Batikap.

Sumeh wurde 2000 als Vierjährige in einer Wohnung in Palangka Raya beschlagnahmt. Sie war fast vollständig abhängig von Menschen – die Folge ihrer langen Gefangenschaft. Daher benötigte sie intensive Betreuung in der Waldschule, um ihre natürlichen Fähigkeiten und ihr wildes Verhalten zurückzuerlangen.

Während ihrer 15 Jahre der Rehabilitation hat Sumeh zweimal Nachwuchs auf der Insel Kaja bekommen. Ihre erste Tochter Gembira, die 2007 geboren wurde, lebt mittlerweile selbstständig. Sumehs zweites Kind, der 2014 geborene Sawung war noch auf die schützenden Arme seiner Mutter angewiesen.

Obwohl sie im Rehabilitationszentrum aufgewachsen ist, zeigt Sumeh ein überraschend natürliches Verhalten gegenüber ihrem Nachwuchs. Sie ist eine aktive und unabhängige Orang-Utan-Dame, die bewiesen hat, dass sie für das Leben im richtigen Urwald bereit ist. Sie wurde 2015 neuzehn  Jahre alt und lebt nun gemeinsam mit ihren Kindern Gembira und Sawung in Bukit Batikap.

Der kleine Sawung ist Sumehs jüngtes Kind und lebt zusammen mit seiner Mutter in Bukit Batikap. Gembira ist seine ältere Schwester.

Gembira heißt übersetzt „glücklich“. Sie ist Sumehs Tochter und deren erstes 2007 auf der Kaja-Insel geborenes Kind. Sie beherrscht vortrefflich den Nestbau, das Erkennen natürlicher Feinde und die Nahrungssuche. Neigierig und sehr aktiv erforschte sie die Insel gern auf eigene Faust. Wie ein wilder Orang-Utan meidet sie menschliche Nähe und verleiht ihrem Missfallen darüber mit typischen "Kussgeräuschen" Ausdruck. Mit ihren acht Jahren (2015) ist Gembira bereit, in ihrer Waldheimat zu leben – gemeinsam mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder Sawung.

Bento wurde 2004 in Jakarta aus einem Privathaushalt gerettet, wo man ihn als Haustier gehalten hatte. Die Naturschutzbehörde hatte ihn beschlagnahmt und an BOS übergeben. Er war damals schon 13 Jahre alt. Nach einigen Jahren der Eingewöhnung (Für Bento war die Gegenwart von Artgenossen fremd) konnte er auf die Flussinsel Kaja umgesiedelt werden. Dort legte er ein sehr dominantes Verhalten an den Tag, gebar sich Menschen gegenüber aggressiv und war am liebsten allein, was ganz typisch für erwachsene Orang-Utan-Männchen ist. Als dominantes Männchen bringt er stattliche 75 kg auf die Waage (2015), hat er ausgeprägte Backenwülste und ein langhaariges Fell. Bento findet sich sicher schnell in seiner neuen Heimat zurecht.

Samba wurde 2000 in dem Dorf „Samba“ beschlagnahmt, daher sein Name. Als einjährige Waise war er ohne seine Mutter aufgefunden worden. Die BOS-Waldschule absolvierte er im Rekordtempo und überall nahm man sich vor ihm in Acht, weil er bekannt für seine Abneigung gegen Menschen war. Bevor er seine Quarantänezeit vor der Auswilderung antrat, lebte er zufrieden auf der Flussinsel Palas, wo er sich zu einem dominanten Orang-Utan-Mann entwickelte. Er ist ganz besonders begabt darin, die leckersten Früchte zu finden und spürt auch das kleinste Termitennest auf. Von seinen männlichen Artgenossen wird er gefürchtet. Der 90-Kilo-Koloss wurde 2015 siebzehn Jahre alt und macht nun den Dschungel von Bukit Batikap unsicher.

Cheetah wurde 2001 nach ihrer Beschlagnahmung in Jakarta in Nyaru Menteng aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war sie drei Jahre alt und in keinem guten Zustand. Ihr rechter Daumen war von einem Messer so traktiert worden, dass die BOS-Tierärzte ihn nur noch amputieren konnten. Einige Monate nach der Operation gesellte sich Cheetah zu ihren Kameraden in der Waldschule. Nach der Waldschul-Zeit wurde sie auf die Palas-Insel gebracht, wo sie zu einer munteren Entdeckerin wurde. Allerdings erlitt sie dort einen schweren Sturz, der einen komplizierten Armbruch nach sich zog. Ihr musste eine spezielle Titaniumplatte eingesetzt werden. Nach der OP erholte sie sich schnell und ihr linker Arm ist nun wieder völlig funktionstüchtig. Mit 17 Jahren und nach 14 Jahren der Rehabilitation durfte die Orang-Utan-Dame ab August 2015 endlich die Freiheit in Bukit Batikap genießen.

Didik stammt ebenfalls aus einer Beschlagnahmung. Er kam im Jahr 2000 als Vierjähriger nach Nyaru Menteng. Nach einer zweimonatigen Quarantäne ging er zur Waldschule und danach auf die Kaja-Insel, um die finale Phase seiner Ausbildung zu beginnen. 2015 wurde er 18 Jahre alt und wog 75 kg. Der kleine Didik hat sich zu einem großen, dominanten Männchen mit voll ausgebildeten Backenwülsten entwickelt. Anhand seiner etwas nach hinten versetzten Stirn ist er leicht zu erkennen. Nun kann Didik seine Fähigkeiten und seine Unabhängigkeit als wirklich freier Orang-Utan im Wald von Bukit Batikap beweisen.