Die neuen Wilden - 2018

Wir freuen uns, Ihnen unsere Auswilderungskandidaten von 2018 vorzustellen. 
Die BOS Foundation wildert nicht nur rehabilitierte sondern auch sogenannte halbwilde Orang-Utans aus. Rehabilitierte Orang-Utans fielen sehr jung in die Hände von Menschen, wurden oft illegal als Haustiere gehalten und konfisziert bzw. mutterlos gerettet. Diese Orang-Utans besaßen zum Zeitpunkt ihrer Rettung kaum Fähigkeiten, um selbstständig in der Wildnis überleben zu können. Sie mussten sich einer längeren Rehabilitation bei BOS unterziehen. Halbwilde Orang-Utans haben zumindest einige Zeit mit ihren Müttern in der Wildnis gelebt. Zum Zeitpunkt ihrer Rettung besaßen sie ein gewisses Maß an natürlichen Fähigkeiten und Verhaltensweisen, um alleine in der Wildnis überleben zu können. Die meisten Orang-Utans, die BOS aktuell auswildert, haben im Schnitt zehn Jahre an unserem Rehabilitationsprogramm teilgenommen. Freilebende Orang-Utans haben eine Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren. Diese rotbraunen Menschenaffen haben also noch 30 bis 40 Jahre in Freiheit vor sich. Viel Erfolg, neue Wilde!

2005 stellten wir den damals noch Kleinen im Alter von zwei Jahren bei einem Dorfbewohner in Tumbang Samba in Zentral-Kalimantan sicher. Dieser behauptete, ihn von einem Palmölplantagen-Arbeiter abgekauft zu haben. Diese Geschichte hören wir häufig. In den meisten Fällen werden jedoch die Mütter getötet und ihre Babys dann für 350 Euro und mehr verkauft. Vermutlich ist auch dies Pongs tragische Geschichte. 
Als er nach seiner Rettung nach Nyaru Menteng kam, wog er 8,6 Kilo. Es sah ziemlich übel für ihn aus. Pong hatte kaum noch Fell, litt an Malaria und Typhus. Er verbrachte lange Zeit in Quarantäne, bis er sich gänzlich erholt hatte und keine Gefahr mehr für seine Artgenossen darstellte. Nachdem es dem Jungen besser ging, kam er in die Kindergartengruppe und später in die Waldschule, in der er alle Lern-Stadien durchlief. 
Der nunmehr junge Mann entwickelte sich gut, und so wurde er im April 2017 auf die Vorauswilderungsinsel Kaja umgesiedelt. Dort verbesserte er seine Kletter- und Futtersuchfähigkeiten nochmal erheblich, sodass er nun, mit 15 Jahren und stolzen 41,5 Kilo, als starkes Männchen, mit sich ausprägenden Wangenwülsten, in den Bukit Baka Raya Nationalpark ausgewildert werden kann. Viel Glück Pong!

Auch Jaka wurde 2007 einem Palmölplantagen-Arbeiter in Sebabi, Zentral-Kalimantan, abgenommen. Vermutlich wollte dieser ihn verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt war Jaka zwei Jahre alt und wog zehn Kilo. Nachdem er in Nyaru Menteng kurze Zeit in Quarantäne war, hatte er zunächst Schwierigkeiten sich in der Waldschule einzuleben. Im Gegensatz zu seinen Altersgenossen war er nicht so aktiv und lernte langsamer. Doch er holte seinen Rückstand wieder auf und absolvierte die Waldschule mit Bravour.
Im März 2016 zog Jaka auf die Vorauswilderungs-Insel Bangamat, wo er sich als unabhängiger und vor allem neugieriger Orang-Utan einen Namen machte. Heute ist Jaka 13 Jahre alt und wiegt satte 41,7 kg. Somit ist er mehr als bereit, in ein neues Leben zu starten.

Auch Rutan hat eine für unsere Schützlinge typische Vergangenheit. Sie kam 2006 nach Nyaru Menteng, nachdem wir sie von einem Dorfbewohner, der sie in West-Kalimantan als Haustier hielt, gerettet hatten. Rutan war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal drei Jahre alt und wog zehn Kilo. Nach der Quarantänezeit kam sie in die Waldschule, die sie 2009 beendete. 
Im Alter von 13 Jahren wurde sie 2016 auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat umgesiedelt. Hier wurde das Weibchen eine richtige Entdeckerin, ging Menschen  allerdings immer eher aus dem Weg. Nach zwölf Jahren in der Obhut von BOS ist Rutan bereit auf eigenen Beinen zu stehen und sich selbst zu versorgen. Mit 15 Jahren und 32,3 kg auf den Rippen, geht es nun auch für sie in den Bukit Baka Raya Nationalpark.

Das Weibchen wurde 2006 in einer gemeinsamen Rettungsaktion von BKSDA und BOSF nach Nyaru Menteng gebracht. Gezeichnet von den letzten sieben Monaten, in denen sie wie ein Menschenkind behandelt wurde, brachte sie mit ihren 2,5 Jahren lediglich 6,6 Kilo auf die Waage. Neben dem dramatischen Untergewicht war Agis bei ihrer Sicherstellung stark dehydriert.
Doch die Kleine erholte sich prächtig und absolvierte, nach einer kurzen Zeit in Quarantäne, die Waldschule. 2014 zog sie zunächst auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat, 2015 dann nach Kaja. Agis zeichnet sich durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit aus. Sie kommt schnell mit Artgenossen in Kontakt. Trotz ihrer eher sanften Natur kann sich aber auch gut verteidigen. 
Unsere Agis ist jetzt 14 Jahre alt und ausgerüstet mit alle, was sie zum Überleben in freier Wildbahn braucht. Auch sie wird in den Bukit Baka Raya Nationalpark ausgewildert. Wir wünschen ihr von ganzem Herzen alles Gute.

Haley wurde Ende 2008 aus einem Dorf in Zentral-Kalimantan gerettet und kam nach Nyaru Menteng. Damals war sie erst zweieinhalb Jahre alt und wog 16 Kilogramm. Sie kam zu uns in einem guten Gesundheitszustand. Nach der Quarantänephase besuchte die Orang-Utan-Dame die Waldschule. Dort entwickelte sich Haley zu einer fleißigen Schülerin.

Im Sommer 2016 zog Haley auf eine unserer Vorauswilderungsinseln weiter. Dort verfeinerte unsere emsige Affendame ihre Fertigkeiten und wurde schon bald immer unabhängiger und sehr wachsam.

Dreizehn Jahre alt und 38 Kilogramm schwer, ist Haley nun bereit für die endgültige Freiheit im Bukit Baka Bukit Raya-Nationalpark. Dickes Haar an den Wangen, runde Augen und eine vorstehende Stirn machen sie unverwechselbar.

Als Meong im Mai 2007 zu uns kam, war er in ziemlich schlechter Verfassung. Unterernährt, traumatisiert und stark dehydriert wog der Zweijährige gerade mal sechs Kilogramm.

Nach der obligatorischen Quarantänezeit durchlief der kleine Orang-Utan alle Stationen der Waldschule. 2016 kam auch er auf unsere Vorauswilderungsinsel Kaja Island. Dort entwickelte er seine eigenen Selbstverteidigungsmethoden, denn dominantes Verhalten gehörte noch nie zu seinen Stärken. Mittlerweile ist Meong auch Meister in Nestbauen und Nahrungssuche geworden.

Von seiner anfänglichen Zartheit merkt man heute nichts mehr. Der dreizehnjährige Orang-Utan-Mann wiegt mittlerweile stolze 49 Kilogramm. Mit seinen großen Wangenwülsten und einem langen goldenen Bart ist er eine auffallende Persönlichkeit. Es ist an der Zeit, dass er wieder in seinen natürlichen Lebensraum zurückkehrt; in den Bukit Baka Bukit Raya-Nationalpark.

Winzling Nabima wurde im September 2000 ins Schutzzentrum Nyaru Menteng gebracht. Es war ein Bild des Elends: Nabima war gerade erst drei Monate alt, mit nicht mal zwei Kilogramm war sie sehr untergewichtig und schwach. Dazu war das kleine Orang-Utan-Mädchen übersät mit Flöhen.

Vom ersten Tag an war sie ein Sorgenkind. Nabima war fast ständig krank, aber dank der hervorragenden Pflege unseres medizinischen Teams erholte sie sich immer schnell. Zwölf Jahre folgten, in denen die Kleine in der Waldschule alles lernte, was sie zum Überleben in der freien Natur brauchen würde. Seit 2012 konnte sie die erlernten Dinge auf Kaja Island ausprobieren und weiter entwickeln.

Mit ihrem scharfen Blick und dem dünnen goldenen Bart ist Nabima sehr anmutig. 18 lange Jahre dauerte ihre Rehabilitation. Aber es hat sich gelohnt! Nun kann auch sie in den Bukit Baka Bukit Raya-Nationalpark ausgewildert werden.

Tari ist die letzte im Bunde der neuen Auswilderungsrunde. Ende Januar dieses Jahres wurde die Fünfjährige aus einem Dorf in Zentral-Kalimantan befreit. Sie zeigte von Beginn an Verhaltensweisen, die darauf hinwiesen, dass dieses Orang-Utan-Mädchen in freier Wildbahn geboren und von einer liebenden Mutter aufgezogen wurde.

Tari kam in unser Schutzzentrum Nyaru Menteng, um sich vom Trauma der menschlichen Gefangenschaft zu erholen. Sie ist bei allerbester Gesundheit, wiegt zehn Kilogramm und ist vollständig unabhängig. Auch zeigt sie die für wilde Orang-Utans typische Abneigung gegenüber Menschen. Aus diesem Grund entschied unser Team, dass Tari die perfekte Kandidatin für eine rasche Wiederauswilderung in unseren Bukit Baka Bukit Raya-Nationalpark ist!

Arnold wurde 2006 im Rehabilitationszentrum Samboja Lestari geboren. Seine Mutter Amoy verstarb leider zwei Monate nach seiner Geburt an einer Atemwegsinfektion. Der kleine Waisenjunge kam somit in die Obhut unserer Babysitterinnen.

Alt genug für die Waldschule startete Arnold 2009 durch. Ohne Zwischenfälle konnte der junge Orang-Utan-Mann nach sechs Jahren die Schule erfolgreich abschließen. Nun ging es für zwei Jahre auf eine unserer Vorauswilderungsinseln in der Nähe des Rehabilitationszentrums. Zwei weitere Jahre später folgte die Umsiedlung auf die Insel Juq Kehje Sewen. Auf diesen beiden Inseln festigte und verfeinerte Arnold sein Waldschulwissen. Er wurde zu einem grandiosen Nestbauer und Futtersucher. Nun ist dieser Affenmann ein hervorragender Kandidat für die Auswilderung.

Arnold ist jetzt 12 Jahre alt und mit all seinen erworbenen Fähigkeiten mehr als geeignet, in seine natürliche Heimat im Kehje Sewen-Wald zurückzukehren.

Auch Totti wurde 2006 in Samboja Lestari geboren. Genau wie Arnold wurde er kurz nach seiner Geburt eine Waise. Seine Mutter Tukiyem verstarb an einer Lungenentzündung. Auch Totti wurde von unseren Babysitterinnen liebevoll großgezogen.

Es folgten knapp drei Jahre Kindergarten. Ab 2009 ging es dann in die Waldschule. Zusammen mit Arnold zog er 2015 nach erfolgreichem Waldschul-Abschluss auf unsere nahegelegene Vorauswilderungsinsel. Und ebenfalls gemeinsam mit Arnold folgte dann 2017 der Umzug nach Juq Kehje Sewen. Totti wurde auf diesen Inseln zu einem exzellenten Nestbauer und Futtersucher. Er verstand sich sehr gut mit den anderen Orang-Utans. Menschliche Nähe war ihm dagegen ein Graus.

Heute ist Totti 12 Jahre alt und bereit, ein neues Kapitel seines Lebens aufzuschlagen. Bereit, als wahrhaft wilder Orang-Utan den Kehje Sewen-Wald zu erforschen.

Derek kam erst 2009 in das Rehabilitationszentrum Samboja Lestari, nachdem er aus einem Dorf gerettet wurde. Bei seiner Ankunft war er knapp ein Jahr alt. Allerdings war er da schon mindestens vier Monate in Gefangenschaft. Bevor der Neuankömmling die Waldschule besuchen konnte, musste er zuerst einmal in die Quarantäne-Station.

Doch schon kurze Zeit später konnte Derek seine Ausbildung beginnen. Und so lernte er 2015 auf der Vorauswilderungsinsel Arnold und Totti kennen. Später zog er zusammen mit den beiden nach Juq Kehje Sewen. Während seines Aufenthaltes auf den beiden Vorauswilderungsinseln machte er große Fortschritte. Der junge Rote erkundete sehr aktiv die Insel, um Futter zu finden.

Nach nunmehr neun langen Jahren Rehabilitation ist der Zehnjährige jetzt bereit die Freiheit im Kehje Sewen-Wald zu kosten.

 

Seto wurde 2010 im Alter von gerade neun Monaten in einer Gemeinschaftsaktion mit der Naturschutzbehörde BKSDA gerettet. Die Kleine wog damals nicht mal vier Kilogramm und kam erst einmal in die Quarantäne-Station. 2012 feierte Seto ihre Einschulung in die Waldschule. Nach dem Zwischenstopp auf der Vorauswilderungsinsel ist nun, im Alter von acht Jahren, bereit für ein Leben in Freiheit, in der Wildnis des Kehje Sewen-Waldes.

Tinatun wurde 2008 in Samboja Lestari geboren. Ihre Mutter Titin konnte 2013 in die Freiheit entlassen werden. Tinatun brauchte noch mehr Zeit in der Waldschule, um alle wichtigen Wildniskenntnisse zu erlernen. Es folgten Jahre der Rehabilitation und der liebevollen Fürsorge von Babysitterinnen und medizinischem Personal. Am 22. Januar 2018 war es dann soweit: Tinatun kam auf eine unserer Vorauswilderungsinseln. Während dieser Zeit entwickelte sie sich zu einer sehr unabhängigen Orang-Utan-Dame, die menschliche Nähe oft mied. Am liebsten war sie allein hoch in den Baumwipfeln oder sie erkundete die Insel. Tinatun ist jetzt zehn Jahre alt. Dank ihres unabhängigen und wilden Naturells wurde sie eine unserer nächsten Auswilderungskandidaten. Tinatun ist absolut bereit für ein neues Leben im Kehje Sewen-Wald.

Sakura konnte Mitte Oktober 2012 aus der Gefangenschaft eines Dorfbewohners befreit werden. Zu diesem Zeitpunkt wog die damals Vierjährige nur knapp neun Kilogramm. Nach Ablauf der Quarantäne wurde die Affendame ein Teil der Waldschule, um dort ihre natürlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Während dieser Zeit wuchs sie zu einer unabhängigen Persönlichkeit heran, die zunehmend eine Abneigung gegen Menschen hegte. Das Orang-Utan-Weibchen wechselte Anfang September 2017 auf die Vorauswilderungsinsel Juq Kehje Sewen. Auf dieser Insel kamen sehr gut entwickelte Fähigkeiten in Sachen Nahrungssuche und Nestbau zum Vorschein. Sakura ist nun zehn Jahre alt und gut gerüstet mit allen nötigen Fähigkeiten, die ein Orang-Utan zum Überleben in der Wildnis braucht. Unsere Affenlady wird nun ihre Freiheit im Kehje Sewen-Wald genießen können.