Alba, der weiße Affe

Datum

Donnerstag, 18. Mai 2017 - 15:00

Die Geschichte eines ganz besonderen Orang-Utans geht um die Welt. Das etwa fünfjährige Weibchen wurde erst Ende April von BOS aus illegaler Gefangenschaft befreit. Zwei Tage musste es dort ausharren. Was aus seiner Mutter wurde, ist nicht bekannt.

Die Kleine zeigt noch deutlich wildes Verhalten. Mit fünf Jahren sind Orang-Utans noch von ihrer Mutter abhängig, der sie insgesamt bis zu acht Jahre lang durch die Baumwipfel folgen. Wie so viele seiner Art wird auch dieser junge Orang-Utan Traumatisches durch den Verlust seiner Mutter erlitten haben. Nun wird Alba, wie sie nach einer internationalen Namenskampagne genannt wird, in der Schutzstation Nyaru Menteng der BOS Foundation gesund gepflegt und wieder aufgepäppelt. Nach Möglichkeit soll sie bald wieder in der freien Natur leben.

 

Warum kann Alba nicht sofort zurück in den Wald?

Allerdings liegen die Dinge in diesem Fall etwas komplizierter: Dieser Orang-Utan ist ein Albino. Albas Haut, ihrem Fell und ihren Augen fehlt das Farbpigment Melanin. Ein genetischer Defekt, der auch bei anderen Tieren und auch bei Menschen vorkommt, hat zu dieser sehr selten anzutreffenden Mutation geführt. In 25 Jahren Praxis ist dies für die BOS Foundation der erste Fall eines albinotischen Orang-Utans. Dementsprechend liegen unseren Fachleuten auch keinerlei Erfahrungen vor. Auch andernorts ist über Orang-Utan-Albinos kaum etwas bekannt, so dass die Veterinärinnen und Veterinäre der BOS Foundation nun unter Hochdruck international nach Expertise suchen.

So hat BOS Deutschland zum Beispiel bei Prof. Dr. Barbara Käsmann-Kellner um eine Ferndiagnose gebeten. Die Humanmedizinerin, eine bekannte Kapazität für Albinismus und Augenheilkunde, hat sich sehr dankenswerterweise umgehend mit den Veterinären der BOS Foundation in Verbindung gesetzt. Ihre außergewöhnliche Patientin ist immerhin so menschenähnlich, dass wahrscheinlich sogar Seh-Tests an Kleinkindern, die noch nicht sprechen können, als Vorlage dienen können. Sie schrieb: „Ich bin ziemlich sicher, dass ein Test für kleine Kinder auch bei einem jungen Orang-Utan gut durchführbar ist und dass man so feststellen kann wie gut sie sieht bzw. wie schlimm ihre Sehbehinderung ist.“ 

Das junge Weibchen leidet offenbar unter sogenanntem okulokutanen Albinismus, also der Spielart, bei der sowohl Augen als auch Haut und Haare vom Melaninmangel betroffen sind. (Die andere Spielart wäre okularer Albinismus, der lediglich die Augen betrifft.) Zum Glück sind zumindest die Augen nicht völlig pigmentfrei; sie sind blau und nicht rot wie bei vollständigem Albinismus. Der BOS Foundation stellt sich nun vor allem die Frage, welche Überlebenschancen Alba voraussichtlich haben wird, das heißt ob man sie guten Gewissens je wieder wird auswildern können. Natürliche Fressfeinde haben gesunde, erwachsene Borneo-Orang-Utans so gut wie keine, so dass die bessere Sichtbarkeit des weißen Fells langfristig wohl eher kein Problem darstellt. Allerdings unterliegt Alba durch ihre sehr helle Haut unter der Tropensonne wahrscheinlich einem verstärkten Hautkrebsrisiko. Dazu kommt die Frage, wie ihre Artgenossen auf ihre so andersartige Erscheinung reagieren. Wird sie dennoch akzeptiert oder vielmehr ausgegrenzt oder gar attackiert? Fragen, die in nächster Zeit geklärt werden müssen.

 

Albas Sehfähigkeit

Aktuell konzentrieren sich die Untersuchungen allerdings auf ihre Augen. Bei Albinismus sind diese nicht nur sehr lichtempfindlich, sondern überhaupt oft in ihrer Sehstärke herabgesetzt. Manchmal sind die Sehnerven dergestalt in Mitleidenschaft gezogen, dass das betroffene Tier (oder auch der betroffene Mensch) die visuellen Eindrücke beider Augen nicht richtig auseinander halten kann. Auch die Fähigkeit, scharf zu sehen, ist mitunter eingeschränkt. Hinzu kann ein mehr oder weniger ausgeprägter Strabismus (Schielen) kommen, der besonders das räumliche Sehen beeinträchtigt. Orang-Utans orientieren sich wie alle Primaten ganz wesentlich visuell, schließlich müssen sie perfekt in den Baumkronen zurechtkommen. Die Frage nach dem Sehvermögen ist daher essentiell. Unser junger Albino kann nach den ersten Untersuchungen wohl recht gut sehen, aber das muss noch im Einzelnen abgeklärt werden.

In jedem Fall ist Alba, unser neuester Zögling, eine ganz außergewöhnliche Botschafterin ihrer Art. Nicht umsonst wurde sie so genannt, denn „Alba“ bedeutet auch Sonnenaufgang. Ein Hoffnungsschimmer sozusagen.

 

Hier sehen Sie das Video zu Albas Namenskampagne

 

Fast fünf Kilogramm hat das einzigartige Orang-Utan-Mädchen seit ihrer Rettung schon zugenommen. 


 

Unser Albino-Orang-Utan in der Presse
 

Deutschland (Auswahl):

Spiegel Online: Das ist Alba 

Spiegel Online: Geben Sie dem Affen einen Namen

n.tv: Albino-Orang-Utan hat einen Namen

News RTL 2.de: Albino-Orang-Utan hat jetzt einen Namen

MDR.de: Albino-Orang-Utan heißt nun Alba

greenpeace magazin.de: Albino-Orang-Utan heißt Alba

Berliner Zeitung.de: Tausende Vorschläge. Albino-Orang-Utan heißt jetzt Alba

Morgenpost.de: Albino-Orang-Utan auf Borneo hat einen Namen: Alba

Hamburger Abendblatt.de: Primaten-Fans taufen Albino-Orang-Utan auf den Namen Alba

Südkurier.de: Extrem seltener Albino-Orang-Utan hat nun einen Namen

 

International (Auswahl):

Washington Post: Albino named Alba

Dailymail: Albino orangutan named 'Alba' after worldwide appeal

rtlnieuws.nl: Opvang kiest naam voor zeldzame albino orang-oetan

ad.nl: Extreem zeldzame Albino orang-oetan krijgt naam

laRazon.com: La orangutana albina de Indonesia recibe el nombre de 'Alba'

rtl.fr: EN IMAGE - Cette femelle orang-outan albinos est une miraculée

Sympatico.ca: Voici Alba, l’orang-outan albinos

origo.hu: Megkapta nevét az albínó orangután

StarTribune.com: Albino-Orang-Utan named Alba afterworldwide Appeal