Albino-Orang-Utan Alba darf zurück in den Regenwald

Datum

Dienstag, 18. Dezember 2018 - 8:30

Der weltweit einzige bekannte Albino-Orang-Utan Alba darf zurück in den Regenwald. Am 18. Dezember macht sich das sechsjährige Weibchen auf den Weg zu ihrem Auswilderungsort im Bukit Baka Bukit Raja (BBBR) Nationalpark.

Am 29. April 2017 hatte die BOS Foundation Alba aus der Gefangenschaft in einem Dorf in Zentral-Kalimantan befreit. Seither lebt sie im BOS-Schutzzentrum Nyaru Menteng, wo sich Experten um das außergewöhnliche Tier gekümmert haben. Lange war nicht klar, ob Albas körperliche Verfassung eine Rückkehr in die Freiheit des Regenwaldes zulassen würde.
Doch Alba hat – wieder einmal – alle überrascht: Auch nach der Zeit im BOS-Rettungszentrum zeigt sie noch immer ausgeprägtes wildes Verhalten. Innerhalb der Gruppe Orang-Utans, mit denen Alba das vergangene Jahr zusammenlebte, nahm das Albino-Mädchen die dominante Position ein. Ihr Gesundheitszustand ist sehr gut. Selbst ihre Sehschwäche aufgrund ihres Albinismus behindert sie, soweit wir feststellen konnten, nicht beim Klettern. Immerhin verbrachte Alba die ersten fünf Jahre ihres Lebens im Regenwald, ehe sie für zwei Tage in menschliche Gefangenschaft geraten war. „Seit Alba ins BOS-Schutzzentrum Nyaru Menteng kam, hat sich ihre körperliche Verfassung deutlich verbessert“, berichtet Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foundation. „Sie beweist erfreuliche Kletterfähigkeiten und bewegt sich mühelos in den Bäumen, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass Alba bereit ist, in freier Wildbahn zu leben.“

 

Die Entscheidung


Albas Auswilderung in den Regenwald wird von der indonesischen Regierung unterstützt und gefördert. „Die Entscheidung, Alba wieder in den Wald zurückzubringen, fiel im Rahmen des Engagements der Regierung - in diesem Fall des Ministeriums für Umwelt und Forstwirtschaft - für den Schutz aller Wildtiere Indonesiens, einschließlich der Orang-Utans und ihres Lebensraums. Als ausführender Partner der Auswilderung bemüht sich die BOS Foundation mit all ihrer Expertise und jahrzehntelangen Erfahrung die Pläne der Regierung zu unterstützen und diese Auswilderung so erfolgreich wie möglich zu gestalten“, erklärt Dr. Jamartin Sihite.

So schätzt auch Indra Explotasia, ein hoher Vertreter des indonesischen Umwelt und Forstministeriums, diese Auswilderung: „Die Regierung hat die Verpflichtung, die Wildtierbestände in ihren natürlichen Lebensräumen zu erhöhen. Nach den geltenden Vorschriften können Tiere in ihren natürlichen Lebensraum entlassen werden, sofern sie sich in guter körperlicher Verfassung befinden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Orang-Utans einst im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark heimisch waren. Jede Auswilderung erhöht die genetische Vielfalt.“


Alba kommt in die Transportbox - Copyright BOSF

Alba kommt in die Transportbox - Copyright BOSF

 

Nicht allein


In ihr neues Leben in Freiheit wird Alba gemeinsam mit ihrer besten Freundin Kika starten. Kika wurde im Februar 2017 in einem Dorf in Zentral-Kalimantan beschlagnahmt, wo sie illegal als Haustier gehalten worden war. Das heute sieben Jahre alte Weibchen zeigte seit ihrer Rettung sehr deutlich wildes Verhalten. Auf die Gegenwart von Menschen reagiert sie, wie Alba auch, instinktiv mit Flucht. Eine gute Voraussetzung für ihr künftiges Leben in Freiheit.


Kika kommt in die Transportbox - Copyright BOSF

Kika kommt in die Transportbox - Copyright BOSF

Albas und Kikas Käfige werden voraussichtlich im Laufe des 19. Dezember im Regenwald geöffnet werden. Informationen darüber, wie den beiden Orang-Utans ihre neue Heimat gefällt, erhalten wir erst, wenn das Auswilderungsteam der BOS Foundation wieder zurück in der Zivilisation ist.

 

Immer im Blick


Im Regenwald wird Alba sich selbstverständlich nicht selbst überlassen. Das erfahrene Team der BOS Foundation wird durch extra geschultes Personal der regionalen Naturschutzbehörde (BKSDA) und Rangern des Nationalparks BBBR verstärkt. Über einen implantierten Peilsender kann das Beobachtungsteam Albas Aufenthaltsort im Regenwald lokalisieren. So kann das Team Alba intensiv beobachten und sicherstellen, dass sie in ihrem neuen Leben zurechtkommt.

„Abgesehen von ihrer Sehstörung aufgrund ihres Albinismus, ist Alba in guter körperlicher Verfassung“, erklärt Dr. Agus Fahroni, Cheftierarzt der BOS Foundation in Nyaru Menteng mit über zehn Jahren Erfahrung als Orang-Utan-Veterinär. „Aufgrund ihrer Sehbehinderung werden wir ihre Fähigkeit, sich sicher durch den Regenwald zu bewegen und genügend Nahrung zu finden, nach ihrer Freilassung sehr sorgfältig überwachen. Wir haben in der Vergangenheit bereits Orang-Utans mit Sehstörungen freigelassen, aber erst wenn wir Alba im Wald sehen, können wir sicher wissen, wie sehr sich dies auf ihr tägliches Leben auswirkt. Aufgrund des Melaninmangels in der Haut von Albinos sind diese besonders anfällig für Hautschäden durch die UV-Strahlung der Sonne. Wir müssen daher auch Albas Haut genau beobachten. Und auch, ob sie sich eher dem Sonnenlicht aussetzen wird oder Schutz unter dem dichten Blätterdach der Bäume sucht.“

Das Beobachtungsteam wird Alba mit der sogenannten Nest-zu-Nest-Methode intensiv im Auge behalten. Das heißt, man folgt ihr, bis sie sich in ihrem Schlafnest zur Ruhe begibt und startet am nächsten Morgen mit ihr, wenn sie sich im Regenwald auf Futtersuche begibt. Die Kunst für die erfahrenen Beobachter besteht darin, Alba im unwegsamen Gelände auf der Spur zu bleiben, ohne sie durch die menschliche Präsenz aufzuregen oder – schlimmer noch – sie daran zu gewöhnen. Denn nur, wenn sie sich von Menschen fernhält, hat sie eine sichere Zukunft im Regenwald.


Alba ist bereit für die Reise in den Regenwald - Copyright BOSF

Alba ist bereit für die Reise in den Regenwald - Copyright BOSF

Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland e.V.: „Wir von BOS Deutschland freuen uns für Alba, die nun die Chance erhält, ihr weiteres Leben in ihrem natürlichen Habitat zu verbringen. Sie ist somit nicht nur ein Symbol für die Überlebensfähigkeit ihrer Art geworden, sondern auch das schönste Weihnachtsgeschenk für alle, denen das Schicksal der Waldmenschen am Herzen liegt.“

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