Bettensuche – Wo ein Schlafnest ist, war auch ein Orang-Utan

Datum

Donnerstag, 12. Dezember 2019 - 9:00

Schlafnester unserer ausgewilderten Orang-Utans aufzuspüren, ist für unsere Monitoring-Teams in etwa so leicht wie eine Ostereiersuche. Eine wahre Sisyphus-Arbeit! Die Nester müssen gefunden werden, um Rückschlüsse über den Verbleib und die Bewegungen der Waldbewohner ziehen zu können. Diese halten sich nämlich gerne versteckt. Sie sind sogar echte Meister im Verbergen.

Beobachtung der neuen Waldbewohner

Um herauszufinden, wie die erst frisch in die Freiheit entlassenen Orang-Utans im Wald zurechtkommen, überwacht unser Post-Release-Monitoring-Team (PRM) die Neuankömmlinge in der ersten Zeit täglich. So soll sichergestellt werden, dass sich die ehemaligen Schützlinge an ihre Umgebung anpassen und in freier Wildbahn prächtig entwickeln.

Große Bäume und ein Überfluss an natürlicher Nahrung im üppigen Regenwald sind die ideale Umgebung für die "Waldmenschen”, welche ihr neues Zuhause meist erst einmal ausgiebig erkunden. Während wir es sehr begrüßen, dass die neuen Waldbewohner ihr neues Territorium gründlich inspizieren und erforschen, stellt es uns dennoch vor große Herausforderungen. Denn um die neugierigen Orang-Utans mit ihrem unermüdlichen Bewegungsdrang ausreichend überwachen zu können, müssen unsere Mitarbeiter permanent durch den Wald streifen, um sie zu orten.

Nestersuche als manuelle Trackingmethode

Unsere ausgewilderten Orang-Utans tragen in die Haut implantierte winzige Transmitter, die das Auffinden erheblich vereinfachen. Wenn nach ungefähr einem Jahr die Batterien leer sind, muss unser Team auf andere Methoden zurückgreifen, um die Tiere aufzuspüren.

Eine davon ist das Finden und Zuordnen von Nestern. Für geübte Augen sind diese wie Fußspuren. Aber da unsere Artverwandten innnerhalb kürzester Zeit weite Strecken zurücklegen können, muss das Team die Gegend meist trotzdem für einige Tage durchforsten, bis es ein Nest findet. Und selbst dann sind häufig noch keine Orang-Utans zu sehen.

Eintauchen in die Wissenschaft der Nester

Das Aussehen der Nester sagt eine Menge über den Bewegungsradius der Orang-Utans aus. Der Zustand des Blättergeflechts lässt auf den Zeitpunkt schließen, an dem sich der rothaarige Waldbewohner hier zum Ausruhen niedergelassen hat.

Orang-Utan-Nest Typ A

Orang-Utan-Nest Typ A

Orang-Utan-Nest Typ B

Orang-Utan-Nest Typ B

Orang-Utan-Nest Typ C

Orang-Utan-Nest Typ C

Orang-Utan-Nest Typ D

Orang-Utan-Nest Typ D

Wenn die Blätter des Nests noch grün und nicht verwelkt aussehen, wird das Nest als Typ A klassifiziert. Bei dieser Art Nest wird davon ausgegangen, dass es vor weniger als drei Tagen gebaut wurde. Darüber hinaus gibt es noch die Klassifizierungen des Typs B, C oder D, je nachdem wie alt das jeweilige Nest ist. Wenn wir zwei oder mehr Nester desselben Typs und damit ungefähr desselben Alters finden und diese nicht allzu weit voneinander entfernt sind, können wir in der Regel die Fortbewegung eines bestimmten Orang-Utans abschätzen. Leider passiert das nicht allzu oft.

In der Wildnis sind Orang-Utans von den vorhandenen Materialien abhängig, welche in der Gegend auffindbar sind, in der sie ihre Schlafnester bauen wollen. Häufig finden wir mehr als nur ein Nest in Bäumen, die gerade Früchte tragen. Manche Primaten mögen es, alte Nester erneut zu nutzen oder zu reparieren, besonders wenn sie relativ frisch gebaut worden sind.

Es gab Zeiten, in denen wir innerhalb eines Tages mehrere Nester fanden, aber trotz alledem keinen einzigen Orang-Utan sichteten. Doch die Tatsache, dass die gefundenen Nester als Typ A klassifiziert wurden, lässt immerhin darauf schließen, dass die in dieser Gegend umherstreifenden Orang-Utans gesundheitlich fit waren. Und das ist für uns das Wichtigste, dass unsere ausgewilderten Schützlinge ihr Leben gesund in Freiheit verbringen können.

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