Der Freiheit einen Schritt näher

Valentino und sieben weitere Orang-Utans starten auf der Walduniversität

Datum

Dienstag, 18. Mai 2021 - 22:00

Der erste Tag an der Uni ist ein großer Tag. Man lässt die Kindheit hinter sich, meist das Elternhaus und die alten Freunden. Man beginnt einen neuen Lebensabschnitt voller Freiheit, spannender Erfahrungen, großer Selbstständigkeit und neuer Freunde. Aber auch ein Leben mit größerer Verantwortung, neuen Aufgaben und Herausforderungen. Genauso erging es Valentino, Cinta und sechs weiteren Orang-Utans, die jetzt auf der Vorauswilderungsinsel ihren letzten Ausbildungsabschnitt begonnen haben.

In unserem Rettungszentrum Nyaru Menteng haben Cinta, Valentino, Jumbo, Hanin, Jiga, Petruk, Gonzales und Timpah zuletzt sehnsüchtig in den Sozialisierungskäfigen ausgeharrt, ehe es für sie nun endlich auf die Vorauswilderungsinsel Badak Besar, die zum Salat Island Cluster gehört, gehen konnte. In einem ersten Trip wurden Valentino, Jumbo, Cinta und Hanin zur Insel gebracht, die vier anderen Waldmenschen folgten zwei Tage später. 

Um die Tiere vor der Reise noch einmal durchzuchecken und sicher in die Transportboxen zu verladen, müssen sie sediert werden. Immer ein etwas stressiger Moment für die Orang-Utans. Doch diesmal reagierten einige mit aufgestellten Haaren und Kusslauten – deutliche Unmutsäußerungen – auf unser Team. Das Problem: Alle Mitarbeiter waren aufgrund unserer strengen Gesundheitsprotokolle von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung gehüllt, um vor COVID-19 geschützt zu sein. Ein Anblick, der die Orang-Utans schwer irritierte.
Alle Orang-Utans und die Mitarbeiter, die an dem Transfer beteiligt waren, wurden einem PCR-Test unterzogen, um sicherzustellen, dass sie nicht Träger von COVID-19 sind und die Krankheit möglicherweise in einem größeren Gebiet verbreiten könnten.


Die Transportboxen werden auf das Schnellboot geladen

Die Transportboxen werden auf das Schnellboot geladen

Mit einem Schnellboot ging es dann zur Vorauswilderungsinsel. Etwa vier Stunden dauerte die Reise, da wir einige Umwege in Kauf nahmen, um Begegnungen mit Anwohnern zu vermeiden. Auch aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Ankunftszeit auf der Insel war jeweils in den heißen Mittagsstunden.


Vier Stunden dauert die Reise auf der "Dschungelautobahn"

Vier Stunden dauert die Reise auf der "Dschungelautobahn"

Ganz unterschiedlich reagierten die frischgebackenen Waldstudenten auf ihre neue Heimat. „Orangutan Jungle School“-Star Valentino zum Beispiel war sichtlich verwirrt, als sein Käfig geöffnet wurde. Er hatte die zurückliegenden Monate in einem Einzelgehege unter vollkommen anderen Bedingungen gelebt als jetzt auf der Vorauswilderungsinsel. Da kann man schon mal baff vor Staunen sein.


Valentinos erste Schritte auf der Insel

Valentinos erste Schritte auf der Insel

Jumbo hingegen schoss aus seinem Käfig und schnappte sich gleich einige Bananen, wobei er unser Team völlig ignorierte. Als Cinta ihren Käfig verließ, versuchte sie, sich Mitgliedern des Teams zu nähern. Aber zum Glück erregte Hanin, die bereits hoch oben in einem Baum saß und leckeres Dschungelobst genoss, ihre Aufmerksamkeit.


Jumbo hat sich Bananen geschnappt. Valentino ist noch etwas verunsichert

Jumbo hat sich Bananen geschnappt. Valentino ist noch etwas verunsichert

Zwei Tage später, bei der zweiten Vorauswilderung, verließ Timpah schnell ihre Box auf der Suche nach Waldfrüchten. Sie ignorierte die Anwesenheit unseres Teams völlig und konzentrierte sich direkt auf das verlockende Obst an der Futterplattform. Zwei Männchen, Gonzales und Petruk, taten das Gleiche, entschieden sich aber für einen Platz oben in den Bäumen.


Timpah hat sich einen guten Beobachtungsposten gesichert

Timpah hat sich einen guten Beobachtungsposten gesichert

Zuletzt wurde Jigas Käfig geöffnet, da das 14-jährige Männchen für sein aggressives Verhalten bekannt ist. Und er machte seinem Ruf alle Ehre. Sofort nach dem Verlassen seines Käfigs geriet er in einen Kampf mit Petruk, während Timpah aus der Nähe zuschaute, während sie eine schmackhafte Mahlzeit genoss.


Gonzales schwingt sich durch die Äste

Gonzales schwingt sich durch die Äste

Aufgeputscht von seinem Kampf mit Petruk, richtete Jiga dann seine Aufmerksamkeit auf unsere Teammitglieder, die sich schnell auf das sichere Boot zurückziehen mussten. Bei der eiligen Flucht aufs Schiff kam es zu einigen Stürzen. Aber am Ende kamen alle sicher an Bord. Da Jiga deutlich gemacht hatte, dass er auf menschliche Beobachter so gar keine Lust hatte, ließ das Team die Orang-Utans erstmal in Ruhe ihr neues Leben beginnen und fuhr zurück nach Hause.  


Jiga macht klar, wer der Boss ist

Jiga macht klar, wer der Boss ist

Viel Erfolg an der Walduni, wünschen wir den acht Orang-Utans! Seid schön fleißige Studenten, dann dürft ihr auch bald in den Regenwald einziehen.

 

Möchten Sie einen unserer Waldschüler auf seinem Ausbildungsweg begleiten und ihm dabei Stück für Stück sein Leben in Freiheit zurückgeben? Dann werden Sie Pate!

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