Der König des Waldes

Datum

Montag, 17. April 2017 - 12:00

Der sogenannte Long Call ist der weithin schallende, charakteristische Territorial-Ruf eines dominanten Orang-Utan-Männchens. Das sind die mit den dicken Backenwülsten. Männliche Orang-Utans können nämlich zwei Entwicklungsphasen durchlaufen: Zunächst werden sie ganz normal geschlechtsreif und unterscheiden sich äußerlich nur wenig von den Weibchen. Manche bleiben ihr ganzes restliches Leben in diesem Stadium, manche aber erfahren eine Art zweiten Schub.

Dann wachsen sie noch einmal ein gutes Stück und entwickeln die charakteristischen Backenwülste. Nur solche Männchen besitzen ein eigenes Revier mit eigenen Weibchen, und wehe, ein konkurrierendes Männchen sieht das anders.

Um die Verhältnisse aus seiner Sicht klarzustellen und seine Damen zu beeindrucken, lässt ein Orang-Utan-Mann eben den Long Call ertönen. Für die Frauen sind nur solche Männer richtige Kerle.

Manchmal bringen die Orang-Utan-Männchen mit ihrem Ruf auch Unmut gegenüber menschlicher Anwesenheit zum Ausdruck. Ertönt der Long Call, kann das für unser Post-Release-Monitoring-Team aus dem Süden des Kehje Sewen-Waldes nur eines heißen: Rafli, der König des Waldes, ist in der Nähe!

Rafli, der König des Waldes, ist zurück

Zuletzt konnte man Rafli im Sommer 2018 beobachten. Er ist für seine Größe und Dominanz bekannt. In Kehje-Sewen lebt Rafli seit Oktober 2016. Das damals 24 Jährige Männchen wog 75 Kilogramm und hatte bereits ausgeprägte Backenwülste. Niemand käme auf die Idee, sich mit ihm anzulegen. Wenn Rafli kommt, ziehen sich andere Männchen lieber zurück, bevor sie einen ungleichen Kampf provozieren.


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Rafli, der König des Waldes, ist zurück

Vor einigen Tagen ertönte während einer Mittagspause im Camp ein vertrauter Long Call. „Er ist zurück!“, vermutete ein Teammitglied. Nachdem die Gruppe so schnell wie möglich alles Nötige zusammengepackt hatte, versuchte sie herauszufinden, aus welcher Richtung der Ruf kam. Rund 500 Meter weiter bestätigte sich, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lagen. Rafli saß hinter einigen Büschen auf dem Boden und aß saftige Triebe. In dem Bewusstsein, dass Rafli ein aufmerksamer Beobachter ist, bewegte sich unser Team von nun an stets vorsichtig und leise. Sie folgten Rafli und machten sich Notizen. Er saß stundenlang in den Baumkronen und aß Früchte, Lianen und Blätter.

Der große Orang-Utan-Mann machte einen gesunden Eindruck und verschwand am Nachmittag wieder in den Weiten von Kehje Sewen.

Rafli ist ein echter wilder Orang-Utan geworden, der sich in seinem neuen Zuhause wunderbar eingelebt hat. Er ist nicht nur ein guter Futtersammler, sondern kann auch wirksam sein Territorium verteidigen. Bei den Orang-Utan-Frauen steht er hoch im Kurs. Rafli ist sozusagen der König von Kehje Sewen!

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