Eine Herkules-Aufgabe

Datum

Montag, 7. Oktober 2019 - 17:00

Unser Schützling Marlies musste trotz ihres jungen Alters bereits viele Schicksalsschläge einstecken. Sie war vier Jahre alt, als sie bei uns im Rehabilitationszentrum ankam, nachdem sie im März 2003 aus illegaler Haustierhaltung gerettet wurde. Nachdem sie in der Waldschule schnell als unabhängig und clever galt, schien es, als stünde ihrer Auswilderungskarriere nichts im Wege. So kam sie auf die Vorauswilderungsinsel, um ihre rasch erlernten Fähigkeiten zu verfeinern und unter Beweis zu stellen.

Ein Rückschlag

Als unsere Mitarbeiter im Jahr 2010 erstaunt feststellten, dass Marlies schwanger war, wurde sie sicherheitshalber zurück auf die Station geholt, wo sie ihre Tochter Maureen im Jahr 2011 gebar. Ein Jahr nach dieser Unterbrechung konnte das Mutter-Tochter-Duo erneut auf die Vorauswilderungsinsel ziehen. Im Jahr 2015 mussten die beiden traurigerweise getrennt werden, da Mutter Marlies eine ansteckende Infektionskrankheit bekam. Zum Glück nahm sich Orang-Utan-Dame Belinda des unfreiwillig zurückgelassenen Schützlings Maureen an und baute eine starke Bindung zu ihr auf. Im Jahr 2017 konnten die beiden gemeinsam erfolgreich ausgewildert werden.

Mutter kann Tochter in Freiheit folgen

Heute ist Mutter Marlies 20 Jahre alt und nach 16 Jahren Rehabilitation endlich bereit, ihrer Tochter als eigenständiger, wildlebender Orang-Utan in den Wald von Kehje Sewen zu folgen. Wir sind sehr gespannt darauf, wie es sein wird, wenn die beiden sich in Freiheit erneut begegnen.

Die Reise beginnt

Neben Marlies machten sich des Weiteren auch Arman, Randy und Sumirah auf die 500 Kilometer lange Reise zum Auswilderungsgebiet.


Die Orang-Utans werden für die Reise vorbereitet

Die Orang-Utans werden für die Reise vorbereitet

Nachdem die Tiere narkotisiert wurden, um hoffentlich zum letzten Mal in die Transportkäfige gebracht zu werden, begann die große Reise.


Eine Reise auf schlammigen Wegen

Eine Reise auf schlammigen Wegen

Mit ihren 12 Stunden Dauer war die Fahrt wie immer ein harter und schwerer Prozess, eine regelrechte Herkulesaufgabe. Sie bedeutete Fahrten auf steilen und schlammigen Wegen sowie eine Flussüberquerung.


Die Flussüberquerung

Die Flussüberquerung

An den Straßenrändern sah man aufgrund der vielen Rodungen in diesem Gebiet oft verwaiste und zerstörte Trucks. Früher wurde dort illegal abgeholzt, wofür gepflasterte Straßen angelegt wurden, um die Arbeit zu beschleunigen und tiefer in den Wald eindringen zu können. Doch die einst so zerstörerischen Trucks sind mittlerweile mit Moos, Ranken und anderen Pflanzen überwuchert und legen ein stummes Zeugnis über den dort verübten Raubbau ab.

Geschafft!

Durchgeschwitzt und erschöpft erreichte das Team um vier Uhr nachmittags endlich das Camp im Norden.

Am nächsten Tag um vier Uhr morgens des 28. September machten sich mehrere Mitarbeiter der BOS Foundation auf, um die Auswilderungsspots für die vier Orang-Utans endgültig festzulegen.

Derweil wurden Arman, Marlies, Randy und Sumirah ein letztes Mal untersucht, um sicherzustellen, dass sie wirklich bereit für die Auswilderung waren. Dank der guten Arbeit der Auswilderungs-Veteranen und Pfleger befanden sich die vier in einem guten gesundheitlichen Zustand und waren bereit für das freie Leben in der Wildnis.

Die letzte Strecke zu den Auswilderungsstellen war besonders steil und durch den vorangegangenen Regen extrem matschig, was es nicht unbedingt einfacher machte, mit den Trucks voranzukommen.


Die letzten Meter vor dem Auswilderungsspot

Die letzten Meter vor dem Auswilderungsspot

Nachdem aber schließlich die Käfige geöffnet werden konnten, zog sich das Team in eine gewisse Distanz zurück, um den Orang-Utans genügend Freiraum zu bieten. Aus sicherer Entfernung war klar zu erkennen, dass sich die Waldmenschen hier wohl fühlen und ihr freies Leben in der Wildnis genießen würden.

Rehabilitation und Auswilderung dieser Tiere wurde nur durch die Arbeit vor Ort von BOSF und durch die Unterstützung unserer Spender und Partner von BOS Schweiz, StO, BOS Großbritannien und BOS Australien möglich gemacht.

Mit dieser Auswilderung haben wir bereits 115 Orang-Utans im Wald von Kehje Sewen ausgewildert. Leider nähern wir uns damit der Kapazitätsgrenze dieses Gebietes, wo maximal 150 Orang-Utans leben können. Wir suchen daher unter Hochdruck nach neuen und sicheren Auswilderungsgebieten.

Auch Sie können uns dabei unterstützen. Werden auch Sie ab 5 € pro Monat zum Orang-Utan-Retter. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regenwald und damit auch unserem Klima.

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