Findige Angler

Datum

Mittwoch, 16. Januar 2019 - 13:00

Orang-Utans nutzen Werkzeuge, ganz ähnlich wie Bonobos und Schimpansen. Das ist im Prinzip nichts Neues, wurde bisher aber selten systematisch erforscht. Die Wiener Biologin Dr. Isabelle Laumer hat nun Orang-Utans vor die vordergründig simple Aufgabe gestellt, Futterkörbchen aus durchsichtigen senkrechten und waagrechten Röhren zu holen.

Nur mit den Fingern konnten die Menschenaffen das Futter nicht erreichen, wohl aber mit einem mitgelieferten Draht. Dieser Draht war aber nur das Rohmaterial: Im Fall der senkrechten Röhre mussten die Orang-Utans einen Haken in den Draht biegen, um die Körbchen heraus zu angeln. Das Futter in der waagrechten Röhre war dagegen nur mit Hilfe eines geraden Drahtes herauszuschieben, der aus einem vorher gebogenen Stück extra zu begradigen war.

Die Orang-Utans bewältigten diese Aufgaben, auf die sie nicht vorbereitet waren, schnell und wie selbstverständlich. „Der Hakenbiege-Test“ ist zu einem Vergleichsmaßstab geworden, um in der vergleichenden Psychologie die Fähigkeit zu testen, Werkzeuge innovativ einzusetzen, so die Co-Autorin der Studie, Dr. Alice Auersperg. Kinder können das Problem oft erst ab dem achten Lebensjahr lösen. Das soll daran liegen, dass zur Lösung komplexer Probleme mehrere unbelohnte Teilschritte nötig sind, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Fähigkeit dazu würde im menschlichen Hirn erst relativ spät reifen, so Dr. Laumer.




 

 

Der intelligente Einsatz von Werkzeugen und überhaupt von Gegebenheiten der Umwelt ist bei freilebenden Orang-Utans allerdings schon öfter beobachtet worden. So nutzen sie beispielsweise nicht nur breite Blätter als Regenschirme, sondern wählen bei diversen Erkrankungen mitunter Heilpflanzen aus. So etwas ist nicht angeboren, sondern muss entweder durch Erfahrung gelernt oder aber sozusagen kulturell tradiert werden. Die Menschenaffen schauen sich solche Fertigkeiten und Kenntnisse von ihren Müttern oder anderen Artgenossen ab. Nicht zuletzt deswegen kommt es gerade bei Menschenaffen auf jedes einzelne Individuum an. Man weiß nie, was ein einzelner Affe an individuellen Techniken weitergeben kann und so unter Umständen die Überlebens- und Reproduktionsfähigkeit einer Population verbessert.

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Quelle:

https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detail...

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