„Human-driven"

Datum

Donnerstag, 29. November 2018 - 16:00

Wir hatten darüber berichtet: Vor drei Jahren wüteten die seit langem schlimmsten Waldbrände in Kalimantan. Sie flammen fast jedes Jahr auf. 2015 aber legte sich eine derart dichte und weite Glocke aus Rauch und Asche, die sogenannte Haze, über ganz Südostasien, dass Indonesien bei seinen Nachbarländern in ernsthafte diplomatische Schwierigkeiten geriet. Woher kam dieser giftige Smog, der die Luft gelb färbte, genau und wie kam es dazu? Das haben Wissenschaftler aus Singapur und den USA herausgefunden bzw. bestätigt.

Auf dem Campus der Singapurer Universität wurden Proben der Ascheteile gesammelt und in den USA auf Alter, Herkunft und Zusammensetzung untersucht sowie mit den seinerzeit aufgezeichneten atmosphärischen Strömungen kombiniert. Die Ergebnisse sind hochinteressant: Die Haze hatte ihren Ursprung eindeutig in Indonesien und bestand zu ca. 85% nicht einfach nur aus verbrannter Biomasse, sondern aus Torf, das heißt aus den Böden der riesigen Tieflandwälder Borneos und Sumatras. Die Isotopen der Kohlenstoffatome zeigen, dass das Material im Durchschnitt 800 Jahre alt ist. Tatsächlich aber reicht das Alter dieser Torfschichten Jahrtausende zurück.

Warum ist die Torfbodenverbrennung so bedrohlich für das Weltklima?

Torf entsteht, wenn sich abgestorbenes Pflanzenmaterial aufgrund von ständiger Vernässung und Sauerstoffmangel nur unvollständig zersetzt. In der nördlichen Hemisphäre haben sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor knapp 12.000 Jahren in regenreichen Zeiten und Regionen ausgedehnte Torfmoore entwickelt. Die Torfböden Indonesiens sind ebenfalls in dieser Zeit entstanden und wachsen im niederschlagsreichen tropischen Klima bis heute weiter an. Auf ihnen stehen Wälder, die in vielfältiger Weise an die besonderen Bedingungen der Torflandschaft angepasst sind. Auch Orang-Utans finden dort eine Heimat. Das Besondere an diesen Torfböden ist, dass sie speichern ungeheure Mengen an Kohlenstoff: Laut Randerson, einer der Wissenschaftler hinter der neuen Studie, ist in den Torfböden von Indonesien genauso viel Kohlenstoff gespeichert wie in der ganzen lebenden Biomasse des Amazonas.

Die Ko-Autorin der Untersuchung über die Brände von 2015, Elizabeth Wiggins: „Obwohl dieser Torf seit mehreren tausend Jahren als terrestrisches Kohlenstoffspeicherreservoir fungiert, ist er heute zu einer der wichtiges Kohlenstoffquellen für die Atmosphäre geworden“. Damit befeuern gerade auch die Torfbrände in Indonesien buchstäblich den globalen Klimawandel.




 

„Das war alles menschengemacht“

Ursächlich dafür sind zum einen natürliche Vorgänge im globalen Wettergeschehen wie das El-Nino-Phänomen, aber eben auch menschliche Eingriffe. Seit Jahrzehnten werden die Torfwälder – mittlerweile größtenteils illegal - abgeholzt, dräniert und niedergebrannt, um Platz für landwirtschaftliche Flächen und Ölpalmplantagen zu schaffen. Oft breiten sich die Feuer nicht nur unkontrolliert aus, sondern fressen sich als Schwelbrände tief in die trockengelegten Torfböden hinein. „Das war alles menschengemacht. Die Brände helfen einem kleinen Teil der Bevölkerung, aber die Kosten für Menschen in entlegenen Städten wie Singapur und Kuala Lumpur sind enorm“, sagte James Randerson, bezogen auf 2015.

Die Kosten der immer wieder neu entfachten Brände sind allerdings für den ganzen Planeten enorm. Für sein Klima, seine Artenvielfalt und nicht zuletzt für alle Menschen.

 

Quelle: https://phys.org/news/2018-11-source-deadly-southeast-asia-cloud.html

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