Napri geht seinen Weg

Datum

Donnerstag, 3. September 2020 - 18:00

Manchmal können wir es selbst kaum fassen, wie sich unsere Schützlinge bei uns entwickeln. Gerade waren sie noch ein hilfloses Fellbündel, bei dem wir bei der Rettung nicht einmal sicher waren, ob es die nächsten Stunden überstehen wird. Und dann, ein paar Jahre später, haben sie sich zu gestandenen Orang-Utans entwickelt, die kurz davor sind, flügge zu werden. Unser Waldschüler Napri ist genau so ein Fall.

Am 21. September 2015 wurde Napri aus einem Dorf im Bezirk Katingan in Zentral-Kalimantan gerettet. Es war das Jahr der heftigen Brände auf Borneo und viele Orang-Utans verloren damals ihr Leben. So auch Napris Mutter. Ein Bauer fand ihn allein und unterernährt. Glücklicherweise informierte er die Naturschutzbehörde BKSDA, die den kleinen Waisen nach Nyaru Menteng brachte, wo sich unser Ärzteteam seiner annahm.


Napri bei seiner Rettung 2015

Napri bei seiner Rettung 2015

Er war gerade mal einen Monat alt – ein trauriger, mutterloser Winzling, der nur eineinhalb Kilo auf die Waage brachte.

Die Quarantänezeit nutze er unter der intensiven Betreuung der Tierärzte und Babysitterinnen, um zu Kräften zu kommen. Als er dann in die Babygruppe umziehen durfte, blühte Napri ein wenig auf. Es tat ihm gut mit Orang-Utans seines Alters zu spielen und zu lernen. Doch am liebsten war er allein mit seinem Kuscheltier.


2016 erholt sich Napri nur langsam vom Verlust seiner Mutter

2016 erholt sich Napri nur langsam vom Verlust seiner Mutter

Zu seinen Babysitterinnen baute er eine innige Beziehung auf und holte sich all die Streicheleinheiten, die er sonst bei seiner Mutter bekommen hätte. Und sobald ihm die größeren Kinder der Babygruppe zu nah kamen, flüchtete sich Napri schnell in die sicheren Arme seiner Babysitterin.


Napri ist ein guter Kletterer

Napri ist ein guter Kletterer

Inzwischen ist Napri fünf Jahre alt und besucht die Waldschulgruppe 4 in Nyaru Menteng. Noch immer ist er eher ein unabhängiger Einzelgänger, dabei aber immer sanft und freundlich. Konfrontationen weicht er möglichst aus. Wenn seine Mitschüler spielen, geht er eigene Wege, übt sich im Klettern und Nestbauen und sucht Futter. Der Klasse schließt er sich nur an, wenn es etwas zu futtern oder zu trinken gibt. Doch das schadet ihm nicht. Im Gegenteil. In vielen Bereichen ist er seinen Mitschülern inzwischen deutlich voraus.


Unterwegs im Wald

Unterwegs im Wald

So sind wir uns sicher, dass sich aus Napri in den kommenden Jahren ein Orang-Utan-Mann entwickeln wird, der den Herausforderungen der Wildnis hervorragend gewachsen sein wird. Und das trotz seines schweren Starts ins Leben. Weiter so, Napri!

Werden auch Sie zum BOS-Unterstützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regenwald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

Galerie