Tiere aus Kalimantan: Der Malaien-Gleitflieger

Datum

Mittwoch, 24. Juni 2020 - 21:45

Kalimantan ist der indonesische Name für die Insel Borneo, der drittgrößten Insel der Welt nach Grönland und Neuguinea. Kalimantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich natürlich mit unzähligen anderen Tierarten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaarigen Vettern. Wir wollen hier in loser Reihenfolge immer mal wieder einige dieser faszinierenden Geschöpfe vorstellen.

Der Malaien-Gleitflieger (Galeopterus variegatus)

Eigentlich besitzen alle wilden Tiere ihre jeweils ganz eigene Eleganz. Aber nach Meinung des Post Release Monitoring Teams (unsere Mitarbeiter, die Orang-Utans nach der Auswilderung beobachten) gehört Galeopterus variegatus zu den elegantesten. Das etwa katzengroße Säugetier ist ein reiner Baumbewohner, der nicht nur hervorragend klettern, sondern auch mühelos von Baum zu Baum gleiten kann. Dazu spannt es eine spezielle Haut zwischen seinen Gliedmaßen auf und segelt bis zu hundert Metern und weiter durch die Luft. Diese Fähigkeit ermöglicht ihm nicht nur die rasche Flucht vor Fressfeinden, sondern befähigt es auch, sehr effektiv seine Nahrungsquellen aufzusuchen. 


Bis zu 100 Meter weit können die Tiere gleiten

Bis zu 100 Meter weit können die Tiere gleiten

 

Die überwiegend nachtaktiven Gleitflieger ernähren sich rein vegetarisch von Blättern, Knospen, Blüten, Früchten und Baumsäften. Sitzen sie tagsüber an den Baumstämmen, sind sie hervorragend getarnt: Ihr Rückenfell verschmilzt optisch geradezu mit der Baumrinde. Manchmal hängen sie auch wie Faultiere an Ästen mit dem Rücken nach unten. Gleitflieger-Mütter bergen auf diese Weise ihre Jungen wie in einer Hängematte in ihrer Flughaut.


Malaien-Gleitflieger sind etwa so groß wie eine Katze

Malaien-Gleitflieger sind etwa so groß wie eine Katze

Das Verbreitungsgebiet der Malaien-Gleitflieger erstreckt sich über Borneo, Sumatra, die Westspitze Javas, das malaiische Festland sowie Teile Vietnams und Thailands. In Indonesien stehen sie gesetzlich unter Schutz, gleichwohl werden sie oft ihres Fleisches wegen oder weil man sie als Schädlinge ansieht, gejagt. Ihr Bestand ist abnehmend, auch wenn die IUCN sie bis auf weiteres noch als least concern (nicht bedroht) ansieht.

Die englische Bezeichnung Flying Lemur ist übrigens irreführend. Regelrecht fliegen, also aus eigener Kraft Höhe gewinnen, können unter den Säugetieren nur Fledermäuse und ihre Verwandten. Gleitsegler wäre eine zutreffendere Bezeichnung. Auch sind sie keine Lemuren. Lemuren bilden eine spezielle Primatengruppe, die nur auf Madagaskar vorkommt. Der Malaien-Gleitflieger dagegen gehört mit seinem nahen Verwandten, dem Philippinen-Gleitflieger, zur Ordnung der Riesengleiter, die gleichzeitig auch Familie und Gattung darstellt. Wahrscheinlich hat man sie deswegen so genannt, weil andere Säuger mit ähnlichen Fähigkeiten deutlich kleiner sind.


Sie ernähren sich von Pflanzen

Sie ernähren sich von Pflanzen

Riesengleiter sind somit keine Primaten, aber dennoch mit ihnen verwandt: Sie gehören zur Überordnung der Euarchontoglires. Hinter dieser, den meisten wohl eher wenig geläufigen Bezeichnung, verstecken sich Primaten, Nagetiere, Hasenartige, Spitzhörnchen und eben die Riesengleiter. Das bedeutet auch, wir Menschen sind als Primaten mit Ratten und Kaninchen rein stammesgeschichtlich enger verwandt als zum Beispiel mit Hunden oder Pferden.

Dass der Bestand der Riesengleiter allmählich abnimmt, ist nicht nur der illegalen Jagd auf sie geschuldet, sondern auch – kaum überraschend – dem Habitatsverlust. Es läuft eben immer wieder alles auf Waldschutz hinaus.

Die Orang-Utans und der Regenwald brauchen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

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