Versteckspiel mit Supermutter Vista

Datum

Donnerstag, 7. Mai 2020 - 17:00

Seit Sommer 2018 lebt die 15-jährige Vista gemeinsam mit ihrem inzwischen drei Jahre alten Sohn Vee im dichten Regenwald des Nationalparks Bukit Baka Bukit Raya. Vor kurzem gab es ein Wiedersehen mit den beiden – unter erschwerten Bedingungen.

Bevor die Corona-Pandemie unsere Mitarbeiter zwang, den Kontakt zu unseren Orang-Utans auf ein notwendiges Minimum zu beschränken, hatte Vivi Dwi Santi, eine unserer Tierärztinnen im Rettungszentrum Nyaru Menteng, die Gelegenheit, gemeinsam mit dem Beobachtungsteam aus dem Camp Lewun Kahiyo auf der Suche nach ausgewilderten Orang-Utans den Nationalpark zu durchstreifen.
Konkret waren sie auf der Suche nach Vista, die im Juli 2018 mit ihrem Sohn Vee ausgewildert wurde. Gerade rehabilitierte Orang-Utan-Mütter haben wir beim Monitoring besonders im Fokus: Wie kommen sie mit der Situation zurecht, die sie selbst nie am eigenen Leib erleben durften? Bringen sie ihrem Nachwuchs alles bei, was auch eine „wilde“ Mutter lehren würde? Sind sie umsichtig, verantwortungsvoll, fürsorglich und liebevoll im Umgang mit ihrem Kind? All dies ist bei Orang-Utans essenziell, denn das Kind bleibt bis zu acht Jahre nur mit seiner Mutter zusammen. Und ohne ihre Fürsorge und Unterweisung kann es nicht überleben.
Regelmäßig begleiten auch Tierärzte die Monitoringteams in unseren Auswilderungswäldern, um sicherzustellen, dass die neuen Wilden gesundheitlich wohlauf sind.

Die Wälder von Bemban im Nationalpark, in denen Vista und Vee zuletzt gesehen wurden, sind extrem hügelig und erstrecken sich über unzählige steile Hänge. Die Pfade der Monitoringteams waren an diesen Tagen nutzlos, da aufgrund der fruchtbaren Regenzeit das Unterholz dicht zugewuchert war. Jeder Schritt war mühselig, ständig ging es bergauf und bergab – und die Orang-Utans waren unauffindbar.


Versteckspiel mit Vista und Vee im Regenwald

Versteckspiel mit Vista und Vee im Regenwald

Erst kurz vor Mittag wurde all die Plackerei belohnt: Vista und Vee waren aufgespürt worden. Schnell wurde die Beobachtungsausrüstung eingerichtet und das Datensammeln konnte beginnen. Die beiden saßen gut versteckt auf einem hohen Matoa-Baum (Pometia pinnata). So gut versteckt, dass wir sie kaum richtig fotografieren konnten. Die beiden genossen die Früchte des Baumes, die lokal als Rosciu bekannt sind. Im Verlauf unserer Beobachtungen entfernte sich der dreijährige Vee ein wenig von seiner Mutter, blieb aber in sicherer Entfernung. Er sah uns gelegentlich an, während er mit jungen Blättern spielte und daran knabberte.

Einige der Rosciu-Früchte plumsten Vista und Vee während der Mahlzeit auf den Boden. Aus Neugier entschieden sich unsere Tierärztin und ihre Kollegen dazu, auch mal zu kosten. Und sie stellten fest, dass die Frucht einmalig süß war! Vielen Dank, Vista und Vee, dass ihr dieses Wissen mit uns geteilt habt!


Die einmalig süßen Rosciu-Früchte

Die einmalig süßen Rosciu-Früchte

Nachdem Vista ihren ersten Hunger mit den Früchten gestillt hatte, kletterte sie auf der Suche nach Termiten auf den Boden. Vee klammerte sich fest an ihren Bauch. In einem faulen Baumstamm fand Vista ein Termitennest und machte sich sofort darüber her. Vee schien nicht daran interessiert zu sein, auch von den proteinreichen Termiten zu kosten. Aber er hat noch viel Zeit, um sich auch diese Nahrungsquelle von seiner Mutter schmackhaft machen zu lassen.

Am nächsten Tag setzte das Team seine Beobachtungen von Vista und Vee fort. Das Wetter war jedoch nicht so schön wie am Vortag und bald verdunkelte sich der Himmel. Während wir Mutter und Sohn beobachteten, kam es plötzlich zu einem heftigen Regenguss. Vista griff schnell nach dem Blatt einer großen Palmyrapalme (Borassus flabellifer), die vor Ort als Silar bekannt ist, um es schützend über sich und ihr Kind zu halten. Das Paar suchte schnell Zuflucht unter dichterem Blätterdach und verschwand bald außer Sichtweite.

Auch wenn Vista und Vee es unseren Mitarbeitern nicht leicht gemacht haben, sie aufzuspüren und mit der Kamera festzuhalten, sind wir doch sehr glücklich mit dem Ergebnis. Vista beweist großes Wissen über ein gutes Leben im Regenwald, findet abwechslungsreiche Nahrungsquellen und nutzt Werkzeuge – und Pflanzen als Regenschirm. Vee hat großes Glück, eine so kluge Mutter zu haben, die ihm alles über das Leben im Wald beibringen kann!

Werden auch Sie zum BOS-Unterstützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regenwald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

Galerie