Viruserkrankungen – keine „neue“ Gefahr für unsere Schützlinge

Datum

Dienstag, 28. Juli 2020 - 9:00

Orang-Utans sind uns Menschen sehr ähnlich, wir teilen sogar 97% unseres Erbgutes mit ihnen (1). Leider macht sie diese Tatsache auch anfällig für bei Menschen vorkommende Viren und Krankheiten. Unser Team unternimmt derzeit alles um unsere Schützlinge in den Schutzzentren vor der gefährlichen Corona-Pandemie zu schützen. Doch bereits in Zeiten vor Corona, waren Gesundheitschecks, Präventation und strenge Hygienemaßnahmen ein fester Bestandteil der täglichen Routine.

Jeder Orang-Utan, der in unseren Schutzzentren ankommt, wird sofort von unserem Ärzteteam versorgt und muss vorerst in Quarantäne. Dort wird das Tier auf bestehende Krankheiten, Viren und gefährliche Bakterienstämme getestet. Dies ist eine sehr wichtige Sicherheitsmaßnahme, um eine Ansteckung der gesunden Orang-Utans, die auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden, zu verhindern.

Viele unserer Neuzugänge wurden vor ihrer Rettung illegal und oft jahrelang als Haustiere in kleinen Käfigen gehalten. Diese, oftmals traumatische Zeitspanne erhöht, neben der Gefahr psychischer Erkrankungen (2), auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit menschlichen Viren und Krankheiten, wie zum Beispiel Hepatitis B.

Hepatitis bei Orang-Utans

Hepatitis ist eine virale Entzündung der Leber, die beim Menschen entweder akut, über einen kurzen Zeitraum, oder chronisch verläuft. Doch nicht nur bei uns Menschen treten diese Viren auf. Hepadnaviren, sind eine evolutionär alte Virusform, die bisher bei allen Menschenaffen und anderen Säugetieren (3), sowie bei Vögeln und Reptilien (4) nachgewiesen werden konnten. Bei wilden Orang-Utans wurden bisher zwei natürlich vorkommende, verschiedene Hepatitis B Virusstämme entdeckt, OUHV1 und OUHV2 (5). Wie beim Menschen, werden diese Viren über Körperflüssigkeiten übertragen. Glücklicherweise heilt die Virusinfektion, meist symptomlos, in 90% der Fälle komplett ab (6).

Unsere Vorgehensweise


Durch Labortests wird festgestellt , welche Form von Hepatitis der Neuankömmling hat.

Durch Labortests wird festgestellt , welche Form von Hepatitis der Neuankömmling hat.

Unser Tierärzteteam stellt zuerst mit Hilfe von Labortests fest ob, und falls ja, welche Form von Hepatitis der Neuankömmling hat. Dies ist wichtig um die Tiere, mit unterschiedlichen Hepatitis B Virusstämmen, getrennt voneinander in der Schutzstation unterzubringen, damit eine Ansteckung untereinander vermieden wird.

Die gute Nachricht

Da Orang-Utan spezifische Hepatitis auch in der natürlichen Population vorkommt, können Orang-Utans die positiv auf spezifische Antikörper getestet wurden, trotzdem ausgewildert werden. Die Viruserkrankung ist zu diesem Zeitpunkt komplett abgeheilt. Um die Wildpopulation so gesund wie möglich zu halten, werden nur Tiere mit dem gleichen, lokal vorkommenden Virusstamm in das jeweilige Waldgebiet entlassen. Bisher konnten wir mehr als 40 dieser Orang-Utans auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereiten und erfolgreich auswildern (7).

Die weniger gute Nachricht

Leider trifft diese Regelung nicht für die Tiere zu, die sich durch einen an Hepatitis B erkrankten Menschen angesteckt haben. Hepatitis ist in Indonesien immer noch ein großes Gesundheitsproblem (8), und Orang-Utans die illegal als Haustiere gehalten werden, haben ein höheres Risiko an der menschlichen Hepatitis-Form zu erkranken. Um die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans in freier Wildbahn nicht durch artfremde Viren zu gefährden, können diese Tiere leider nicht ausgewildert werden (7, 9). Glücklicherweise ist eine Ansteckung mit menschlichem Hepatitis B relativ selten.

Ein Leben auf der Insel


Vorauswilderungsinsel in Samboja Lestari

Vorauswilderungsinsel in Samboja Lestari

Die BOS Foundation besitzt derzeit sieben Schutzinseln innerhalb des Schutzwalds Samboja Lestari, auf denen nicht-auswilderbare Orang-Utans dauerhaft ein annähernd freies Leben mit Artgenossen in der Natur verbringen können und separate Vorauswilderungsinseln auf denen gesunde Tiere an ein unabhängiges Leben in Freiheit gewöhnt werden. Die, durch natürliche Barrieren gesicherten Schutzinseln sind weitflächig mit tropischem Regenwald bewachsen, bieten natürliche Klettermöglichkeiten, Futterquellen, sowie natürliche Strukturen und Materialien um Schlafnester zu bauen und genügend Möglichkeiten zu Sozialkontakt mit Artgenossen. Zweimal am Tag werden die Tiere von unseren Mitarbeitern zusätzlich mit frischen Früchten und anderem Futter versorgt, wobei auch ihr Gesundheitsstatus kontrolliert wird.

Unser Ziel ist es mehr solcher Schutz- und Vorauswilderungsinseln zu erschaffen, um unsere Schützlinge auf ein Leben in freier Wildbahn vorzubereiten und auch den nicht-auswilderbaren Orang-Utans ein Leben in der Natur zu ermöglichen.

Helfen sie uns bei diesem Projekt mit ihrer Spende! Werden auch Sie zum BOS-Unterstützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regenwald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

Text: Dr. Isabelle Laumer

Die BOSF Rehabilitationszentren werden durch das internationale tierärztliche Fachärzteteam OVAG (Orangutan Veterinary Advisory Group) beraten. Meetings und Workshops für Mitarbeiter finden jährlich statt.

 

Referenzen:

  1. Locke, D., Hillier, L., Warren, W. et al. (2011) Comparative and demographic analysis of orang-utan genomes. Nature 469, 529–533.
  2. Brüne M, Brüne-Cohrs U, McGrew WC, Preuschoft S (2006) Psychopathology in great apes: concepts, treatment options and possible homologies to human psychiatric disorder. Neuroscience and Biobehavioural Reviews, 30, 1246-1259.
  3. Sa-Nguanmoo P, Rianthavorn P, Amornsawadwattana S, Poovorawan Y. (2009) Hepatitis B virus infection in non-human primates. Acta Virologica, 53(2):73-82.
  4. Suh A, Weber CC, Kehlmaier C, et al. (2014) Early mesozoic coexistence of amniotes and hepadnaviridae. PLoS Genet., 10(12):e1004559.
  5. Verschoor EJ, Warren KS, Langenhuijzen S, Heriyanto, Swan RA and Heeney JL (2001). Analysis of two genomic variants of orangutan hepadnavirus and their relationship to other primate hepatitis-like viruses. Journal of General Virology, 82: 893-897.
  6. Warren, K.S., Heeney, J.L., Swan, R.A., Heriyanto & Verschoor, E.J. (1999), A new group of Hepadnaviruses naturally infecting orangutans (Pongo pygmaeus), Journal of Virology, 73: 7860-7865.
  7. Jamartin Shiite (CEO, BOSF) in Orangutan Veterinary Advisory Group workshop report (2017) Prepared with organizing committee of the Orangutan Conservancy: R. Commitante, S. Unwin, F. Sulistyo, R. Jaya, Y. Saraswati, C. Nente, S. Sumita, A. Rosetyadewi, P.Nagalingam.
  8. Raihan R. Hepatitis in Malaysia: Past, Present, and Future. (2016) Euroasian J Hepatogastroenterol 6(1):52-55.
  9. Orangutan Veterinary Advisory Group workshop report (2009) R. Commitante, S. Unwin & D. Cress.

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