Orang-Utans – die „Waldmenschen“

Die rothaarigen Menschenaffen sind die größten auf Bäumen lebenden Tiere der Erde. Mehr noch als alle anderen Primaten sind sie an ein Leben in den Baumkronen angepasst. Wird der Regenwald zerstört, verlieren die Orang-Utans ihre Nahrungsgrundlage und ihren ganzen Lebensraum.

Orang-Utans gehören, wie Gorillas, Schimpansen und Bonobos zu den Großen Menschenaffen. Wir Menschen teilen uns mit dem Orang-Utan 96,5 % des Erbguts. Darum sind wir uns so ähnlich. Im Indonesischen bedeutet Orang „Mensch“ und Hutan „Wald“ – Orang-Utans sind also „Waldmenschen”.

Sie leben nur auf den Inseln Borneo und Sumatra in Südostasien. Auf jeder dieser Inseln lebt eine eigene Art. Man unterscheidet zwischen dem Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und dem Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii). Auf Borneo sind sie mit etwa 54.000 Tieren in freier Wildbahn stark gefährdet, auf Sumatra mit rund 14.000 wild lebenden Exemplaren bereits vom Aussterben bedroht.

Ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu eineinhalb Meter groß und 100 Kilogramm schwer werden, ein Weibchen wiegt zwischen 30 und 50 Kilogramm. Von allen Großen Menschenaffen sind Orang-Utans schon allein durch ihre anatomischen Voraussetzungen die besten Kletterer. Ihre kräftigen Arme können es durchaus auf bis zu 2,25 Meter Spannweite bringen. Sie sind die größten und schwersten permanenten Baumbewohner der Welt. Sicheres und effektives Klettern gehört für junge Orang-Utans daher zur Grundausbildung.

In den Kronen der Urwaldriesen finden Orang-Utans ihre vorwiegend pflanzliche Nahrung, wie Blätter, Früchte, Rinden und Blüten, aber auch Insekten, Honig, Vogeleier und kleinere Wirbeltiere stehen manchmal auf ihrem Speiseplan. Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen Orang-Utans Territorien von 90 (Weibchen) bis 5.000 Hektar (dominante Männchen). Pro Tag legen sie aber gewöhnlich nur wenige Kilometer zurück. Dabei beweisen die intelligenten Tiere ein außerordentlich gutes Gedächtnis: Sie merken sich die Orte, an denen sie schon einmal Früchte gefunden haben und kehren zur Reifezeit dorthin zurück. Außerdem kennen und verwenden sie Heilpflanzen, benutzen Zweige, um Termiten aus ihren Nestern zu holen und gebrauchen Blätter als Trinkbehälter und Regenschutz.

Abends bauen sie sich in rund zehn Metern Höhe ein Schlafnest aus Ästen und Blättern. Die Zählung solcher in der Regel nur einmal genutzter Nester ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Orang-Utan-Beobachtung im Freiland.

Orang-Utans leben nicht in größeren Sozialverbänden. In Gruppen trifft man sie nur an, wenn sie sich an Bäumen zusammenfinden, die gerade sehr viele Früchte tragen. Nur Mutter und Kind bleiben bis zu acht Jahren zusammen. Das Revier eines dominanten Männchens umfasst die Reviere mehrerer Weibchen. Seine Dominanz zeigt der Orang-Utan-Mann mit einem weithin hörbaren Ruf, dem sogenannten Long Call. Wie das klingt, können Sie sich unten anhören.

Ein wilder Orang-Utan wird in der Regel etwa 40 Jahre alt. Im Laufe seines Lebens zieht ein Weibchen zwei bis drei Jungtiere auf. Mutter und Kind bleiben sechs bis acht Jahre zusammen. In dieser Zeit lernt der Nachwuchs, was er zum Überleben im Regenwald können muss: Sicheres Klettern, das Aufspüren der richtigen Nahrung und der Bau von Schlafnestern gehören genauso dazu, wie soziale Bande mit Artgenossen zu knüpfen und zu lernen, welche Gefahren man im Dschungel meiden sollte.

Die größte Bedrohung für Orang-Utans ist die Zerstörung ihres Lebensraums. Vor 100 Jahren waren Sumatra und Borneo zu 90 % mit Wald bedeckt, heute ist Sumatra nur noch zu 30 %, Borneo nur noch zur Hälfte bewaldet. Seit den 1990er Jahren wird der Regenwald vor allem für riesige Monokulturen abgeholzt. Mehr als 14 Millionen Hektar Indonesiens sind schon zu Palmölplantagen umgewandelt worden – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren (Stand 2015). Zum Vergleich: Die Gesamtfläche Deutschlands beträgt ca. 35 Millionen Hektar. Eine Ausdehnung der Anbauflächen für Palmöl auf 20 Millionen Hektar ist geplant.

Für Orang-Utans bleibt da kein Platz zum Leben. Auf den Plantagen finden sie keine Nahrung und werden gejagt und oft getötet. Der Bestand der rothaarigen Menschenaffen ist seit 1900 um 91 % geschrumpft.

Geopfert wird der Regenwald in Sumatra und Borneo nicht nur für die Palmölproduktion. Auch der Handel mit Tropenhölzern und die Papierindustrie kosten die Orang-Utans täglich mehr von ihrer Heimat. Indonesien gehört außerdem zu den größten Kohle-Exporteuren weltweit und zerstört so für den Bergbau riesige Urwaldflächen.

Zwar ist es in Indonesien gesetzlich verboten, dennoch werden Orang-Utans immer noch gejagt, ins Ausland geschmuggelt, in Bordellen missbraucht und vor allem wenn sie noch sehr jung sind, als Haustiere gehalten.

BOS unterstützt die indonesische Forstpolizei bei der Rettung von Orang-Utans aus illegaler Haustierhaltung oder von Palmölplantagen. In zwei BOS-Stationen in Borneo werden die verletzten, kranken und verwaisten Orang-Utans aufgenommen und medizinisch versorgt. Fürsorglich kümmern sich dann Pflegerinnen und Pfleger um die oft schwer traumatisierten Waisen.

BOS macht Orang-Utans fit für die Freiheit. Im „Waldkindergarten“ und in der „Waldschule“ lernen die Jungtiere alles, was ihnen sonst ihre Mutter beigebracht hätte. Bis zu acht Jahre dauert die Ausbildung eines Orang-Utan-Kindes. Erst dann ist es gut vorbereitet für die Auswilderung.

BOS wildert aus. Ist ein Orang-Utan gesund und fähig, allein in der Wildnis zu überleben, wird er so schnell wie möglich ausgewildert. Hierfür hat BOS die Konzessionen für Schutzgebiete erworben, in denen die Orang-Utans sicher in Freiheit leben können.

Vermeiden Sie Palmöl. Achten Sie beim Einkauf von Lebensmitteln auf die Zutatenliste. Palmöl bzw. Palmfett wird mit rund 60 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit am häufigsten für Lebensmittel verwendet. Es steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt: in Fertiggerichten, Süßigkeiten, Margarine, Aufstrichen, Kerzen, Kosmetik, Putz- und Waschmitteln und auch in Agrosprit. Rund 85 % des verwendeten Palmöls stammen aus Indonesien und Malaysia. Sprechen Sie auch Händler und Hersteller an, warum Sie weiterhin Produkte mit Palmöl anbieten bzw. herstellen. Die Nachfrage bestimmt immer noch das Angebot.

Verwenden Sie nur Recyclingpapier. Kaufen Sie Mal-, Schulhefte, Toilettenpapier und andere Papierprodukte nur aus 100 % Recyclingpapier (erkennbar am Siegel „Blauer Engel“). Denn dafür muss kein Regenwald gerodet werden.

Kaufen Sie kein Tropenholz. Fragen Sie beim Erwerb von Möbeln, Bilderrahmen und anderen Produkten aus Holz nach, woher das Holz stammt. Fehlen die Jahresringe, kann es Tropenholz sein.

Werden Sie BOS-Fördermitglied. So unterstützen Sie regelmäßig die weltweit größte Schutzorganisation für Orang-Utans in Borneo. Außerdem helfen Sie, in Deutschland über die Bedrohung der Orang-Utans und des Regenwalds, über Palmöl, Papier und Tropenholz aufzuklären.

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Der Regenwald wird zerstört. So verlieren Orang-Utans Tag für Tag ein Stück ihres Lebensraums. BOS gibt den Tieren eine zweite Chance – auf ein sicheres Leben in geschützten Regenwaldgebieten.

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Dominante Männchen bilden typische Backenwülste und einen großen Kehlsack aus. Solche Männchen markieren ihr Revier und ihre Dominanz mit einem weithin hörbaren, charakteristischen Ruf, dem sogenannten Long Call.

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