Es war einmal in Kehje Sewen

Ort

Berlin

Datum

Mittwoch, 8. April 2020 - 10:00

Es war einmal... So fangen in der Regel Märchen an. Aber wir wollen hier kein Märchen erzählen, obwohl das Gebiet, über das wir hier berichten wollen, schon etwas von einer Traumwelt hat. Sie ist aber real und nennt sich Kehje Sewen.

Kehje Sewen Forest - das ist nicht nur seiner Namensbedeutung nach ein "Wald für Orang-Utans". Hierher siedeln wir viele unserer Schützlinge um, nachdem sie in jahrelanger Ausbildung in den Rettungszentren von BOS die Dschungelreife erlangt haben. Kehje Sewen befindet sich im „Ecosystem Restoration Concession“ in Ost-Kalimantan. Ein Gebiet voller fruchtbarer Wälder und lebenspendender Flüsse - für die rothaarigen Waldmenschen und viele andere Arten Spielplatz und Nahrungsquelle zugleich.


Telen-Fluss

Telen-Fluss

Der Telen-Fluss, welcher durch das Waldgebiet des Kehje Sewen fließt, verbindet als eine der wichtigsten "Verkehrsstraßen" die märchenhafte mit der modernen Welt. Er bildet nämlich ein praktisches Beförderungssystem für lokale Anwohner und Holzfällereien. Als Hauptwasserstraße, auf der die Einheimischen mit ihren „ces“-Booten weite Strecken zurücklegen, ist der Telen unverzichtbar. Hin und wieder treten auch Orang-Utans eine Reise auf dem Fluss an - dann, wenn sie von uns ausgewildert werden.

Das Leben am Fluss wird von Gezeiten sowie Trocken- und Regenperioden bestimmt. Hin und wieder sinkt der Wasserstand so tief, dass auch wir bei der Beförderung unserer Schützlinge in ihre neue Heimat vor große Herausforderungen gestellt werden. Dann sind gute Planung und Vorbereitung gefragt, denn das Risiko für eine Strandung unserer Boote auf freiliegenden Steinen und somit ihre Beschädigung sind dann extrem hoch.

BOS Foundation schafft nötige Jobs für Einheimische

Und noch etwas klingt wie ein Abenteuer aus vergangenen Zeiten, ist aber höchst real: Illegale Holzfäller und Wilderer treiben im Dickicht von Kehje Sewen ihr Unwesen. Um den Lebensunterhalt für ihre Familien zu verdienen, plündern sie den Wald. Sie fällen Bäume, roden ganze Landstriche und rauben damit vielen Tierarten den Lebensraum. Während ihrer illegalen Raubzüge fallen ihnen immer wieder auch Orang-Utans zum Opfer. Erwachsene Tiere werden dabei oft getötet, Jungtiere als zusätzliche Einnahmequelle verkauft.


Auflaufen der Boote auf Grund des niedrigen Wasserstandes

Auflaufen der Boote aufgrund des niedrigen Wasserstandes

BOS Foundation hat in der Vergangenheit ein Mittel gegen solche räuberischen Machenschaften gefunden. Nein, keinen Zaubertrank, das Wundermittel heißt Arbeit. Wilderer und illegale Holzfäller kennen sich oft unglaublich gut in den Regenwaldgebieten Borneos aus. Sie wissen auch um die Routen, auf denen sie Tiere finden und Schmuggler und Wilderer unterwegs sind. Indem BOS diesen Menschen eine legale Verdienstmöglichkeit verschafft, entsteht eine Win-Win-Situation. Es wird ein Problem angegangen, das in Ländern wie Indonesien schon lange besteht: Arbeitslosigkeit. Durch die Schaffung sicherer Jobs mit einem konstanten Einkommen, werden zugleich Strukturen aufgelöst, welche sonst die Arbeit von Natur- und Artenschützern zu Nichte machen.

Am Ende siegt also das Gute über das Böse - könnte man meinen. Doch der Kampf um den Erhalt so märchenhafter Gebiete wie die des Kehje Sewen ist noch lang und beschwerlich. Es helfen keine Zaubersprüche oder Feen. In der modernen Zeit sind Aufklärungsarbeit und das Schaffen von Arbeitsplätzen und Alternativen die einzige Alternative. Unsere Helden von heute sind die BOS-Mitarbeiter vor Ort und unsere Unterstützer in aller Welt. 

Die Orang-Utans und der Regenwald brauchen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Galerie