19. März 2020

Es war einmal in Kehje Sewen

Es war einmal… So fangen in der Regel Märchen an. Aber wir wollen hier kein Märchen erzählen, obwohl das Gebiet, über das wir hier berichten wollen, schon etwas von einer Traum­welt hat. Sie ist aber real und nennt sich Kehje Sewen.

Kehje Sewen Forest — das ist nicht nur seiner Namens­be­deu­tung nach ein “Wald für Orang-Utans”. Hierher siedeln wir viele unserer Schütz­linge um, nachdem sie in jahre­langer Ausbil­dung in den Rettungs­zen­tren von BOS die Dschun­gel­reife erlangt haben. Kehje Sewen befindet sich im „Ecosystem Resto­ra­tion Conces­sion“ in Ost-Kali­mantan. Ein Gebiet voller frucht­barer Wälder und leben­spen­dender Flüsse — für die rothaa­rigen Wald­men­schen und viele andere Arten Spiel­platz und Nahrungs­quelle zugleich.

Telen-Fluss
Telen-Fluss

Der Telen-Fluss, welcher durch das Wald­ge­biet des Kehje Sewen fließt, verbindet als eine der wich­tigsten “Verkehrs­straßen” die märchen­hafte mit der modernen Welt. Er bildet nämlich ein prak­ti­sches Beför­de­rungs­system für lokale Anwohner und Holz­fäl­le­reien. Als Haupt­was­ser­straße, auf der die Einhei­mi­schen mit ihren „ces“-Booten weite Stre­cken zurück­legen, ist der Telen unver­zichtbar. Hin und wieder treten auch Orang-Utans eine Reise auf dem Fluss an — dann, wenn sie von uns ausge­wil­dert werden.

Das Leben am Fluss wird von Gezeiten sowie Trocken- und Regen­pe­ri­oden bestimmt. Hin und wieder sinkt der Wasser­stand so tief, dass auch wir bei der Beför­de­rung unserer Schütz­linge in ihre neue Heimat vor große Heraus­for­de­rungen gestellt werden. Dann sind gute Planung und Vorbe­rei­tung gefragt, denn das Risiko für eine Stran­dung unserer Boote auf frei­lie­genden Steinen und somit ihre Beschä­di­gung sind dann extrem hoch.

BOS Foun­da­tion schafft nötige Jobs für Einheimische

Und noch etwas klingt wie ein Aben­teuer aus vergan­genen Zeiten, ist aber höchst real: Ille­gale Holz­fäller und Wilderer treiben im Dickicht von Kehje Sewen ihr Unwesen. Um den Lebens­un­ter­halt für ihre Fami­lien zu verdienen, plün­dern sie den Wald. Sie fällen Bäume, roden ganze Land­striche und rauben damit vielen Tier­arten den Lebens­raum. Während ihrer ille­galen Raub­züge fallen ihnen immer wieder auch Orang-Utans zum Opfer. Erwach­sene Tiere werden dabei oft getötet, Jung­tiere als zusätz­liche Einnah­me­quelle verkauft.

Auflaufen der Boote auf Grund des niedrigen Wasserstandes
Auflaufen der Boote aufgrund des nied­rigen Wasserstandes

BOS Foun­da­tion hat in der Vergan­gen­heit ein Mittel gegen solche räube­ri­schen Machen­schaften gefunden. Nein, keinen Zauber­trank, das Wunder­mittel heißt Arbeit. Wilderer und ille­gale Holz­fäller kennen sich oft unglaub­lich gut in den Regen­wald­ge­bieten Borneos aus. Sie wissen auch um die Routen, auf denen sie Tiere finden und Schmuggler und Wilderer unter­wegs sind. Indem BOS diesen Menschen eine legale Verdienst­mög­lich­keit verschafft, entsteht eine Win-Win-Situa­tion. Es wird ein Problem ange­gangen, das in Ländern wie Indo­ne­sien schon lange besteht: Arbeits­lo­sig­keit. Durch die Schaf­fung sicherer Jobs mit einem konstanten Einkommen, werden zugleich Struk­turen aufge­löst, welche sonst die Arbeit von Natur- und Arten­schüt­zern zu Nichte machen. 

Am Ende siegt also das Gute über das Böse — könnte man meinen. Doch der Kampf um den Erhalt so märchen­hafter Gebiete wie die des Kehje Sewen ist noch lang und beschwer­lich. Es helfen keine Zauber­sprüche oder Feen. In der modernen Zeit sind Aufklä­rungs­ar­beit und das Schaffen von Arbeits­plätzen und Alter­na­tiven die einzige Alter­na­tive. Unsere Helden von heute sind die BOS-Mitar­beiter vor Ort und unsere Unter­stützer in aller Welt. 

Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.