palmöl

Es steckt in jedem zweiten Super­markt­pro­dukt, in Kosmetik, Putz­mit­teln, Tier­nah­rung und vor allem in Biosprit. Das meiste Palmöl stammt aus Indo­ne­sien und Malaysia. Und zerstört den Lebens­raum der Orang-Utans.

Palmöl – ein umstrit­tenes Thema

Palmöl stellt heute mit etwa einem Drittel am globalen Gesamt­öl­ver­brauch (jähr­lich etwa 70 Millionen Tonnen) das welt­weit meist­pro­du­zierte Pflan­zenöl dar. Denn es ist preis­günstig und aufgrund seiner chemi­schen Eigen­schaften beliebt: Palmöl ist geschmacks­neu­tral, lange haltbar, beson­ders hitzestabil, hat bei Zimmer­tem­pe­ratur eine feste Konsis­tenz und muss nicht chemisch gehärtet werden.

Laut Schät­zungen enthält heute beinahe jedes zweite Super­markt­pro­dukt Palmöl. Dazu gehören Lebens­mittel, v.a. Fertig­pro­dukte, aber auch Kosme­tika wie Lippen­stift oder Sonnen­milch, Wasch­mittel, Farben und Lacke oder Kerzen. Ein größerer Abnehmer ist die Auto­mo­bil­in­dus­trie: Unge­fähr die Hälfte des in Deutsch­land verbrauchten Palmöls wird für Bio-Diesel verwendet. Welt­weit fließen bisher nur etwa fünf Prozent der Palm­ölernte in den ener­ge­ti­schen Sektor. In vielen Ländern Asiens ist Palmöl das Öl des tägli­chen Bedarfs und wird zum Braten und Frit­tieren verwendet.

1

In welchen Ländern werden groß­flä­chig Ölpalmen angebaut?

Die Ölpalme (Elaeis Guineensis) stammt ursprüng­lich aus West­afrika. Sie wächst nur in tropi­schem Klima und da am besten in Gegenden, die eigent­lich von Urwald bedeckt sind. Im Jahr 1848 wurde sie zum ersten Mal nach Indo­ne­sien gebracht. Seither hat sich die Anbau­fläche für Ölpalmen verviel­facht: In Indo­ne­sien bede­cken Ölpalmen inzwi­schen eine zehnmal größere Fläche (mindes­tens 14 Millionen Hektar) als noch im Jahr 1990. Welt­weit hat sich der Palm­öl­anbau im Vergleich zu 1961 auf das 60-fache ausge­dehnt. Welt­weit erstre­cken sich Palm­öl­plan­tagen über eine Fläche von mindes­tens 20 Millionen Hektar! Das ist mehr als halb so groß wie Deutsch­land. In Indo­ne­sien werden Ölpalmen vor allem auf den Inseln Sumatra und Borneo ange­baut; aber auch auf Sula­wesi und zuneh­mend auf Papua. Neben Indo­ne­sien ist Malaysia ein Haupt­an­bau­land für Palmöl – gemeinsam produ­zieren die beiden Länder aktuell rund 85 Prozent des Palmöls welt­weit. Auch in anderen Regionen wird eine Auswei­tung der Palm­öl­plan­tagen beob­achtet, darunter Latein­ame­rika und Afrika.

1Was hat Palmöl mit Orang-Utans zu tun?

Die Situa­tion der Orang-Utans auf Borneo ist kritisch. Rund 50 Prozent aller Orang-Utan-Popu­la­tionen sind ausge­löscht. Allein im letzten Jahr­zehnt ging die Anzahl der Tiere um 25 Prozent zurück. Heute zählt der Borneo Orang-Utan zu den akut vom Aussterben bedrohten Tier­arten unserer Erde. Auf Borneo leben nur noch etwa 57.000 Indi­vi­duen. Die noch verblei­benden Orang-Utan-Gruppen sind oft isoliert vonein­ander. Der für ein lang­fris­tiges Über­leben notwen­dige Genaus­tausch der Tiere wird erschwert.
Über 50 Prozent aller Orang-Utans auf Borneo leben außer­halb von Schutz­ge­bieten. Das heißt, ihre Lebens­räume sind poten­ziell bedroht, für immer zerstört zu werden. Viele Faktoren gefährden das Über­leben der fried­li­chen Menschen­affen und haben dazu geführt, dass die Art heute vom Aussterben bedroht ist.

Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum

Neben Wilderei und Wild­tier­handel ist der Verlust von Lebens­raum einer der Haupt­gründe für die Gefähr­dung der Orang-Utans. Die Bevöl­ke­rung in Indo­ne­sien und welt­weit wächst konti­nu­ier­lich. Damit steigt auch die Nach­frage nach Rohstoffen, Nahrungs­mit­teln und Konsum­gü­tern. Um diesen Bedarf zu stillen, wird immer mehr Land bewirt­schaftet. In Indo­ne­sien führt die Auswei­tung der Land­wirt­schaft oft zu groß­flä­chiger Entwal­dung – und damit zum Verlust der Lebens­räume von Orang-Utans.

Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass der Ölpal­men­anbau auf Borneo (Indo­ne­sien und Malaysia) für 50 Prozent der Entwal­dung zwischen 2005 und 2015 verant­wort­lich war.
Und: Etwa 20 Prozent der Orang-Utans leben heute in den für Palm­öl­anbau vorge­se­henen Gebieten. Das heißt: Gebiete auf denen heute noch Regen­wald steht, für die aber bereits Lizenzen zur Umwand­lung in Palm­öl­plan­tagen an Unter­nehmen vergeben wurden oder zumin­dest geplant sind. Es wird geschätzt, dass bis 2025 bis zu weitere 37 Prozent des jetzigen Lebens­raums der Orang-Utans verloren sein könnten.

Immer mehr Bäume fallen

Neben der direkten Bedro­hung der Regen­wälder Borneos durch den Anbau von Ölpalmen, gibt es auch noch andere „Entwal­dungs­treiber“. Dazu gehört zum Beispiel der (ille­gale) Holz­ein­schlag. Auch der Bergbau (z.B. für Gold oder Kohle) zerstört große Wald­ge­biete, und sogar die klein­bäu­er­liche Land­wirt­schaft ist mitver­ant­wort­lich für die schwin­denden Regen­wälder. Das Problem: Ohne wirk­liche Alter­na­tiven ist die wach­sende Bevöl­ke­rung meist wirt­schaft­lich abhängig von der Land­wirt­schaft. Neben Reis und Kautschuk ist die Ölpalme eine von vielen Pflanzen, welche die Bäue­rinnen und Bauern anbauen.

Ein anderes Problem sind Brand­ro­dungen, mit denen Regen­wald zu Agrar­flä­chen für Ölpalm­plan­tagen oder auch als Felder für Bäue­rinnen und Bauern umge­wan­delt wird.
Grade in der Trocken­zeit geraten die Feuer häufig außer Kontrolle und vernichten dann riesige Waldgebiete.

1

Bedrohen Palm­öl­plan­tagen die Arten­viel­falt und ganz konkret die Regenwälder?

Wie oben am Beispiel des Orang-Utans gezeigt, wurde bezie­hungs­weise wird für den Ölpal­men­anbau oft wert­voller Regen­wald auf Borneo zerstört. Dieser ist Lebens­raum tausender — zum Teil bedrohter —  Tier- und Pflan­zen­arten. Ohne den Regen­wald können sie nicht über­leben. Deswegen bedroht die Rodung von Regen­wäl­dern für den groß­flä­chigen Anbau von Ölpalmen ganz klar die Biodi­ver­sität. Indo­ne­siens Regen­wälder, die nur ein Prozent der Erdober­fläche ausma­chen, sind Heimat von zehn Prozent aller Arten welt­weit! Deswegen hat das Abholzen des Regen­waldes auch eine solche Trag­weite: In Ölpalm­plan­tagen leben zwischen 65 und 90 Prozent weniger Säuge­tier­arten als in intakten Regen­wäl­dern. Und auch die Pflan­zen­welt betrifft diese Entwick­lung in drama­ti­schem Ausmaß: Da Ölpalmen als Mono­kul­turen ange­legt werden, findet man in Ölpalm­plan­tagen bis zu 99 Prozent weniger Baum­arten als in Primär­wäl­dern. Global schätzen Wissenschaftler*innen, dass durch den Ölpal­men­anbau 193 Tier- und Pflan­zen­arten bedroht sind.

1Wie hängen Palm­öl­anbau und Klima­wandel zusammen?

Die Abhol­zung der Regen­wälder Borneos für den Anbau von Palmöl beschleu­nigt den welt­weiten Klima­wandel. Sie bedeutet den Verlust jahr­tau­sen­de­alter Kohlen­stoff­spei­cher in Vege­ta­tion und Böden. Enorme Mengen an Treib­haus­gasen werden frei­ge­setzt. Eine ausge­wach­sene Palm­öl­plan­tage spei­chert pro Hektar weniger als halb so viel Kohlen­stoff wie ein Hektar Regen­wald. Zudem werden etwa 20 Prozent der Palm­öl­plan­tagen in Indo­ne­sien und Malaysia auf Torf­böden ange­baut, welche für diesen Zweck zuerst trocken­ge­legt werden müssen. Regen­wälder auf Torf­moor­böden enthalten bis zu 50-mal mehr Kohlen­stoff (nämlich ca. 6.000 Tonnen) als ein „normaler“ Regen­wald auf Mine­ral­boden. Die zum Teil meter­di­cken Torf­schichten sind durch die Entwäs­se­rung unge­schützt der Witte­rung ausge­setzt und sind leicht entflammbar. Degra­dierte Torf­moor­böden können bis zu 600 Jahre lang Treib­haus­gase ausstoßen. Auch die Abwasser- und Abfall­ver­wer­tung in Palm­öl­mühlen produ­ziert große Mengen an klima­schäd­li­chen Gasen. Aufgrund dieses nicht nach­hal­tigen Umgangs mit seinen Natur­schätzen, zählt Indo­ne­sien inzwi­schen als dritt­größter Treib­hausgas-Verur­sa­cher der Erde. Laut aktu­ellen Berech­nungen ist der aus Palmöl produ­zierte Biosprit bis zu dreimal klima­schäd­li­cher als Treib­stoff aus Erdöl. Auch wurden bereits lokale Klima­aus­wir­kungen im Zusam­men­hang mit dem Ölpal­men­anbau auf Borneo beob­achtet. Beispiels­weise ist die Tempe­ratur in Palm­öl­plan­tagen bis zu 6,5 Grad höher als in Primär­wäl­dern, und in Gebieten mit hoher Entwal­dung wurden bereits weniger Nieder­schläge gemessen. Eine Kata­strophe für die Natur.

Was sind die Auswir­kungen des Ölpal­men­an­baus  auf die Lokalbevölkerung?

Anders als bei der Umwelt, sind die sozialen Folgen des Palm­öl­an­baus nicht nur negativ. Der Anbau von Ölpalmen kann Armut mindern und zum Lebens­un­ter­halt ganzer Fami­lien beitragen. Das gilt insbe­son­dere in Regionen, in denen wenig wirt­schaft­liche Alter­na­tiven bestehen. Geschätzt gibt es in Indo­ne­sien aktuell 2,5 Millionen Klein­bäue­rinnen und ‑bauern, die auf ihrem eigenen Land Ölpalmen anbauen. Weitere 1,5 Millionen Menschen arbeiten im Palm­öl­sektor, beispiels­weise als Arbeiter*innen auf den Plan­tagen von großen Palm­öl­un­ter­nehmen. Für Indo­ne­sien wird ange­nommen, dass etwa 35 Prozent der Palm­öl­plan­tagen von Klein­bäue­rinnen und ‑bauern betrieben werden. Die rest­li­chen Anteile kommen aus indus­tri­ellen Groß­plan­tagen, die von Unter­nehmen betrieben werden.

Leider sind im Rahmen des indus­tri­ellen Palm­öl­an­baus immer noch Menschen­rechts­ver­let­zungen an der Tages­ord­nung. Wir kennen das von anderen Rohstoffen, wie zum Beispiel Kakao. Die Vertrei­bung indi­gener und lokaler Gemeinden von ihrem Land, Krimi­na­li­sie­rung von Kleinbäuer*innen, Miss­ach­tung der Arbeits­rechte oder Kinder­ar­beit sind nur einige der nega­tiven Auswir­kungen auf die Menschen vor Ort. Gemeinden, die schon seit Genera­tionen auf ihrem Land leben, werden enteignet — in Indo­ne­sien oder Malaysia gibt es kein Katas­teramt, in dem regis­triert ist, wem das Land gehört. Groß­kon­zerne nutzen das und kaufen und pachten Land, ohne auf die tradi­tio­nellen Rechte zu achten. Bei Protesten setzen sie Polizei und Militär ein. Gewinner sind dabei meis­tens die Groß­kon­zerne. Arbeiter*innen auf Groß­plan­tagen bekommen wenig Lohn, müssen nicht erreich­bare Ernte­quoten leisten und sind nicht sozi­al­ver­si­chert. Auch die Zerstö­rung der Natur hat nega­tive Konse­quenzen für die Bevöl­ke­rung. Viele Gemeinden berichten von Flüssen, die durch Pesti­zide und Dünge­mittel verschmutzt sind, sowie Wasser­knapp­heit oder Über­schwem­mungen, welche durch den indus­tri­ellen Palm­öl­anbau verur­sacht werden.

1Wie sieht es mit nach­hal­tigem Palmöl aus?

Der Palm­öl­anbau ist in den letzten Jahr­zehnten sehr schnell expan­diert – auf Kosten der sensi­blen Regen­wälder. Heute domi­nieren riesige indus­tri­elle Mono­kul­turen, wo früher Regen­wald stand.
Doch Palmöl kann auch nach­haltig ange­baut werden. Denn es ist nicht die Ölpalme selbst, die nicht nach­haltig ist, sondern der verant­wor­tungs­lose Anbau. Das heißt, es kommt auch beim Palmöl auf das „wie“ der Produk­tion an. Im Sinne der Nach­hal­tig­keit muss sie ökolo­gisch und sozial verträg­lich gestaltet werden.

Inzwi­schen gibt es daher verschie­dene Initia­tiven, welche Stan­dards für einen nach­hal­ti­geren Anbau von Ölpalmen entwi­ckelt haben. Einen Mindest­stan­dard für den Anbau von Palmöl bietet der „Runde Tisch für nach­hal­tiges Palmöl“ (RSPO), der durch den WWF und Vertreter der Palm­öl­in­dus­trie gegründet wurde. Der RSPO hat relativ strenge Krite­rien: keine Rodung von Regen­wäl­dern für Palm­öl­plan­tagen, keine Neuan­lage von Plan­tagen auf Torf­böden, keine Kinder­ar­beit und anderes.

Doch vor Ort exis­tieren noch viele Probleme. Es werden immer wieder Verstöße gegen die RSPO-Krite­rien auf den Plan­tagen aufge­deckt. Während eine Reduk­tion der Treib­haus­gase durch zerti­fi­zierten Anbau nach­ge­wiesen werden konnte, und auch weniger Primär­wälder gerodet wurden, als beim konven­tio­nellen Palm­öl­anbau, fehlt bisher der Nach­weis, dass eine RSPO-Zerti­fi­zie­rung effektiv die Arten­viel­falt schützen kann.

Neben dem RSPO gibt es auch einige wenige Beispiele von Bio-Palmöl, unter anderem in Ghana oder Kolum­bien. In Indo­ne­sien oder Malaysia wird leider noch kein Palmöl mit Bio-Siegel produziert.

Die Import­länder von Palmöl fordern nur selten Nach­hal­tig­keits­stan­dards verpflich­tend ein. Auch in Deutsch­land ist die Verwen­dung von Palmöl, das mit Menschen­rechts­ver­let­zungen oder Regen­wald­ab­hol­zung zusam­men­hängt, noch nicht strafbar. Aktuell sind nur etwa 20 Prozent des welt­weit produ­zierten Palmöls mit einem inter­na­tional aner­kannten Nach­hal­tig­keits-Siegel zerti­fi­ziert. Das ist viel zu wenig, um groß­flä­chig Natur­schutz und Menschen­rechte im Palm­öl­anbau durch­zu­setzen. Daher gibt es auch in Deutsch­land Initia­tiven für einen nach­hal­ti­geren Palm­öl­anbau. Das „Forum Nach­hal­tiges Palmöl“ (FONAP)  hat sich zum Ziel gesetzt, nur noch Palmöl mit Nach­hal­tig­keits­siegel zu verwenden. Auch BOS Deutsch­land ist Mitglied im FONAP, denn wir wollen der Stimme der Orang-Utans auch in Indus­trie- und Regie­rungs­kreisen Gehör verschaffen und darauf hinwirken, dass effek­tiver Arten­schutz verpflich­tendes Element im Palm­öl­anbau wird.
Das heißt: Zerti­fi­zie­rung ist besser als keine Zerti­fi­zie­rung. Trotzdem ist der Weg zur echten Nach­hal­tig­keit noch weit. Sowohl in Deutsch­land als auch in Indo­ne­sien müssen die recht­li­chen Grund­lagen geschaffen und durch­ge­setzt werden, so dass für den Palm­öl­anbau nicht noch mehr Regen­wald­zer­stö­rung und Menschen­rechts­ver­let­zungen begangen werden.

1

Palm­öl­früchte

1

Werbung von Produkten mit Palmöl

1

Palm­öl­mühle

Sollten wir auf Palmöl verzichten?

Ange­sichts der vielen nega­tiven Auswir­kungen des Palm­öl­an­baus liegt diese Frage nahe. Aller­dings ist Palmöl an sich kein schlechtes Öl. Denn die Ölpalme ist eine sehr effi­zi­ente Pflanze. Mit ihr kann auf vergleichs­weise geringer Fläche ein großer Teil des welt­weiten Bedarfs an Pflan­zen­ölen abge­deckt werden. Auch beim Einsatz von Dünge­mit­teln und Pesti­ziden benö­tigt die Ölpalme verhält­nis­mäßig geringe Mengen. Die Produk­ti­vität der Ölpalme ist mit keiner anderen Ölfrucht, wie zum Beispiel Kokos, Sonnen­blume, Raps oder Soja vergleichbar. Pro Fläche kann die Ölpalme einen bis zu vier bis siebenmal höheren Ertrag bringen als andere Ölfrüchte. Während die Ausbeute bei Ölpalmen bei durch­schnitt­lich 3,3 Tonnen je Hektar liegt, sind es bei Raps, Kokos und Sonnen­blumen nur etwa rund 0,7 Tonnen. Der Ertrag bei Soja­pflan­zungen liegt sogar bei nur 0,4 Tonnen Öl pro Hektar. Das heißt im Umkehr­schluss: Um die gleiche Menge eines alter­na­tiven Pflan­zenöls zu produ­zieren, benö­tigt man eine viel­fach größere Anbaufläche.

Auch Schwellen- und Entwick­lungs­länder wie Indo­ne­sien haben ein Recht auf wirt­schaft­liche Entwick­lung. Inzwi­schen hängen dort viele Arbeits­plätze vom Anbau und Handel mit Palmöl ab. Eines der Empfän­ger­länder ist Deutsch­land. Bei einem Komplett-Boykott von Palmöl würden sowohl wich­tige Einkom­mens­quellen für Menschen in den Produ­zen­ten­län­dern wegfallen als auch insge­samt mehr Flächen welt­weit zum Anbau alter­na­tiver Ölfrüchte benö­tigt werden. Dies würde die Umwelt­pro­bleme dann einfach nur in andere Regionen verla­gern. Palmöl komplett durch andere tropi­sche Öle wie beispiels­weise das der Kokos­nuss zu ersetzen, ist daher keine Lösung. Denn um die gleiche Ölmenge zu produ­zieren, würde wohl noch mehr Regen­wald gerodet werden.

Öle, die in ökolo­gisch weniger sensi­blen Regionen mit höheren Sozi­al­stan­dards ange­baut werden – wie in Deutsch­land etwa Raps- und Sonnen­blu­menöl – könnten ein Ersatz für Palmöl sein. Aber auch in Europa sind die Acker­flä­chen begrenzt und Menschen­rechts­ver­let­zungen in der Land­wirt­schaft sind nicht ausge­schlossen.
Ein bewusster Konsum ist daher wich­tiger, als das Palmöl mit anderen Ölen zu ersetzen. Der beste Weg ist, insge­samt weniger zu konsu­mieren und beim Kauf von palm­öl­hal­tigen Produkten auf Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­zie­rungen achten.

Was fordert BOS Deutschland?

Wir fordern von der Palm­öl­in­dus­trie und der Politik sowohl in Indo­ne­sien als auch in Deutsch­land und Europa:

 

  • Keine Auswei­tung von Palm­öl­plan­tagen in Wald­ge­bieten oder anderen wert­vollen Ökosystemen.
  • Kein Anbau von Ölpalmen auf Torf­moor­böden — statt­dessen Reha­bi­li­tie­rung von Torfmooren.
  • Orang-Utan- und Biodi­ver­si­täts­schutz auf allen Plantagen.
  • Auffors­tung entwal­deter, nicht genutzter Flächen mit Agro­forst­sys­temen mit natür­li­chen Baum­ar­ten­zu­sam­men­set­zungen als Korri­dorf­unk­tion für bedrohte Arten.
  • Verpflich­tende Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­zie­rung mit aner­kannten Siegeln auf allen Plan­tagen und entlang der Palmöl-Liefer­kette. Und das sowohl für produ­zie­rende als auch verar­bei­tende Unternehmen.
  • Konti­nu­ier­liche Verbes­se­rung und strenge Einhal­tung der Nach­hal­tig­keits­stan­dards, inklu­sive die konse­quente Verfol­gung von Verstößen.
  • Rück­ver­folg­bar­keit über die gesamte Liefer­kette bis zur Plantage.
  • Unter­stüt­zung von Klein­bäue­rinnen und ‑bauern bei der Zerti­fi­zie­rung bzw. der Umset­zung nach­hal­tiger Anbau­me­thoden und der Produktivitätssteigerung.
  • Zusätz­liche, nach­hal­tige Einkom­mens­quellen für die Bevöl­ke­rung. So arbeitet BOS in der Nähe der BOS-Auswil­de­rungs­ge­biete mit der Lokal­be­völ­ke­rung zusammen, um nach­hal­tige Dorf­ent­wick­lung zu fördern und alter­na­tive Einkom­mens­quellen zu Palmöl aufzu­bauen, die im Einklang mit der Natur sind.
  • Die Achtung von Land- und Menschenrechten.
  • Kein Palmöl in Biokraftstoffe.

Dauer­haft helfen

Orang-Utan-Retter werden

Retten Sie die letzten Orang-Utans Borneos. Mit Ihrer wert­vollen Unter­stüt­zung sichern Sie das Über­leben dieser einzig­ar­tigen Tiere. Erfahren Sie hier, wie Sie als Orang-Utan-Retter:in helfen können. 

EUR
Orang-Utan-Retter werden

Häufige Fragen zum Palmöl

Wie schäd­lich ist Palmöl?

Your Subtitle Goes Here

Die Abhol­zung der Regen­wälder Borneos für die Land­wirt­schaft und der Anbau von Palm­öl­plan­tagen beschleu­nigen den Klima­wandel und bedrohen die Arten­viel­falt. Dazu werden Flüsse durch die auf Plan­tagen einge­setzten Dünge- und Pflan­zen­schutz­mittel verun­rei­nigt. Die gesund­heit­li­chen Gefähr­dungen durch den Konsum von Palmöl sind noch nicht komplett beleuchtet. Doch es gibt Warnungen: Die euro­päi­sche Lebens­mit­tel­be­hörde Euro­pean Food Safety Autho­rity (EFSA) gab Mitte 2016 bekannt, dass Palmöl Krebs verur­sa­chen könne. Beson­ders bei Babys und Klein­kin­dern sei Vorsicht geboten. Die Warnungen beziehen sich jedoch nicht nur auf Palmöl, sondern auf Stoffe, die gene­rell bei Erhit­zung pflanz­li­cher Fette auf ca. 200°C entstehen und sich in Tier­ver­su­chen ab bestimmten hohen Dosen als krebs­er­re­gend erwiesen haben. Auch das Bundes­in­stitut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) stuft sie daher als bedenk­lich ein. Es sind vor allem Glyc­idyl- und andere Fett­säu­re­ester, die sich aller­dings in Palmöl in weitaus höherer Konzen­tra­tion als in anderen pflanz­li­chen Fetten bilden können. Empfohlen wird ein Grenz­wert von 30 Mikro­gramm bestimmter Fett­säu­re­ester pro Tag und Kilo­gramm Körper­ge­wicht. Das bedeutet, dass für Kinder aufgrund ihres gerin­geren Gewichts der Grenz­wert schon sehr viel früher erreicht wird. Mehr dazu können Sie hier nachlesen.

Ist Palmöl gesund? 

Your Subtitle Goes Here

Die schäd­li­chen Substanzen im Palmöl bilden sich bei starker Erhit­zung im Raffi­na­ti­ons­pro­zess. Für Palmöl, das unter gerin­geren Tempe­ra­turen verar­beitet wurde, gilt dies nicht oder nur in sehr viel gerin­gerem Maße. Rohes, unver­ar­bei­tetes Palmöl enthält sogar Stoffe wie Carotin und Vitamin E, die als gesund­heits­för­dernd gelten Letz­teres liegt zudem in einer vom Körper beson­ders gut verwert­baren Vari­ante vor. Anders aller­dings als in den Anbau­län­dern, wo es seinen Platz in der tägli­chen Küche hat, spielt rohes Palmöl in Deutsch­land nur eine Nischen­rolle. Das blumig-veil­chen­artig riechende, orange-rote und bei euro­päi­scher Zimmer­tem­pe­ratur eher wachs­ar­tige rohe Palm­fett ist bei uns fast nur in Asia­märkten und einigen Bioläden erhält­lich. Dem in den diversen Lebens­mit­teln steckenden, raffi­nierten Palmöl werden dagegen Farbe, Aroma und Vitamine nahezu voll­ständig ausge­trieben. Es ist mehr eine lebens­mit­tel­tech­no­lo­gi­sche Substanz als ein für sich stehendes Nahrungsmittel.

Warum wird so viel Palmöl verwendet? 

Your Subtitle Goes Here

Der große Vorteil von Palmöl gegen­über anderen pflanz­li­chen Ölen ist die vergleichs­weise hohe Produk­ti­vität auf kleinem Raum. So können 3,7 Tonnen Öl aus einem Hektar Land pro Jahr entstehen. Im Vergleich dazu kann man aus einem Hektar Raps nur 1,3 Tonnen Öl gewinnen. Die Produk­ti­vität der Sonnen­blumen liegt bei 0,9 Tonnen Öl, die der Kokos­palme bei 0,8 und die der Soja­bohne 0,5 Tonnen Öl pro Jahr und Hektar. Das ist einer der Gründe für die hohe Wirt­schaft­lich­keit — das heißt, den güns­tigen Preis — und dadurch viel­sei­tige Verwen­dung von Palmöl.

Wo wächst die Ölpalme?

Your Subtitle Goes Here

Die Ölpalme kommt ursprüng­lich aus West­afrika, hat aber schon längst eine neue Heimat in Indo­ne­sien und Malay­sien gefunden. Mitt­ler­weile hat sie es sogar nach Südame­rika geschafft und wird unter anderem in Kolum­bien und Brasi­lien indus­triell angepflanzt.

Woher erkenne ich welche Produkte Palm­fett beinhalten?

Your Subtitle Goes Here

Diese Infor­ma­tion sollte bei den Inhalts­stoffen jedes Produktes stehen. Doch leider wird das Wort Palmöl oft durch den Begriff Pflan­zen­fett oder andere chemi­sche Bezeich­nungen ersetzt wird, die nicht klar erkennen lassen, dass es sich um Palmöl handelt. Eine komplette Liste mit Bezeich­nungen finden Sie hier.

Palm­öl­be­zeich­nungen, Alter­na­tive Namen zum Palmöl auf Produkten

Auch gibt es einige Apps, die nach dem Scannen des Barcodes diese Hinweise geben .

Welche Produkte beinhalten Palmöl?

Your Subtitle Goes Here

Palmöl steckt zum Beispiel in Tüten­suppen, Gebäck aller Art, Scho­ko­laden- und Prali­nen­fül­lungen und vielen anderen verar­bei­teten Lebens­mit­teln. Auch in Kosme­tika, Wasch­mit­teln und in soge­nanntem Biosprit findet sich das Palm­fett. Im Grunde kommen wir in unserem Alltag kaum daran vorbei. Ein Blick auf die Inhalts­stoffe gibt Aufschluss.

Sonja Wende

Sie haben Fragen?

Sonja Wende hilft Ihnen gerne weiter.

Spenden sind Vertrauenssache

1

Eine trans­pa­rente Mittel­ver­wen­dung ist für uns selbst­ver­ständllich. Wir haben uns im September 2013 der Initia­tive Trans­pa­rente Zivil­ge­sell­schaft ange­schlossen und unter­zeich­neten deren Selbstverpflichtungserklärung.