Moni­to­ring in den Auswilderungswäldern

Die Arbeit von BOS hört mit der Auswil­de­rung nicht auf. Unsere „Post-Release-Moni­to­ring-Teams“ (PRM-Team­s/­Be­ob­ach­tungs­teams) streifen regel­mäßig durch unsere Auswil­de­rungs­ge­biete auf Borneo, um die frei­ge­las­senen Tiere aufzuspüren.

beob­achten, sammeln, schützen, helfen

Über die Beob­ach­tung finden sie heraus, ob es den Orang-Utans im Regen­wald gut geht. Kommen sie in der Frei­heit zurecht? Finden sie genug Nahrung? Bauen sie sich Schlaf­nester? Oder müssen gege­be­nen­falls kranke Tiere zurück­ge­holt und medi­zi­nisch versorgt werden? Vor allem direkt nach der Auswil­de­rung werden die Tiere rund um die Uhr beobachtet.

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Was ist Orang-Utan-Monitoring?

1Täglich wandern unsere Beob­ach­tungs­teams — oder auch Ranger — durch unsere viele tausend Hektar großen Auswil­de­rungs­ge­biete und sammeln wich­tige Daten, mit deren Hilfe wir auch die Ausbil­dung unserer Schütz­linge in den Rettungs­zen­tren immer weiter verbes­sern. Zum Moni­to­ring gehören demo­gra­fi­sche, ökolo­gi­sche, tier­me­di­zi­ni­sche und Verhal­tens-Studien. Gemessen werden unter anderem die Verbrei­tung, soziale Inter­ak­tionen, wie das Repro­duk­ti­ons­ver­halten aussieht, welche Nahrung wann und wo im Gebiet zur Verfü­gung steht, welche Krank­heiten vorkommen, Todes­fälle einschließ­lich mögli­cher Gründe als auch der Einfluss der Auswil­de­rungen auf das vorhan­dene Ökosystem. Alles wich­tige Daten für die Forschung und Indi­ka­toren für die Biodiversität.

Die PRM-Teams machen regel­mäßig Fotos, wenn sie die Orang-Utans entde­cken. Die Aufnahmen dienen neben dem Bild­ma­te­rial aus den Kame­ra­fallen der Doku­men­ta­tion und ermög­li­chen uns, regel­mäßig über die Entwick­lung der Tiere zu berichten. Das abso­lute High­light ist es, wenn ein ausge­wil­dertes Orang-Utan-Weib­chen mit einem neuge­bo­renen Baby gesichtet wird. Denn „wild born babies“ sind ein sicheres Zeichen, dass die Auswil­de­rung geglückt, und unsere Arbeit erfolg­reich ist.

Wie oft wird ein Moni­to­ring gemacht/durchgeführt?

In den ersten zwei Wochen nach einer Auswil­de­rung werden die Tiere von Nest zu Nest ständig beob­achtet. Die PRM-Teams bleiben in dieser Zeit vor Ort und über­nachten in provi­so­ri­schen Camps in der Nähe. Sie folgen den Neuen Wilden, bis sie sich in ihrem Schlaf­nest zur Ruhe begeben haben und stehen vor Morgen­grauen unter dem Nest bereit, um ihre Beob­ach­tungen wieder aufzunehmen.

Doch auch danach patrouil­lieren die speziell dafür ausge­bil­deten Teams regel­mäßig durch die BOS-Auswil­de­rungs­ge­biete. Sie leben für mehrere Monate, voll­kommen fern jegli­cher Zivi­li­sa­tion in festen Camps im Regen­wald und machen sich täglich auf ihre Streif­züge durch das unweg­same, schwer durch­dring­liche Gelände. Da die Reich­weite der implan­tierten GPS-Sender nur etwa 500 m beträgt, müssen die Teams regel­mäßig „ausschwärmen“ und es gehört durchaus Glück dazu, auf ausge­wil­derte Orang-Utans zu treffen, hoch oben in den Kronen der Bäume ihrem Tages­ge­schäft nachgehen.

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Jede Beob­ach­tung wird genau dokumentiert

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Schlaf­nester sind sichere Indizien

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Funk-Empfänger helfen beim Aufspüren

Welche Ausrüs­tung braucht man?

  • Funkt­e­le­me­trie-Empfänger

Dieser Empfänger ist ein Muss für jedes Orang-Utan-Auswil­de­rungs­pro­gramm. Vor der Auswil­de­rung wird jedem Orang-Utan ein kleiner Funk­sender in den Rücken implan­tiert, der sie in ihrer Bewe­gung nicht einschränkt (externe Sender, wie sie z. B. bei Vögeln oder Wölfen verwendet werden, sind bei Orang-Utans unge­eignet, da die Gefahr besteht, dass sie beim Klet­tern in den Bäumen daran hängen bleiben). Jedes Implantat sendet ein indi­vi­du­elles Signal aus, das vom Empfänger gelesen werden kann. So können wir Orang-Utans loka­li­sieren und iden­ti­fi­zieren. Während die Beob­ach­tungs­teams durch den Dschungel wandern, halten sie regel­mäßig an, um nach den verschie­denen Signalen zu suchen. Wenn ein Signal erkannt wird, piept der Empfänger wieder­holt. Je geringer der Abstand zu einem Orang-Utan wird, desto lauter wird das Piepen.

  • Digi­tal­ka­mera

Auch auf Digi­tal­ka­meras sind wir drin­gend ange­wiesen, vor allem auf solche mit einem leis­tungs­starken Zoom. So können wir Fotos und Videos der von uns über­wachten Orang-Utans und der Arten­viel­falt des Waldes aufnehmen. Da Orang-Utans den größten Teil ihres Lebens hoch oben in den Bäumen verbringen, ist die Kamera umso nütz­li­cher, je stärker der Zoom ist.

  • Trag­bares GPS-Gerät

Wenn man nicht aufpasst – und kein GPS-Gerät dabeihat, kann man sich im Dschungel leicht verirren. Für unsere Beob­ach­tungs­touren ist es wichtig, dass wir genau aufzeichnen können, wo sich die Orang-Utans befinden. Und wenn wir eine Nest-zu-Nest-Beob­ach­tung durch­führen, müssen wir in der Lage sein, die genauen Koor­di­naten des Schlaf­nestes aufzu­zeichnen, damit das nächste Über­wa­chungs­team dieses am nächsten Morgen auch im Dunkeln loka­li­sieren und die Beob­ach­tung des Orang-Utans fort­setzen kann.

  • Trag­bares Funkgerät

Da es im Regen­wald keinen Handy­emp­fang gibt, sind trag­bare Funk­ge­räte oder – wie man sie gemeinhin nennt – Walkie-Talkies, unser Haupt­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mittel. Sie dienen uns als Koor­di­na­tions- und Sicher­heits­in­stru­ment. Unsere Teams sind in mehreren kleinen Gruppen im Wald unter­wegs und dabei oft durch große Entfer­nungen vonein­ander getrennt. Dank der trag­baren Funk­ge­räte sind wir immer in der Lage, mitein­ander oder mit dem Camp zu kommunizieren.

  • Fern­glas

Es ist nicht einfach, Orang-Utans zu entde­cken, da sie hoch oben in den Wipfeln der Bäume leben, gut versteckt hinter Blät­tern. Haben wir einen Orang-Utan gesichtet, kann es eine echte Heraus­for­de­rung sein, ihn im Auge zu behalten. Hier kommt das Fern­glas ins Spiel. Damit haben wir sie besser im Blick und können auch auf die Entfer­nung beob­achten, was sie gerade machen und welche Früchte und Blätter sie gefunden haben. Auch bei unseren monat­li­chen phäno­lo­gi­schen Unter­su­chungen brau­chen wir das Fern­glas, um das Vorkommen und die Menge an Früchten, Blät­tern und Blüten in ausge­wählten Bäumen abzuschätzen.

  • Wasser­dichte Packsäcke

Auch auf Digi­tal­ka­meras sind wir drin­gend ange­wiesen, vor allem auf solche mit einem leis­tungs­starken Zoom. So können wir Fotos und Videos der von uns über­wachten Orang-Utans und der Arten­viel­falt des Waldes aufnehmen. Da Orang-Utans den größten Teil ihres Lebens hoch oben in den Bäumen verbringen, ist die Kamera umso nütz­li­cher, je stärker der Zoom ist.

  • Daten­blätter und Schreibwaren

Bei der Beob­ach­tung von Orang-Utans sammeln wir mithilfe von Daten­blät­tern, die speziell für die Aufzeich­nung von allge­meinem Verhalten, Nestbau und dem Hören von „Long Calls“ entwi­ckelt wurden, akri­bisch Daten. Auch bei unseren phäno­lo­gi­schen Unter­su­chungen verwenden wir Daten­blätter, die speziell für die Beob­ach­tung unserer markierten Bäume und Pflanzen entwi­ckelt wurden.

  • Uhren

Wenn wir Orang-Utans beob­achten, führen wir soge­nannte Fokus-Verfol­gungen durch. Das bedeutet, dass wir alle paar Minuten zu fest­ge­legten Zeiten die Akti­vität eines ausge­wählten Orang-Utans aufzeichnen. Es ist daher beson­ders wichtig, dass wir genaue und zuver­läs­sige Uhren haben, die uns darüber infor­mieren, wann wir diese wich­tigen Daten proto­kol­lieren müssen.

  • Stirn­lampen

Häufig beginnen unsere Beob­ach­tungen, ehe die Sonne aufgeht. Oder sie enden, nachdem sie bereits unter­ge­gangen ist. Das heißt, wenn wir zurück ins Lager gehen, müssen wir im Dunklen durch den Dschungel wandern. Das ist selbst bei taghellem Sonnen­schein schon eine Heraus­for­de­rung aufgrund des unebenen Bodens und des dichten Unter­holzes. Wenn wir also im Dunkeln wandern müssen, brau­chen wir auf jeden Fall eine Stirn­lampe, die uns den Weg leuchtet.

  • Regen­mäntel

Im Dschungel erhalten wir keine Wetter­be­richte, die uns vor einem plötz­li­chen Regen­sturm warnen. Selbst mit einem dichten Blät­ter­dach über unseren Köpfen kann uns ein starker Regen­guss immer noch komplett durch­nässen. Deshalb kann sich kein Mitglied unseres Beob­ach­tungs-Teams vorstellen, das Lager ohne einen Regen­mantel im Gepäck zu verlassen. Denn der hält uns zumin­dest trockener.

  • Kleine Ruck­säcke

All diese Ausrüs­tungs­ge­gen­stände per Hand durch den Dschungel zu tragen, wäre nicht nur unprak­tisch, sondern schlicht unmög­lich. Darum hat jedes Team­mit­glied seinen eigenen Ruck­sack, in dem alle wich­tigen Dinge des tägli­chen Bedarfs – von der Ausrüs­tung bis zum Mittag­essen – mitge­nommen werden.

 

Jeder Gegen­stand auf dieser Liste ist für unsere tägliche Arbeit in den Auswil­de­rungs­wäl­dern von entschei­dender Bedeu­tung. Daher geben wir immer unser Bestes, alles trotz der widrigen Bedin­gungen in Ordnung zu halten. Sobald eine Sache nicht gebraucht wird, reinigen wir sie und packen sie in eine behelfs­mä­ßige Trockenbox, die mit feuch­tig­keits­ab­sor­bie­rendem Sili­kagel gefüllt ist. Nichts­des­to­trotz führt die Arbeit in einer so feuchten Umge­bung dazu, dass elek­tro­ni­sche Geräte schneller mal ausfallen und dass Klei­dung nicht sehr lange hält. Ganz gleich, wieviel Mühe man sich gibt.

Bei der Arbeit müssen wir auch sehr auf unsere Ausrüs­tung aufpassen – das Inter­esse eines neugie­rigen Orang-Utans ist schnell geweckt… Wir wollen nämlich nicht, dass die Orang-Utans unsere Ruck­säcke oder Teile der Ausrüs­tung als unter­halt­same Abwechs­lung oder mögliche Nahrungs­quelle inter­pre­tieren. Darum: Wenn wir irgend­etwas aus unseren Taschen heraus­holen, machen wir dies immer außer­halb des Sicht­felds eines Orang-Utans.

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Moni­to­ring braucht Geduld

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Beob­ach­tung in freier Wild­bahn ist Glücksfall

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Ohne Fern­glas geht es nicht

Dauer­haft helfen

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