Regenwaldschutz und Regenwaldbedrohung

Das erwartet uns 2019

Datum

Mittwoch, 23. Januar 2019 - 16:00

Weltweit war 2018 kein gutes Jahr für die tropischen Regenwälder. So gab es harte Rückschritte im Regenwaldschutz in Brasilien, in der Demokratischen Republik Kongo, auf Madagaskar und in den USA – zusätzlich zu den ohnehin hohen Waldverlusten rund um den Globus. Doch wie wird es 2019 weitergehen?

Von zentraler Bedeutung für den Waldschutz werden sicherlich die folgenden Themenfelder sein, auf die wir hier ein kleines Spotlight setzen wollen: die Zusammensetzung von Biokraftstoffen in Europa und den Anbauländern, die Präsidentschaftswahlen in Indonesien, die globale Wirtschaftsentwicklung, Brasiliens Waldpolitik unter dem neuen Präsidenten Bolsonaro, die US Politik, die Abstimmung über eine neue kalifornische Klimakompensationsnorm, die Demokratische Republik Kongo nach den Wahlen, die politischen Entscheidungen bezüglich der Artenvielfalt, eine Verpflichtung zur Senkung der weltweiten Abholzung und neue technische Entwicklungen in der Waldüberwachung.

 

Palmöl in Biokraftstoffen


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Der Preis für Palmöl ist so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Deshalb versuchen die Regierungen Palmöl produzierender Länder, mit allen Mitteln die Nachfrage nach Palmöl zu steigern. So plant Indonesien selbst eine B30-Bio-Diesel-Verordnung, wonach Dieselkraftstoff im Land zu 30 Prozent aus biologischen Rohstoffen, also Palmöl bestehen muss. Geforscht wird aktuell an einem Kraftstoff, der zu 100 Prozent aus Palmöl besteht. Malaysia hat kürzlich die Quote von sieben auf zehn Prozent erhöht. Die Umweltschutzstandards für den Anbau von Palmöl das als Treibstoff genutzt wird, sind aktuell minimal und vergrößern so den Marktanteil für Palmöl, das nicht zumindest nach RSPO-Richtlinien gewonnen wurde.
Auch außerhalb der Produktionsländer geht die Debatte über die Verwendung weiter. Die EU beschloss eine Obergrenze für Palmöl in Kraftstoffen, die eine Reduzierung auf Null bis zum Jahr 2030 vorsieht. Im ursprünglichen Gesetzentwurf wurde Palmöl explizit erwähnt, doch inzwischen wurde der Absatz umformuliert. Nun muss die EU-Kommission bis voraussichtlich Anfang Februar definieren, welche Rohstoffe ein hohes Risiko einer sogenannten indirekten Landnutzungsänderung (indirect Land Use Change, kurz iLUC) beinhalten und damit nicht mehr in Biodiesel enthalten sein dürfen – oder sehr verkürzt: ob und wie Palmöl und andere Lebensmittel ab 2023 bis 2030 in Kraftstoffen verwendet werden dürfen. Dagegen wehren sich die Palmöl-Anbauländer Indonesien und Malaysia aktuell mit aggressiver Lobbyarbeit und drohen gar mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation, falls die EU Palmöl tatsächlich als Pflanze mit einem hohen iLUC-Risiko einstuft.
Norwegen ist bereits einen großen Schritt weiter: ab 2020 wird hier im Biodiesel kein Palmöl mehr enthalten sein.

 

Die Wahlen in Indonesien



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Im April 2019 finden in Indonesien Präsidentschaftswahlen statt. Die Entscheidung fällt zwischen dem Amtsinhaber Joko „Jokowi“ Widodo und seinem Herausforderer Prabowo Subianto, einem ehemaligen General. Jokowi gilt in Bezug auf Regenwaldschutz und die nachhaltige Entwicklung seines Landes als fortschrittlich und positiv, während Prabowo ein Vertreter der „alten Garde“ ist, der deutlich auf Seiten der Industrie und nicht auf Seiten des Naturschutzes steht.

Allerdings hat sich insbesondere die Allianz der indigenen Völker dieser Inselgruppe (AMAN), die für die Rechte der Ureinwohner eintritt, dazu entschlossen, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen. Damit wollen sie ihre Unzufriedenheit in Bezug auf die schleppende Umsetzung eines Urteils über die Landrechte der Ureinwohner aus dem Jahr 2013 kundtun.

 

Mögliche Auswirkungen durch die Weltwirtschaftsentwicklung

Eine sich langsamer entwickelnde Weltwirtschaft kann sowohl Vor- als auch Nachteile für den Regenwald haben. Auf der einen Seite könnte dann weniger Geld für Schutz- und Wiederaufforstungsprojekte zur Verfügung stehen. Andererseits kann bei einer Wirtschaftskrise die Nachfrage nach gewissen Rohstoffen sinken und so der Anbau zulasten von Regenwaldflächen wirtschaftsbedingt reduziert werden. Der Rohstoffmarkt von Palmöl musste zuletzt aufgrund von härteren Zertifizierungsstandards wie der Einführung eines Abholzungsverbotes von Regenwald durch den RSPO einige Rückschläge hinnehmen.

 

Kehrtwende im Natur- und Regenwaldschutz unter Brasiliens neuem Präsidenten Bolsonaro




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Jair Bolsonaros Wahlkampf basierte auf Versprechen, die zum Beispiel auch eine Reduzierung des Regenwaldschutzes, eine Einschränkung der Rechte der indigenen Bevölkerung sowie ein Austreten Brasiliens aus dem Pariser Klimaschutzabkommen enthielt. All das sind schlechte Nachrichten für den bereits jetzt sehr in Mitleidenschaft gezogenen Amazonas-Regenwald und seine Rolle im internationalen Klimaschutz. Schon heute leidet der Amazonas unter steigenden Abholzungen, einer durch den Klimawandel hervorgerufenen Häufung von Trockenheit und Waldbränden und einer durch den von der US-Regierung angezettelten Handelskrieg gesteigerten Nachfrage Chinas nach brasilianischen Agrargütern. Unter Bolsonaro, seiner neuen Ministerin für Landwirtschaft Tereza Cristina und seinem neuen Umweltminister Ricardo Salles, ist zu befürchten, dass Brasilien Umweltschutzbestimmungen für Infrastrukturprojekte aufhebt, ein Mega-Staudamm-Projekt am Amazonas wiederaufleben lässt, die Forstgesetze lockert, Schutzflächen verkleinert, Waldüberwachungs- und Umweltschutzkontrollen reduziert und die Strafen für illegalen Holzeinschlag reduziert. Die Gefahr für Umweltschutzaktivisten, Journalisten und Stammesführer der indigenen Bevölkerung könnte auf Grund des neuen politischen Diskurses und steigendem Populismus ansteigen.

 

Die US Politik

Noch ist ungewiss, ob die Tatsache, dass nun die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernommen haben, zu einer Änderung der Klimapolitik in den USA führen wird. Die Bemühungen der Trump-Regierung, internationale Umweltschutzprojekte nicht mehr zu fördern bzw. einzustellen, wurden zum Teil vorher schon vom Kongress aufgehalten. Der Präsident ist allerdings ein lautstarker Gegner von Klimaschutzprojekten und anderen Initiativen zum Schutz des Regenwaldes. Ob es in der aktuell angespannten und zerrissenen politischen Situation beispielsweise möglich sein wird, ein Gesetz zur Einführung einer CO₂-Steuer durchzukriegen, ist eine der wichtigsten klimapolitischen Fragen bezüglich der Entwicklungen in den USA.

 

Kaliforniens neue Wege im Emissionshandel

Im April wird Kalifornien über den „Tropical Forest Standard“ (TFS) abstimmen. Dies könnte den Weg bereiten, um internationale Waldschutzprojekt (z. B. REDD+) in den kalifornischen Emissionshandel aufzunehmen. Sollte TFS wie geplant angenommen werden, kann dies den Schutz von Wäldern und deren nachhaltige Bewirtschaftung fördern. Mit diesen CO₂-Kompensationen wird Waldgebieten, beziehungsweise dem darin gespeicherten Kohlenstoff, ein monetärer Wert zugewiesen. So sollen Wälder als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiver gegenüber einer Abholzung gemacht werden. TFS ist allerdings sehr umstritten. Vor allem die indigene Bevölkerung Ecuadors, Brasiliens und Mexikos fürchten, TFS würde die Rechte der Regenwaldbewohner verletzen.

 

Gefahr für den Regenwald im Kongo

Nach den chaotischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Demokratischen Republik Kongo am 30. Dezember 2018, bestehen nach wie vor Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Wahlsiegs von Oppositionskandidat Felix Tshisekedi. Es mehren sich Hinweise auf Manipulationen, die zu Unruhen in der Bevölkerung führen könnten. Dies könnte auch Nachteile für Afrikas größten Regenwald mit sich bringen, der schon jetzt von immer stärker werdender Abholzung bedroht ist. Im Kongobecken (erstreckt sich über sechs Länder) befindet sich eines der großflächigsten Torfmoorgebiete der Welt, das fast ein Drittel des gesamten in tropischen Mooren gespeicherten Kohlenstoffs enthält. Sollte das Torfmoorwald im Kongobecken zerstört werden, könnten Milliarden Tonnen CO₂ freigesetzt werden.

 

Politische Entwicklung hin zu mehr Artenvielfalt




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Die Konferenz der Unterzeichner der Biodiversitätskonvention (Conference of the Parties of the Convention on Biological Diversity, CBD) entwickelte die Aichi Artenschutzziele im Jahr 2009 als Startpunkt für ein UN-Zeitalter der biologischen Vielfalt. Weniger als zwei Jahre verbleiben den Unterzeichnern der Konvention, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Interessenvertreter denken bereits darüber nach, die angestrebten Ziele auf der Konferenz in China (2020) weiter zu verbessern.
Naturschützer sehen 2019 als wichtigen Zeitpunkt, um das globale Bewusstsein für die Bedrohung der Artenvielfalt zu schärfen.
Auch die im Mai anstehenden EU-Wahlen sind in diesem Zusammenhang entscheidend, da das EU-Parlament eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer neuen Biodiversitätsstrategie bis 2030 spielt.

 

Verpflichtung zur Senkung der weltweiten Abholzung

40 Regierungen, 20 nachgeordnete Behörden, 57 multinationale Konzerne, 16 Vereinigungen indigener Völker sowie 58 Nichtregierungsorganisationen hatten sich 2014 beim informellen Sondergipfel zum Klimaschutz in New Yorker dazu bereiterklärt, die globale Abholzung bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Noch sind wir davon ein ganzes Stück entfernt. 2019 könnte also ein Jahr der gesteigerten Aktivitäten für den Waldschutz werden, um die gesteckten Ziele noch zu erreichen.

 

Waldüberwachungstechnologie

Die satellitengestützte Überwachung von Waldgebieten zur schnellen Entdeckung von Waldbränden oder illegaler Abholzung, wird immer leistungsfähiger. Probleme gibt es allerdings noch in der Überwachung und dem Schutz der Artenvielfalt, die via Satelliten nicht wirklich möglich ist. Doch es gibt Fortschritte im Bereich bioakustischer Systeme (die Tierarten anhand ihrer Laute erkennen), bei Fotofallen und anderen in Bodennähe angebrachter Systeme. Auch die Nutzung von künstlicher Intelligenz rückt mehr und mehr in den Fokus, um den Herausforderungen des Artenschutzes zu begegnen.

 

Quellen:

https://news.mongabay.com/2019/01/rainforests-storylines-to-watch-in-2019/

https://www.euractiv.com/section/agriculture-food/news/palm-oil-ban-on-the-ropes-as-commission-weighs-options/?fbclid=IwAR0C8MrEEh5IibuV7P4ytHHaMq4hFTTiwMVcGesuB-osxl8yuwmHV8G2zpY

https://www.euractiv.com/section/agriculture-food/news/time-is-running-out-for-biofuels-sustainability-criteria/

https://www.reuters.com/article/us-california-climatechange-carbon-fores/california-split-over-carbon-trading-plan-for-tropical-forests-idUSKCN1P31OP

https://www.tagesschau.de/ausland/wahlen-kongo-101.html

https://www.dw.com/de/tv-duell-im-indonesischen-wahlkampf/a-47127656

https://www.dw.com/de/bolsonaro-nimmt-den-regenwald-ins-visier/a-46969378

https://www.nature.com/articles/nature21048

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